Der beste Freund

21/07/2007

Ich kann nicht viel von mir behaupten. Vielleicht, dass ich Kaugummiblasen IN Kaugummiblasen machen kann ohne dass sie direkt platzen; vielleicht, dass ich fünfzehn Punkte in meinem Englisch LK hab ohne mir auch nur im Geringsten Mühe gemacht zu haben; ich kann durchaus behaupten, dass ich einen guten Musikgeschmack habe. Aber das sind alles nicht gerade Dinge, die einen Charakter ausmachen.

Aber wenn ich etwas von mir behaupten kann- wenn es eine Sache gibt, auf die ich stolz bin, die ich mir von niemanden nehmen lassen möchte und die mir wirklich zusteht, ist dass ich ein guter Freund bin. Und heute noch kommen die Menschen, denen ich mal nahe war, zu mir um sich bei mir auszuheulen. Und jeder weiß, er kann mich nachts um halb 3 anrufen um mich darum zu bitten, dass ich ihn mitten aus der Großstadt abholen soll, weil er besoffen ist und alle Bahnen schon abgezogen sind. Ich würde es ohne ein Augenzwinkern machen.

Und ich weiß, dass das auch die Jäger anzieht, die die Beute ausnutzen. Ich weiß es gut und ich erkenne es auch und verdammt, ich lasse mich aus ausnutzen. Manchmal schade ich mir lieber selbst, als einen Fehler zu machen, den ich bereue. Hey, so bin ich nunmal. Ich mache niemandem Vorwürfe deshalb.

Mir fällt nur ein, das es einen Unterschied gibt zwischen guten Freunden und die besten Freunde, die man haben kann. Mir fällt auf, dass ich einen Fehler mache. Denn gute Freunde spenden Trost und schenken Mitleid, wenn man fertig ist mit der Welt. Die besten Freunde jedoch- die spenden Trost und heitern auf, wenn sie selbst fertig sind mit der Welt.

So jemand bin ich. Und natürlich kann ich deshalb auch niemals einen besten Freund haben. Weil keiner sich an mir messen kann. Denn unwirkürlich bilden sich unterschwellige Erwartungen, und wer will sich schon an meinen Selbstbewusstseinsdefiziten messen können, die ich durch extreme Hilfestellung und Aufopferung kompensieren möchte?

Nichtsdestotrotz tut es jedes einzelne Mal weh, wenn ich feststellen muss, dass es eben nicht dasselbe ist. Dass ich doch kein bester Freund sein darf, oder gar muss. Ich muss nur ein Freund sein, genauso wie es andere für mich sind. “Nur” Freunde. Gute Freunde. Und der Rest bin ich. Oder so muss es sein. Denn wer will schon einen perfekten Freund?

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=NCPDiEz-GcE]

There are 6 comments in this article:

  1. 21/07/2007bastiH say:

    wow.

    der beitrag hat sich grad in mein kollektives unterbewusstsein eingedroschen…… mit der wucht einer dampframme.

    da muss ich jetzt aber auch nochmal drüber nachdenken.

    danke, sara…….. eine ausgestorben zu scheinende spezies.

  2. 21/07/2007Sebastian say:

    Apropos Defizite, ich versuche seit Minuten diesen Absatz zu verstehen:

    “So jemand bin ich. Und natürlich kann ich deshalb auch niemals einen besten Freund haben. Weil keiner sich an mir messen kann. Denn unwirkürlich bilden sich unterschwellige Erwartungen, und wer will sich schon an meinen Selbstbewusstseinsdefiziten messen können, die ich durch extreme Hilfestellung und Aufopferung kompensieren möchte?”

    …aber ich kriege das einfach nicht gebacken.

  3. 22/07/2007Arian say:

    Kurz, sie glaubt, dass sie ist die Beste ist und Niemand besser ist. :D

  4. 22/07/2007bastiH say:

    is nur die frage was arroganter ist?! DAS oder deine arroganz, arian ;)?!

  5. 22/07/2007Lucky#Slevin say:

    Naja, Arian hat da nicht ganz unrecht, aber mit “die Beste” sei nicht gemeint, das es auch unbedingt DAS beste ist, die Beste zu sein. Wenn du verstehst, was ich meine.

    Ach, ich weiß ehrlich gesagt selber nicht so gut, was ich meine. Es ist eher ein Gefühl. Und viel Selbstreflektion und vielleicht ein bisschen verqueerte Selbstanalyse. Anyway, ja, ich bin ein super guter Freund und gehe über Leichen und verzichte dabei auf mich selber… weil ich mit mir nichts anfangen kann. Gar nichts. Nada. Also muss ich das ausgleichen, mit anderen Menschen. Was mich dann “glücklich” macht. Aber eigentlich nicht.

    Oder so.

  6. 23/07/2007leonope say:

    Also mein “bester” Freund, ist deshalb mein bester Freund, weil er eben NICHT perfekt ist. Im Gegenteil. Er treibt mich ab und zu an den Rand meiner Schmerzgrenze wenn wir über Sachen debattieren von denen er keine Ahnung hat aber mitreden können will und ich mich zurückhalten muss um ihn nicht zu töten :) Er ist deswegen mein bester Freund, weil er soviele Fehler hat, dass es schon wieder weh tut, wenn er einmal nicht in irgendein Fettnäpfchen tritt und völlig belämmert dreinschaut. Er ist deswegen mein bester Freund, weil er mich wahnsinnig macht ob seiner übervorsichtigen und misstrauischen Art und deshalb für eine Entscheidung (die Konsequenzen haben könnte) so ungefähr eine halbe Eiszeit braucht. Und er ist deshalb mein bester Freund, weil ich weiss, dass ich mich in der Not auf ihn verlassen kann und er mich, sollte ich wieder mal in der Scheisse stecken, wieder rausholt :) Ich könnte ihn manchmal erwürgen, aber er ist mein bester Freund. Alle anderen die mir um den Hintern kreisen sind heuchelnde Aasgeier die nur darauf warten, dass ich stoplere um sich danach auf mich stürzen zu können. Aber das wird nix, denn genau dort kommt dann wieder mein bester Freund ins Spiel :)
    Was ich damit sagen will ist : Bleib so wie Du bist, Lucky# … irgendwann kapiert dich auch der Letzte ;)

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