MUSIKexzesse & Hyper Hyper
30/12/2007Wisst ihr, welcher Typ Mensch mich am meisten nervt? Wirklich, wo ich richtig brutal ausrasten könnte und zur vaginalkackenden Mutantenkuh werde? Das sind die, die mir irgendwas von Emo- und Elektrohype auf den Tisch labern, nur um ihre eigene Indie-Liste runter zu rattern. Die, die mit Verachtung auf die kleinen “Kiddies” herabblicken und selbst so verdammt stolz sind, dass sie auf einem Feist Konzert waren und, oh mein Gott, Bloc Party wirklich verstehen, und, oh, The Hives und sowas, alles klar, alles dabei.
Das sind dann die, die man dann dabei erwischt, wie sie im Auto Panic! At The Disco hören und im Club doch zu ‘nem fetten Technobeat nicken. Ich kann nur sagen: Alter, mir isses nicht peinlich, wenn ich auf Franz Ferdinand abgehe. Diese ewige Feindschaft zwischen den Genres… erinnert mich ein bisschen an Kindergarten. “MEINS IST BESSER!”, und wenn ich heute da wäre, würd ich zurückschreien “FRESSE HALTEN! MEINS IST DAS GLEICHE, NUR IN NER ANDEREN FARBE, DU HÄNGI ARSCHLOCHKIND!!” (Hängi-Arschlochkinder sind ganz schlimme. Das sind die, die man schon im Kindergarten erschießen wollte, und die, die heute Hardcore-Inzest betreiben, was Musik angeht).
Man kann nicht einfach nur.. “eine Musikrichtung” hören, Musikrichtungen sind alle miteinander verstrickt, es gibt qualitativ gute und schlechte Musik in allen Bereichen und es gibt populäre und nicht populäre Musik in allen Bereichen. Dieses ganze Undergroundgedusel, hammerhart, da könnt ich so Kotzen. Ich weiß noch, es gab eine Zeit in der 7. Klasse, als alle Jungs anfingen, sich lange Haare wachsen zu lassen und Nirvana und System of a Down zu hören. Ich hab Nirvana und System of a Down gehasst, bis heute hasse ich sie immer noch (mit Ausnahme von einigen Nirvana Tracks, die mich einfach an diese Zeit erinnern), aber MICH haben sie damals ausgelacht, weil ich viel lieber Pearl Jam hörte. JA, ich war ein Teil des Hypes, aber HYPES SIND GUT! Hier, voll die Alternativlösung für all die Indieköppe: Wenn ihr nicht auf Electro steht, so überhaaaaupt nicht, dann is gut, dann geht und hört ein bisschen mehr Robbie Williams in dem Glauben, das wär “ja voll fett Indie und so altär”, und dann erklärt mir später nochmal, was eigentlich Indie für ‘ne Musikrichtung ist, weil irgendwie, hm, das könnt ja doch Alternative sein, oder doch Rock, oder ähähähähä, wer weiß das eigentilch schon, hauptsache nicht “Mainstream”. Aber egal wo man hingeht, irgendwo isses immer Mainstream, deshalb: Wenn euch ein Genre gefällt, ein anderes, und es euch peinlich ist, weil jeder darauf steht (ohmeinGott LEBENSLANG! DA DRAUF GIBT’S LEBENSLANG!), dann hört euch einfach Bands dieses Genres an, die keiner kennt!
JA MEI SO EINFACH IST DAS!
Und dann braucht ihr auch nicht mehr so rumzutönen, “was das doch für eine scheisse mit dem Emo und Elektrogedöhns” ist, sondern könnt ganz offen und herzlich im Club zu guter Musik abgehen. Hat ja ‘nen Grund, warum es viele Leute gut finden. Könnte ja gut sein…
An dieser Stelle könnte mein Ausraster aufhören, aber NEIN! Ohne scheiss. Wie schlimm ist das denn, wenn man sich selber zwingen muss, etwas NICHT zu mögen, weil alle anderen es mögen! Und das faszinierende daran: In dem Streben, so individuell zu sein, wie es geht, vereinen sich wieder alle Individuen und— sind wieder völlig gleich. Im Prinzip müsste man doch die Intention haben, GENAU SO zu sein wie alle anderen, um anders zu sein. Wäre doch mal zur Abwechslung etwas anderes. Was noch interessanter ist: Man will nur so lange anders sein, wie andere Menschen AUCH anders sind, und zwar gleich-anders, sprich in einem Kollektiv, einer Gruppe. Man fügt sich selbst einer Gruppe hinzu. HALLO?! Wie behindert ist DAS denn?
Klar, es ist auch eine Art, sich selbst zu finden, und wenn mein Bruder mit seinen jungen 15 Jahren jetzt noch rumplärrt, er sei Gangster und Hip Hop und niemals etwas anderes, und ich ihn dabei erwische, wie er mit dem kleinen Zeh, wenn auch nur ganz leicht und kaum bemerkbar, zum Beat von Jimmy Edgar zuckt, während ich meine Musik aufdrehe, dann wird mir klar, dass seine Attitüde wahrscheinlich essentiell ist für einen gewissen Status.
Ich frage mich nur, warum es peinlich ist, auf oberflächliche, populäre, seichte oder kitschige Musik zu stehen. Okay, kitschige Musik, sowas wie die alten Schinken von, ach ich weiß nicht, Brian Adams, muss nicht sein. Aber lustige Musik! Musik, die einen verbindet mit Zeit, mit Leben, und WENN es nun eben, ach weiß der Teufel, wenn’s nun mal *NSync ist, ich mein, das ist keine Musik zu der ich tiefsinnige Gedanken ausgrabe, aber hallo, wie viel Spaß hatte ich schon zu *NSync Musik bitte schön, heh?! Wahrscheinlich um einiges mehr Freude und Good Times als bei Portishead oder Tool. Und wenn ich Julimond im Radio aufdrehe, weil die einen schönen, eingängigen Refrain haben, ist das auch nicht schlimm, weil scheisse, ist doch okay, das einzige, was nervt ist die Dauerrotation und diese sehr, sehr kurzweilige Halbwertszeit, die es verbietet, so einen Track, der eben qualitativ nicht ganz so hochwertig wie irgendein super-Track von Sebastian Tellier oder Radiohead ist, öfter zu hören als 8 Mal.
Geschmackssache hin oder her: Selbstbeschneidung tut weh und erinnert mich an Spießbürgertum und 50er Jahre in den USA. Das gilt halt nicht nur für Musik, schon klar, sondern für alles im Leben. Das sind Terracotta-Küchen und Duftkerzen und wenn man verheiratet ist nie wieder Partys feiern sondern Kinder großziehen und Elternbeirat und sowas. Ist ja alles schön und gut, aber so festgefahren zu sein, so unflexible Menschen, die regen mich auf, die verstehen nicht den Sinn dahinter, hinter allem. Wenn mir etwas gefällt, dann will ich es haben, hören, machen! Dann will ich nicht darüber nachdenken, was der Rest der Welt über dieses Verhalten denkt, vor allem, wenn es ja nur MICH betrifft.
Keine Ahnung, man. Ich hab’s gut. Mir ist es nicht peinlich, ich leg jetzt erst mal Nickelback ein, ich find den Track “Rockstar” echt gut, und wenn danach Remy Zero in der Playlist kommt und danach das neue von Wu Tang ist das genau so, wie mein Kleiderschrank, und der ist so, wie mein ganzes Leben, und Leute, nennt mich Bridget Jones, die peinliche, unstylische total-Druffi-Braut, aber lieber fett und zufrieden als dünn und hungrig.
(Oh Gott, dieser letzte Absatz war echt grauenhaft)
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