… der meinen Roller geklaut hat. Du bist ein Huhrensohn vor dem Herren, und wenn ich dich jemals auf meinem Roller rumfahren sehe, kannst du dich auf nen gewaltigen Roundhousekick freuen. Wegen dir musste ich heute vier Stunden in der brütenden Hitze beim Dorfpolizisten rumsitzen, mir von meinem Vater Geschiss anhören und jeglichen Spaß am Tag verderben lassen.
Ein paar klitzekleine Fragen an dein Erbsenhirn hätte ich aber doch. Erstens, warum kommst du dann auf die Idee, meinen Roller zu klauen, wenn mein Helm drin liegt? Warum musst du dafür unbedingt die Garage aufbrechen, wenn ich ihn sowieso die meiste Zeit vor der Haustür stehen habe? Warum, du kleine Missgeburt, musst du ausgerechnet an DIESEM Wochenende, wo ich das Auto nicht habe, auf deine verkackte Idee kommen?! Und warum, Herrgott, kann ich dir nicht gleich jetzt die Eier absäbeln und sie an deine Mutter verfüttern?
UND WARUM KANNST DU NICHT WENIGSTENS EINEN ZETTEL MIT DER ERINNERUNG DA LASSEN, DAS MORGEN VERKACKTER MUTTERTAG IST?! Nicht mal das kann man den Leuten heutzutage zutrauen, nicht mal das. Ach, ihr verhurten Kackstifte, geht doch alle mal bitte in euren Gasbunker zurück und lasst euch richtig derbe in den Arsch ficken, diese Null Sterne Leben geht mir aufn Sack (und außerdem bestätigt das mal wieder die höchst annehmbare Theorie, dass auf alles, was gut ist, direkt etwas schlechtes folgt, KARMA, ich sags euch, Karma…)
Ich finde es ja wirklich toll, bei so einem Wetter entspannt mit Freunden auf einer großzügigen Gartenterrasse zu grillen und Bier zu trinken und verkorkstes Fleisch zu essen weil keiner weiß wie man den 3000-Euro-Grill überhaupt benutzt. Wirklich, ich mag das. Dass ich dabei Kette rauche und Unmengen von Geld ausgeben muss, weil Fleisch anscheinend zur Luxusware aufgestiegen ist, lasse ich dezent bei Seite, man gönnt sich ja sonst nix. Mich verblüfft immer nur die Ausdauer meiner Mitmenschen, bei solchen Abenden bis morgens hinein da rumzusitzen und sich voll laufen zu lassen. Ich finde, wenn man sich um 7 trifft, die letzten Sonnenstrahlen genießt, um 9 isst und um halb 11 das 6. Bier trinkt plus 3 kurze Vodka, dann reicht das. Irgendwann hat man sich ja auch nichts mehr zu sagen, dann sitzt man da so rum und guckt sich doof an und erzählt sich wunderbare “Deine Mudda” Witze (Deine Mutter zieht Lastwagen auf DSF - Ja, aber DEINE Mutter wird auf DSF gezogen!) und selbst bei lediglichen 8 Leuten bilden sich wieder kleine Cliquen-Grüppchen, keiner weiß wieso, und das war’s.
Außerdem macht Bier müde, und dann denk ich mir, latsch ich halt nach Hause und zieh mir jetzt Subway auf 3Sat rein. Das ich mal wieder als Partyunmensch abgestempelt werde ist mir gerade herzlich latte, und außerdem habe ich entschieden, nur noch Alkohol zu trinken, wenn ich tatsächlich tanzen gehe, alles andere macht ja doch keinen großen Sinn, und hübsche Männer waren eh nicht da.
Muss gleich babysitten, aber erstmal die Zusammenfassung der letzten paar Tage:
Gammeln, See, EC Karte verloren, Pleite, Grillen, Lachen, Party, Schule schwänzen, Arbeiten, Roller fahren, Fotos machen, StudiVZ, Tanzen, Trinken (nicht zu viel), Extremely Loud & Incredibly Close nochmal lesen, Geschichte lernen (mündliche Prüfungen in 2 Wochen), neue Freunde, coole Menschen, muss unbedingt duschen, Leibnizkekse, mich nicht trauen zu schwimmen weil das Wasser echt noch Arschkalt ist, überlegen ob ich mir eine Saisonkarte kaufen soll, kein Geld mehr für Sprit (Roller, logisch!), morgen Geld vom Sparkonto abheben für ‘nen Laptop und hoffen dass ich mir W-Lan herwünschen kann weil sonst Problem, morgen anfangen Bewerbungen vorzubereiten für Unis, Abischnitt wahrscheinlich 2,4 und ich scheiss jetzt einfach drauf.
Blog des Jahrtausends: Nothing For Ungood
Ich wollte mich gerade herzhaft über dieses ganze Arschhaargedöhns mit Schule und Abitur und Notenschnitt auslassen, aber ich hab doch keinen Bock, das geht mir alles viel zu sehr auf den Sack, die ganze Schlumpfscheisse, ich will echt nicht mehr, geh jetzt saufen oder so.
Das ist ja schrecklich, wenn auf Konzerten auf einmal die Bands so Mallorcamässig zum Mitmachen animieren! Ich kann mir das kaum vorstellen, aber ich wäre wirklich erschüttert, wenn, sagen wir mal, ich mich gerade beim Clap Your Hands Say Yeah! Konzert befinden würde, und alles wäre knorke, obwohl ich Clap Your Hands Say Yeah jetzt nicht unbedingt toll finde, und auf einmal wollen die dass das Publikum in die Hände klatscht und Yeah schreit… ich fänd das echt extrem behindert, wirklich, ganz schrecklich, schämen müsste ich mich da! Konzerte sind für Musik da!
So. Ich habe keine Ahnung, wie ich darauf jetzt gekommen bin, aber eigentlich wollte ich mich über was ganz anderes aufregen (denn dafür sind Blogs schließlich da), nämlich darüber, dass der Geiz bei uns jetzt eingezogen ist und wir uns nur noch bei Kik einkleiden. Zumindest fast. Ist ja nicht genug, dass meine Eltern jetzt seit Jahren schon jedes Schuljahr mit dem gleichen Spruch kommen:
“Sara, dieses Jahr, dieses Jahr wird’s wirklich, wirklich knapp mit dem Geld, dieses Jahr!”. Jedes. Verdammte. Jahr. Ich meine, ich hab ernsthaft keine Ahnung, womit man sich als Erwachsener, als Elternteil oder als haushaltführender Mensch so abgeben muss, mit Steuererklärung und sowas, ich möchte das jetzt gar nicht schlecht machen; aber irgendwie wird’s irgendwann auch nicht mehr glaubhaft, wenn erst so ein Spruch kommt und drei Wochen später drei neue Laptops angeschafft werden, man in den Urlaub fliegt und vor der Haustür ein Cabrio steht. UND DANN KANN ICH NOCH NICHT MAL NACH ZEHN EURO FRAGEN WEIL ICH EINE EXKURSION IN DEN ZOO MIT DER SCHULE HABE OHNE DABEI ZUR SAU GEMACHT ZU WERDEN WEIL MAN JA SELBER GELD VERDIENT UND NICHT STÄNDIG BETTELN SOLL! Das mich mein Vater noch um Geld anbettelt, ist echt alles!
Letztens, zum Beispiel. Da hat er sich mein, MEIN AUTO, hat er sich geliehen, und ich war so gnädig ihn zu lassen (WANN HAT ER MICH JEMALS DAS CABRIO FAHREN LASSEN?!?! WANN MÖCHTE ICH WISSEN!), mit dem Spruch “Aber Vadda, wenn du damit fahren willst, musst du glaub ich tanken weil nix mehr drin ist”. Er hat für ganze anspruchsvolle zehn Euro getankt und ca. 5 verfahren. Und dann hat er die Dreistigkeit, mich darum zu bitten, ihm doch bitte den Rest (5, oder in Worten: FÜNF!!!! Euro) zurückzugeben, weil, dieses Jahr, dieses Jahr ist es wirklich knapp mit’m Geld..
Alles schön und gut. Bis hierhin: echt kein Ding. Dann sparen wir halt mal am Gemüse, holen nur noch Obst, dass in Deutschland wächst (Äpfel und wenn die Saison gut ist auch mal Erdbeeren) und generell darf jetzt auch keiner mehr zwei Flaschen gleichzeitig anbrechen weil das Verschwendung ist. Alles kein Problem. Ich hab auch nie was gesagt, als der Erziehungsberechtigte dann anfing, die billige Kräuterzahnpasta vom Aldi zu holen, WEIL SIE GANZE ZEHN CENT BILLIGER IST ALS DIE VON DER MAN NICHT DIREKT KOTZEN MUSS. So. Und dass ich mir nicht mehr regelmäßig die Zähne putze hat nichts damit zu tun, dass ich zu faul oder unhygienisch bin, nur dass das mal klargestellt wurde.
Jetzt ist allerdings meine Geduld am Ende. Wirklich, ich bin drauf und dran meine Eltern zu verkaufen. Eines Tages komme ich nach Hause und möchte mir einen gemütlichen Abend machen. Hab also die geschmuggelte Ware (super-teure Cola, super-teure Chips die nicht direkt schon in der Tüte einfallen) ins Zimmer geschleppt, mich leise vor den Fernseher gesetzt und nach drei Stunden gemerkt, dass ich mal muss. Ich also auf’s Klo, auch bis hier hin gar kein Ding. Der Vorgang an sich: Problemlos. Aber dann. DANN.
ZWEILAGIGES TOILETTENPAPIER.
Zwei.Lagig. DAS IST FAST GENAUSO DÜNN WIE EIN. LAGIG.
Ich meine, was DENKEN DIE SICH DABEI?! Gehen die nicht auf’s Klo? Denken die sich, oho, das Papier ist so schön dünn, DANN HAB ICH JA JETZT EINE BERECHTIGUNG DAFÜR MAL NOCH MEHR TOILETTENPAPIER ZU BENUTZEN WEIL ICH SONST MEINEN KOT AN DEN FINGERN KLEBEN HABE?! Denken die das?! Kann mir das mal bitte einer sagen, DENKEN DIE DAS WIRKLICH? Ich meine, ich sehe ja ein, sparen zu müssen, und das wir es nicht Dicke mit dem Geld haben hab ich bereits auch gemerkt, ernsthaft, hab ich, es hat lange gedauert, ABER JETZT IST GUT. Aber muss man da WIRKLICH auf sowas wie, ich weiß nicht, mindestens mal VIERlagiges Toilettenpapier verzichten, ja? Muss man das? Kann man nicht stattdessen lieber, ich weiß nicht, mit Hand spülen oder mal drei Tage nichts essen?
Ich muss gleich weinen! Wie ist das denn, wenn die eigene Tochter nicht mehr auf’s hauseigene Klo gehen will, weil sie Angst hat, sich mit Kolibakterien zu infizieren oder zumindest Mal Narben am Arsch davonzutragen? Da kann ich mich ja gleich mit Rasierklingen abwischen! Was soll das denn hier überhaupt, alles scheisse, ich sag’s euch! Ich hoffe für jeden, dass er das niemals mitmachen muss, zweilagiges Toilettenpapier, eine Schmach ist das, das ist sowieso jetzt das Ende und der Abgrund von allem, das war das Ende vom Luxus, so sieht’s aus, und so wollen die uns das beibringen, die sagen: “Kinder, eure PC’s und eure Fernseher und die Autos und die Handys dürft ihr alle behalten, aber zweilagiges Toilettenpapier, DAS ist es, woran wir jetzt sparen, damit ihr mal merkt, wie schlecht es uns geht!” DER PÄDAGOGISCHE GEHALT DIESES GEDANKENGANGS IST MIR VERWEHRT GEBLIEBEN, FREUNDE!
Richtig übel wird mir da, und das auch noch mir gegenüber, als Heimscheisser der ersten Liga, ICH muss doch am ehesten drunter leiden, jawohl!
Und dann, um mal auf ein anderes Thema zu kommen, dass das hier noch schön abrundet, DANN lieg ich auch noch 3 Tage lang brutzelnd in der Sonne, und während alle blonden, käseweißen Wasserleichen um mich herum schön knusprig braun werden und wie Engel in den Sommer fliegen dürfen, habe ich nicht eine Spur von Farbe abbekommen, WAS FÜR EINE SÜDLÄNDERN SOLL DAS DENN BITTE SEIN, ich hör die Leute schon tuscheln, hinter meinem Rücken, “Ich hab gehört die Eskimos in Alaska sehen auch so komisch südländisch aus, ABER EIGENTLICH SIND’s GAR KEINE DIE TUN NUR SO UND BRAUN WERDEN DIE AUCH NICHT!”
AAAH! Herzinfarkt, ich sag’s euch, den ganzen Tag rumschreien könnt ich, und das bei gutem Wetter, wo sind wir denn eigentlich! Boah. Ich geh jetzt erstmal Nutellabrot fressen. Is ja auch das einzige, was man noch hat, wenn der Tag rumgeht, ne, totfressen, ist echt das einzige.
Ich fühle dass es warm ist. Ich sehe dass es warm ist. Ich bemerke die Menschen, die wie bekloppt an den See rennen. Ich schwitze selber unter den Achseln.
… ich nehm trotzdem meine Regenjacke mit. Irgendwie ist mir das alles sehr suspekt.
Für alle, die es noch nicht kennen: Der beste Flashmob aller Zeiten.
Der hessische Dialekt schreit quasi “Agrarwirtschaft”. Jeder, der hessisch spricht, gehört direkt gefoltert und in ein Lager gesperrt, wo Hochdeutsch eingeprügelt wird. Hessisch - wenn professionell ausgeführt - ist definitiv nicht normal. Jeder eingeschworene Sachse hört sich dagegen an wie ein charmanter Franzose. DIE haben immerhin das Attribut “ganz niedlich, wie die sprechen” verdient. Bei den Hessen möchte man sich die Ohren abschneiden und wiederholt den Kopf an Zement platt schlagen.
Gestern hat Kappes die beste Überlieferung eines Hessen dargeboten, als wir nach Bad Homburg zum Schwimmen gefahren sind. Das war super unspektakulär, aber trotzdem Mal 50 Euro dafür rausgeschmissen. Das wir hier einen See um die Ecke haben und das Freibad in Seligenstadt ungefähr 4 Euro Eintritt und 2 Euro Sprit gekostet hätte, haben wir dezent ignoriert. Hallo! Man gönnt sich ja sonst nix! Und wer will nicht in einen Kurort fahren, wo nachmittags das Schwimmbad auch noch einen Aqua-Gymnastik Kurs für die 8 vorhandenen Rentner anbietet! Im Preis enthalten war außerdem FFK Sauna und Solarium. Das FKK davor haben wir dezent übersehen, als wir uns im Internet informiert haben. So viel dazu. Jedenfalls, auf der langen und sonderlich langweiligen Strecke ist es ihr so gekommen, und sie fing an zu reden wie der Bauer vom Dorf. Ich meine, wirklich. Jeder Hesse hört sich an wie vom Land. Da ist nix mit Mainhatten und Rhein-Main Ballungsgebiet der Kanacken! Nix da! Hessisch, eine hoffentlich bald heilbare Krankheit.
Isch tät das ja jetze ma demonstriere so, aber wenn de das ach noch schriftlisch uffzeische musst, da glaubste es hack! Isch bin ja hier net de Hannebambel, aldiweil uff de Land rede mer ja agentlesch net so wie mans so kenne tät. Aber wenn de da ene vor dir hast, und de grüßt disch mit “Ei gude wie!”, kannste ja ach nemmer nur “Halt die Gosch” sasche, mer ham ja ach Gefühle gell!
Boah. Grausam ist das, ich sag’s euch. Und das muss man sich dann geben wenn man sich an Tagen wie heute - der erste Mai, oh la la - zum kollektiven Bauernbesäufnis an die Waldfreizeitanlage bewegt, wo die Schlager dick aufgetragen werden und die Generation Emo sich so die Kante gibt dass ich denen sogar fast ihre Depression abkaufe. Ich muss sagen, ICH hab mir vielleicht die Pillen geschmissen als ich 13 war, aber meine Fresse, ich hab’s mit Würde getan, wirklich! Ich hab’s ganz für mich getan, alleine in meiner Sucht hab ich Party gemacht, und das war um die dreitausend Mal besser als nach ner halben Pulle Vodka einfach mal abzukotzen und im Dreck dazuliegen. Manchmal rutschen da auch direkt ein paar Typen drüber. Gut, is klar, dafür haben die mehr Sex. Wollen wir ja jetzt gar nicht bestreiten. Aber wie gesagt, Würde und so!
Und wo wir gerade dabei sind: Ich scheine ja den Abschied von meinem Kaff echt zu genießen. Den Tanz in den Mai jedenfalls hab ich hier verbracht. Wir haben genau zwei Discos in Rock City, und das wären einmal das Astoria - die beschämende Russendisko, wo man entweder prostituiert ist oder zumindest irgendwann mal Drogen verkauft hat - oder die Klangbar. Die Klangbar ist fast so groß wie unser Gästeklo und die andere Drogenstation in der Heimat. Eigentlich will man da gar nicht rein, weil man sofort Angst hat, erstochen zu werden, und weil auf dem Klo mehr Geschlechtskrankheiten auf einen warten als im Mediziner Lexikon abgebildet sind, aber jeder war schon mal da. Jedenfalls, die Leute von der Klangbar haben gestern den Tanz in den Mai veranstaltet, im lokalen Bürgerhaus, wo ich mit 15 auf der Kerbdisco mal mit dem ekligsten Typen der Welt rumgeknutscht habe, weil ich mein Handy verloren hatte und ich glaubte, er hätte es mir geklaut. Bestechung war das, aber gut, man macht eben Fehler, ich bin jetzt reif und weiß, dass ein geklautes Handy nur noch mit Sex kompensiert werden kann. Und anstatt also nach Frankfurt zu fahren - Big City Beats im Cocoon, auf der Gästeliste im Tanzhaus West, Fahrgelegenheit ins KinKa, super DJ im Velvet - trotte ich aus Faulheit und Geiz (scheiss Schwimmen) zur Klangbarparty ins Bürgerhaus, wo 8 andere Leute auf mich warteten. Es war ziemlich lustig, danke dem Alkohol und der lustigen Menschen, die dabei waren. Die Musik war auch extrem nice, aber das Klientel echt ein Armutszeugnis. Die sahen alle aus wie direkt aus dem Asylheim, 3 Tage wach, druff druff druff. Ich hab mich totgelacht. Ein Kindergeburtstag seinesgleichen! Aber macht nix, war in Ordnung, bald bin ich cosmopolitan und so. Alles ist super.
Das alles - die Opferparty und das kollektive Bauernbesäufnis- hatte aber einen Vorteil. Er nennt sich Timo und ist ein kleines (also, großes) Schnittchen. Auch wenn er einen debilen, ungewaschenen Eindruck macht. Hat Pete Doherty aber auch. Und Kate Moss steht trotzdem auf ihn (Gerüchte besagen, es kann auch am Heroin liegen, oder am Geld, oder an der Musik, aber ich bezweifle das alles).
Ab und zu habe ich das Bedürfnis, mich zu betrinken. Vor allem, wenn ich merke, dass ich mich immer mehr an sowas wie die Schule festklammere, um bloß nicht über das nachzudenken, was kommen wird. Dann. Wenn ich groß bin, und mir doch kein Pony namens Uwe ins Wohnzimmer stelle. Und keine Schildkröte (Otto) habe, die mir Gesellschaft leistet. Mein tragisches Ende in irgendeinem Wohnklo, ohne Freunde, ohne Party, ohne Freiheit, Hartz IV, und so weiter.
Damit es nicht so weit kommt, schreibe ich mir Schritt für Schritt auf, welche ökonomischen Zukunftsvisionen ich eigentlich habe. Oder, grob gesagt, wie genau ich eigentlich a) reich werden und b) die Weltherrschaft an mich reissen möchte. Die Idee, ein Buch zu schreiben, das in allen Ländern dieser Welt No. 1 auf der Bestseller Liste ist und im Iran zensiert wird, habe ich aus Faulheit wieder verworfen. Ich gehöre lieber zu der kapitalistischen Herde, die sich irgendwann zum Unternehmer hochschläft. Oder so.
Jedenfalls stellen sich mir einige Hürden in den Weg. Ich weiß, dass ich gerne in die Medien möchte, aber eher mit Werbung und Psychologie und Kommunikation arbeiten will als mit Design und dem ganzen Schmonz der sowieso niemandem gefällt außer mir selbst. Hatte ich ja schon erwähnt. Dafür gibt’s ja auch Studienfächer ohne NC (Medienkommunikation, Kommunikationsmanagement, Wirtschaftskommunikation, die ganzen Hipster-Fächer halt). Die kosten aber viel Geld, und mit meinem momentanen Kontostand (3,80 ungefähr) kann ich mir nicht mal die Zigarette leisten, die ich beim Lebenslauf tippen rauchen würde.
Aber zumindest habe ich die Perspektive von dem, was ich mal machen will. Das ist schon mal 100% mehr als die Kollegen aus der Schule wissen, die höchstens “raus hier” möchten oder “Spaß haben” oder was auch immer. Ins Ausland wollen sie, dieses Pack! Diese Illusion hatte ich auch bis vor einem Jahr, wo für mich eine Weltreise das höchste der Gefühle war. Dann hat sich das immer mehr reduziert. Vielleicht doch nur ein Jahr Australien? Ein halbes Jahr Amerika? Drei Monate in Spanien? Und letztendlich merke ich, je näher dieser Punkt rückt, wie unrealistisch das ohne Geld ist. Mein Beruf ist nicht Tochter, er ist Tochter von armen Menschen, und deswegen kann ich das knicken. Bei meinem Luxusleben das Sparen anzufangen wäre jetzt sowieso zu spät, darüber hätte man sich zu angemessener Zeit (vor 8 Jahren) Gedanken machen müssen.
Egal. Nach der Schule ist erst mal EM und entspannen. Schöön. Irgendwann zwischen Juni und August fahre ich für 2 Wochen nach Barcelona, ein bisschen Urlaub kann man sich ja mal gönnen. Aber danach hört’s auch auf. Klar, ich muss mich an der Uni bewerben. An den UniS, pardon, sind ja einige da, die mich ablehnen könnten. Wahrscheinlich alle, aber man kann’s ja versuchen. Und jetzt kommen wir zu den spannenden Fragen, die in der Schule bisher ungeklärt offen gelassen wurden: Wie, zur Hölle, bewirbt man sich eigentlich bei Universitäten?
Also, ich bewerbe mich online, und dann? Die müssen doch mein Zeugnis sehen! Und wann weiß ich, wann ich genommen werde, wenn es ein NC Fach ist und die noch nicht mal meinen Schnitt kennen? Das muss man ja angeblich nachreichen. Und dann? Der ganze Scheiss mit Zulassung yadda yadda, wer soll denn da noch durchblicken! Aber selbst wenn ich das irgendwie hinbekomme, sagen die mir rechtzeitig bescheid, damit ich auch umziehen kann (nach Berlin, falls ihr es vergessen haben solltet)- was ist, wenn ich zwar umziehe und zugelassen werde, aber keine Wohnung finde in der Zeit? Oder noch schlimmer: Wann kommt mein erstes Bafög Geld, und wann weiß ich überhaupt, wieviel ich bekomme? Denn das kann man ja nur beantragen, wenn man schon zugelassen ist. Toll, dann werd ich zugelassen, stelle fest, dass ich warum-auch-immer nur 200 Öcken im Monat vom Staat bekomme und wie soll ich dann damit alles bezahlen? Selbst wenn ich nicht auf eine private FH gehe, reicht das ja wohl kaum, um eine Wohnung zu bezahlen. Nicht mal für’s Studienheim reicht das! Nebenbei arbeiten ist ganz klar, aber was? Das muss ich ja auch machen! Horror, der wahre Horror!
Wenn ich bis dahin angenommen werde, umziehe, und meinen Platz im Leben finde, ist ja alles schön und gut. Aber was ist, wenn die mich nirgendswo haben wollen? Dann habe ich die Bewerbungsfristen verpasst, und stehe Anfang Oktober mit nichts in der Hand da. Deshalb, so dachte ich, kann ich mir ja ein Jahr Auszeit nehmen. Was anderes machen. Aber da ich von zu Hause so schnell wie möglich abhauen möchte, bleibt mir ja nichts anderes übrig, als mir irgendwas im Ausland zu suchen. Aber was? Work & Travel ist zu teuer, das kann ich niemals niemals niemals bezahlen. Ganz abgesehen von meinen Eltern, aber die berücksichtigen wir mal nicht. So. Dann könnte ich mich auf ein Au Pair Jahr mit Vox’ “Auf und Davon” einlassen, aber darauf habe ich um ehrlich zu sein keinen Bock. Verschissene Plagen hüten während die Eltern schön am Strand faulenzen, genau, und dann dafür sorgen dass es noch mehr von diesen verhätschelten Monstern auf der Welt gibt. Nene. Davon gibt’s hier schon genug. Au Pair, pfff, das ist ja wie Sterbehilfe intelligente Menschen unserer Erde…
Trotzdem weg sein ohne weg zu sein wäre dann als Stewardess arbeiten. Abgesehen von den Klischees, die sich in meinem Fall höchstwahrscheinlich auch noch bestätigen würden, ist das ein lukrativer Job, bei dem man rumkommt. Was viel cooler ist: Irgendwo auf einem Schiff anheuern! Durch die Karibik cruisen! Dafür würde ich mir auch irgendwelche Plagegeister geben, ich sag’s euch. Tausendmillionen neue Leute kennenlernen wäre das! Abgefahren! Vielleicht nicht unbedingt realistisch, aber man kann es sich doch überlegen.
Gehen diese zwei Alternativen auch schief, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als irgendwo einen Job zu suchen und in meinem verkackten Heimatort für immer rumzurotten bis ich dann doch irgendeinen Macker heirate der mich schwänger und so weiter. Traurige Geschichten wären das, und mein Zynismus auf ein neues Level reichen (Game Over, sozusagen). Heidenei. Ich bin wirklich überfordert. Ich will weg hier, aber ich will meine Zeit nicht mit Scheisse verbringen. Ich will etwas machen, was mir Spaß macht, was mir gefällt, was mich selbst auch irgendwie weiterbringt, was gut im Lebenslauf aussieht.
Man, diese Gesellschaft ist doch scheisse. Da ziehen diese Vollhorstis uns unser ganzes Leben lang groß und erzählen uns, nach der Schule wird alles so toll und blah blah blah, aber mal konkret zu sagen, was man eigentlich machen kann, davon haben die keine Ahnung. Und dann sollen wir auf einmal großartige Leistungen bringen und gucken das wir zurecht kommen! Die ham se ja wohl nich mehr alle…
So, heute abend wird dann also gesoffen, auf dass ich irgendwann mal nicht unter ‘ner Brücke aufwache und feststelle, dass alles scheisse war.
Freunde und Freundesfreunde: Ich bin befreit! Eben, spontan, einfach so, no strings attached. Ein bisschen steril, aber verdammt (!) tut das gut. Die Woche kann starten, ich sag’s euch.
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