Es ist nicht vorbei, es klingt nur anders.
Posted: February 27th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 9 Comments »

Es ist nun endlich so weit: vor lauter Arbeit bin ich seit zwei Wochen nicht mehr dazu gekommen, mein Zimmer aufzuräumen, staubzusaugen oder gar meine Wäsche zu waschen. Als Resultat muss ich schon seit fast 10 Stunden in meinem pinken, gefälschten Ed Hardy T-Shirt mit Glitzersteinchen rumrennen, dass ich mir mal aus der Türkei habe mitbringen lassen, weil ich dachte dass auch Putzutensilien ein Recht auf Farbe haben.

Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber: Arbeit macht mir Spaß. Ich wünschte, ich könnte den ganzen Tag arbeiten! Toilettenpausen und Essen zwischendurch sollte effektiv bestraft werden, jawohl!

Ernsthaft? Ich liebe es. Erstens gammel ich nicht mehr so viel in gefährlichen Gegenden rum. Zweitens ist das der erste Bürojob, den ich mir ernsthaft mein ganzes Leben lang vorstellen könnte. Ich meine, ich hatte noch nie einen Job, den man wirklich als Job bezeichnen konnte (arbeiten in der Videothek war ja eher mit Leuten quatschen, Dinge tun, die man sowieso getan hätte (nur dass man nichts mehr dafür bezahlt hat und zusätzlich noch Lohn bekam), und Ketterauchen, was zu Hause nicht ging). Meine Angst, in einem total verspießten nine-to-five Job zu enden waren unbegründet; stattdessen bin ich in der geschlossenen Anstalt gelandet, die mich freiwillig nicht mehr ausspuckt (außer ich verkaufe meine Seele oder sowas).

Es ist großartig. Klar, von Berlin sehe ich nichts mehr, aber immerhin weiß ich schon mal, in welche Richtung ich später in meinem Leben gehen möchte. Public Relations, Kommunikation, etc.- alles ein Arschloch. Aber umso hartnäckiger ist man doch, wenn’s nicht so leicht ist. FRISS DAS, VIDEOTHEK! (Wobei ich das ja eigentlich nicht sagen darf, ich vermisse es immerhin, kostenlos Filme auszuleihen und hässliche Kunden zu beleidigen).

So. Außerdem kann ich auf diesem Wege wichtige Pressekontakte für die Zukunft sammeln- wenn ich dann mal irgendwas preisverdächtiges erfinde (“Revolution: Mann ohne Vorhaut gezüchtet!”). Wer sich in meine Liste der großartigsten Menschen einordnen will, sollte sich bitte bei mir melden (das ist übrigens eine ernstgemeinte Anfrage. Wer ein VIP der Medien ist, bitte UMGEHEND bei mir melden).


Posted: February 15th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Weltkulturerbe | 6 Comments »

Ich war mit fünfzehn jungen Jahren mal in einem üblen Schuppen, wo ich das erste Mal etwas vom Genre “Indietronix” hörte und mich der rockig-punkigen Stimmung auf tanzbarem Hintergrund hingab. Trotz des Schweißes, trotz des Gestanks (wobei damals kein Rauchverbot herrschte und es deshalb angenehm genug war), trotz der rumspringenden Menschen (wer wusste mit 15 schon, wie getanzt wird?), trotz der Bierfahnen und der Tränen in den Augen vor Extase.

Wir hatten keine Kameras, wir sahen alle scheisse aus in zerfledderten Jeans und Pullovern, wir waren bei weitem nicht die Ältesten und bei weitem nicht die Jüngsten, wir haben nur Bier getrunken weil es nichts anderes gab, unsere Jacken lagen irgendwo in der Ecke des Clubs übereinandergestapelt weil Gaderoben überbewertet wurden, gepinkelt wurde hinterm Busch, acht Stunden später gekotzt und irgendwann torkelte man dann mit zitterenden Händen nach Hause. DJ’s gabs damals irgendwie auch nicht.

Ich war vor einigen Tagen in einem “Club” in Friedrichshain der in etwa genau das aussagen wollte, was ich vor Jahren selber gespürt hatte- nur leider nicht konnte. Und obwohl ich heute solche Musik nicht zum Tanzen sondern zum Autofahren bevorzuge und die Location alles andere als praktikabel für meinen geradegeschnittenen Pony ist, fand ich es trotzdem gut, weil ich mit meinen wunderbaren Freunden da war und Spaß haben durfte. Aber irgendwas war anders. Ich habe mich beobachtet gefühlt, als hätte ich mein Leben bei HotOrNot.com abgegeben und darauf gewartet, von Gleichgesinnten bewertet zu werden. Frei nach dem Motto: Wer kann am besten wild, dreckig und beschissen aussehen? Ja, klar- eine Beobachtung aus dem Augenwinkel, ein hintergründiger Gedanke ohne tatsächliche Bedeutung, wenn da nicht dieser Artikel gewesen wäre.

Ich hatte meinen Spaß im Club, aber ich habe vor einigen Tagen einen Artikel gelesen (danke an R.), der das ganze wieder auf den Boden der Tatsachen brachte. Der Tod der westlichen Kultur- der Hipster-Zombie. Und jetzt fiel es mir auf: Es reihte sich eine Röhre neben der nächsten, eine 70er Jahre Brille nach der anderen, in Reihenfolge wurde jeder gegen die Wand abgelichtet, sie sahen gleich aus aber anders, unterhielten sich über “The Indie Shit of the Month”, über die neuesten Insider Trends in Sachen Berliner Boutiquen, über Sushi über American Apparell über Vice über Apathie über Electro über neue Hi-Tops über Anti-Frisuren über KOTZ.

Mir war das vorher nicht bewusst. Mir war nicht bewusst, dass diese Welle des ätzendsten Trends aller Zeiten jetzt auch Deutschland erreicht hat. Ja, in den USA gibt es sowas- in den USA nennt es sich “White Trash Movement”, jedenfalls betitel ich es als genau das- in den USA gibt es sowieso alles im Überfluss. Von mir aus auch in der Neo-Hippie Hochburg Barcelona, maybe in Paris, wo man das neue Elektro erfand. Aber jetzt ist das Fotografieren mit der analogen Kamera eben doch nicht mehr so einfach wie noch vor einigen Wochen, nicht mehr so belanglos, nebensächlich- meine analoge Kamera hat eine exorbitante Bedeutung, für die ich mich im Prinzip rechtfertigen müsste.

“Ich bin kein Hipster”, würde ich gerne sagen, aber wenn man mich so gesehen hätte, in diesem Schuppen- Leggings, langes Oberteil, Red Bull in der Hand, scheiss Pony mit dem ich aussehe wie eine Trompete, High-Tops, Lederjacke. Dann die analoge Kamera in der Tasche, der ausgeleierte Techno-Tanzstil der überhaupt nicht geht und das disaströse Mitgröhl-Fieber, dass einen eben bei Indie-Musik packt. Die Fluppe im Maul, diese hemmungslose Apathie, wenn es sowas gibt.

Ich bin zerstört, innerlich, weil ich der Überzeugung bin, dass ich so Aussehe, wie ich eben aussehen will- weil es mir steht oder eben auch nicht. Ich weiß, dass ich High Tops auch früher gut fand und früher auch welche hatte- aber hatte ich so viele Paare? Ich weiß, ich habe Röhrenjeans gehasst, jetzt hab ich drei, plus ungefähr zweiundachtzig Leggings. Ja, der iPod war auch schon vor 4 Jahren da, die Lederjacke auch– aber die analoge Kamera nicht, und der pinke Nagellack auch nicht, und die gerafften Kleidchen auch nicht.

Ein 360° Blick sagt aber alles- war es bei ihnen vielleicht nicht genauso? Ich verurteile keine Trends, nur Leute, die ihnen blind und ohne Ansporn hinterherrennen. Wenn Leute nicht raffen, warum es den Trend gibt, wie er entstand, sondern einfach meinen: Hey das sieht gut aus so bin ich jetzt auch. Okay, fand ich ätzend, und ich bin immer der Meinung gewesen, ich müsste ihnen einfach nur nicht folgen. In Retroperspektive betrachtet habe ich mir meistens das Beste rausgenommen und es für mich verwertet. Diesmal ist es anders. Diesmals passe ich so perfekt in dieses Bild rein. Diesmal muss ich mir die Frage stellen: Bin ich so, weil ich so bin, oder bin ich so, weil ich so wurde?

Da streife ich in meiner Überheblichkeit also monatelang durch das Gefilde der Hipster und verurteile sie gleichermaßen ohne einen Moment stehen zu bleiben und darüber nachzudenken, ob das, was ich tue, nicht schon wieder einfach fremdbestimmt ist.

Habe ich ein Problem damit, dass ich (schon wieder) zu einer Masse gehöre, die blind irgendwelchen hedonistischen Prinzipien verfolgt ohne jegliche essentielle Motivation? Ich glaube nicht. Ich glaube, ich fühle mich sogar eher wohl, wenn andere so sind wie ich oder ich mich dazugehörig fühlen kann. Das mag man verurteilen, wie man will, ich brauche nicht anders zu sein, weil ich das schon mal hatte und mich darin scheisse fühle. Mein Problem ist, dass der Sinn dahinter nicht besteht, dass ich keiner Gruppierung zugehöre, die Iros auf dem Kopf trägt als Symbol für eine Bewegung- politisch, musikalisch, naturwissenschaftlich, scheisse. Ich glaube, ich gehöre einer Gruppe von Menschen an, die sich in Stil- und Stillosigkeit verirrt. Ich gehöre zur Null-Kultur. Ich gehöre in die ganzen pseudo-ranzigen Clubs, die eine hammerharte Techno Line-Up haben. Ich gehöre auf ein MGMT Konzert, ich gehöre in die MySpace/Facebook “Ich zähle meine Freunde” Gruppe, und wenn man mich sieht, dann fragt man sich am liebsten: Scheisse, wo hat die eigentlich diese geilen Schuhe her?

Leider ist das hier nicht Fight Club, das ist nicht etwas, dass man ausspucken und bekämpfen und verachten und ignorieren kann. Das hier ist nichts mehr, von dem ich mich distanzieren und belächeln kann. Ich gehöre jetzt da rein, gewollt oder ungewollt, und muss sich mit einer grundlegenden Frage rumschlagen: Wo bin ich gelandet?

Vielleicht wäre aber eine andere Frage viel wichtiger: Warum störe ich mich so sehr daran? Es stört mich doch auch nicht wenn ich die Brandenburgkarrieren sehe- die Jacquelines mit den weißen Stiefeln und der Solariumbräune und den Machofreunden und dem aufgesetzten IschNixDeutsch und die blondieren schwarzen Haare mit Ansatz und Extensions und Oberlippenpiercings. Nicht unbedingt meine persönliche Augenweide, aber ich kann sie hinnehmen, akzeptieren, tolerieren und in manchen Fällen sogar ganz gut damit klarkommen, habe Freunde, die so sind, ohne sie zu verurteilen. “Die sind halt so”, und ich glaube es ihnen auch.

Wenn ich aber jemanden sehe, der Creolen trägt, American Apparel XS Kleidchen auf lila Leggings mit Nike High Tops, Kippen aus dem Softpack in der Hand hält und Blümchenmusterfahrrad fährt, dann möchte ich aufschreien und kotze ein bisschen vor mich ihn. Ich will hingehen und sie am Kragen packen und fragen, warum sie so aussehen, warum sie das cool finden, warum ICH das cool finde, warum die nichts mehr auf die Reihe kriegen, warum ich nichts mehr hinbekomme, warum das jetzt auf einmal In ist, so zu sein–

Ich passe da so wunderbar rein, in dieses Bild, und ich wüsste einfach so gerne, wieso. Das ist alles.

Update: Link funktioniert jetzt! Lest den inspirierenden Artikel hier.


Posted: February 11th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Lärmforschung, Sperrmüll | 1 Comment »

Ich lebe mit der Philosophie, dass man andere für sich sprechen lassen muss, wenn man selber nicht weiß, wie man bestimmte Dinge ausdrücken soll. Und weil das relativ häufig vorkommt in letzter Zeit und ich erstmal klarkommen muss mit all den Dingen, gibt es jetzt die einzige Interpretation von dem, die ich mir vorstellen kann:


Posted: February 6th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 20 Comments »

So, ich gebe es endgültig auf. Wenn sich bitte mal jemand freiwillig zum Theme Redesign für septemberRAVE.com melden würde, das wäre großartig, ich kann die Kotzerei hier nicht mehr sehen. Wenn ich niemanden finde, kann ich nichts mehr schreiben – und wer möchte auf den Genuss meiner Schreiberei schon verzichten? – und wenn ich nicht mehr schreiben kann, kann ich gleich dicht machen.

Okay. Und wenn’s keine Freiwillige gibt, gibt es auch eine geringfügige Entschädigung. Nacktbilder, FREUNDE, ES IST SO WEIT!

Nein im Ernst. Wer Lust hat der kann mich per Email kontaktieren, und wer meine Email Adresse nicht hat/kennt einfach seine in den Kommentaren hinterlassen. Mit Referenzen (ab Porsche können wir reden).