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Ausrasten

Dollares! Millionen! Oder: Nada.

02.15.07 | 21 Comments

Ich bin nach der Schule eingeschlafen. Passiert manchmal, so eine Siesta, im Alter wird man halt müde. Ich träumte, dass meine Mutter in Brathähnchenflügeln (schön knusprig braun) Geld versteckt hätte, ganz viel Geld. Geld in Rollen verpackt, grüne Scheine, rote Scheine, blau-lila karierte Scheine, Scheine mit meinem Gesicht darauf. Ich fand das Geld nicht zufällig, sondern wusste irgendwie, dass es in den Brathähnchen war. Sie hatte es extra für mich aufgehoben. Ich wusste, mit diesem Geld kann ich meine Probleme lösen, und zwar alle. Schulden, Auto, Studienfahrt, die ganze Welt würde mir gehören, mit der Patte die die Hühnchen warm hielt.

Ich wachte schweißgebadet auf und musste feststellen, dass ich genauso Pleite war wie um 2 Uhr mittags. Den Tag verpennt und zusätzlich nicht mal Geld verdient. Musste feststellen: Es gibt keine Brathähnchen. Es gibt einfach keine Brathähnchen.

Sauer und frustriert. Diesmal nicht unbegründet. Der Staat ist Schuld! Im Ernst jetzt- diesmal wirklich. Und womit hat’s zu tun? Klar, Geld und Verdienstmöglichkeiten, wie immer.

Dass diese heutzutage in Deutschland sowieso sehr geringfügig vorhanden sind brauche ich niemandem noch mal zu buchstabieren. Die Tagesschau und das Heute! Journal sind ja vollgepackt mit der Thematik. Aber McAngelo macht es einem ja auch nicht gerade einfach, arbeiten zu wollen. Wenn ich mir vorstellen muss, nach harter, langer Arbeit irgendwann so auszusehen wie die, leg ich mich auch lieber auf die faule Haut. Abgesehen davon: Unterstützt mich der Staat eigentlich, wenn ich arbeiten will?

Nö. Der hat nicht mal großartiges Interesse daran. Hauptsache, Statistiken verschönern. Ahoi.

Meine Eltern sind Hartz IV Empfänger, weil meine Mutter studiert/studieren muss (lange Geschichte) um ihren Abschluss in effektiven Verdienst erst mal umzusetzen, und mein Vater anscheinend für jeglichen Job auf dieser Welt “überqualifiziert” ist. Klingt schon mal gut, oder? Überqualifiziert. Zu alt ist er auch. Eigentlich steht er knapp 7 Jahre vor dem Pensionsalter. Sieben verfickte Jahre, und seit 4 Jahren ist er nun arbeitslos, weil seine alte Firma ihn für ein paar jüngere Trottel rausschmiss, die sich natürlich mit weniger zufrieden gaben. Jungspunde, har harr, die Zukunft naht! Das waren junge, aufstrebende Menschen, vielleicht jemand, wie ich es einmal sein werde… Es ist ihm unmöglich, einen Job zu finden, und deshalb sitzen wir auf Hartz IV herum. Mein Vater will arbeiten. Um ehrlich zu sein, dieser Mann kann kein normales Leben führen ohne Arbeit, da er sein Leben lang darauf getrimmt wurde. Zu Hause rumgammeln tut der ganzen Familie weh. Vor allem der Familie. Quasi jedem außer ihm, also ihm auch, aber ihr wisst ja was ich meine.

Das ist noch lange nicht die Schuld vom Staat. Nein. Es bilden sich in meinem Uterus echt Blutgranaten wenn ich mir das schon wieder durch den Kopf gehen lasse- es ist nämlich die Hartz-IV Regelung, und diese ist nunmal deren Verantwortung. Zur Erklärung: Meine Eltern empfangen Hartz-IV. Davon muss Miete, Unterhalt, Kinder, etc.. alles bezahlt werden. Klar so weit. Das heisst für uns (Kinder): Kein überdimensionaler Luxus. Sprich: Wir müssen dafür sorgen, dass wir selber irgendwie über die Runden kommen. Da denkt sich doch jeder 18-Jährige: Gut, schön, nehm ich mir einen Mini-Job. Zwei- bis vierhundert Euro Basis ist echt nicht viel im Monat an Arbeit und lässt mich wenigstens meinen eigenen Lebensstandard, oder zumindest den Lebensstandard den ich will, erhalten ohne meine Eltern, die sich sowieso schon den Arsch aufreissen damit diese Phase endlich vorübergeht, unnötigerweise unter Druck zu setzen. Oder? Oder? Oder?

Oder: Der Staat sagt, halt! Wenn du jetzt auf einmal 400 € im Monat verdienst, dann kannst du ja das Geld deinen Eltern geben, also wir ziehen denen das Geld jetzt ab, was du dir erarbeitet hast.

Schweigeminute.

Aha. Ich hab also nicht mal die Chance, mich aus diesem finanziellen Loch rauszukämpfen? Denn ob ich arbeite, Geld verdiene und zusehe, dass meine Eltern die Miete nicht mehr bezahlen können weil ICH das Geld, dass IHNEN zusteht, jetzt kriege- oder ob ich gar nichts mache und weiter Schmarotze, alles klar. Aber denken die eigentlich auch darüber nach, dass ich mich jetzt praktisch gezwungen fühle, schwarz zu arbeiten? Denn genau das werde ich tun, wenn sich mir die Möglichkeit bietet, warum auch nicht, wie auch anders? Ich muss doch irgendwie meine Studienfahrt bezahlen, ich will mir ab und zu neue Klamotten kaufen oder mit Freunden weggehen. Meine Eltern dafür in die Misere zu reiten ist nicht gerade das Optimum der Gefühle. Was soll ich sonst machen? Mich zufrieden geben, wenn es auch anders geht?

Nun suche ich nach Möglichkeiten für das schnelle und bequeme Geld, ohne dass der Staat großen Einfluss darauf hat. Vielleicht Adsense- der einzige Nachteil wäre, dass ich meinen Blog umdisponieren müsste, da Wordpress.com kein Adsense auf seinen Websiten erlaubt. Darunter könnte aber meine Leserschaft leiden, was zur Folge hat, dass ich weniger verdiene als ich jetzt tun würde, bzw. dass ich generell einfach meine Leser vergraule, was ich echt nicht möchte (und sagt nicht, dass das nicht zutreffen würde- seitdem ich meine Handynummer gewechselt habe, habe ich keine Freunde mehr).

Flohmärkte, Ebay- dafür brauche ich Kapital (oder zumindest etwas von Wert, dass man für viel verkaufen kann). Und lacht mich aus, aber ich hab noch nicht mal 20 € in der Tasche, es steht noch eine Handyrechnung aus und am Wochenende wollte ich eigentlich mal wieder Party machen. Mein Bruder ist ein Engel, er hilft mir immer wieder aus, aber ewig kann das nicht so gehen. Babysitten und Nachhilfe sind viel zu geringes Einkommen und vor allem viel zu selten, als dass ich wirklich profitieren könne- außerdem ist diese Art von Geld schnell ausgegeben, da ich direkt ein bisschen was auf die Hand bekomme.

Ich bin, wie ihr sehen könnt, ziemlich frustriert. Was bleibt mir denn noch übrig? Ich kann mich nur noch prostituieren. Pokern, pokern ist immer noch Glück was mich betrifft.. und dieses Glück reicht nicht, um daraus Karriere zu machen. Nicht so. Wenn mir mein Bruder heute das Auto gibt, dann kann ich zumindest Pfandflaschen im Wert von ungefähr 3 € zurückgeben, hey, eine Kippenpackung! Oder zumindest fast… das ist dann zwar auch das Geld meiner Eltern, aber scheisse, was soll ich denn machen?

Dabei hab ich noch gar nicht von Schulden geredet, oder irgendwelchen anstehenden Investitionen die ich erbringen muss. Mein verlorenes Portmonnai wird mich ungefähr 60 € kosten. SECHZIG EURO. Und an Ostern wollte ich nach Paris. Ich will Geld, GELD GELD GELD GELD. Am besten jetzt.

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