Vollbremsung bei Lichtgeschwindigkeit
29/11/2007Man muss einfach weitermachen, selbst wenn man nicht mehr kann. Normalerweise kommt solch eine Erleuchtung erst gegen Ende einer langen, tiefsinnigen Auseinandersetzung mit sich selbst, aber ganz ehrlich: Scheiss drauf. Ich weiß noch nicht mal, wieso ich mir das so vorstelle, aber ich habe das Gefühl, ich darf jetzt auf gar keinen Fall Pause machen, weil ich sonst nicht mehr hochkomme.
Arbeit, Schule, Stress, Freunde (Stress), Familie (Stress), irgendwelche laufenden Schulden, Geld insgesamt, Nachhilfe, Nachhilfe geben, Babysitten, Arbeiten, Schule, Referate, Klausuren, Abitur, ZUKUNFT, Klagen am Hals, einkaufen, duschen, essen, minimale Entlastung durch 4-stündigen Schlaf, Arbeit, Stress, Schule, weitermachen.
Ich hatte mir überlegt, dass das ja in den Weihnachtsferien erst mal anders wird: Die stinkende Langweile holt mich ein und ich werde wieder deprimiert die Feiertage damit verbringen, mich darüber zu beschweren, dass sich jeder reichlich beschenkt und ich dank meiner Herkunft solch ein Privileg in der westlichen Gesellschaft natürlich nicht genießen darf. Und obwohl ich generell nicht der Fan von Religionen und festlichen Traditionen bin, ist es dieses Jahr das erste Mal, dass ich soetwas wie Wehmut empfinde, wenn ich daran denke, dass jeder zweite Trottel einen süßen, selbstgebastelten Adventskalender bekommt und sich auf die wohlige Zeit beim Fressen freut.
Dann sind da die ganzen Leute, die mich jetzt schon mit ihren Silvesterplänen volleiern, ich denk mir: Scheisse, woher nehmt ihr diese Nerven, diese eiserne Kunst, ALL DAS jetzt schon durchzumachen? Wenn Silvester erst mal kommt, werde ich zwar da sitzen, und mir denken: Shit, hättest du dich mal früher drum gekümmert. Aber was soll’s. Keine Zeit.
Ich könnte jetzt baden, fernsehen glotzen, stur dumm irgendetwas tun was keinen Sinn macht. Aber stattdessen fallen mir noch tausend andere Arbeiten und dringend zu erledigende Dinge ein. Nichts lebenswichtiges. Nur: aufhören ist nicht. Ich glaube, bis mein Abitur rum ist, kann ich nicht aufhören. Es geht nicht.
Habe ich mich erstmal hingelegt, wache ich wahrscheinlich nie wieder aus meinem Koma auf, und ich fasse es selber nicht, dass ich mich zwinge, so zu denken… aber: Ich kann’s mir einfach nicht leisten, wenn ich erfolgreich sein will. Und mein Erfolg in Schule und Arbeit ist die Eintrittskarte zu meiner Freiheit.
Tut weh, wenn man in das falsche Leben geboren wird.
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