Im Radio: “Today Is a Lovely Day..”
17/09/2006Als Fahranfänger bzw. angehender Prüfling möchte man natürlich auf Nummer sicher gehen. So triezt man alle seine Verwandten (in diesem Falle wurde mein älterer und liebster Bruder gefoltert) in dem man sie zwingt, das Auto abzutreten und gewisse Herrschaften ans Steuer zu lassen… auf speziellen Übungsplätzen, versteht sich. Führerscheinlos würde man sich ja nicht wagen, die Schaltung in die Hand, resp. die Kupplung unter den Fuß zu nehmen, nicht wahr?
Jedenfalls habe ich es dringenst nötig- mein Ausflug nach Tschechien (”I Went To The Czech Republic and All I Got Was A Lousy Asia Market With Lousy Asian People Who Wanted To Sell Me Lousy Asian-Produced Stuff”) mit der Fahrschule war nur vom Geldausgeben her erfolgreich, der Rest (”wie, runterschalten? Ich kann nicht im 5. Gang um die Kurve? Was meinst du mit “zu schnell”, wieso schreist du eigentlich?”) ist so, nun ja, wir nehmen es besser kommentarlos hin.
Nach mehrmaligem Anbetteln hat sich dann endlich mein guter Freund Phil zum Auto-Kamikaze gewandelt und fuhr endlich - ENDLICH - mit mir auf den ADAC Übungsplatz, wo ich mich so richtig schön austoben konnte. Das heisst, wenn nicht das Auto vor mir schon wieder absäuft.
Das Fahren an sich läuft ganz gut, P. sitzt geduldig auf dem Beifahrersitz und coacht mich im Schalten. Ist halt was anderes mit so ‘nem Opel Astra- ist auch ein bisschen unbequemer als die Mercedes A-Klasse, aber wer will sich schon beschweren? Kuppeln, Schalten, Lenken, Fahren, Bremsen- alles was noch fehlt ist das Einparken, was so gut wie überhaupt nicht funktioniert.
Mit Mühe und Not, und vor allem vergeblich ausgedörrter Kehle und krächzend nach einer Kippe verfalle ich schließlich dem Wahn und sehe nur noch Rauch vor mir, oh, das Auto dampft, so sehr wünsche ich mir eine Zigarette… Dieser kurze Ausflug ins Delirium bringt mich dann auf den Gedanken, “hey, ist es eigentlich normal, dass Rauch aus der Motorhaube aufsteigt? Ich meine, ich kenn mich ja nich wirklich aus mit Autos…”
Phil: “Normal? NEIN ES IST NICHT NORMAL.” Allgemeine Panik breitet sich aus, doch mit durchaus professioneller Coolness ziehe ich die Schlüssel raus und verlasse den Opel-Bunker, der drauf und dran ist, hochzugehen und uns unschuldige Menschen mitzunehmen.
Phil: “Also, wenn du nicht gerade auf den Boden gepisst und diese Pfütze hinterlassen hast, dann nehme ich stark an, dass der Kühler geplatzt ist.”
Insgeheim dachte ich mir, “ja und, wir können doch trotzdem weiterfahren?”, aber irgendwie sagte mir etwas in meinem Kopf, das ich eine Frau bin und als Frau doch etwas weniger Ahnung von Autos habe und als Konsequenz mal lieber die Klappe halten sollte.
Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis auch MIR so etwas passierte. Jedoch hatte ich eigentlich erst damit gerechnet, wenn ich meinen Führerschein mein eigen nennen darf. Oder mindestens wenn ich 18 bin- bei einem Auto, das eigenständig Gas gibt, komische Laute von sich gibt und #1 Kandidat für Pimp My Ride wäre,– unvorstellbar, so was.
Der Versuch, die Motorhaube aufzumachen, scheiterte vergeblich, da der Hebel irgendwie luftlos an seinem Kabel hing. Das Ding kocht weiter vor sich hin, Tiere, die die Gefahr wittern, rennen panisch davon und zeitgleich deuten alle dummen, fetten Teenager, die gerade ihre ersten Absauferfahrungen machen, mit ihren bappigen Nutellahänden auf uns und lachen sich ‘nen Dicken. Leichte Aggressionen stauen sich in mir auf. Leichte.
Wir latschen also genervt und vom Pech geplagt zum Schalter und schnorren uns telefonischen Beistand.
Und obwohl die ADAC Zentrale ja eigentlich nicht so weit weg sein dürfte, sollten wir uns auf eine volle Stunde einstellen. Eine Stunde, in der wir uns erst Mal Gedanken über unser Leben und dessen Rest machen durften. Dieser sah nicht nach viel aus, denn die eigentliche Dramatik lag im Besitzer des Autos: Mein Bruder. Und der wusste noch nichts von seinem Glück. Also setzten wir uns erst Mal in den Übeltäter, den wir P. auf den letzten Parkplatz geschoben hatte, rauchten ein paar Zigaretten und sahen der Ironie des Lebens entgegen.
Wir hören also ein bisschen Musik (”Scheiss auf die Batterie, ADAC kommt ja eh”), chillen so vor uns hin, als auf einmal etwas Katapultartiges von hinten angerauscht kommt. Das machte dann so BAM, mein Kopf knickt mal kurz weg, ich sehe Sterne und dann Phil’s ausdruckslose Fresse, frei dem Motto “WHAT THE FLYING FUCK?!”– und genau SO stell ich’s mir im Knast vor- wenn man’s nicht erwartet, wird man von hinten durchgenommen.
Wir stolpern völlig bedröppelt (”DA IST UNS NICHT WIRKLICH EINER DRAUFGEFAHREN ODER?!?”) und mit erhöhtem Blutdruck aus der Karre, und bevor ich meine Uzi auspacken und den Asi erschieße, der eigentlich “nur Rückwärts einparken” wollte und dabei NACH VORNE SCHIESST UND AUF EIN STEHENDES AUTO MIT EXPLODIERTEM KÜHLER KNALLT, überkommt mich ein Lachanfall der besten Sorte. Scheisse, wie viel kann heute noch passieren?
Da das Auto hinten (und vorne) sowieso schon voll für’n Arsch ist, konnten wir nicht sagen, welche Kratzer vom Unfall und welche von vorher stammten, also haben wir es ganz durchgehen lassen. Ich hätte lieber auf Schadenersatz für meine Halbhirnthrombose geklagt. In seinem schlechten Gewissen erklärt sich der Übeltäter bereit, sich unser Auto anzugucken und teilt uns in gebrochenem Deutsch seine Diagnose mit. Mühelos kriegt er die festgesetzte, hebellose Motorhaube auf. Mein Dummheitsgefühl stieg auf 180 (von 10 möglichen Punkten). Der groteskte Rauchbestand und die vulkanartige Überhitzung lag nicht am Kühler, sondern am Lüfter/Ventilator, von dessen Existenz ich bis dato nicht mal eine Ahnung hatte (und mir wünschte, das ich es auch heute noch nicht wüsste).
Ungefähr 10 Minuten des gelähmten Schrecks später kam der ADAC und ging nach ausgiebigen rumbasteln auch wieder. Er schloss den Lüfter direkt an die Batterie an, sodass wir zwar weiterfahren konnten, aber dafür sorgen mussten das beim Verlassen des Fahrzeugs auch die Sicherung rausgezogen wird, damit die Batterie nicht an Herzversagen abkracht.
Auf dem Rückweg wurden wir noch von einem werten Kollegen der Ordnunsgpolizei angepöbelt, warum denn unser Scheinwerferglas kaputt sei. Ich werde in diesem Auto sterben.
Wir holten meinen Bruder von seinem gewonnen Fußballspiel ab und teilten ihm die Neuigkeiten mit. Zu sagen, er wäre “begeistert” gewesen, wäre durchaus übertrieben. Wir fuhren zum Chinamann, gaben (mal wieder) Geld für gefiedertes Fleisch mit billigem Gemüse aus und entspannten bei einem Film (”Ein ungleiches Paar”, wärmste Empfehlungen) zu Hause auf der Couch.
Jetzt Bad Boys II und für den Rest der Welt: leggo mio.
PS: Ich habe gestern Nacht 40 Öcken beim Pokern gewonnen, die ich heute über den ganzen Tag verbreitet für Tanken, Rauchen, Fahren und Überleben ausgeben musste. Das war’s mi’m Ipod.
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