Alles Okay.
5/02/2007Wisst ihr, an solchen Tagen…
… ach, was soll’s. Warum noch so tun. Nein, keinen Bock mehr auf cool sein. Keinen Bock mehr auf dicke Fresse schieben. Vielleicht morgen wieder. Aber heute, vom Herzen mal- warum kann ich mich nicht endlich verlieben? Er kann auch eine behaarte Brust haben. Und buschige Augenbrauen, und schmutzige Fingernägel. Er darf auch blond sein, echt jetzt, kein Problem. Ich will nur diese dreckige und unangenehme Leere loswerden, die sich in mir breit macht, und dieses ständige Verlangen nach- und ja, das mein ich ernst, nuttig hin oder her - dieses ständige Verlangen nach einer Umarmung. Nicht von wabbeligen Menschen die dabei kichern und deren Haare mir die Augen ausstechen, sondern von jemandem der größer ist als ich, gut nach Axe riecht und mich wirklich festhält. Die Tatsache, dass man abends zu jemandem ins Bett kriechen, mit dem man sich über seinen Tag lustig machen kann, bei dem man sich auskotzen kann, der einen festhält oder noch besser: der einen nervt. Ich will genervt werden. Ich will “Schatzipupsi” genannt werden und ihn dafür boxen und dann im Anschluss gekitzelt werden und endlich wieder dieses Gefühl in meinem Bauch haben.
Denn dummerweise fangen sie jetzt alle an von Valentinstag und Blumen und so weiter zu reden, und ich bin ja nicht gerade der romantischste Mensch- Gott, ich wünschte ich wäre romantischer! Ich meine, eigentlich bin ich sogar romantisch. Ich habe super romantische Vorstellungen vom Leben, Hoffnungen, Träume und Ideale, die jeden Kitschroman an die Wand spielen. Dummerweise bin ich im wahren Leben, d.h. hier und jetzt, viel zu realistisch, viel zu kalkulierend. Und nein, ich lasse mich nicht darauf ein. Mein Temperament ist gehemmt, ich würde gerne ausbrechen und einfach.. hier fliehen- aber nicht mal Wut kann ich noch ausdrücken, SO leer bin ich. Somit muss die Romantik dann artifiziell ersetzt werden. Kurztrip nach Paris? Schön an der Seine chillen und sich lieb haben? Klar, sicherlich- nur leider nicht mit meinem Traumtyp, sondern mit meinen Superuschis. Was auch nicht schlecht ist, keineswegs- nur haben die im seltensten Fall ‘nen Waschbrettbauch oder einen Hang zu starken Motoren.
Seufz. Er kann auch schwul sein. Ich will ihn echt nur lieben können. Aber wenn das schon so schwer ist… wie macht man das eigentlich? Bisher kannte ich die Typen alle irgendwie. Aus meinem Freundeskreis. Aus der Schule. Abgesehen von den paar Malen Speichelaustausch mit irgendwelchen Typen aus der Disse war ich auch echt anständig. Glaub ich. Aber egal wie’s ist: Mein Interesse stirbt meistens genauso schnell, wie es kommt, wenn der Typ den Mund aufmacht. Und wenn alles stimmt, dann lieg ich mit ihm im Bett und denk mir “Ih, eigentlich will ich gar nichts von dir”, und bin das taktloseste Mädchen auf der ganzen Welt und spring auf und schrei und lauf aus der Wohnung ohne Klamotten raus und hoffe, das mir mein Märchenprinz in Gestalt eines Polizisten auf der Straße begegnet, selbst wenn er dafür glauben muss, dass ich eine tschechisch-slowakische Prostituierte bin, die vor ihrem Stecher oder wahlweise auch Pimp aus Angst vor Kotztod flüchten muss.
Aber vielleicht liegt es auch an den Frühlingsgefühlen. Zugegeben, das Wetter ist irgendwie Richtung Februar eher schlechter als es letzten Monat war- aber irgendwie hat doch eh keiner Bock mehr auf Winter. Leute räumen ihre Häuser auf, misten aus, schmeissen weg, fangen neu an- und wie immer sitz ich nun doch hier und dreh Däumchen und hab mir heute 500 MB John Frusciante Musik zugelegt und schreibe meine Top 100 “Saddest Songs Ever” Charts, die ich bei Gelegenheit auch mal posten werde. Die Tränen laufen und laufen und laufen, denn ich weiß, selbst wenn ich mein Herz doch an irgendjemanden verlieren sollte… klappen könnte es doch nie, niemals, denn meine Angst vor Beziehungen ist noch viel größer als meine Angst vor dem Alleinsein. Bei mir heisst es die Wahl der Qual. Denn masochistisch ist es in jeder Hinsicht, das, was ich mit mir mache.
Ich weiß also nicht, woran es liegt. Es wird auch wieder weggehen, und mein kleines Prinzesschenherz, das niemals zu Ausdruck kommen darf/kann/soll (im echten Leben) ist nicht mehr lange bedrückt. Dieses Süß-sein ist schwer und noch schwieriger ist es, seine Schwächen oder seine Makel zuzugeben, was ich soeben getan habe. Doch, doch wirklich- zu viel weiblicher Einfluss. Die Hormone, meine Kinder! Die Hormone! Krieg ich bald meine Tage? Ich muss wieder einkaufen gehen. Fingernägel machen. Oh, oh, Haaaaare färben…
Äh, morgen bin ich wieder cool. Versprochen.
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