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Zeitgeist/Popkultur

28 Weeks Later

01.12.08 | 5 Comments

28 Days Later

Ohne lange Umschweife möchte ich direkt zum nächsten Film kommen, der mich erfolgreich davon abgehalten hat, irgendetwas für die Schule zu tun: 28 Weeks Later.

Es sollte ein ausgeglichener DVD-Abend werden, ein bisschen Action (Sunshine), ein bisschen Humor (Wo Ist Fred?, und ja, Til Schweiger hat es mir doch irgendwie angetan), und eben ein bisschen Horror- 28 Weeks Later (den ich mittlerweile nicht mehr als Horrorfilm einstufen würde,- eher als schockierendes Kunstwerk). Ich habe den ersten Teil (28 Days Later) vor hunderten von Jahren irgendwann gesehen und konnte mich gerade so entsinnen, dass das ein guter Film war, ganz im Gegensatz zu seinen Genrekollegen. Ich gucke generell keine Horrorfilme und muss mich meistens dazu überwinden, wenn es mir dann doch empfohlen wird. Nicht, weil ich so viel Angst habe- im Gegenteil, Saw (aber nur der erste Teil), wie ich fand, war ein grandioser Film der spannend und packend war, The Ring war ein super Film, Hide & Seek ist einer meiner Lieblings “Horror”-Filme. Aber Zombie/Slasher Filme, die so berechenbar sind wie die Zahnfee und zeitgleich meistens mit beschissenen Splatter-Effects bedacht sind, als ginge es nur noch darum, irgendwelche Gedärme durch die Gegend zu werfen? Nein, danke. Mindfucker und Psychothriller- immer gerne. Horror ist meistens nur debiler, perverser Scheiss den ich mir nicht zu geben brauche.

Wenn es da nicht die Ausnahmen gäbe! Die glorreichen Ausnahmen, die mich an ein glückliches, zufriedenes Leben glauben lassen, ja-ha! Wo wir auch schon wieder bei “28 Days Later” wären, den ich mir bestimmt irgendwann mit jungen 16 Jahren aus der Videothek ausgeliehen habe, um verrucht und wild und furchtlos auszusehen. Ich erinnere mich nicht mehr an viel Inhalt, weshalb ich augenblicklich sehr bereue, ihn nicht noch mal vor seiner Fortsetzung gesichtet zu haben, aber hey, whatever, jedenfalls weiß ich noch dass nicht viel mit glücklichem Leben in DEM Film zu finden war. Die Fortsetzung - 28 Weeks Later - kam gestern in unsere örtliche Videothek des Vertrauens eingeliefert (quasi mein Arbeitsplatz) und ich sah es als meine Pflicht an, ihn entgegen meiner Prinzipien (einen Monat warten, um ihn umsonst mitnehmen zu können) mit nach Hause zu entführen und meinen DVD Player zu penetrieren (semantisches Feld, anyone?).

Ich. Bereue. Keine. Sekunde. Schade ist höchstens die Tatsache, dass ich ihn mir nicht im Kino angesehen habe. Man kann über die Story sagen, was man will: Jeder, der mehr als 20 Filme im Jahr guckt, kann sich in etwa vorstellen, wie das Ende aussieht und sich die ganze Sache entwickelt. Aber gerade der Weg dorthin ist das, was mich so umgehauen hat. Eine unglaublich düstere Atmosphäre und ein rasantes Tempo begleiten den Film ohne eine Verschnaufpause zu geben. Ich bin ein kleiner Dramafetischist und liebe es, wenn so viel Konflikt und Problematik und emotionaler Rotz wie möglich rausgehauen wird. So sind, ob das meine subjektive Interpretation ist oder gewollter Effekt war, unzählige Themen angeschnitten worden- von moralischem Verhalten, Katastrophen- und Ausnahmezuständen bis hin zu der Frage: Was würde ich tun? Aber gut, das interessiert hier niemanden… was interessiert, ist der Entertainment-Faktor, und hollabumsmichmal, der war ja mal sowas von vorhanden. Soetwas ist selten: Ein Sequel, das fast besser ist als der Vorgänger (ich kann das nur bedingt ausdrücken, weil ich mich eben an den 1. Teil kaum erinnere).

Die Jagd, die Hetze im Film, das Blut, die Effekte- alles passt wunderbar zusammen. Eine explosive Action und nervenzerreissende Spannung, gekoppelt mit wirklich verstörenden, perspektivischen Bildern aus Nachtsichtgeräten- die Massenpanik im “sicheren” Parkhaus - die Angst, als die Kinder mit den beiden Soldaten im Auto sitzen und die Zombies um sie herum alle sterben müssen - die Szene in der U-Bahn-Station - ich weiß gar nicht, wo ich anfangen und aufhören soll.

Das Ende, sage ich geradewegs, hat mir nicht gefallen, aber ich habe den Film irgendwann überhaupt nicht mehr als Geschichte, sondern als einziges Bild betrachtet. Ein einziger Entenparka, eine Gänsehautmatte hat sich auf einmal über meiner Haut hingezogen- nicht zuletzt, mal wieder, wegen dem Score (ich sag euch was, Musik wird SO unterschätzt!). Das letzte Mal, dass ich mich so dramatisch in einen Film eingefunden habe und fast mit Tränen der Verstörtheit den Fernseher ausmachte war mit Sicherheit “Children Of Men“, wobei ich jetzt bestimmt 38 andere Filme in der Zwischenzeit lediglich vergessen habe, aber hey, ich versuche ja auch nur gerade mir selbst in einem Satz tausend Mal zu widersprechen, und wem das nicht auffällt, sollte mal auf die Wortwahl achten. Jawohl.

Heh, jetzt wollte ich gerade noch so ausgiebig darüber schreiben, wie sehr es mich wundert, was Danny Boyle für ein Meisterregisseur ist, wenn es darum geht, die Köpfe zu ficken, da fiel mir auf, dass der Film gar nicht von Danny Boyle war- sondern von einem gewissen Frikadellen-Typ, dessen Namen ich mir leider nicht merken konnte, aber es hörte sich an wie Frikadello und er war bestimmt Spanier. Heh. Egal. Der Score in Sunshine ist auch der Hammer (gestohlen von Requiem For A Dream, wo er definitiv bessere Leistungen erzielte, weil der Film insgesamt ein Meisterwerk war), ist aber auch Danny Boyle, obwohl Danny Boyle jetzt gar nicht den 28 Weeks Later Film gemacht hat. Ist ja auch egal. Film gut, angucken!

Wobei- mir fällt gerade auf, naja, man könnte sich über eine Sache aufregen, die mir in letzter Zeit in vielen neuen Filmen aufgefallne ist: der ständige politische Unterton. Wer nicht weiß, was ich meine, sollte beachten, dass die US-Army plötzlich aus Angst vor den Zombies den Befehl gibt, gegen jeden zu feuern. Hm. Ich weiß nicht, ob das eine moralische oder politische Anspielung sein sollte, aber in Zeiten des Krieges (vor allem: Standpunkt USA mit seiner Anti-Terror-Politik) ist soetwas schon auffällig, zumal es ja ein europäischer Film … ach, lassen wir das einfach.

(Und weil ich es schließlich komplett aufgegeben habe, irgendwelche Schulsachen zu erledigen, füge ich alldem noch I Am Legend hinzu und hoffe, ich bereue es nicht, den auf DVD und nicht im Kino zu sehen.)

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