Ronny & Mändy sitzen auf ‘nem Baum..
23/04/2007Paul… Paul, Paul, Paul. Du sagst so viele Dinge, die meinen Kopf durchrütteln. Paul, ich weiß nicht, ob eine Beziehung wie zwischen JD und Elliot funktioniert. Aber meine Erfahrung sagt mir:
Beziehungen aus Liebe/Emotionen: Geht schief.
Zweckbeziehungen: Hält ewig.
Zynisch, nicht wahr? Aber denkt mal darüber nach: Eine Zweckbeziehung hat einen handfesten Grund. Einen verdammt richtigen Grund. Und wenn dieser Zweck bestehen bleibt über einen langen Zeitraum hinweg, nämlich für beide Parteien - und sei es nur die Gesellschaft des Anderen zu genießen - dann reicht das schon, um für eine gutmütige, lange Beziehung zu garantieren. Arrangierte Ehen verlaufen doch auch so: Typ mit Kohle, Frau mit breitem Becken, passt. Alles andere MUSS später kommen, und ich rede hier nicht von der großen Liebe, sondern davon, sich an einen Menschen zu gewöhnen, ihn zu mögen und zu aktzeptieren, um sich sein Leben einfacher zu machen. Klar kann das nicht immer passieren, und wenn es eben überhaupt nicht passt- scheisse, aber dann muss man sich errechnen, was größer ist, die Abneigung oder der Zweck. Und da sieht man es doch: sobald Emotionen ins Spiel kommen, läuft alles den Bach runter. Also am besten sich am Grund festklammern, um das beste rauszuholen in einer Beziehung.
Nehmen wir aber an, dass man sich verliebt- eine chemische Reaktion, unterbewusst vielleicht teilweise die Ansprüche und die biologischen Forderungen erfüllt, scheisse, vielleicht sind’s die Pheromone, ist mir egal- aber auf jeden Fall ist, sagen wir mal, Ronny jetzt verliebt und will mit Mändy zusammen sein. Mändy! Du willst Friseuse werden in Hamburg, aber Ronny will nach Köln ziehen und mit seiner Punk Band erfolgreich sein. Und Ronny? Du willst deine Freiheit haben und saufen gehen können, und außerdem hast du gar keinen Bock zu arbeiten, aber du weisst ganz genau, dass Mändy ihre Kohle auch braucht.
Das sind in erster Linie überhaupt keine Hindernisse, es gibt Beziehungen, die haben schon schlimmeres durchgemacht. Aber was passiert dann? Stress, Probleme, Streit, Wut, und die Liebe verfliegt irgendwann.. weil sie sich in Hass umgewandelt hat. Das muss keine zwangsmäßige Folgerung von diesen Problemen sein, aber die Liebe ist als Maßstab für ein angenehmes Leben mit Freundschaft und Beziehungen einfach am stressigsten.
Und vergessen wir mal die Romantik: Die Freundschaft kommt bei dieser Theorie auch nicht zu kurz. Sobald man sich seinem Freund komplett widmet, wird man verletzt, wenn man dieselbe Zuneigung nicht zurückbekommt. Oder nein, noch schlimmer: Man teilt das Leid und ertrinkt in dem des anderen, und das ist ja nicht schlimm eigentlich- aber dass man sich selbst kaputt macht, merkt man erst hinterher. Dass man sich komplett verausgabt für etwas, was noch nicht mal garantiert für die Ewigkeit hält…
Meiner Meinung nach ist das auch der Grund für hohe Scheidungsraten. Ich bin kein Anthropologe, ich hab gar keine Ahnung, ich schwafele einfach nur meinen Scheiss zusammen, aber Liebe bezahlt dir dein Brot nicht, Liebe löst nicht die Interessensgegensätze und Liebe lässt dich nur am Anfang deinen Stress übergehen. Später kommt er dann mit voller Wucht, weil die Illusion so langsam aber sicher aufgehoben wird.
Genau das ist meine rationale Einstellung zum Thema.
Aber Ronny und Mändy können das doch gar nicht sehen. Sie sind verliebt. Sie sehen gar keinen Grund dafür, dass es irgendwann Stress geben könnte- kein Hindernis ist zu groß für sie. Sie schaffen das schon.
Und vielleicht schaffen sie es wirklich.
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