Gehirnmissbrauch
21/04/2007Es ist nicht schwer, in die Schule zu gehen. Aufstehen, Sachen packen, fertig machen, hinfahren, sechs bis elf Stunden absitzen, nach Hause fahren, erleichtert sein.
Es ist echt nicht schwer.
Trotzdem schaff ich es jeden Tag, nachdem ich mich aufgerafft habe und hingefahren bin, nach zwei Stunden meine Sachen wieder zusammen zu kramen und mich nach Hause zu verpissen, in mein Bett, zum Fernseher, an den PC. Oder ich gehe mit Gleichgesinnten einen Kaffee trinken, im Endeffekt läuft es doch nur darauf hin hinaus, nicht in der Schule zu sein, selbst wenn ich mich stattdessen langweile.
Doch in letzter Zeit hängt es noch nicht mal mehr damit zusammen, dass ich keinen Bock auf Schule habe. Ich habe generell keinen Bock auf gar nichts. Ich möchte noch nicht mal mehr mit irgendwelchen Leuten abhängen. Ich will einfach nichts machen. Ich will auch nicht über die Zukunft nachdenken. Mein Abitur hab ich mir eh schon längst versaut. Nicht, dass ich es nicht packen könnte, das nicht. Aber ich werde ganz bestimmt nicht das erreichen, was ich erreichen wollte. Somit kann ich es auch genauso gut lassen. Am liebsten würde ich das Jahr jetzt noch fertig machen und dann auf ‘nem Schiff in der Antarktis eine Ausbildung zur Kombüsenköchin machen. Ein einfaches, monotones, untere Mittelschichtleben, nur dass ich mich dann sowieso umbringen werde, weil ich ein dekadentes Arschloch bin, zwar ohne Grund und handfeste Dinge, aber egal. Egal. Entweder alles oder nichts. Das “alles” habe ich schon verspielt, also gebe ich mich mit dem “nichts” zufrieden. Damit das “nichts” mich dann endgültig töten kann, weil ich es selbst ja nicht hinkriege. Ich krieg gar nichts hin.
Früher war es mir nicht egal, ein Versager zu sein. Vor ein paar Jahren war für mich alles noch ein Wettbewerb, ich wollte besser sein als meine Freunde, als meine Klassenkameraden, als alle möglichen Leute und zwar auf allen möglichen Ebenen. Da war zwar der Rest meines Lebens total für’n Arsch, aber es ist ja nicht so, als hätte sich da irgendetwas geändert- nur, dass es jetzt auch schulisch bergab geht. Mittlerweile kann ich mich noch nicht mal mehr an meinen ehemaligen Konkurrenten messen, sie sind mir egal. Ja und, dann sind sie halt besser, die sitzen ja auch in der Schule wie die Dummen. Und ich zieh die Arschkarte, weil ich mir meine Zukunft versaue. Und es ist mir egal, seht ihr, es ist mir egal. Ich will mich nicht mehr bemühen für irgendetwas, dass nicht stattfindet. Ich denk mir: Shit, ich will Geld haben, um mein Leben richtig zu genießen. Aber jetzt. Nicht irgendwann. Ich kann die Schule gerade überhaupt nicht gebrauchen. Ich will auf die Kacke hauen können. Ich will jeden Tag Party machen.
Nur dass mein psychischer Zustand gerade so zerbröckelt, dass ich selbst das nicht mehr will. Ich will mich einfach irgendwo hin hauen, die Augen zu machen, Musik hören, und vor mich hin dösen, in einem ewig langen Koma.. und wenn ich aufwache, hat sich alles erledigt, und ich bin nicht mehr müde, und schaffe es, irgendetwas zu tun, egal was… das kann doch nicht alles real sein, wie kann man nur so verzweifelt und dumm sein- es ist doch nicht wahr, oder? Es muss doch einen Grund für das alles geben, oder?
Oder gibt es echt keinen.
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