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Selbstanalyse

Datt Alkohol

11.26.07 | 8 Comments

Parallel zu dem Gespräch mit Basti und seinem aktuellen Eintrag über die Verhaltensänderung im Vollrausch, sollte ich vielleicht auch mal aus meinem Nähkästchen plaudern.

Ich bin kein Trinker. Weder für den Genuss noch für den Effekt. Ich hasse den Geschmack von Alkohol genauso wie den Geruch von Weed, zwei Dinge, die mich eigentlich jedes Mal davon abhalten, zu trinken oder zu rauchen. Ich meine, klar kann ich mal ‘nen süßen Äppler oder einen Cocktail vertragen, aber davon mach ich dann ganz bestimmt nicht abhängig, ob ich fahre oder nicht fahre. Saufgelage waren mit fünfzehn in, jetzt sind sie nur noch langweilige, zu Orgien mutierte Zusammentreffen post-pubertärer Schleimbeutel die mir an die Wäsche wollen.

Oder auch nicht.

Um nicht zu sagen, dass es keinen Spaß machen würde. Ich brauch es aber nicht. Ab und zu, von mir aus. Ständig wäre langweilig, und zu oft ist eine Sucht. Also warum überhaupt? Ja, im Club, klar, damit die Zeit schneller vergeht, damit man offener wird. Aber eigentlich wären von mir nur wenige Dinge zu behaupten, die im Alkoholeinfluss eintreten:

1. Bier
Wenn ich Bier trinke, werde ich zum Stonehead. Ich meine, selbst beim Kiffen ist es nicht so schlimm wie mit Bier. Ich werde faul. Ich werde müde. Träge. Ich rede fast schon rückwärts. Ich gehe jedem mit einem selbstgefälligen, stillen Grinsen auf die Nerven. Mir selbst sowieso. Nach einem Sixpack wird mir schlecht und ich geh schlafen. Das war’s. Tolle Karte.

2. Hochprozentiges
Shots und Long Drings machen mich zum aufgedrehten Frettchen. Jetzt mal im Ernst: Ich kriege Lust, abzuspacken, bin total wild und reisse einen Witz nach dem anderen. Nach 3 Drinks fängt das Lallen und Fallen an. Nix mit Balance! Ein klugscheisserisches Stottern und außerdem fange ich an, wie ein Chinese zu grinsen. Das sei mal nicht rassistisch gemeint, aber diese super kleinen Schlitzaugen in meinem Gesicht sind alles andere, als attraktiv. Nach 5-6 Drinks findet ihr mich über’m Klo, nicht kotzend, aber nahe dran.

3. Wein
Eigentlich sagt’s das Wort schon: Ich werde zum emotionalen Kackspecht. Ich erzähle jedem, der es hören will und zusätzlich noch allen, die es nicht hören wollen, wie sehr ich sie liebe, vermisse, hasse, und so weiter. Meine ganze Lebensgeschichte wird aufgetischt. Tränen rollen. Der Weltschmerz und Sexfrust der letzten dreihundert Jahre kommen ans Tageslicht. Ganz, ganz fürchterliches Szenario. Hat man micht mit Wein intus erlebt, muss man nicht mehr wissen, wie schrecklich das jüngste Gericht wird… man hat es ja schon vor sich sitzen.

4. Durchgemischt
Jo. Kotzen. Aber direkt. Speziell bei so Dingen wie: “Okay, zu Anfang ‘nen Sekt oder Schampuszeug. Danach noch ein, zwei Shots und dann hinterher direkt drei, vier Bier und zum “Ausklingen” ein paar Äppler und Long Drinks.” Jaha. Mein Todesurteil. Blackout, Kotzalarm, Notruf 110, Feuerwehr, Keller unterwasser. Sowas passiert dann. Ach ja, und eventuell kommt hinzu: Schwanger, ausgeraubt, enteignet und komplett verwahrlost. Ich bin schon an manchem Morgen mit Piercings aufgewacht. Oder mit irgendwelchen komischen Menschen, die sabbernd neben mir lagen. Schlimm. Ganz, ganz schlimm.

So.. jetzt wisst ihr also, wie ihr mich am besten rumkriegt. Aber ich denke, ich weiß mittlerweile, wo meine Grenzen liegen. Und wirklich verändern… ich glaube, ich werde maximal ein bisschen verkrampfter, wenn ich betrunken oder angesäuselt bin. Ich mein, so ganz platt werde ich gar nicht mehr. Dafür bin ich dann doch zu alt und erfahren. Wenn mir heute noch schlecht wird, dann nicht wegen der Menge, sondern wegen der Verträglichkeit oder Gewohnheit. Scheisse, ich hab schon mal wegen 2 Gläsern Sekt gekotzt weil’s einfach nicht mein Ding ist. Nein, ich werde zurückhaltender. Bei anderen Leuten lösen sich die Ketten, was teilweise wirklich vorteilhaft ist, bei anderen, so wie mir, … es ist paradox. Mir rennen laufend irgendwelche komischen Gedanken durch den Kopf, was ich jetzt tun und machen könnte mit der Rechtfertigung “Alkohol”, so wie andere es tun, aber gleichzeitig werden diese Gedanken jedes Mal von einem “OMG du bist betrunken TU ES NICHT” wieder dahin geschoben, wo sie hingehören. Das erspart einem peinliches Gesülze oder dumme Dinge, die man am nächsten Tag bereut.

Es beschert einem auch viel Kummer, weil man selbst unter Alkoholeinfluss nicht weiss, wie man sich äußern soll. Weil man manchmal einfach nur die Bestätigung dafür haben will, dass man so ist, wie man eben ist, und nicht etwas von sich selbst gesteuertem, falls das irgendwie Sinn macht jetzt.

Ist aber auch egal. Ich bin sowieso dafür, dass andere Drogen legalisiert werden sollte. Davon hat man mehr und kommt am Schluss billiger weg. Ein bisschen LSD vielleicht. Damit könnte man wenigstens noch sein Bewusstsein erweitern. Und auf Autofahren hat man dann ja eh keinen Bock mehr.

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