Ein Blick von dir: Zerstörung
5/09/2007Nehmen wir an, du bist ziemlich sauer auf jemanden. Oder enttäuscht. Oder wahnsinnig wütend, rasend, blutig, mordlüstern, erschrocken, beleidigt, und was man sonst noch so mit einer Person anstellen kann. Also, angenommen jemand hat dir was echt Beschissenes angetan, und dieser Jemand war nicht Irgendjemand von den ganzen Nullachtfünfzehnottonormalverbrauchern- nein, dieser Jemand war etwas besonderes, deiner eigenen Definition nach ein Schmuckstück, Gold wert, Unbezahlbar, ein Geschenk des Himmels & dein persönlicher Schutzengel. Emotional, ich meine rein hypothetisch, steigert sich deine Wut und deine Trauer und was es auch immer sein mag allein durch diesen Fakt - es war nicht IRGENDWER - ins Unendliche, es scheint niemals enden zu wollen.
Aber es endet, stimmt’s? Das weiß man nicht, das will man gar nicht wissen, wenn man noch an dem Höhepunkt seiner Rage weilt und erst mal Amok laufen will, aber es endet.
Dann: Apathie. Wehmut. Dein Significant Other. Er ist weg. Die einzige wichtige Person in deinem Leben: Sie ist weg. Nicht, weil sie weg musste, nicht weil sie tot ist, nicht weil sie umgezogen ist und nicht weil man sich irgendwie in der Beziehung verfahren hatte; sie ist einfach weg, weil du wolltest - für einen Augenblick - dass sie weg ist. Dass du sie nie wieder siehst, dass du für immer und ewig sauer sein würdest, scheisse, du dachtest sogar an einen perfekt geplanten Mord. Ich glaube, das ist es, was man fühlen kann und vielleicht soll, wenn einem das Herz rausgerissen wird. Es wird rausgerissen und sorgfältig in ein mit Maden gefülltes Paket gepackt. Es wird zugeschnürt und in ein Feuer geschmissen, aber dein Herz stirbt nicht, es pumpt weiter. Und du darfst die nagenden Bisse der kotzreizverursachenden Viecher spüren, darfst die Hitze spüren, die vom Feuer ausgeht, darfst spüren, wie es deine Herz versengt und zerstört, doch es stirbt nicht… es wird nie sterben, so lange es Schmerzen spüren will.
Das ist Liebe, die zu Hass wird, die zu Wehmut wird, die stirbt- aber, und hier befinden wir uns auf dem Gebiet von Meinungsgefasel und ich bin gerne bereit dazu, mich eines Besseres belehren zu lassen - aber Liebe soll nicht vergehen. Ich weiß nicht, wie es dir da geht- bist du bereit, deine Liebe sterben zu lassen? Was trägt das schwerere Gewicht? Liebe oder Schmerz?
Aber hier ist der Knackpunkt: Nehmen wir an, du hast also diesen Höhepunkt des Schmerzes überstanden, die nagenden Viecher sind selbst abgefackelt und dein Herz liegt nun im lauwarmen Wasser. Abkühlung. Du vergisst den Schmerz, nicht von heute auf morgen, aber mit jedem Tag ein bisschen mehr. Bist du bereit, zu verzeihen?
Und wo ist überhaupt der Unterschied? Verzeihen- ist es anders, als Vergessen?
Versetz dich zurück in die Lage, als deine Liebe noch existierte: Du hast alles getan. Dein Leben vergessen. Für jemanden anderes existiert. Ein Sinn. Ein Motto. Ein Leitfaden. Dein Lieblingszitat. Das einzige Gefühl. Du bist überkommen. Bestimmt. Gäbe es eine Berufung für dich, du hättest sie Liebe nennen können… Emotionale Flachwichserei– überwiegen diese Erinnerungen den Schmerz? Und wenn das erst mal passiert es, wenn du verziehen hast, wenn du vergessen hast, angenommen, es wäre möglich, angenommen, es gibt einen Menschen auf der Welt, der nicht nachtragend ist, der verzeiht, der den menschlichen Makel hinnimmt, oder um es formal korrekt auszudrücken: Es nicht persönlich nimmt.
Die gleiche Person, die dein Herz vergewaltigt hat, deine Energie verbraucht und deinen Atem gestohlen hat: Ist sie es wert weiterhin geliebt zu werden, der Liebe willen? Bist du es ihr schuldig, ein besserer Mensch zu sein? Solltest du es ihr leicht machen, ihr die Hand reichen– “Hey, it’s okay. I’m over it. It’s over. We can start from scratch.”… oder solltest du die Liebe vergessen, die du empfunden hast, zum Trotz einen Hass entwickeln. Solltest du es versuchen?
Oder solltest du deinen Kopf zu machen, dein Herz verriegeln- mit der Hoffnung, das soetwas nie, nie wieder passiert. Mit der Hoffnung, dass nur die richtige Person jemals den Schlüssel erlangen wird, um es wieder aufzumachen — denn ewig will ja niemand verschlossen enden.
Vielleicht einfach weiter warten, um jeder Entscheidung aus dem Weg zu gehen. Um zu sehen, was passiert. Ob vielleicht doch irgendwo, da hinten aus der Ecke vielleicht, ein leises “I’m sorry” zu vernehmen ist; das Warten dann allerdings: Ohne Hoffnung. Mehr wie ein Traum, der dir die Last nimmt.
Mehr wie eine Illusion, die niemals Realität sein könnte.
There are 5 comments in this article: