So, ich bin wieder da. Habe es auch ohne Knochenbrüche überstanden. (Nicht, dass ich es nicht versucht hätte. Was hab ich mir die Waschkellertür auf die Handgelenke geknallt! Leider nie fest genug. Es hat zwar immer so weh getan, dass ich DACHTE, sie wären gebrochen, aber nein. Auch nach 6 Tylenol ging es mir immer noch nicht besser, bzw schlechter- und die Tür wirklich zuknallen, dafür bin ich dann doch ein Angsthase. Also, Leute, wenn ihr euch was brechen wollt- holt euch einen Partner, der skrupellos oder empathisch genug ist, das zu tun).
Aber alter Verwalter. Jedes mal ist es doch dasselbe.
Hunderte von vermummten Aisches, die sich beim Betreten des Frauensaales im Best Western Hotel erstmal die Klamotten vom Leib reissen, um dann in den billigsten Miniröcken und mit Rüschen versetzten Kleidern auf Tarkan-Techno Remixe auf dem Dancefloor abzugehen. Jeder schleppt einen Ranzen mit, der echt nicht in diesen Klamotten stecken sollte (beliebteste Farbe diesmal: Neongrün, plus Pailetten in Orange). Eine nach der anderen legen sie Hüftschwünge hin, da kann Shakira nur von träumen; neidisch sein wird sie allerdings trotz allem nicht, weil die Hüftschwünge per se völlig okay, die Optik allerdings eher krebserregend ist. Sollte das Lied wirklich gut gewesen sein (vergleichbar mit einem Anthem auf ‘nem Konzert oder ‘nem Hit in der Disco) und alle Aisches zwischen 3 und 85 Jahren auf dem Dancefloor waren, außer die mit chronischem Rheuma oder Aische-Mama-Syndrom, wird sogar geklatscht und gejubelt. Was für ein Song, oder? Leider ist gar kein DJ da, der zu bejubeln ist, sondern eine 13-Track CD die auf Repeat gestellt wurde.
Die schlimmsten Aisches sind die, die einen dann in den verfickten Stöckelschuhen dauf den Dancefloor ziehen wollen. Muss anmerken, der Dancefloor ist so groß wie unser Gästeklo und meine Tanzkünste bezogen auf arabische Takte aus Protest für’n Arsch. Jedesmal. Nach fast 19 Jahren meiner Anwesenheit auf diesen Hochzeiten und sonstigen Veranstaltungen sollte jeder Teilnehmer eigentlich wissen, dass es unmöglich ist, mich zum Tanzen zu bringen, vor allem seit dem ich alt genug bin, hohe Schuhe anzuziehen und jedes Mal behaupte, ich hätte mir den Knöchel verstaucht. Meine Mom ist dann dementsprechend grumpig und versucht jeden davon zu überzeugen, mich bitte zu überreden- so ein junges Ding wie ich kann doch nicht “wie die Alten” auf ‘nem Stuhl hocken und zugucken, oder?
Aber am allerallerschlimmsten sind die Begrüßungsrituale. Zu meinem Pech saßen wir direkt am Eingang- jede Aischa die den Saal betrat war eine potentielle Bekannte. Den Älteren Respekt gewährend, musste ich also alle 3 Minuten aufstehen, meine Hand reichen, an beiden Wangen von irgendwelchen Omas angesabbert werden, die mir in die Backe kneifen und sich wundern, wie groß ich doch geworden bin (dabei immer wieder auf mein Dekollté starrend, dass sich in den letzten 6 Jahren höchstens nach unten verschoben hat). Meine Mutter stellt mich dann immer wohlwollend vor, wenn sie mich doch nicht kennen sollten- ist doch möglich, dass unter den Gästen die Mutter meines Zukünftigen ist.
Damit ich dann auch irgendwann so eine Hochzeit feiern darf.
Uh-huh.
Jedenfalls, ich war ziemlich angepisst, was meine Mutter leider zu spüren bekam. Ich weiß, so oft sind diese Gelegenheiten nicht und ich könnte wenigstens so tun, als ob es mir gefällt, aber das geht nicht. Das ist nicht mein Leben. Ich hasse es, ein Teil davon zu sein, und wenn ich meine eigenen Leute diskriminiere, so liegt das nicht an ihrer Herkunft sondern daran, dass sie sich selbst zu etwas meiner Meinung nach Abstoßendem degradieren, obwohl sie gerade hier die Chance haben, sich zu machen. Nur, nun gut, wer so glücklich ist- von mir aus. Ich bin’s nicht. Ich will nicht mit 28 schon Oma sein wie manches dieser Mädchen, oder mit 17 verheiratet, ausgezogen und Mutter. Und mich dann immer nach Hochzeiten sehnen, damit ich mal auf dem Dancefloor abgehen kann- Disse ist ja nicht, ne. Die Höhepunkte meines Lebens sollen nicht das tägliche Telefonat mit meiner Mutter sein, die mir erklärt, wie man den Reis richtig kocht damit mein Gemahl sich nicht nach der Arbeit auch noch beschweren muss. Mein Gott, die Kinderquote auf diesen Hochzeiten ist so verfickt hoch, da fragt man sich warum die sich in Deutschland über die Geburtenrate beschwert- lasst die Araber rein, die befruchten das Land schneller als ein Esel auf Viagra, ich sag’s euch, so gebärfreudig wie die sind.
Zusätzlich kommt dann dieses ganze heuchlerische Getue, bei dem mir echt der Hunger vergeht. Jeder ist so nett und so lieb und hier und da und dies und das und hintenrum weiß ich ganz genau wer meine Kleidung beäugt- noch nicht mal ein Kleid hab ich an, oh mein Gott, wie schlimm - und eigentlich würde ich auf all das scheissen, wenn es nicht um meine Mutter ging, die sich gegenüber diesen “Bauern”, wie sie selbst nennt, profilieren muss. Wenn man in einer Gesellschaft aufwächst, wo es NUR und wirklich NUR um die Gesellschaft geht, dann kann man das eigentlich noch nicht mal böse auffassen- sie ist nunmal so. Der Ruf muss stimmen. Und selbst wenn sie in ihrer Heimat mit so einem Gesocks niemals abhängen würde, ist es hier eben doch die Pflicht, es gibt ja sonst keinen- und hier mag sie auch jeder, hier ist sie eine Königin, weil jeder weiß, dass sie aus einer anderen Schicht kommt, und alle versuchen, mit ihr befreundet zu sein, denn sie ist bald Professorin an der Uni, sie ist eine geschulte Frau, sie hat sich gemacht, sie wohnt in einem schönen Haus, ihre Kinder sind erwachsen und angeblich völlig korrekt- bis auf mich, das schwarze Schaf, das immer mit einem fiesen Gesicht dasitzt. Und dann laden sie alle ihre Babies bei mir ab, weil hey, ich tanz nicht, also kann ich doch mal die stinkenden Plagen halten, oder?
Oder. Oder ich muss meiner Mutter das Herz rausreissen und sie verlassen und sie dem Gerede der Leute übergeben, wie ich es heute getan habe, als ich direkt nach dem Buffet gegangen bin. Sie hat sich zwar nichts anmerken lassen, hat aber noch versucht, mich davon zu überzeugen, einfach dazubleiben und es auszuhalten. Aber: es ist jetzt fast ein Uhr und die sind immer noch nicht da. Ich wäre gestorben, zumal ich den ganzen Tag noch keine Kippe geraucht hatte. Und ich weiß, spätestens nach einer Stunde wäre die erste Uschi gekommen und hätte gefragt, wo ich eigentlich sei- und meine Mutter, edel wie eh und je, würde behaupten, ich wäre müde und müsste morgen arbeiten, oder irgendwas in der Art, und alle würden ihr zur Liebe noch behaupten, hey, klar, das verstehen wir- und hinten rum: Was ist das eigentlich für ein unhöfliches Mädchen, dass sich noch nicht einmal die Mühe macht, sich zu verabschieden?
Der Kampf der Kulturen. Ich führe ein Doppelleben, ein Dreifachleben manchmal. Ich weiß, es tut weh- nicht mir, ich komm damit zähneknirschend zurecht- aber meine Eltern leiden, ich weiß es einfach. Irgendwann werd ich den Stecker ziehen und sie werden einfach merken dass es nicht so läuft, und dann werden sie sich fragen, was sie falsch gemacht haben- warum sie jemals hierher gekommen sind, riskiert haben, dass ihre Kinder “Deutsch” werden, verdammt, als ob das eine Beleidigung wäre (und nichtdestotrotz rege ich mich meistens über das “deutsche” Verhalten auf, Dinge, die ich in meiner Erziehung anders gelernt habe und bis heute noch über alles schätze- zum Beispiel die Gastfreundschaft).
Wirklich den Rest hat mir jedoch die Alte gegeben, die an unserem Tisch saß und beim Essen einen Rülpser losgelassen hat, der wahrscheinlich die globale Klimaerwärmung zu verantworten hat. Ein Geruch, den man nur im Arsch eines verstopften Pitbulls finden kann, und ich muss jetzt noch würgen, wenn ich daran denke.
Nee ey, nee. Dann lieber dieses vereinsamte, grausame Leben, anstatt diese Menschen. Und jetzt nennt mich arrogant und herablassend, von mir aus- aber dazu steh ich dann auch.
PS: Auch erwähnenswert wäre der Eingang des Brautpaares, wo für zehn Minuten wieder die Tücher auf den Kopf gesetzt und die Jacken angezogen wurden; die Blüten wurden dann aus einer Alditüte rausgeworfen. Das war echt Pulp-Fiction-Trash, fast schon kult. Ich habe trotzdem in den anderen Saal gestiert, eine Hochzeitsgesellschaft in Weiß, normal und deutsch, schön gegessen, mit maximal 30 Gästen. Und ohne Musik. Einfach ruhig und nett und bei einem Glas Wein. Kacke, Araber brauchen echt keinen Alkohol, die freuen sich so sehr auf diese Zusammenkünfte, dass die es auch so schaffen, besoffen zu wirken.
Tags: horror, kultur



Joah… Du musst halt einfach abhauen.
Auch meine Meinung, aber toller Bericht. Irgendwann muss die Wahrheit mal deine Eltern doch erreichen, auch wenn sie dich nachher enterben. Man kann das doch nicht ewig vorsichherschieben. Es ist wie es ist. Du bist du.
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Irgendwann wirst du ja so oder so auf eigenen Füßen stehen - dann schickst du deinen Eltern und allen “Kameltreibern” die dieser Sprache mächtig sind einfach mal den Link zu deiner Seite.
Irgendwie glaube ich, dass du dann nie wieder eingeladen wirst. Okay, das Risiko gesteinigt zu werden musst du dann wohl in Kauf nehmen…
wow, toller bericht… hat irgendwas von dorffest, das ganze… uah, schrecklich
Das macht mir jetzt Mut, ich bin im Herbst zu einer arabischen Hochzeitsfeier eingeladen. Als Auszubildende kann man sich aber gut mit den Kosten, den wenigen urlaubstagen und dem Lernen für die Schule heruas reden. Meine Bilanz für dieses Jahr: Bis jetzt 3 abgesagte Hochzeiten.
Ich halt´s mit daycs
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wow du hast nen dickeren Punkt, aber nur in der Bloglese-Spalte von wordpress
Hm, irgendwie kenne ich das Gefühl, dass du auf einer Veranstaltung sitzt und dich fragst: “Und DAS macht euch wirklich glücklich? Dieser Scheiß ist für euch ein Höhepunkt?”
Aber wenn man sich da irgendwie zugehörig fühlt und nicht nur Gast im doppelten Sinne ist, muss es echt der Hammer sein!
Was geht da eigentlich so im Männersaal? Hat Dein Vater bisschen was erzählt?
Immer wieder hammerhart dein Schreibstil. Der Rülpser mit dem Klimazeugs hat mir den Rest gegeben. Ich würde dir ja sofort in diesem Kommentar einen Heiratsantrag machen, aber irgend etwas sagt mir, dass das hier fehl am Platze ist ^^
Ich wüsste nicht, wie eure Ehe aussähe, aber wie eure Hochzeit aussehen würde, kann man erahnen ^^
so haste dich bestimmt gefühlt: http://z0r.de/?id=376#
muhaha
jo, du sammelst einfach die geschäftlichen emailadressen von sämtlichen verwandten usw. und wenn du den zeitpunkt für richtig hältst dann bääääm
mein beileid für dich, andererseits bin ich froh, hast dus er- und vor allem überlebt, der text ist absolute klasse ..