Die Minimum Idealisten

7/03/2007

In letzter Zeit fühle ich mich besonders konfrontiert mit einer bestimmten Art von Mensch, die teilweise auch meine eigenen Fehler widerspiegelt und mich daher besonders stört. Nicht der Mensch per se, nein, der stört mich keineswegs- es ist einfach nur diese Art. Ich nenne sie liebevoll die “Minimum Idealisten”.

Der Begriff “Ideal” hat viele vielschichtige Bedeutungen. Laut Wikipedia u.A. die Folgenden:

Beim Gebrauch der Ausdrücke Ideal oder ideal ist darauf zu achten, worauf man sich bezieht, um Missverständnissen vorzubeugen:

  • Geht es um etwas, was man vorfindet und nicht selber herstellt? Beispiel: “Dies ist eine ideale Umgebung, um sich zu erholen.”
  • Geht es um erbauende Ideale, die bilden sollen? Beispiele: Lyrik, Kunstwerke oder Architekturen.
  • Geht es um etwas, was man verbessern will und kann? Beispiel: “Diese geschnitzte Pfeife ist noch nicht ideal.”
  • Geht es um etwas, was man zwar anstreben kann, aber was man nie erreicht wie bei einer Approximation?
  • Geht es um etwas Gedachtes, Vorgestelltes? Beispiele sind etwa geometrische Figuren oder Träume.
  • Geht es um ein ideales menschliches Vorbild, Menschen, die ideale Ansprüche an sich (und andere) stellen? Als Beispiel wird gelegentlich etwa Mutter Teresa genannt.
  • Geht es um die Erscheinung von etwas oder geht es einfach nur um Wunschdenken, insbesondere in der Gegenüberstellung ideal/real?

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Begriff Ideal sehr vielfältig bestimmt und verwendet wird, was auch bei dem folgenden Durchgang durch die Geschichte beachtet werden sollte.

Dabei würde ich mich gerne mit den Dingen befassen, die man verbessern kann. Denn hier kommen auch meine Minimum Idealisten ins Spiel. Minimum Idealisten sind solche Menschen, die meinen, die Welt verbessern zu können indem sie weniger Auto fahren. Wegen Feinstaub. Oder Kippen vom Boden heben. Allgemeine Umweltverschmutzung. Vegetarier werden- die armen Tiere!

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHH.

Das hier sollte eigentlich ein sehr ausgearbeiteter, durchdachter Eintrag werden, aber ich merke dass meine Gemütsverfassung dem Thema gegenüber einfach absolut unausgeglichen ist. Ich finde es ja völlig in Ordnung, wenn man es unterlässt, der Welt noch mehr Schaden zuzufügen, als sein muss, und als schon ist- aber warum fangen die Leute denn bei solchen völlig belanglosen Dingen an? Um das eigene Ego zu stillen? Um sagen zu können “hey, ich habe meinen Beitrag geleistet?”. Das hat nämlich nichts mit einer besseren Welt zu tun.

Klar, ich bin auch ein Umweltverschmutzer. Besonders, wenn ich wütend bin, schmeisse ich meine Kippen auf den Boden, die McDonald’s Pappe hinterher und dann werf ich meine leere Bierflasche gegen einen Baum. Ja, das ist nicht gerade freundlich der Natur gegenüber und ich versuche es ja auch zu unterlassen- ich will ja nicht Schuld daran sein, dass irgendetwas noch schlimmer wird, als es ist. Aber ICH persönlich gebe mich nicht der Illusion hin, dass ich dadurch die Welt auch nur im Geringsten verbessert habe.

Und warum sollte ich Vegetarier werden? Bevor ich an die verdammten Tiere denke, die dabei umkommen, will ich lieber meinen Kopf an die Kinder in der 3. Welt verlieren, die vor sich hinhungern. Artgenossen, meine Freunde. Und dann kommen erst die “unter uns” stehenden Tiere ins Bild- ich finde Tierquälerei und Massentierhaltung auch nicht gut. Scheisse, ich find’s schrecklich, aber bevor ich aufhöre Fleisch zu essen (und sowieso nichts damit bewirke), werd ich lieber Wasseringenieur und bau ‘nem Dorf in Afrika einen Brunnen. Das hat wenigstens Konsequenzen, und das macht die Welt wenigstens einen Funken besser, und DAS ist auch ein Opfer- nämlich ein Opfer meiner Zeit, ein Opfer von Budget und Geld und sonst was.

Ich hab ein außerordentliches Problem damit, wenn Menschen die Welt verbessern wollen. Das kommt nicht aus meinem überzeugten Pessimismus, das kommt aus realistischen Blickwinkeln heraus und meiner Verachtung des Menschen gegenübers. Ich will ja nicht sagen, dass da alle gleich wären- das stimmt definitiv nicht - aber immer häufiger kommt es mir so vor, als könnte ich durch die ach so bescheiden-großzügigen Intentionen einiger Leute hindurchsehen, und was mir da entgegen blickt ekelt mich an. Dann bin ich lieber ehrlich und versuch gar nicht erst, meine Umweltbelastung zu kaschieren- ja, ich fahre Auto, es ist bequem, und mir ist es egal wer oder was vom Feinstaub krank wird, ich krieg’s ja nicht mehr mit und meine Kinder wahrscheinlich auch nicht. Und ja, es ist mir egal, ob die Welt irgendwann untergeht, denn wenn es so ist, haben wir es grundsätzlich und gerade ich verdient und ich lebe auch gerne damit.

Aaah..

Ich bin grad echt genervt und habe es geschafft, ein wirklich interessantes Thema in eine gefühlsbedudelte Kappelle an Standartsprüchen umzuwandeln. Respekt.

There are 13 comments in this article:

  1. 7/03/2007leonope say:

    …also ich würde nicht gerade sagen, dass Du hier was “umgewandelt” hast……ich sehe es eher so, dass Dich beim Schreiben einfach Deine Gedanken überholt haben (welches Dir sicher öfters passiert;) und die Essenz Deines offensichtlich aufgebrachten” Konvoluts nicht anderes rausschreit, als dass Du STINKWÜTEND bist! Und das ist AUCH schon mal ein Anfang…;)

  2. 7/03/2007Caipi say:

    “meiner Verachtung des Menschen gegenübers”

    An mein Herz:D Wir können ja beide verbitterte, alte, menschenverachtende Zyniker werden:)

    Kann zum Thema nur eins sagen: Man müsste die Welt als ganzes, mit allen Faktoren, ändern können. Ansonsten bringt das ganze nicht viel.

  3. 7/03/2007leonope say:

    @caipi..na DA bin ich ja dann mal gespannt, was Dir zu dierser Frage, wenn sie dann kommt, g´scheites einfällt :)

  4. 7/03/2007blondesalien say:

    Hm, eigentlich wollte ich ja jetzt einen klugen Kommentar hinterlassen. Würde ich natürlich ganz bestimmt (hahaha), aber leider ist mein Hirn irgendwie so leer.
    Eigentlich wollte ich sowas schreiben wie: GENAU!! JAWOLL! RICHTIG!! Nur natürlich viel ausformulierter und intellektueller. Klar. Aber, hm, heute klappt das nicht, ach ja *seufz*.

    Warum also überhaupt ein Kommentar? Ja, das kann ich Dir erklären:
    DANKE!
    Und zwar dafür, daß ich nach ca. 100 Blogs, die ich mir angekuckt habe, endlich mal eins gefunden hab, in dem ich hängenblieb, in dem ich rumgelesen habe und das hat mir auch noch Spaß gemacht!
    LG vom Alien.

  5. 7/03/2007Skywalker say:

    @ leonope: Ja, ich versuch mir da immer so ein bisschen ein Beispiel an Muschi Gonzales zu nehmen, der immer so klare Gedankengänge hat und dann immer so tolle Sachen schreibt… :P Ich bin halt einfach viel zu verwirrt. Deshalb schreibe ich auch immer schlechte Noten in den Klausuren. Das kann nerven, sag ich.

    @ caipi: Ruhig bleiben. Meine Menschenverachtung bezieht sich eher darauf, dass Löwen wie Ameisen echt anständiger sind als wir, aber daran kann ich eben nichts ändern und deshalb genieße ich es auch teilweise. Nur in Momenten wie diesen…. denk ich mir halt so.. okay, what the fuck?

  6. 7/03/2007Skywalker say:

    @blondesalien: Äh! Hallo! Und deine un-intelligenter Kommentar ist hier genauso willkommen wie alle anderen, liegt daran, dass der Müll auf dieser Seite auch nicht gerade von Grips zeugt. Passt ja perfekt. ;) Rock on.

  7. 7/03/2007leonope say:

    @skywalker…wäre echt schade und traurig, wenn Du NICHT verwirrt wärst….würde nämlich Deinem Stil nicht gerade förderlich sein und Dich auch nicht als das auszeichnen, was Du zu sein scheinst…..;)

    Und wegen den Klausuren würd ich mir auch nicht SOO einen Kopf machen…lieber schlechte als gar kein Ergebins ;)

  8. 8/03/2007flatflap say:

    ziemlicher schwachsinn.
    (begründung nicht per schreiben)

  9. 8/03/2007hormuthsfrederic say:

    Ok, ich bin Idealist, ich gebs zu, Scheiße. Ich gönne mir den abgefuckten Luxus, Sachen in der Welt zu sehen, die ich gut finde. Und mir davon mehr zu wünschen. Sogar grad die Kleinigkeiten, ja ich bin Kleinigkeitenfetischist.
    Kleinigkeiten bewirken manchmal doch etwas. Ob es der Schmetterling ist, der mit seinem Flügelschlag ein Unwetter auslöst, oder der Sack Reis, der in China umfällt, damit ein Blogger in Deutschland was drüber schreiben kann. Oder wenn man eine Schreibblockade hat, gelähmt vor dem weißen Blatt sitzt, und dann beschließt, erst mal nur über eine klitzekleine Kleinigkeit zu schreiben, dann kommen die Dinge in Fluss. Ich glaub, die Welt hat manchmal eine globale Schreibblockade und kommt deshalb nicht vorwärts, weil sie die Kleinigkeiten nicht ernst nimmt.
    So, das war das Wort zum Sonntag, äh, Weltfrauentag.
    Lang lebe die Verwirrung, so lange sie klasse T-Shirts trägt und bloggt! Denn Bloggen ist schon der Anfang vom Idealismus, wer bloggt, bloggt, weil er hofft - gelesen zu werden ;-)

  10. 8/03/2007Muschi Gonzalez say:

    @Skywalker

    Danke für die Blumen! Aber dafür musst du wissen: Auch wenn es eine Stärke von mir ist, klar und analytisch zu schreiben (wobei ich selber noch immer nicht mit meinem Stil zufrieden bin…) - ich bewundere dafür, wie du Kurzgeschichten schreiben kannst. Das würde ich gerne besser können, denn meine Versuche sind, ähm, unterirdisch. Und so schauen wir beide neidisch zum jeweils anderen und können daraus nur eins lernen: Nobody’s perfect und wer einem daraus einen Strick dreht kann mich mal!

    Und zum Idealismus: Teils, teils - in manchen Punkten bin ich Idealist (nie wieder Victoriaseebarsch - auch wenn er noch so lecker ist!), in anderen nicht. Aber ich versuche mir anzugewöhnen, nicht missionierend aufzutreten. Denn wer ein Vorbild ist darf sich keine Fehler leisten…

  11. 8/03/2007Caipi say:

    Das mit dem Barsch versteh ich nicht. Aber verdammt, ist denn keiner neidisch auf mich? Will auch Anerkennung:/

  12. 8/03/2007Muschi Gonzalez say:

    Schau dir “Darwins Albtraum” an - nach Möglichkeit beim Fisch-Essen. Ich bin echt nicht empfindlich wenn’s ums Essen geht, aber das…

    Nein! Nie wieder!!

  13. 22/03/2007jan say:

    also, ich finde deine Texte verwirrend.

Write a comment:

Close
E-mail It