Megalomaniac
22/12/2007Mir ist die Erleuchtung gekommen. In Form von einem Trailer und nem Zug an ner Zigarette. Kann man sich alles im Wesentlichen natürlich viel schöner und eleganter vorstellen - zum Beispiel ein Nahtoderlebnis, diverse nächtliche Abenteuer, romantische Szenerien die einen zum Nachdenken verleiten oder ein tiefsinniges Gespräch mit dem Freund - aber nein, in diesem Fall wurde meine Eingebung gänzlich von einem Filmtrailer (noch nicht mal ein ganzer Film) und einer Zigarette ausgelöst.
Es war der Trailer zu “Whale Rider”, ein Film, der wahrscheinlich so traurig-emotional ist, dass ich ihn niemals sehen werde, weil es einfach viel zu rührselig wäre. Ganz schlimm. Jedenfalls, durch meine Besinnung konnte ich endlich herausfinden, was tief in mir steckt, oder, um genau zu sein: Was ich eigentlich (verfluchtnochmal) will! Jaha! So eine wichtige Frage habe ich - ganz alleine, mit Nikotin und komischen Lichteffekten - geklärt, im verrauchten Hinterzimmer meines Arbeitsplatzes, das aussieht wie ein abgenutzes Sozialhaus (mit Harry Potter Postern an den Wänden). Was ich also will! Das fiel mir dann bei dem Satz (im Trailer) “Sie musste sich gegen eine ganze Gesellschaft (blah blah) auflehnen, um ihrem Volk eine Zukunft (blah blah) zu geben!” So oder so ähnlich. Tja, und DA wusste ich, was ich will:
Einen Namen.
Ja, ich weiß. Ihr dachtet jetzt bestimmt: Aha, sie hat herausgefunden, wen sie liebt, was sie studieren will- aber NEIN, falsch gedacht. Ich möchte einen Namen. Und das meine ich jetzt nicht im wörtlichen, sondern übetragenen Sinne. Mein Name gefällt mir eigentlich ganz gut, nur dass er sich für künstlerische Zwecke überhaupt nicht eignet (wenn ihr meinen Nachnamen kennen würdet, ihr würdet ja sterben vor Lachen. Manchmal wär mir Müller auch lieber!).
Ich wäre also einfach gerne… bekannt. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, in meinem Leben in allem nur Durschnitt zu sein. Ein stinknormales Leben ohne irgendwelche besonderen Vorkomnisse. Ja, tatsächlich ist es so, dass viele besondere Sachen vorgekommen sind.. es gibt nur keine Beweise dafür, egal wie bescheuert sich das jetzt anhören mag. Ich will… dass nach meinem Tod Leute über mich reden, dass sie sagen: Ja man, die Alte hab ich gekannt, und mir ist auch völlig egal ob im positiven oder negativen Sinne (ist es wirklich).. ich wäre lieber ein bekannter Verbrecher als ein unbekannter Durchschnitt.
Wieso? Keine Ahnung, wieso. Hat bestimmt irgendwelche psychologischen Hintergründe, liegt an der Erziehung, am Umfeld, was weiß ich. Es geht mir nicht um die Aufmerksamkeit und den Reichtum und den Einfluß, obwohl das zugegebenerweise alles sehr verlockende Dinge sind, die ich dann ganz bestimmt nicht ablehnen werde und die auch eine große Rolle bei meinem Gedanken spielen… aber, scheisse, einfach zu wissen, “du hast es geschafft, du bist unvergesslich”, das wäre der Grundbaustein einer neuen, außergewöhnlichen sexuellen Erfahrung für mich, genauso, wie das SMS-Muschivibrationsding auch eine besondere sexuelle Erfahrung gewesen wäre, wenn man es mir geschenkt hätte. Ich möchte jetzt keine Namen nennen. Christoph.
Jedenfalls: Vielleicht bin ich da ein bisschen megalomaniac. Mein einziges Problem ist, dass ich tatsächlich nur 08/15 darstelle. Nicht besonders hübsch - aber auch nicht besonders hässlich (gut, da würden sich jetzt einige mit mir streiten, aber ich finde, meine Gesichtsvereiterung hat doch deutlich abgenommen in den letzten Jahren!) - nicht besonders intelligent, aber auch nicht außerordentlich dumm (also, kann man beides nicht für Studienzwecke verwenden), nicht wirklich talentiert, hab aber definitiv Vorteile, und so weiter, und so fort. Ich bin immer an der Schwelle zu “gut”, das heisst, meilenweit entfernt von “alter wie krass!”. Ich meine, ich will ja auch kein Rockstar werden (was aber direkt danach kommt). Ich will nicht steinreich sein. Ich will… bekannt sein. Wirklich bekannt. Ich will das die Leute mich auf der Straße erkennen… auf mich deuten, unauffällig rübergucken, wenn ich meine Cola trinke, SCHEISSE, und zwar über all auf der Welt!
Ja. Dummerweise weiß ich nicht wie ich das schaffe, ohne direkt meine (gesetzliche, nicht elterliche) Freiheit aufs Spiel zu setzen oder moralisch abwertende Dinge zu tun. Hm. Und bevor jetzt jemand daherkommt und sagt: saripari, schreib ein Buch!, dafür bin ich nicht gut genug, nicht ausdauernd genug. Ja. Gut, also ich nehme an mein Traum vom Bekanntsein ist nicht mehr als das: Ein Traum.
Aber ihr müsst zugeben, es ist ein cooler Traum. Und ich guck definitiv zu viele Filme.
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