Es ist nicht vorbei, es klingt nur anders.

Mein Name ist Kunnari. Sklave Kunnari.

Posted: July 27th, 2007 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Weltkulturerbe | 7 Comments »

So, ja, Freitags ist hier Feiertag deshalb chill ich wieder im Internetcafe. Wisst ihr was mir auffaellt hier? Es laufen so viele huebsche, unverbrauchte und junge Typen rum, die ich nicht ansprechen kann. Meine Niederlage in allen Dingen der Fruchtbarkeit hat echt einen Hoehepunkt seinesgleichen erreicht.

Ich finde es ist an der Zeit, etwas ueber dekadente Araber zu sagen. Meine Oma ist nun um die 65 Jahre alt und braucht eine Haushaltshilfe. Deshalb importiert sie sich die billigen Ethiopier oder Indonesier, die fuer sie putzen und aufraeumen und den Gaesten nachschauen. Das machen viele Araber so, die etwas zu viel Geld, dicke BMWs und sieben bis fuenfzehn Kinder haben, die sich alle zu behaarten Gorillas entwickeln werden und dementsprechend schon als Kinder mit Steinschlaegen erzogen werden muessen. Das ist echt so, es liegt an den Genen.

Jedenfalls, vor ein paar Jahren holte meine Oma Connery zu sich. Ja richtig, Connery, wie in Sean Connery, nur auf Arabisch ausgesprochen (Kunnn–aaahh-rrriiiiii). Connery war schon erfahren in Sachen Haushalt und hat sich freiwillig fuer sage und schreibe 4 Jahre “au pair” gemeldet um ihre Familie in Indonesien zu ernaehren. Als ich sie das erste Mal sah und wie sie alles putzen und sauber machen musste und sogar die kleinen Arschlochkinder meines Onkels sie rumkommandierten, war ich echt geschockt. Von wegen Menschlichkeit und Respekt und Wuerde und WAS IST DAS NUR FUER EINE VERDAMMTE SKLAVEREI DIE ICH NICHT BEKAEMPFEN KANN!

Aber ich habe darueber nachgedacht, und selber mit Connery darueber geredet. Sie ist jetzt wieder zu Hause, die Jahre sind vorbei, und sie hatte mir erzaehlt, in ihrem gebrochenen Arabisch, dass das die zwar durchaus anstrengendste, aber auch schoenste Zeit ihres Lebens war. Sie musste nicht im Dreck leben, sie hat Geld verdient (zugegeben, nicht viel, aber meine Oma war gut zu ihr, hat ihr alle 2 Wochen sogar Geschenke gemacht, sie eingekleidet, und so weiter), hatte sogar irgendwann ein Mobiltelefon und konnte ganz gut arabisch sprechen. Das waren Chancen.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die neue, Chamza aus Ethiopien, damit eine Chance bekommen hat. So, wie sie sich benimmt, koennte man tatsaechlich annehmen, sie haette noch nie in ihrem Leben elektrisches Licht gesehen. Sie versteht nichts, kein Englisch und kein Arabisch, deshalb ist meine Oma schon am verzweifeln, wie sie ihr alles beibringen soll. Aber sie kriegt hier zu essen, klimatisierten Aufenthalt und obwohl meine Oma streng ist, ist sie nicht unmenschlich zu ihr.

Was mich bis heute allerdings stoert, ist der Titel eines Zweite-Klasse-Menschen. Sie isst nicht mit uns am Tisch, sondern alleine, und auch nicht unser Essen, sondern, naja, anderes. Man will ja sparen. Sie kommt nicht mit, wenn wir weggehen, sondern bleibt zu Hause. Sie kleidet sich anders als wir, nicht in Lumpen aber frisch sehen die Sachen auch nicht mehr aus. Es stoert mich. Es nervt mich. Sie sagt sehr oft danke, danke fuer dies, danke fuer das, danke dass ich ein Klo zum Scheissen habe. Ich waere vielleicht auch dankbar. Aber wenn man mit so viel Glueck aufwaechst wie ich, dann merkt man vielleicht erst was andere Menschen fuer ein Schicksal erleiden muessen, wenn man direkt damit konfrontiert ist, und wenn man das erstmal gepeilt hat, hoert man eventuell auf, sein Glueck so unkontrolliert wegzuschmeissen.

Okay, genug der Faselei. Ich wollte ja eigentlich gerade ein paar Bilder hochladen, aber dieser DrecksPC erkennt das USB Kabel nicht. Hm. Ich will eine Rauchen.

In der naechsten Folge von: “Sara verzweifelt auf der Suche nach Zigaretten die sie unbeobachtet quarzen kann”: Der Unterschied zwischen Deutschen und Arabischen Zigaretten. Adios!


Chucky die Mörderschuhe

Posted: July 23rd, 2007 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 3 Comments »

Aah! Ich werd gleich zur blutpissenden Ameise! Seit 4 Jahren wälze ich meine Chucks in Schlamm, Matsch und Regen, habe sie aufgerissen, zugenäht und mit Liebe bespuckt, VIER JAHRE LANG, eine Kruste hat sich gebildet, Schimmel sitzt an der Sohle und ich springe schon prinzipiell in jede Kotzpfütze mit den Teilen.

Schnee, Hochsommer, Eis, Sand – von der beschissensten Wüste in Dubai bishin zum Strand von Italien haben diese Schuhe echt alles gesehen. Ich habe sie schon als Basis für Feuerwerkskörper (wie Raketen, Böller und andere ähnlich explosive Produkte) verwendet, als Waffe gegen penetrante Menschen die mich nachts mit kaltem Wasser wecken um “sich einen Spaß daraus zu machen”, und als immer loyales und funktionierendes Schuhwerk. Ich bin bisher nur EINMAL ohne meine schwarzen, versifften Chucks im Club gewesen- und das auch nur, weil in diesem verpöhnten Laden Converse All Stars als “zu mainstream” galt (es sei gesagt, dass ich bis heute bereue, hingegangen zu sein. Mainstream, hm? Das sagt der Türsteher von einem Laden in dem Cascada gleich drei Mal auf der Playlist ist).

Ja, meine Chucks. Seit der 7. oder 8. Klasse ungefähr habe ich sie, und ich weiß noch, dass ich die erste war. Ich meine, ich habe mein ganzes Leben lang schon Chucks getragen, aber noch nie habe ich ein Paar so lange behalten können. Und ich war ein Vorreiter für den Trend, der dann an unserer Mittelstufe entstand. Erst waren es nur die paar Freunde, dann schon der Jahrgang und später die ganze Schule- Variationen an Farben, verschiedenfarbige Schnürsenkel, blah, blah, blah. Ich blieb bei meinen schwarzen, alten Chucks.

Und was ist? MEINE MUTTER GEHT EINFACH HIN UND SCHMEISST SIE IN DIE WASCHMASCHINE. MEINE WUNDERBAREN CHUCKS, DIE EINE GESCHICHTE ERZÄHLEN KÖNNTEN, DIE WEIT ÜBER DAS PARANORMALE HINAUSGEHEN.

Ich meine, scheisse verdammte- ich habe sie auch schon aus dem Müll fischen müssen, weil der Stubenadolf sich vor diesen Schuhen ekelt UND ich darf sie schon nicht mit nach Syrien nehmen (ist vielleicht auch besser- meine Oma würde mich überhaupt nicht ins Haus lassen mit diesen Schuhen). Aber aarrrghgh! Sie zu waschen! Todsünde! Das ist wie als hätte ich ihren Chanel No. 5 Flakon aufgemacht, entleert und ausgespült- “ja, das hat halt so gestunken”.

So. Ich habe jetzt also jeden Grund dazu, deprimiert zu sein. Pfft. Chucks waschen, also echt.


Amerika, Amerika…

Posted: July 20th, 2007 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Weltkulturerbe | 7 Comments »

Beim täglichen Entertainment-Durchzapp der deutschen Fernsehverblödung bin ich auf eine ziemlich interessante Dokumentaion bei arte gestoßen. Jaha, arte. So bildet man sich weiter! DAS ist Fernsehen für die Zukunft, Leute. Schneidet euch alle eine Scheibe bei mir ab und guckt mehr arte. Wobei ich an dieser Stelle ehrlich sagen muss, dass ich noch nie in die Fernsehzeitung geblickt habe und mir dachte “Oh, was kommt den heute spannendes auf arte? Aaah, der 2. Weltkrieg aus Sicht der russisch-orthodoxen Juden! Interessant, muss ich aufnehmen!”. Eigentlich kenne ich keinen, der das macht. Es sind immer nur diese Zufallszappgeschichten, die einen weiterbringen. Das ist wie mit den Parties: Die spontanen sind die besten, besoffensten und vor allem die mit dem meisten Erinnerungswert, selbst wenn man total den Filmriss hatte und zu spät gekommen ist und den Rest verpennt hat, während die lang geplanten einfach nur schnöde nach Schema F ablaufen und keinen wirklich zufrieden stellen.

Ja, so ist arte.

Anyway. Um auf das Thema zu kommen, die Doku behandelte “Das andere Amerika”; das Amerika der Punks, der Künstler, der Outsider und auch der Politik. Es wäre jetzt sehr anmaßend von mir zu behaupten, ich hätte alles nachvollziehen können. Aber zumindest kann ich behaupten, ich hätte den Kern der Reportage verstanden und mich sehr amüsiert, als Dave Eggers und die Gründer der “Vice” sich zu den einzelnen Themen in Amerika so wie den Stätten geäußert haben. Es gab kein Thema – von Gangs bis zur Musik über Wirtschaft – das nicht zumindest angesprochen wurde und alleine diese Vielfalt macht für mich eine Reportage aus, selbst wenn sie manchmal nicht bis zum innersten Kern vordringt.

Egal wie- diese halbe Stunde fernsehen hat mich plötzlich auf etwas gebracht, das mir vorher so deutlich noch gar nicht aufgefallen ist. Nämlich meine unermessliche Zuneigung zu diesem Land. Versteht mich nicht falsch- Amerika hat ein genauso arrogantes und oberflächliches Gesicht wie die Typen, denen ich meistens verfalle (die mich nie beachten und mich einsames dummes Ding belächeln); aber das Innere ist viel mehr wert. Ich war noch relativ jung als ich die USA besuchte, von San Francisco bis hin zu New York, aber nichtsdestotrotz bleibt der Eindruck als wäre es gestern gewesen.

Was mir im Sinn bleibt sind vor allem die Menschen. Nicht die High School Protagonisten, sondern die Art, die Mentalität- etwas völlig anderes als wir in Europa gewöhnt sind. Ich möchte mir gar nicht herausnehmen, das zu beschreiben, das könnte ich überhaupt nicht. Es ist einfach anders. Auch anders als in meiner Ursprungsheimat, Syrien oder den anderen (ähnlichen) arabischen Ländern. Man fühlt die Freiheit. Man spürt die Kunst, die Talente, dieser Haufen von wahnsinnigen Lifestyles. Die Obsession mit der Jugend, mit der Schönheit. Natürlich ist vieles artifiziell, und wenn man erst von der Politik anfängt heisst es sowieso “Amerika, scheissen wir bitte mal auf dieses ursprünglich tolle Land, das sich selbst zerstört hat”. Aber mich fasziniert es immer noch, alles.

Wisst ihr, ich bin aufgewachsen mit Nickelodeon und Mickey Mouse, aber hab dafür nie Löwenzahn geguckt. Meine Eltern gingen mit uns in Freizeitparks wie Disney World, zum Frühstück gab es Cornflakes und mein Vater fährt bis heute einen Chrysler. Meine Mutter heisst “Mom” seitdem ich 8 bin, und mein Englisch ist zeitweise besser als mein Deutsch (mit einem eigens antrainierten New England Accent, obwohl das eher aus Faulheit als aus Ästhetik; alles andere war aber zu schwer). Ich stehe auf amerikanische Musik, amerikanisches Fast Food, amerikanische Sportarten, amerikanische Klamotten, fast schon prinzipiell.

Nur konnte ich mir nie erklären, wieso. Ja, wieso eigentlich? Als Deutsche und als Tochter von Arabern sollte ich Amerika und seine Korruption hassen, die Leute für ihre Oberflächlichkeit und Naivität verurteilen, die ganzen Schafe, die blind irgendwelchen Trends und der Manipulation der Medien folgen verachten und mich und mein Land selbst in den Himmel loben, weil wir gebildet und fortschrittlich sind und keine kirchlich-dummen Gesetze oder das Kyoto-Protokoll nicht unterschrieben haben. Ich mag Elektromusik und Filme, die außerhalb von Hollywood ihren Erfolg feiern.

Also warum diese Faszination? Vor allem weiß ich, das ich da kein Einzelfall bin- ich kenne viele meiner Freunde, die auch so eine unglaubliche Zuneigung zu Amerikanern haben. Dabei sind die uns doch gar nicht so fremd, oder? Die sind nur irgendwie lässig und cool und… ja. Was eigentlich?

Ich kann es nur für mich rechtfertigen. Die Männer dort sehen besser aus, oder zumindest die Männer, die auch international Beachtung finden. Die Happy Endings in den ganzen Filmen sind alle in den USA gedreht. Bei Starbucks gibt’s den besten Kaffee und bei McDonald’s den billigsten Burger. Das Land ist groß und deshalb spannend; man kann aufsteigen und Geld machen, man kann aber selbst als armer Schlucker noch einem Lifestyle nachgehen, den man hier noch nicht mal zu träumen gedenkt. Wo sonst hocken Skater neben Punks neben Goths neben Emos neben Nerds neben Rentnern, und wo sonst kann man vom Strand in die Mall auf’s Land durch die Lüfte über’s Wasser unter Asphalt?

Nirgendwo. Nur dort.

Aber eines ist für mich nun klar geworden: Es ist eine alte, verblassende Liebe. Das Gefühl, das ich bei den USA meistens kriege, ist definitiv ein Gutes, eines, das mit Freude und schönen Erinnerungen gespickt ist. Trotzdem ist es mehr ein Fotoalbum als ein aktuelles Bild, das an einem vorbeizieht. Teilweise traurig, nostalgisch, weil ich jetzt alt genug bin um zu verstehen das vieles von dem, was ich damals sah, falsch war oder zumindest getäuscht. Ich glaube, die USA ist für mich wie ein alter Freund, mit dem man sich irgendwann einfach gestritten hat. Man sieht sich ab und zu noch, aber es ist nicht dasselbe. Man will immer noch von diesem Menschen etwas wissen, aber fühlt keine Emotionen mehr dabei, sondern nur Interesse und vielleicht auch ein bisschen Sorge. Man würde dieser Person immer noch beistehen in schweren Zeiten, aber man hofft innerlich, dass man in schweren Zeiten selber… einfach nicht zur Hand ist.

Die USA sind ein verdammt komplizierter Haufen Staaten.