Mal so ein Randgedanke der mir bei Goethe kam
13/11/2007Ich hab das Gefühl, je mehr ich mich gegen so manche Gefühle und Situationen wehre, desto mehr verstricke ich mich in sie. Und plötzlich erwische ich mich dabei, wie ich schon wieder dieselben Gespräche führe, dieselbe Maske trage, dasselbe Lächeln lächle und die gleiche Zuneigung und Willenslosigkeit (kommen Hand in Hand im Sonderpaket) empfinde, wie ganz am Anfang, als alles noch in Ordnung war.
Das liegt natürlich nie an mir, sondern immer an Person XY. Nur, dass wir uns da nicht falsch verstehen: Die Attraktivität, die Chemie, das alles passt ja vorne und hinten wie Arsch und Kopp und sollte auch nie getrennt werden, es waren nur, nun ja, sagen wir: “die äußerlichen Umstände”, die uns gehindert haben, auf einem Pony (explizit in weiß und toller Mähne, nicht größer als 1,30 cm) gen Sonnenuntergang (im Freilandzirkus neben 4-jährigen Wonneproppen) zu reiten.
Und, ich erinnere mich fast nur noch vage, denn - oh ho, hauen wir die Menschenbilder raus - “es liegt in der Natur des Menschen”, O-Ton der ganzen Welt, alle schlimmen Gefühle und Erfahrungen zu verdrängen und das “beste” daraus zu machen. Aber eigentlich wäre es doch viel, viel intelligenter, nicht das Beste daraus zu machen, sondern im Gegenteil, einfach eine Konsequenz zu ziehen: NIE WIEDER, und dann hab ich den Salat, ich bin schon wieder da, also mach ich es falsch, sollte ich es doch besser machen.
Im Kreis drehen, und mir ist schwindlig.
Und, wo war ich, und ich erinnere mich wieder, wenn auch nur vage, daran, wie weh es tat, und wie hart ich gefallen bin obwohl ich glaubte, niemals fallen zu müssen (was nicht zuletzt daran lag, dass ich mich ja hundert Mal abgesichert hatte, mich in einen Kokon der Anti-Hoffnung versteckt habe, die aber meine eigentlich sehr weiche, matschige Seite nur in den Schatten stellte, allerdings nicht auslöschte, und naja, ich hab mir selbst in den Arsch getreten, blah und furz). Der Aufprall existierte nur momentär, aber wenn ich einmal sterben muss, irgendwann, dann weiß ich, wie es sich anfühlt: Kurz. So kurz, aber so gewaltig (so ist der Tod, könnte man jetzt verallgemeinernd sagen).
Ich dreh durch, denn ich könnte völlig zufrieden sein: Noch ist es nicht zu viel von dem einen oder dem anderen, ein perfektes Mittelmaß. Aber zu WISSEN, ja, oh Gott, die reine AHNUNG, dass es wieder mehr oder weniger sein wird, auf meiner oder auf der anderen Seite, AAAH, verfluchte, alleine diese Skeptik, die man loswerden möchte um in purer Naivität auf Wolke 3000 zu schweben—-
Sagt jetzt nicht, “na und, vielleicht funktioniert es ja DANN (!!! in der sagenhaften ZUKUNFT, wo ich alt, tattrig, faltig und völlig behindert sein werde, geplagt von Rheuma und all den anderen Dingen, die ich jetzt noch nicht habe, die aber wahrscheinlich innerhalb der nächsten 3 Wochen folgen) mit dieser UNBESCHREIBLICHEN zwischenmenschlichen Beziehung die nur DU verstehen kannst, weil - oh NEID - du bist ein TEIL von ihr!”, das sagt ihr jetzt bitte nicht, denn ich weiß einfach (100%, wirklich), dass es niemals funktionieren kann, das liegt einfach an Tatsachen, die… ja, wie soll ich sagen. Handfest sind. Es ist wie Pinguine und Schmetterlinge. Vielleicht komplementär, aber niemals passend zusammen. Wie Neongrün und Pink: Schrill, neu, abgefahren, und für manche Menschen als Kunst anzusehen, aber glaubt mir, diese beiden Farben, sie kotzen sich selbst und jeden Zuschauer nach exzessivem Zugucken ziemlich an. Dann lieber Schwarz-Weiß oder Blau-Grau. Ihr wisst, was ich meine.
Jetzt weiß ich vor allem, was SIE meinen, wenn sie sagen, man muss “sich fallen lassen”, und vor allem sind die Begriffe “rosarote Brille” oder “blind vor..” nicht mehr ganz so abstrakt. Aber das war mir von Anfang an klar. Ich erwähne es ja nur noch mal, damit es so “aussieht”, als ob es eine neue Erfahrung wäre, was es natürlich nicht ist; es ist eine VERGESSENE Erfahrung, neu-entdeckt, Gefühlsrecycling. Eine emotionale Flachwichserei, JA-HA!, nichts als reine Verarsche, wie Valentinstag für Pärchen, genau das ist das alles, eine Falle der Natur, und der Grund dafür, warum wir doch alleine bleiben, ist dass die Natur sich gar nicht daran erfreut, dass wir für immer und ewig ein glückliches Irgendwas sind, nein; die Gefühle dienen einzig und allein: Fortpflanzungszwecken! Eine Heuchlerei, nichtsweiter. Jetzt können wir auch definitiv wieder von Natur reden.
Dreckige.
Nunja, was ich sagen wollte: Ich kann sowieso nichts mehr dagegen tun, und ich werd’s wohl auch nie können, ich bin verdammt dazu, zu fallen - unglücklich - und mich zu sehnen, nach etwas mehr als das, was ich normalerweise kriege, vor allem, da ich so ein loyaler, treuer und an das “für immer” glaubender Mensch bin. Das sag ich jetzt aber alles mit einem bekifften (nicht wirklich bekifft, nur optisch) Lächeln auf dem Gesicht, wohlwissend, dass ich mich gerade mit meinem ewig währenden Zynismus abgebe. Von ewigen “optimistisch” und “Traumprinzen” oder sonstirgendeinscheiss.
Das passt schon alles, bis es zusammenkracht und ich wieder am Boden lieg und alles scheisse ist. Und dann passt’s eben wieder alles. Und so weiter. Sex zwischendurch wäre ganz nett, aber man muss ja bescheiden bleiben im Leben.
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