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Alltagsgedöhns, Mann/Frau

Pink Pony Party

02.20.07 | 15 Comments

Bisher habe ich Fasching fast ohne Hirnschäden vom kollektiven Bauernsaufen überstanden. Liegt größenteils daran, dass ich es dieses Jahr komplett ignoriert habe. Scheiss auf Blau-Weiß, scheiss auf Zinober, scheiss auf Rosenmontags- oder Vorwärtsball, scheiss auf den Umzug, scheiss auf’s Verkleiden (obwohl ich mich am Freitag als Gnom verkleiden musste, es tatsächlich durchzog und am Ende die einzige auf der Party war, die sich die Mühe gemacht hatte- dementsprechende Stimmung entgegen den Gästen), scheiss auf alles, was mit diesem sinnlosen “Ich-sauf-dich-heute-schön”-Kult zu tun hat.

Scheiss auf Kleinstadtgetue.


Stattdessen besuchte ich mit Gleichgesinnten eine sehr anti-faschingstische Veranstaltung im guten Krankfurt. Krank war es auch tatsächlich- nach anfänglichen Schwierigkeiten was Wegbeschreibungen und Ziele anging, an dieser Stelle vielen Dank an die zwei Idioten, die mir dann auch noch absagen mussten- landeten wir endlich bei der Pink Pony Party, wo wir - da 10 Minuten zu spät - leider keine kostenlosen BlutSportDisko T-Shirts mehr bekamen. Stundelang warteten wir auf konkrete Tanzflächenaction, beobachteten eine sehr hässliche Clique zweier Inder mit ihren fetten (WIRKLICH VERDAMMT FETTEN) Freundinnen, die Hochwasserhosen anhatten und ständig einen auf Sandwich-Dance machen mussten (kotzreiz!). Gerockt, und zwar richtig gerockt, hat allerdings nur die eine Chickse die wie auf Drogen (und vor allem auf total leerer Tanzfläche) so abgegangen ist, dass man sich echt wundern musste, woher man heutzutage noch so guten Stoff kriegt. Ausdruckstanz auf Electromukke (kudos auch an die Oma, die in ihrem schwarzen Kleid am Rand stand und dem Schuppen mit ihrem Nicken und dem 2-Step-Trend einen ganz eigenen Touch verlieh)! Josen. Es lief richtig gute Musik zu dieser Zeit (also zwischen 12 und 1 Uhr), leider verschwand Jules (Chulio, Chulettio, Chulia, Jaja Bings, Julia, Jule, Juli, Juliette, Coolio, Jalilo, etc.) und ich musste mit Matzke warten, bis die Uschi wieder aufkreuzte. Das tat sie dann auch, relativ besoffen, doch der talentierte DJ verpisste sich just in diesem Augenblick und es fing die Live Show an. Trottelige Freaks in seltsamen Kostümen auf einer kleinen Bühne die ins Mikro zu irgendwelchen Beats total die verwirrten und unhörbaren Lyriks gröhlten. Halt extrem klassisch.

Das taten wir uns an. Nach der Live Show, so gegen 3 Uhr morgens, fing wieder der DJ an, diesmal Richtung Techno und eher anstrengend als entspannend, aber wir wollten ja tanzen, also tanzten wir. Oder wir spasteten ab, je nachdem welche Sichtweise man hier annimmt. Vor mir, später dann mit mir, tanzte ein eher schlecht aussehender Kollege, kurzum wie jemand der Ingo heißen könnte: schön lange Lederjacke und geschmacklose Pimp-Ohrringe. Dazu blonde Haare und ein näggisches Bärtschen das nach einer deftigen Rasur verlangte. Anyway, spaßeshalber tanzte ich mit Ingo und bereute es sofort, als seine Hände an meinen Arsch griffen. Zusätzlich entstand ein äußerst seltsamer Gestank in seinem Bereich und wegen meiner Selbstachtung bewegte mich ca. 4 Meter weiter, der Club gab nicht mehr her. Ständig und immer dabei: Ingo’s Kumpel, Robert. Der hieß aber wirklich Robert. Robert sieht aus wie ein schmächtiger Drogen-Junkie mit Stil und netten Augen. Er tanzte nicht wirklich gut, aber immerhin gut genug, um meinen Ansprüchen zu entsprechen. Robert ist ein sehr schüchterner Typ Mensch, der vor allem erst die Bestätigung (oder Herausforderung?) seiner Freunde braucht, um zu merken, dass jemand ihn gut findet, vor allem, wenn es um Frauen geht. Ich starrte Robert an, einige Zeit lang, und dachte mir: Oh nein! Es wäre eine Verschwendung nicht wenigstens seinen Namen zu erfahren! Also bewegte ich mich auf ihn zu, tanzte um ihn herum und siehe da, ein weiterer Freund (nennen wir ihn Horst) sprach ihm Mut zu, sodass er auf mich zukam, mir in die Augen schaute und die nächste Viertelstunde sehr angeregt - und überhaupt nicht mehr schüchtern - meine Taktlosigkeit (im wahrsten Sinne des Wortes) ergründete. Der Rest hat etwas mit übermütigem Speichelaustausch und Nummernwechsel zu tun, aber jedenfalls wird Robby-Bobby wohl bald noch was von mir hören, obwohl ich ja normalerweise nicht so direkt bin. Hah! DIE VERZWEIFLUNG.
Außerdem sah er gut aus…

Chulietto machte mir dann ein schlechtes Gewissen, weil ich so forsch auf den jugen Mann zugegangen bin. Zugegebenerweise, ich dachte erst sie wäre eifersüchtig, aber dann merkte ich, wie billig das eigentlich war, einen Typen aus der Disse knutschen… naja. Es geht auch mit mehr Eleganz. Außerdem ging es mir danach auch nicht sonderlich gut, die Endorphine kreischten nicht nach Zuneigung. Eigentlich gab es gar keine Endorphine, nur sehr weiblich-emotionale Hormone die nicht damit klarkamen, dass es nicht nur um Triebbefriedigung sondern auch um sehr viel mehr, sehr viel unterschwelligeren Dingen geht. Sprich: Make love, not fucking.

Naja. Also Robert jedenfalls ist nett und ich werde ihn bestimmt anrufen, sobald ich meinen Kopf aussortiert habe.
So viel dazu.

Wir kamen irgendwann bei Jajo an und dort pennten wir eine gedigene Runde bis um ca. 9 Uhr morgens, einer sehr unchristlichen Zeit, wo sie leider arbeiten musste. Solidarisch wie ich bin geleitete ich sie zur Kinderbetreuung der Muckibude und musste mich mit 3 Plagen beschäftigen. Bappige Nutellahände und Kotzerei, aber was tut man nicht alles für die Freundschaft. Später noch am Main entlang spaziert und die Natur begutachtet, und am Ende landeten wir lust- und kraftlos in ihrer gut ausgearbeiteten Bumshöhle, wo wir nicht gebumst sondern gesoffen haben und dabei Fernsehen schauten. Das waren Zeiten. Quasi um ein Uhr eingepennt, am nächsten Mittag besoffen aufgestanden, Kaffe getrunken und dann ab in die Heimat. Datt war mein Wochenende, galant und geschmeidig wie eh und je. Siebzig Euro für nichts ausgegeben, was von wert oder zumindest von Dauer sein könnte, aber ey- ich kann mich ja wohl nicht beschweren. Zu Hause war das Duschen wie ein Segen von oben, und gleich wird noch mal schön Zähnsche geschrubbt und dann meiner Lieblingsbeschäftigung nachgegangen: Masturbation. Oder ich falle sowieso tot ins Bett.

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