Ich merke immer, dass ich anders bin als meine ganzen Freunde wenn der Sommer beginnt. Nein, das liegt jetzt nicht an den kürzeren Klamotten und meiner körperlichen Unförmigkeit bzw daran, dass ich eine Vagina UND einen Penis habe (muhahaha- hey, wir sind im Internet, IHR KÖNNT GAR NICHT WISSEN OB DAS STIMMT), sondern daran, dass ich nicht wie alle anderen mit meinen Leuten in den Urlaub fahren darf.
Oder mir mit Karacho die Birne wegsaufen kann.
Oder abends ganz lange Wegbleiben um den Abend zu genießen.
Oder auf Festivals zu touren und 3 Tage Party zu machen.
Oder einen netten Typen kennenzulernen und acht Tage durchzuficken.
Hey, ich meine, das sind jetzt keine großartigen Dinge, die jeder mal in seiner Jugend gemacht haben sollte oder so, gar nicht. Das ist jetzt auch nichts, was mich in tiefe Depressionen stürzt, scheisse, wir wissen doch alle, dass ich lieber zu Hause sitze und fleißig den Tafelglotzer spiele. Nein nein, alles kein Problem.
Nur, alleine die Tatsache, dass ich es gar nicht tun KÖNNTE - selbst wenn ich wollte, was ich ja nicht will, aber, REIN HYPOTHETISCH natürlich - selbst wenn ich es wollte, ich könnte einfach nicht, weil Mutterschiff und Samenspender ‘nen Knacks weg haben. Mit anderen Worten, es sind Araber. Sie sind die einzigen lustigen Araber, mein Vater verkörpert Stromberg und Terminator gleichzeitig, während meine Mutter, naja, die ist irgendwie alles und momentan Vollzeitstudentin. Man müsste ja annehmen, dass die Frau durch die libertäre Gesellschaft, in der sie sich reingefunden hat (seit satten 20 Jahren) endlich mal ein bisschen lockerer wird, aber stattdessen studiert sie jetzt Islamische Theologie. Arschkarte für die Kids.
Nicht, dass ich tyrannisiert werde oder so. Ich mag meine Eltern, sind nette Menschen mit viel Verständnis für die westliche Gesellschaft. Sind ja selber zu 60% Deutsche. Sind integriert, politisch engagiert, alles klar alles klar, aber es gelten Regeln für uns, die, ich sag mal so, lieber gebrochen werden. Das Regelbrechen per se ist ja gar kein Problem, das mach ich sowieso die meiste Zeit. Ihr wisst ja, rauchen trinken saufen rumgeficke ausgehen tanzen knutschen, alles verboten, besonders das mit dem Rumgeficke ist halt scheisse, aber da ich sowieso seit einem Jahr FREIWILLIG IN VÖLLIGER ABSTINENZ lebe dürfte das das geringste Übel sein. Ja, aber wenn es darum geht, dass ich mal für eine Weile weg will, muss ich immer sagen dass ich mit irgendeiner meiner Freundinnen für ein paar Tage bei deren Oma bin um ein bisschen auszuspannen. Und irgendwie scheine ich aus dem Alter rauszusein, wo man die Omas anderer Menschen besucht. Zumindest hab ich so das Gefühl. Außerdem muss die Oma dann immer Kettenraucherin sein, so wie die Klamotten dann stinken. Und Duschen gibt’s in, ich weiß nicht, Buxtehude anscheinend auch nicht.
So sind halt die Festivals.
Tja, und, keine Ahnung, das regt mich irgendwie auf, total unverständlich, ich weiß, nach 18 Jahren sollte man sich an solch eine Situation eigentlich gewöhnt haben, aber mir fallen keine Ausreden mehr ein.
(Ach so, und ja, ich bin eine notorische Lügnerin, dank der wohligen Erziehung meiner Eltern, möchte ich mal behaupten. Ist aber nicht ihre Schuld. Bin nur von der westlichen Sünde so verführt worden. Kennen wir ja).




Vielleicht sollte man Mama und Papa langsam aber sicher mal an die Realität gewöhnen, aber an die richtige
Oder sie bekommen es irgendwann selber heraus, das dürfte dann aber heftig werden.
Egal wie, scheiss Situation, hast mein Mitgefühl… ein bischen.
Jaaaa… irgendwann, wenn ich nicht mehr an der elterlichen Geldspritze hänge, kann ich langsam rausrücken. Oder sie finden es raus und ich werde nach Syrien geschickt wo ich dann einem Terroristenanführer jeden Tag die Aischa machen darf.
Beschissen, sone Situation.
Ich nehm an du hast mit denen geredet und denen mal klar gemacht, dass du dank solcher Vorschriften einen bleibenden Schaden davontragen könntest, weil du nicht machen darfst was alle machen?
Mal ganz anders rum gefragt: Was wäre, wenn Du von heute auf morgen keines der von dir angesprochenen Probleme mehr hättest? Dir wäre doch stinklangweilig, oder?
Wobei ich sehr gut nachvollziehen kann WOVON Du sprichst. Würd mich auch nicht grade freunen darüber.
Aber all das, was Du hier anführst, macht dich doch am Ende zu genau dem, was Du bist! Wäre doch auch langweilig wenn Du auf einmal komplett anders wärst
@Paul: Ach naja. Nee. Ich brauch meine Alten nicht in Tränen und völlig enttäuscht von mir zu sehen. Außerdem lieb ich die Leute ja, ich will ihnen nicht das Herz brechen. Ich mag zwar nicht immer fair in meiner Schreibweise sein, aber hey, wenn ich es ihnen schon sagen muss, dann doch auf eine Art und Weise, die nicht impliziert dass sie an meiner Erziehung versagt haben, weil das haben sie ja nicht. Meine Fehler sind meine Fehler und wenn ich so viel Lüge dann mit der Überzeugung, dass dabei alle Beteiligten besser wegkommen. Ist halt so. Wahrheit ist für’n Arsch wenn’s um Gefühle geht.
Und Leonope, glaub mir, wenn dieses Problem nicht mehr vorherrschen würde, hätte ich immer noch genug, um acht Leben auszufüllen. Oder zumindest genug fiktive Dramen, die ich mir selbst mache, so bin ich dann. Aber endlich mal eine Frage, die hypothetisch ist
Hey, eigentlich…
bleib mal ganz entspannt. Jaaa, die Situation ist kacke so. Sehe ich ein. Deine Eltern sind eeetwas konservativer - auch gut. Naja gut, sie benehmen sich wie die personifizierte Achse des Bösen HIMSELF. Trotzdem: Dir gehts gut jetzt. Du hast alles, was Du brauchst.
Irgendwann - und ich hoffe das sie Dir dabei nicht im Weg stehen - kommt der Schulabschluß. Dann gehste studieren und das Leben in Freiheit kann beginnen.
Ein persönlicher Tipp von mir: Wenn Du aufbegehrst, dann tu es, wenn Du eh nicht mehr zu Hause wohnst. Und auch nicht mit ausgestrecktem Mittelfinger aus der Tür spazieren, nach dem Motto: “Fresst Scheisse, Knastbewacher…”, sondern so richtig, wie sie es mögen…
Und dann kannste erstmal durchatmen. Und so nach zwei bis drei Monaten fängste laaangsam an Dich zu verändern, ein wenig von Dir selbst durchblicken zu lassen etc. Hab ich auch so gemacht. Ich mein’, meine Erzeuger waren sicher nicht so extrem, aber ich hab gute Erfahrungen damit gemacht, sie erst dann zu konfrontieren, wenn sie es erstens häppchenweise serviert bekommen und danach immer die Möglichkeit haben, sich ein, zwei Tage Gedanken dazu zu machen.
Ausserdem ist der SCHMERZ, das Du nicht mehr bei ihnen weilst so hoch, das sie weitaus mehr verzeihen, weil sie ja die Zeit die ihnen mit Dir bleibt, mehr geniessen wollen.
Ich kenn sie nicht, aber bei mir wars so. Schon der Hit.
Nur musste bis dahin den Arsch noch etwas stillhalten und weiter ‘Notlügen’. Dein späteres Leben würde Dir den Rückzug den Eltern zuliebe - die sich traurigerweise viel eher aus der Lenkung DEINES Lebens zurückziehen, als einem vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt bewusst ist und einen dann allein stehen lassen - wahrscheinlich nicht verzeihen. Versaut ist versaut.
Geh Deinen Weg, aber versuch es mit so wenig Reibungsverlusten wie möglich zu gestalten.
Das war meine Meinung. Punkt.
“Wahrheit ist für’n Arsch wenn’s um Gefühle geht.” - das lass ich mir jetzt auf den Bauchnabel tätowieren, is ein Jahrhundertsatz!! Ich hab dummerweise einige Jährchen länger gebraucht, das zu kapieren.
Und Sencha, ungefähr genau so wollte ich auch gerade antworten: die Spielchen noch ‘ne zeitlang mitspielen, und sich dann mithilfe eines Studiums in einer anderen Stadt Abstand verschaffen, und sie von dort aus dann portionsweise an die Realität gewöhnen lassen.
Ich glaube sogar, dass viele Eltern von diesen Spielchen wissen, und sie auch gerne mitspielen, aber seltsamerweise meist recht krass reagieren, wenn man versucht das anzusprechen. Ist ja eigentlich auch gar nicht nötig, siehe Jahrhundertsatz
machs besser