Mein Chamäleon-Vorteil

26/03/2007

Okay, mein Vorteil? Ich weiß, was die Leute hören möchten. Bis ins Detail. Das heisst nicht, dass ich nicht manchmal Dinge sage, die sie nicht hören wollen- das ist lediglich ein Anzeichen dafür, wie sehr ich jemanden mag, nicht mag oder wie nützlich jemand für mich ist. Nur leider schaffe ich es nicht, da die Grenzen zu ziehen. Was meinen Vorteil zu meinem Nachteil macht.

Wenn jemand nur für mich nützlich ist - und ja, so skrupellos bin ich manchmal- dann neige ich dazu, besagte Person so lange zu manipulieren, bis sie bereit ist, das zu tun, was ich von ihr will. Das muss noch nicht mal durch langanhaltendes Gesülze oder Komplimente passieren. Das kann eine bestimmte Meinung sein, ein bestimmter Spruch, Verhaltensweisen. Es bedarf ein eingehendes Studium der Person, und es ist anstrengend, diese Haltung zu bewahren um am Ende ans Ziel zu kommen, aber es ist möglich und sehr oft haben sich lästige Freundschaften entwickelt, die ich im Nachhinein nicht mehr loswerden konnte. Genau das meine ich nämlich.. mein Nachteil.

Das ist die Strafe Gottes. Ich bin nicht ganz so kalt. Denn während dieser, ich weiß nicht, meistens bis zu zwei Monate, habe ich mich auch mit der Person gut verstanden und sie ist ja doch in Ordnung. Behalte ich meine Rolle, oder zeige ich ihr, wie ich wirklich ticke? Scheisse nun.

Egal, irgendwann verläuft es im Sand.

Aber mein Vorteil wirkt sich leider nicht nur auf die Manipulation aus. Ich kann ziemlich gut sticheln- ich weiß nämlich genau, wo die Fehler anderer Menschen liegen. Was sie eben nicht hören wollen. Zugegeben, ich eigne mich nicht sehr als gemeiner Mensch, dafür bin ich - angeblich - zu sanftmütig. Und zu lieb. Die Vorstellung, jemanden absichtlich so zu verletzen, dass es Nachwirkungen hat, erschüttert mich. Dann opfere ich mich lieber selber. Die Sprüche, die ich Klopfe, sind meistens auf Kosten von Menschen, die nichts mit mir zu tun haben, die ich nicht mal kenne, im besten Fall kennt sie keiner- oder auf mich selber. Damit trete ich auch in kein Läster-Fettnäpfchen, brauch ich nicht, diesen Stress. Ist ja auch okay, nur dass ich deshalb ein Repertoire an verletzenden Sprüchen habe, die mir echt immer auf den Lippen liegen- und wenn dann mein Jähzorn durchbricht, kann’s schon mal knallen. Und Freundschaften für immer auf Eis legen. Gemein ist kein Ausdruck.

Doch das schlimmste an meinem Vorteil- das meine ich auch völlig ernst - ist meine Art, Komplimente zu machen. Denn wenn ich was kann, dann ist es das. Meine Freunde werden laufend überschüttet. Du siehst gut aus, du riechst gut, verdammt kannst du das gut, dies, das, jenes. Immer in einem gut klingenden Satz verpackt, sodass auch keine Missverständnisse entstehen- diese Sprüche stehen jedenfalls in keinem Buch. Und ich weiß genau, was ankommt, weil ich mir wenigstens die Mühe machen, zu wissen, was dieser Mensch will. Das ist bis hierhin ja gar kein Problem. Dummerweise mach ich es zu einem, wenn ich mich nicht mehr bremsen kann in meiner Zuneigung. Die wächst, und wächst, und wächst- und proportional dazu wächst auch mein Drang, es dieser Person mitzuteilen.

Die Vorstellung, von jemanden mit so viel Aufmerksamkeit überschüttet zu werden, schmeichelt mir schon- die ersten 2 Wochen jedenfalls. Danach kann ich nicht dafür garantieren, dass ich diese Person nicht eigenhändig schlachte und unter die Erde bringe. Hallo? Genug ist genug. Ist genug. Nur irgendwie nicht für mich. Und wenn ich jemanden echt mag- dann passiert es schonmal, dass diese Komplimente als selbstverständlich angesehen werden. Die Leute heben auch manchmal ab. Oops, so war das nicht gedacht! Hey, hallo? Ich bin doch kein Dackel, kein Vollhorst, kein Trottel! Ich hab auch Gefühle! Und wo bleibt meine Aufmerksamkeit?

Ich bin nämlich doch ein Trottel. Ich mein’s nur gut, aber das macht mich nicht weniger zum Depp of the week. Klar kann ich auch meine Kühle, distanzierte Seite raushauen, aber wenn man mich erst mal geknackt hat, dann muss ich diesen Schritt belohnen. Und werde eiskalt abserviert, wenn ich dieses selbst erschaffene Monster nicht mehr füttern kann, weil ich müde bin, weil ich was zurück erwarte- obwohl ich eigentlich nichts zurück erwarte. Das ist paradox, ich weiß- alles, was ich will, ist die Wertschätzung. Hey, ich mach mir die Mühe, mir sowas auszudenken, und alles was ich krieg ist ein “Ich weiß!”? Wenigstens ein Danke. Ein ernstgemeintes Danke, meine ich.

Aber den Fehler mache ich ja selber. Immer und immer und immer wieder. Und jetzt nenn mich bitte noch mal liebenswert. Ich bin nur ein Vollhorst, mit einem Nachteil, der sich als einen Vorteil ausgibt.

There are 11 comments in this article:

  1. 26/03/2007texxxt say:

    Du riechst. Du riechst. Du riechst gut.

  2. 26/03/2007Markus say:

    Sehr guter Text. Und mutig sowas zu schreiben. Stell ich mir ziemlich stressig vor langfristige Freundschaften aufrecht zu halten. Warum bleibst du nicht einfach wie du wirklich bist? Zu langweilig? Angst normal zu sein? Na ja… Mach ich mir bei dir weniger Sorgen drum. Schönen Abend noch.

  3. 26/03/2007Caipi say:

    Werd ich jetzt misstrauisch bei allem sein, was du sagst?

  4. 27/03/2007rollmops say:

    Ich würd mir genau überlegen wem ich sowas erzähle. Die Leute, und damit auch Freunde, wollen leider nicht immer die Wahrheit und Alles wissen. Viel zu oft wird man mehr danach beurteilt was man sagt, statt danach was man tut oder tun möchte.

  5. 27/03/2007Sebastian say:

    Also ich verstehe den Text als “Mal, bin ich so, dann wieder so, ich kann aber auch ganz anders.” Ist doch normal.

  6. 27/03/2007leonope say:

    Undank ist der Menschen Lohn ;) Aber Du machst Dir doch selbst das grösste Kompliment, indem Du ja bereits erkannt hast, wie der Hase läuft und das sogar noch auszudücken vermagst. Hat und kann nicht JEDER. Also … schönen guten Morgen und ich lese immer wieder gerne, was Du zu “sagen” hast ;) Daumen hoch!

  7. 27/03/2007Christoph say:

    Dann hör’ ich jetzt wol besser auf mich über “Aaaaah!! MOTORRAD!
    Dein Sex Appeal steigt hiermit ins unermessliche” zu freuen, oder? ;)
    Nee, im Ernst: Auch ich finde es sehr mutig so etwas zu schreiben. Ich denke nicht viele können so zu ihren “Charakterschwächen” stehen - wenn man das denn als eine werten möchte.

    Letztenendes schadest du damit hauptsächlich dir selbst! Auch wenn es ein kurzzeitiger Vorteil seien mag, ist es im Grund doch schöner für das gemocht/geliebt/respektiert zu werden, was man wirklich ist…

  8. 27/03/2007Meine Macken - das ist ja kein Stöckchen, sondern ein Baum! - editiert 27.3.07 « Pipollina say:

    […] Skywalker, bist du zu selbstkritisch? Nimm das Stöckchen, wenn du dich noch ein Bisschen mehr psychoanalysieren möchtest…  […]

  9. 27/03/2007pipollina say:

    Jetzt werd ich langsam neugierig… *grins*

  10. 27/03/2007hispace say:

    du bist clever…sehr sehr clever und du beeindruckst mich wahnsinnig, wie du schreiben und dich ausdrücken kannst.
    irgendwie, nehme ich dir diese fiese art nicht ab..warum nicht..? ganz einfach, du bist zu ehrlich und kannst dich selber sehr gut analysieren und wer das kann, macht und dann erst noch öffentlich, der entwickelt sich weiter und bleibt nicht fies ;-)lg hispace

  11. 27/03/2007Lucky#Slevin say:

    Hmm.. erst ma danke, aber so viel Mut braucht es gar nicht, dies zu veröffentlichen, da meine komischen Charakterzüge euch überhaupt nicht betreffen (auf virtueller Ebene kann ich durchaus ich selbst sein und vor allem mir selbst aussuchen, mit wem ich verkehre- den Nutzen kann ich mir auch woanders holen), und die Leute, die sonst meinen Blog lesen, zählen zu meinen wahren Freunden und haben mich auf einer anderen Ebene kennengelernt als auf der der Manipulation.

    Das ist m.M.n eh zweitrangig- dass man sich mal manipulativ verhält, weil man gerade daraus den Nutzen zieht, seh ich bei vielen Menschen. Es macht Spaß, eine Person so kennenzulernen, dass man einschätzen kann, wie sie reagiert und ja, es kann auch durchaus ein Vorteil sein im Sinne von Streitvermeidung, da bin ich sowieso die Beste. Ich bin sehr darauf bedacht, niemanden dabei zu verletzen. Ich zwinge ja niemanden zu irgendwas, sondern verkaufe mich als etwas, dass ich nicht bin- aber kommen tun sie von alleine, wenn ich es so einrichten kann.

    Das ist ja noch lange kein Problem. Nein, das wahre Problem entsteht ja erst, wenn ich meinen Freunden oder den Menschen, die ich mag, die schönen Worte ins Ohr flüster, die ich wirklich so meine - nur leider damit so übertreibe, dass sie abheben, arrogant werden und mich links liegen lassen wenn ich mal davon ‘ne Pause machen. Und das passiert mir nunmal immer und immer wieder. Das war mein eigentliches Anliegen.

    Nur, dass ich das mal klarstelle: Ich weiß gar nicht, woher ich diese “Macke”, nennen wir es mal, habe. Ich bin ein sehr, sehr aufmerksamer Mensch, wenn ich so sein will. Das passiert nur, wenn ich jemanden sehr mag oder wenn ich irgendwas von jemandem will. Ich seh das noch nicht mal als schlimm an. Nur was ich daraus mache, kann schlimm werden… das ist das Ding.. und jetzt habe ich den Faden verloren und keinen Bock meinen Scheiss zu lesen.

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