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Ausrasten, Selbstanalyse

Exit Music (For Me)

06.01.07 | 12 Comments

Ich hasse alle Menschen, die es auf dieser Welt gibt, ganz ganz besonders die Menschen, die mir Nahe stehen, und am meisten hasse ich die weiblichen Menschen, die mir nahe stehen. Ich habe keine Ahnung, ob man “nahe stehen” groß oder klein schreibt, aber ich finde das ist nur ein weiterer Bereich im Leben, den man hassen sollte, nämlich Rechtschreibung. Ich glaube, ich werde eine Petition starten, “Alle Blogger gegen Rechtschreibung” oder so, die dann aber respektiv “Ale Bloga gägn Reschtschraipunk” heissen würde.

Aber echt jetzt. Mit einundzwanzig verpiss ich mich von hier, ich sag’s euch, und zwar ins Grab. Ich werd nämlich sonst irgendwann mit ‘nem Tetra-Pack Sangria und ‘ner Packung Billig-Goldfied-Norma-Zigaretten auf Plastikgartenstühlen in ‘nem verteppichten Wohnzimmer irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern sitzen und darauf warten, dass mein kraftfahrender Mann nach Hause kommt um die sechs Plagen ins Bett zu bringen und mir Geld für’s Solarium zu geben. So sieht’s doch aus, oder, das ist das Ende meines Lebens, wenn ich die Standardnummer fahre, das ist das Ende, wenn man nicht stirbt und nicht lebt. Das ist die Kackkarrierre, der Horror, der für jeden anders aussieht, aber für mich einfache Durchschnittlichkeit bedeutet.

Und ich hab keinen Bock mehr auf Freunde, weil Freunde sind für’n Arsch. Man verlässt sich auf sie, man gewöhnt sich daran, seine Tage mit ihnen zu verbringen, man verlernt es, alleine zu sein, und dann, was ist dann? Dann erwartet man plötzlich etwas von ihnen, Gesellschaft zum Beispiel, UND DIE REAGIEREN GERADE SO ALS HÄTTE MAN HÖFLICH GEFRAGT OB MAN IHNEN DENN EINEN FEUERWEHRSCHLACH LANGSAM UND ROTIEREND IN DEN ARSCH SCHIEBEN DARF, OHNE GLEITCREME AUF EINER BÜHNE VOR DER GANZEN FAMILIE, UND DASS AUCH NUR WEIL MAN GERADE SEINE SEELE AN DEN TEUFEL HÖCHSTPERSÖNLICH VERKAUFT HAT UND SICH JETZT EINEN SPASS DARAUS MACHT SEINE FREUNDE SO DEMÜTIGEN. Genau das sind Freunde. Arschlöcher. Weil man auf einmal gefühlsmäßig an irgendwelche verkackten Vollidioten gebunden ist, und es tut mir jetzt echt leid, wenn sich irgendwer angesprochen fühlt, aber leider ist es nunmal so, alle sind angesprochen, alle fallen in diese Kategorie, weil es mir weh tut, weil ich keine Ahnung habe, was ich falsch mache.

Aber so ist es halt, nicht wahr. Wenn man irgendwem Zuneigung zeigt, dann wird man direkt abgewiesen, es will ja jeder irgendeine zwischenmenschliche, psychisch völlig verkorkste aber so in unsere Gesellschaft reinpassende Herausforderung haben. “Oh nein diese Person schenkt mir Aufmerksamkeit, was für ein Loser, den muss ich jetzt ignorieren”. So ist es nur allzuoft, ooh, zu leicht, zu leicht, also machen wir ein Drama draus, und viel interessanter! Sind sie daran Schuld? NEIN! Es liegt am Kapitalismus, oder an der Demokratie, oder am Christentum, oder verfickte Scheisse vielleicht liegt’s auch an der globalen Erderwärmung, die ist schließlich eh an allem Schuld (und wenn Knut stirbt, dann auch daran).

Und deshalb: Entweder ich bin mit einundzwanzig tot und begraben und somit weder fähig, mich weiterhin darüber aufzuregen noch kann ich irgendwem einen Anlass geben, sich darüber aufzuregen, oder ich lebe alleine auf einer Insel und genieße die Ruhe, die Stille und mich selber. Ja. Es wird viele japanische Lustspielzeugimporte geben, aber verdammt, wer redet von Abstrichen im Sexleben!

Ernsthaft jedoch, ich habe meine Hoffnung für meine Zukunft, für mein Leben völlig aufgegeben. Irgendwas sagt mir, dass ich mich niemals wohl fühlen werde. Mein Glück und meine Zufriedenheit werden für immer abhängig von anderen Menschen sein; Menschen, die mich bewegen und rühren. Das soll auch so sein, glaube ich. Nur dass ich nicht das geeignete Material für diese Art von Leben bin. Und zu ausgelaugt, um zu träumen. Was sind schon meine Träume mittlerweile? Geld, Macht, Reichtum und Erfolg. Weil damit ja ganz offensichtlich die Liebe kommt, auch wenn sie synthetisch ist. Aber der Abstrich ist es mir Wert, weil es einfach für mich nichts anderes mehr gibt. Der komplette Rückzug, oder die emotionale Zerstörung. Letzteres geht auch ohne Insel, aber immerhin mit mehr Arbeit. Was bleibt einem in dieser Gesellschaft sonst übrig? Klar, Reihenhaus und VW Polo.

Früher hatte ich viele Träume. Heute erzählen mir die Leute von ihren Träumen und Vorstellungen, und ich denk mir jedesmal, “hey, den Traum hattest du auch mal!” und verfluche mich dafür, dass ich es nicht selbst so geäußert habe - ich meine, man kann ja schlecht sagen, “hey geil davon träum ich auch, ätsch, das ist jetzt mein Traum”, wenn ihr versteht was ich meine - und dann fällt mir irgendwie ein, naja, es ist mir nicht eingefallen weil ich es schon lange nicht mehr gedacht habe, weil ich gar keine Ahnung habe, was ich will, weil es einfach keine Träume mehr gibt. Ich träume maximal noch von Sex, und das ist nicht das einzige Armutszeugnis, was man mir noch ausstellen kann.

Filme drehen wollte ich, Filme, die die Köpfe der Menschen verändern. Und dann wollte ich Psychologe werden, der die Geheimnisse der Welt lüftet, und irgendwann Journalistin, die durch die Welt reist und Abenteuer erlebt, oder Schatzsucher, oder Ärztin, oder irgendwas. Einfach irgendwas. Und jetzt sehe ich mich tot oder auf einer Insel wie Robinson Crusoe, nur freiwillig (zusätzlich athlethisch, gebräunt, sexy und verführerisch am Strand räkelnd, aber ich denke das ist selbstverständlich). Tja ja. So ist das Leben. Und das alles, weil ich nicht mit anderen Menschen klar komme.

Weil ich mich verlassen und ungebraucht fühle. Leer. Und weil ich es hasse, mich so zu fühlen, weil irgendein anderer Mensch mich so fühlen lassen kann. Und klar kann man eigentlich darin ein bisschen baden und für ein paar Stunden traurig sein, aber was ich mache, ist mir bewusst: Ich gehe heute abend weg, besauf mich, fick wahllos rum (schön wär’s), bau scheisse und mach mir mein Leben einfach noch viel komplizierter. Ach, egal, pass me the fucking bottle.

Ich hasse jedenfalls alle.

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