Zuckersüße Arschlöcher
18/06/2007Jungs sind die wunderbarsten Geschöpfe auf dieser Welt. Und manchmal sitze ich hier während “meine” Jungs, mein großer Bruder und mein Kumpel Phil, auf der Couch sitzen und sich Pizza reinstopfen beim Fernsehen gucken und beobachte sie und ihren Gesichtsausdruck, diese vollkommene Zufriedenheit und diese unbekümmerten Dialoge. “Alter. Du atmest durch die Nase beim Essen. KRASS.” Da kommen in mir gerührte, mütterliche Gefühle hoch und ich fang fast an zu weinen- was brauchen sie schon zum glücklich sein? Ein paar gute, alte Ausgaben vom Playboy, eine PSII oder XBox360, unbegrenzte Anzahl an Spielen, ein Klo und endlos Pizza oder Döner- schon hat man einen Jungen, oder einen Jungen der sich als Mann verkleidet, glücklich gemacht.
Wenn ich so im Auto sitze und mein Bruder fährt und dreht die Musik lauter um frauenfeindlichen Hip Hop zu hören und auf cool mitzurappen, find ich das natürlich nicht so prickelnd. Aber selbst ich muss dann schmunzeln wenn die beiden sich high fiven weil einer der besagten Rapper eine gute Line hingelegt hat und sie sich totlachen und alles auswending mitrappen können.
Am schönsten sind auch die Tage, wo sie nur furzen, rülpsen und Simpsons-Dialoge nachspielen und mich dann abends besoffen anrufen um zu fragen, ob ich sie abholen kann- und ich hole sie liebend gerne ab, weil ich weiß dass jetzt die besten Kiffergeschichten kommen und ich nur die Augen verdrehen kann und mir denke, “ihr Idioten, was habt ihr jetzt schon wieder angestellt?”. Dann erzählen sie mir immer, was für geile Weiber sie angeglotzt haben, wie sie abgegangen sind, was schon wieder in der Stadt abgeht, welche genialen Ideen sie für ihre Millionärszukunft geschmiedet haben- ach, und noch so viel mehr.
Aber neben all diesen Sachen empfinde ich auch noch ein klein bisschen Wehmut. Teilweise, weil ich selbst gerne so wäre- einfach sorgenlos oder wenn nicht, dann zumindest vorgeben, sorgenlose zu sein- und im Keller chillen und sich an der Gesellschaft des anderen erfreuen und sich gegenseitig dumme Geschichten auftischen. Und egal was ist, man macht alles zusammen, weil man zusammen gehört, und wenn man sich streitet, dann halt eben für 10 Minuten und dann schlägt man sich ein bisschen die Fresse ein und umarmt sich wieder. Und andererseits bin ich wehmütig, weil ich genau weiß, dass mein Zukünftiger nicht viel anders sein wird- ein Typ, der vielleicht vorgibt, ein Mann zu sein und alles im Griff zu haben, aber im Grunde genommen einfach nur ein kleiner Junge sein möchte, der fette Autos begafft und seine Popel an die Couchlehne schmiert. Und manchmal kommt man dann auf das Thema “geile, fette Ärsche”.
Irgendwann- gar nicht so lange her, vor zwei, drei Monaten - habe ich mich dann auch schließlich damit abgefunden, dass ich niemals dazu gehören würde. Ich bin zwar immer dabei- aber wirklich dabei bin ich nie. Eigentlich bin ich nur das dekorative Seitenstück, und ob ich wirklich so dekorativ bin weiß ich nicht. Da chillen sie nun und haben ihre kleinen Insiderwitzchen und unterhalten sich über diese tollen fetten Ärsche, und ich kann noch nicht mal was dazu sagen und es nervt mich, weil ich kein Junge bin und nicht beitragen kann und manchmal benehme ich mich absichtlich wie Spasti No. 1, einfach nur um lustig und kumpelhaft rüberzukommen. Dabei bin ich weder das eine noch das andere, ich bin einfach die kleine Schwester vom großen Bruder und ab und zu die extra Notlösung, falls man noch etwas mehr Gesellschaft braucht. Oder falls mein Bruder schon lange nicht mehr geduscht hat. Oder falls er mal wieder kacken gehen muss (kann dauern). Tja, damit habe ich mich abgefunden und im Prinzip ist das alles okay- niemals würde ich mich zwischen zwei Männern stellen, zumal die mir beide so sehr am Herzen liegen und ich mich einfach in meiner Roller einfinden muss. Und das ist natürlich nicht nur bei den zweien so- nö, das geht mir bei vielen “Pärchen” so. Bitte ignoriert die homoerotischen Anspielungen.
Anyway- worüber ich definitiv NICHT hinweg bin, oh, das ist dieses ständige Gelaber von Frauen und Weibern und Titten und Brettern und dies und das. Gut, dann pass ich nicht in diese kumpelhafte Position- dann hört aber auch auf, ständig von irgendwelchen Ischen zu reden, wenn ich dabei bin, weil ich mir rund um die Uhr denken muss: “Hier, hallo— und ich? UND ICH?!! ICH BIN AUCH EIN MÄDCHEN! HILFE!!”
Und keiner glotzt auf MEINEN Arsch (nicht, dass ich es gerne hätte, wenn mir mein Bruder oder seine Hampel auf den Arsch glotzen. Darum geht’s ja nicht. Es ist dieses prinzipielle Gefühl. Wenn ich schon das einzige Mädchen in der Runde bin, dass ihr nicht als einen vollwertigen, schwanztragenden Teil aktzeptiert, dann dürft ihr mich aber auch wenigstens wie ein waschechtes Mädchen behandeln. Und nicht wie ‘ne Putzfrau. Oder, Gott bewahre, die kleine Schwester).
Hmm. Daran merke ich aber auch, dass ich viel zu gerne mit Jungs befreundet bin. Ich merke es jeden Tag, wie mir das Rumgezicke und das ständige monotone Gelaber von Weibern auf die Eierstöcke geht. Verdammt, muss sich denn alles immer nur um.. ja, um was eigentlich drehen? Die gleichen Gespräche, wie es scheint. Männer.
Und Männer? Reden über Frauen. Und ich rede anscheinend eindeutig lieber über Frauen, weil davon kann ich mehr Geschichten erzählen.
… boah. Selbstanalyse hoch 10.
Ich glaube, ich hab die Ursache meines Problemes gefunden.
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