Alte Realität

31/01/2008

Ich wäre gerne ein Typ. Damit ich so richtig schön Visagen polieren kann. So richtig. Ich würd gern ein muckibepackter Ochse sein, frisch aus’m Solarbunker, mit Jogginghose in den Socken und einer Alpha Industries Jacke. Schwanzgesteuert und schön wütend auf das Leben im Ghetto. Ich hätte Narben auf dem Körper und ‘ne geile Schnalle im Bett. Und wenn die mir einen Blasen soll, dann bläst die mir einen, und wenn ich Hunger hab, dann kocht die für mich, weil ich der Stecher in der Hood bin, weil alle auf mich stehen, Angst vor mir haben, und sogar die Bullen lassen mich in Ruhe, weil ich wenigstens mein Viertel ruhig halte und die Kriminellen kontrollieren kann. Ich bin überheblich, geil auf alles, was sich bewegen kann, ich sag jedem die Meinung, ich scheiss auf Respekt, ich kann keine 4 Sätze ohne Fehler sagen, kaum lesen und schreiben, aber verdammt bin ich gut, jeden Tag trainieren, jeden Tag Fresse polieren von irgendwelchen langweiligen Scheissern die mit Ipods in der Birne rumlaufen, verdammte Hängengebliebenden, geht erst mal Kacken bevor ihr hierherkommt!

Ich hab ‘nen Kampfhund der heisst Atilla, und wer mir zu Nahe kommt der wird zerfletscht! Ich lach die ganzen scheiss Rapper aus die so tun als wären die voll tight, Bushido und so, ihr kleinen Flachwichser, ihr habt doch Angst wenn ihr mir in der Nacht begegnet und ich euch die Hosen runterzieh um euch in den Arsch zu bumsen, euch und eure scheiss Hampelei, “im Ghetto”, ich geb euch Ghetto, hier und jetzt, ihr kleinen Pennern.

Wär ich ein Tarnfarben-Hauptschulabschluss Typ, ich würde mich garantiert “Big Dick der Komaschläger” nennen und Millionen von Typen schlagen, Tag für Tag, einfach nur weil die Scheisse aussehen. Weil diese behinderten Lauchs in ihren schicken BMW’s und Mercedes’ meinen, sie wären was besseres, weil sie in einer terracottafarbenen Wohnung mit Katzenkratzbaum und Platzdeckchen aufgewachsen sind. Weil sie wissen, was ein “Auslandsdefizit” ist und nach irgendeinem teuren Parfum stinken und mit 17 ihr erstes Mal hatten und jetzt im Büro sitzen und bei Starbucks ihren Kaffee schlürfen und mit 28 dann mal zu heiraten und zwischendurch mal eine Affäre zu haben und andere Leute im Fahrstuhl böse anzugucken weil sie ja beim Husten ihre Keime verteilen und dann kriegen sie Kinder, ja, diese Lauchs pflanzen sich fort, und dann nennen die ihre Kinder “Cedric” und “Cillian” und “Justin” und “Jacqueline” und fühlen sich damit total geil und cosmopolitan, und wenn man jetzt bedenkt dass MEINE Kinder auch “Justin” und “Cedric” und am besten gleich noch “Kevin” heissen würden, ich das aber darf weil ich aus einer Asischicht komme, dann, tja dann macht uns das wieder total gleich, und meine Kinder werden dann irgendwann mal deren lauchigen Abendbrotscheissern die Fresse polieren, die werden denen alle Knochen brechen, weil wir mehr sind, weil wir nämlich FICKEN, mein Samen verteilt sich in der ganzen Asidorfgegend, aus der ich komme, und deshalb sind wir mehr, versteht ihr!

Und weiterhin würden wir dann die Autos aufknacken und die Radios klauen und Leute in der S-Bahn zusammenschlagen weil sie hässliche, aufgesetzte Anzüge tragen, weil die im Kopf dreitausend Wahrscheinlichkeiten ausrechnen können, weil die für ein Jahr mal irgendwo nach Australien gefahren sind und da “die härteste, aber schönste Zeit” ihres Lebens verbringen durften, ich zeig denen mal, was hart ist.

Tag für Tag ins Boxstudio, in den Ring, Fresse zusammenschlagen. Abends in den Stripclub, vergiss das Gummi, ich geh doch eh drauf. Dann: Bitch zusammenschlagen, hat sie nicht anders verdient, wenn die für jeden die Beine breit macht. Dann: Drogen verticken, machen die großen Konzerne doch auch nicht anders, mir doch egal was mit den Junkies passiert, den ekligen Batzen. Dann: Selber konsumieren, scheisse, ist doch eh alles für’n Arsch. Dann: Fresse polieren, am besten vom Nachbarn, der immer noch nicht gerafft hat, dass er sich ne neue Fresse zulegen soll, ich helf da nur dabei. Dann: Mama anrufen, soll der Alten noch verklickern, dass die aufhören soll, ständig so ein Geheule auf die Maschine zu labern, ich will mir den scheiss von wegen “du kannst dich noch ändern” nicht mehr anhören. Ich würd mich gar nicht ändern wollen. Dann: Stress mit der Bullerei, haben meine Jungs geschnappt. Dann: Stress mit anderen Jungs, die gehen wir jetzt mal zusammenhauen, ich geh da auch alleine hin, die wissen wohl nicht, wer ich bin. Dann: Zugekokst, im Club, geile Muschis im Schlepptau, die fick, die auch, die sowieso. Dann: Fernsehen gucken, scheiss Penner da draußen, ich scheiss auf eure hübschen, glamourösen Aussichten, auf eure pikfeine Zukunft! Ihr mit euren schicken Schuhen und den Reihenhäusern, ihr behinderten fetten Penner, geht euch einen runterholen!

Scheisse, ich ficke, ich ficke, ihr sitzt vor’m PC und guckt euch Pornos an, ihr geht ins Kino und lacht verschüchtert, ich geb euch gleich was zum Lachen. Und dann wechselt ihr die Straßenseite wenn ihr mich seht und dann weint ihr nachts zu Hause weil irgend’ne Muschi euch nicht ficken will, ‘ne Muschi mit Brille wahrscheinlich die hässlich ist ohne Ende und keine Titten hat, aber zu ‘nem lauchigen Steuerberater passt das ja… fünftausend Jahre Studium, fetter Benz, und alle drei Jahre mal einen Blowjob, HAHA. Dann: Abenteuerurlaub in den Centerparks oder was, mit 65 oder so in Rente gehen, ab nach Malotze, dann abnippeln, und tschüss Herr Mustermann, wir sehen uns in der Hölle, wo ich dich einfach WIEDER in den Arsch ficken werde, weil wir beide schlechte Menschen waren. Nur dass du reich und ich arm war.

Dafür hatte ich wenigstens mehr Spaß.

There are 25 comments in this article:

  1. 1/02/2008Tobsen say:

    lieber gebildet und dafür ein bischen langweiliger als unterprivilegiert und dumm. hoffentlich ist das mal wieder nicht so ernst zu nehmen von dir.

  2. 1/02/2008saripari say:

    Hmm, ernst gemeint? Ich wüsste nicht, was das für ein Unterschied macht. Und leider denken fast alle so wie du. Ich denk mir halt, super, hab halt nix von meinen Privilegien und meiner Bildung, wenn ich im Grab lieg.

    Wie gesagt, dann lieber noch ein bisschen Spaß haben und wahllosen Leuten auf die Fresse hauen.
    … was nicht automatisch heisst, das ich das auch mache. Ich mein ja nur.

  3. 1/02/2008prey say:

    Wahllosen Leuten auf die Fresse hauen empfindest du als spaßig? Dein Beitrag erinnert mich an den Mist, den die ganzen “Gangster”-Rapper in ihren verspackten Liedern von sich lassen.

    Derbe den ganzen Tag auf die Fresse geben, die Olle nageln bis sie platzt und abends dann die dreckige Wäsche bei Mutti abgeben. Traurig.

  4. 1/02/2008bastih say:

    @tobsen:
    verständlich, dass man nen hals bekommt, wenn man sowas liest, wobei wir ja beide wissen, dass sara es geschrieben hat ;). zu deinem statement kann ich dir nur sagen, wie schlecht mir wird. mir wird schlecht, wenn ich die typen treffe und sehe, die sara beschrieben hat. mir wird schlecht, wenn ich typen treffe und sehe, die meinen, bildung hätte was mit privilegien zu tun, bzw. intelligenz sei der gegenpart von dummheit.

    perspektive, du hast vermutlich eine. und du hast keine ahnung, wie es sich anfühlt, wenn man keine hat. also würde ich meinen, du stehst auf der seite, die sara in ihrem text eigentlich kritisiert hat, und das ist nicht der asi-typ gewesen ;).

  5. 1/02/2008Paul say:

    Na, wems Spaß macht.

  6. 1/02/2008ray say:

    Klar schlussendlich verotten wir alle im Boden.

    Aber in den 70-80 Jahren davor haben wir alle unterschiedliche Definitionen von langweilig.

    Boxen find ich zb langweilig, Tiere mag ich nicht so (ok Katzen sind ganz ok).
    Auch bin ich im Gesamtbild nicht so wichtig das mein Same unbedingt überall herumgestreut werden muss.
    Spiesserdasein muss aber auch nicht sein.

    Zwischen den Extremen gibt es jede Menge Platz zum austoben.
    Spass habe ich jede Menge.

    Und für jeden Top Dog im Ghetto gibt es tausende Underdogs, die von der Hand im Mund leben, die sich so durchs Leben schleppen.

  7. 1/02/2008Schwarzmaler say:

    Du solltest Bücher schreiben, ganz ernsthaft. In Zürich wartet noch ein Appartement, in etwa 20 Jahren.

  8. 1/02/2008saripari say:

    Straft die soziale Unterschicht mit Verachtung! SIE SIND DOCH ALLE SELBER SCHULD AN IHREM SCHICKSAL! DIE GEHÖREN DOCH DAHIN! UND WENN SIE ENDLICH AUFHÖREN WÜRDEN, ZU PRÜGELN, DANN WÜRDS DENEN AUCH GUT GEHEN! DIE KÖNNEN DOCH AUCH IN DIE SCHULE! KEINER ZWINGT DIE SO ZU LEBEN!

    Gottverdammtescheisse.

  9. 1/02/2008kid yeah! say:

    hammer geschrieben. selber aus dem milieu oder einfach generelle verachtung gegenüber der klassengesellschaft?

  10. 1/02/2008saripari say:

    Ich kenn das Milieu, aber nicht weil ich dort aufgewachsen bin sondern weil ich zeitweise meine Freizeit da verbringen wollte… lange Geschichte, endete auch nicht wirklich gut, und mich wird so schnell keiner mehr in die Ecke bringen.. über die Klassengesellschaft kann man sich noch um einiges mehr und effektiver aufregen.. ich reg mich hier nur über das auf, was aus mir und anderen geworden ist.

    Revolutionäre, das ich nicht lache.

  11. 1/02/2008Sven E. say:

    Die Leute, denen ich gern was auf die Fresse gäbe, treffe ich wohl nie. Außerdem blinkt im Hinterkopf eh immer so ein Lämpchen “Gewalt bringt dich nicht weiter” - stimmt, aber die innere Wut würde abgebaut.

    Beim Rumvögeln wäre ich aber wieder dabei. Allerdings schon mit Gummi und nur Frauen, die sich regelmäßig waschen. Und nur für eine Nacht, denn:

    In fünf Jahren soll mein Frühstück-am-nächsten-Morgen im Starbucks stattfinden, mit “Magnetic Fields”-Hintergrundmusik (ganz leise), MacBook Air auf diesen wannabe-eleganten hohen Tischen und Tageszeitung und wenn du dabei sein willst, (ich bezahl auch) musst du dich mit mir unterhalten können. Dafür geh’ ich mit dir auf jede Art von Musik ab und mir ist völlig egal, mit wievielen Typen du vorher gevögelt hast, solang du nicht verbraucht ausschaust.

    Ich bin Spießer!? Zunächst mal bin ich genauso Egofucker wie wir alle und erzähl mir nicht, dass du die Privilegien abgelehnt hättest. Im Prinzip wärt ihr dich alle gern Bushido …

  12. 1/02/2008R 230 say:

    blood for blood

  13. 1/02/2008Pisaei say:

    äh…

    fast noch witziger als der Beitrag sind die Kommentare. ;)

  14. 1/02/2008Stefan say:

    schade. den text leider erst jetzt gelesen. auf arte läuft nämlich gerade genau der richtige film dazu: “Wut”
    ungebildeter Türke mit großer Fresse verprügelt die Oberschicht und tickt Gras.
    Echt sehenswert, falls jemand noch schnell reinschalten will. Ansonsten läuft am 09.02 die Wiederholung.
    http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=818148,day=7,week=5,year=2008.html

  15. 2/02/2008Paul say:

    Mag ja sein, dass das jetzt die Einstellung ist von jemanden der halt nicht im Ghetto lebt und der mit solchen von dir beschriebenen Typen möglichst wenig Kontakt haben will, aber wenn jemand da raus will kann er das auch tun. Es zwingt dich niemand, bereits in deiner Jugend mit deinen Kumpels Graffiti zu sprayen oder sonstwelche Scheiße zu machen und Ärger mit Polizei und was weiß ich noch zu kriegen. Wenn du sone arme Sau bist, die das aus Gruppenzwang mitmacht, um cool zu sein und so und aus Langeweile, dann haste halt Pech gehabt. Aber wenn man sich anstrengt, kommt man auch ausm Ghetto raus. Ist vielleicht nicht so lustig wie den “Lauchs” aufs Maul zu hauen und jeden Abend ne andere Bitch zu vögeln, aber dafür haste dann ein bisschen mehr vom Leben.

  16. 2/02/2008Kult say:

    Agree zu diesem Eintrag. ^^

  17. 2/02/2008saripari say:

    Hä? Ich wüsste nicht wieso jemand aus dem Ghetto raus WILL. Warum? Weil er dann seine Seele an eine Maschinerie verkaufen kann, so wie wir es tun? Damit er sich in das “funktionierende” System anpasst und “glücklich” wird, mit was, mit Anerkennung der ganzen Idioten die meinen sie wären was besseres weil sie Abitur haben? Der einzige Grund, warum so ein Mensch im “Ghetto” fest sitzt IST dieses System, warum also noch bestätigen?

    Aber um fair zu sein, wahrscheinlich wäre das nicht der Gedanke, den man in dieser Situation aufgreifen würde, sondern eher: “Es ist leichter, dem Typen eine reinzuhauen, als lesen und schreiben zu lernen”. Natürlich kann man da raus… nur um dann wieder genau da zu landen, mit schöneren Klamotten und einem Ipod in der Tasche.

  18. 2/02/2008Robby say:

    Öhm. Warum man aus dem “Ghetto” rauswollen sollte?! Ich persönlich würde ja Weiterentwicklung und Optimierung in den Raum werfen. Wie man mit Leute verprügeln und Frauen, Entschuldigung, Schlampen knallen, mit diesen respektlos und verachtend umgehend, glücklich werden kann, ist mir wirklich nicht verständlich.

    Aber umgekehrt ist es wohl genauso. Und jede Seite denkt, ihre Seite wäre die bessere. Mir ist die, die sich weiterentwickelt, ehrlich gesagt lieber.

    Es ist keine Frage des Entwickeln-Könnens, sondern des Wollens. Das lettzeres mitunter für jene schwierig ist, ist traurig, ändert aber nichts an der Tatsache.

    Um das zu ändern… nuja, müsste man ziemlich radikal sein, was der Durchschnittsmensch wohl nur mit Unverständnis wahrhaben/verstehen wollen würde.

  19. 2/02/2008saripari say:

    Naja, was ich meinte war nicht dass das glücklich sein abhängig davon ist, Frauen zu knallen und alte Menschen zu verprügeln. Das kann zwar auch Spaß machen, aber eher auf eine.. naja, nicht wirklich ausgeglichene Art und Weise. Was ich meine ist dass man gewisse Menschen für genau diese Taten verurteilt, ich dabei aber sage: Okay, ist zwar scheisse für alle Beteiligten, aber DER “schlägt” sich durch, und zwar egal wie, und auf SEINE Weise, die, die ihm gefällt (dass davon nicht alle Koks ticken und ihre Mütter vergewaltigen ist klar). Währenddessen verurteilen WIR diese Unterschicht und sind keinen Deut besser; wir ZWINGEN uns Dinge zu tun, wie sie getan werden MÜSSEN um ein funktionierndes System aufrecht zu erhalten, aber ehrlich gesagt will wahrscheinlich keiner ein Teil dieses Systems sein, eine Maschine, die den Weg vorgibt.

    Weiterentwickeln? Naja, ich weiß nicht, ob man da von “Weiterentwicklung” reden kann… weitere Technologien, die uns die Menschlichkeit nehmen? Eine Staatsgewalt, die mit mir macht, was sie will? Gesetze und Regeln, die ich annehmen muss, auch wenn ich sie noch nicht mal bräuchte- nicht mal, um ein friedliches Zusammenleben zu gewähren? Klar, dann kommen die Kenner wieder mit Hobbes und Kant und erzählen was von “Der Mensch ist egoistisch” und “Der Mensch braucht Moral”, aber zu erkennen, dass niemand moralisch handeln muss um trotzdem Frieden zu wahren, dass können die wenigsten. Wir erschaffen Interessenskonflikte und den interessenkonfliktreguliernden Staat, wir schaffen damit den Kapitalismus und die Klassenaufteilung. Ich bin kein Marxist, aber scheisse, wie armselig ist das denn? Und noch mal zurück zur Weiterentwicklung: Wie entwickeln wir uns denn weiter? Familien lösen sich trotzdem auf, nur dass anstatt aktiver jetzt passive, psychische Gewalt ins Spiel kommt; wir sind alle nur noch Konsumabhängig und unglücklich. Die, die ihr Glück finden, können auch nur temporär dran festhalten, weil uns das Gesellschaftssystem so kaputt gemacht hat.

    Das hört sich jetzt alles so an als würde ich mich dem gegenüber stellen und sagen: Ihr Wichser, ich geh in den Dschungel und mach mein eigenes Ding. Dabei bin ich selbst ein Teil davon. Ich finde es nur wichtig, ein bisschen Selbstreflektion bei der ganzen Sache zu bewahren und nicht mit dem Finger zu deuten und zu sagen: Guck mal der Asi, der hats nicht geschafft! Ja, aber dieser Asi kann wenigstens auf natürliche Art von der Welt gehen, im Sinne von unbeeinflusst, und wenn, dann auch nur weil diese Gesellschaft krank ist, nicht er. Wir, wir sind allerdings ein großer, aktiver Teil davon, und wehren uns nicht, weil das dumm wäre, weil das falsch wäre, warum sollten wir unsere Privilegien und den Luxus verschwenden, einfach so aufgeben? Nur weiterentwickelt, ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Ich weiß nicht, ob die Erkenntnis einer neuen mathematischen Theorie so wichtig ist und den Unterschied zwischen asozial und sozial macht, ich weiß nicht, ob das irgendwem dabei hilft, weniger agressiv und gewalttätig zu sein. Das ist nicht das Problem. Und Geld an sich ist auch nicht das Problem, sondern alles, was drumherum ist, das “ich bin besser” denken (von beiden Seiten, versteht sich).

    Es geht ums frei sein, mehr nicht.

  20. 2/02/2008Sebastian say:

    Jedenfalls Sara ganz offensichtlich, wovon sie spricht. Jedenfalls waren die Gedankengänge sehr lebensnah, was man vom Schwachmatenfilm Wut nicht wirklich behaupten kann. Ich behaupte das mal, obwohl ich genau den umgekehrten Weg von Sara gegangen bin (ich hatte nie Bock auf dieses Milieu und fand das nie geil, aber zeitweise hatte ich nicht die Wahl).

    Manche hier echauffieren sich hier doch sehr, ohne den Text irgendwie verstanden zu haben.

  21. 2/02/2008Sebastian say:

    Ich frage mich jedenfalls, was man genommen haben muss, um einen Satz wie

    “Es zwingt dich niemand, bereits in deiner Jugend mit deinen Kumpels Graffiti zu sprayen oder sonstwelche Scheiße zu machen und Ärger mit Polizei und was weiß ich noch zu kriegen. Wenn du sone arme Sau bist, die das aus Gruppenzwang mitmacht, um cool zu sein und so und aus Langeweile, dann haste halt Pech gehabt.”

    zustande zu kriegen. Es gibt Gegenden, da hat man entweder solche Freunde oder gar keine, und so soziophob sollte dann doch keiner sein. Jedenfalls wäre das nicht meine Wahl gewesen, sich in der Butze verkriechen und Flugzeuge zu basteln, während die Jungs aus der Nachbarschaft draussen sind und scheisse bauen.
    Es ist doch auch klar, dass man sich mit 13 auf jeden Fall zu sowas hinreissen lassen kann, und man hat auch nicht unbedingt die typischen Eltern, die einem das Busgeld geben, damit man im nächsten Stadtteil im Freizeitprojekt mitmachen kann. Da kriegst Du mit 10 deinen eigenen Schlüssel und ab dann bist Du für Dich verantwortlich.

  22. 2/02/2008Paul say:

    Also ich hatte auch mit zehn meinen eigenen Schlüssel, bin nach der Schule ins leere Haus gekommen und musste mir dann selbst Essen machen und mich versorgen… Aber darum gehts ja nicht, nicht wahr.

    @Sebastian: Als Lauch ist das einfach. Du musst nur schön arrogant auf den Pöbel herabblicken, dann ist das überhaupt kein Problem.

  23. 2/02/2008ray say:

    Hmmm ist dein Prämisse hier also das wir alle uns mehr Freiheit nehmen sollten wie unser Freund aus dem Ghetto?

    Hast du ein grundsätzliches Problem damit überhaupt ein System zu haben?

    Ist es nicht ab einer gewissen Anzahl von Leuten notwendig sich irgendwie zu organisieren?
    Ich sage nicht das was wir hier heute haben optimal ist.
    Besonders die Konsumgesellschaft und die Zerspaltung in einander anfeindende Klassen ist problematisch, da stimme ich dir zu.
    Es scheint mir aber das es uns im historischen und weltweiten Vergleich recht gut geht.
    Und “dass niemand moralisch handeln muss um trotzdem Frieden zu wahren” hab ich nicht so ganz verstanden.
    Enlighten me :>

  24. 3/02/2008monsieur fischer say:

    lass uns tauschen!!!

    ps: wiederum ein geiler beitrag von dir… kompliment!

  25. 3/02/2008Robby say:

    “dass niemand moralisch handeln muss um trotzdem Frieden zu wahren”

    Also wenn einer konsequenzlos einem anderen aufs Maul hauen, dessen Eigentum zerstören und ähnliches kann und du das als frei und friedlich empfindest… nuja.
    Ohne das System würde - Achtung zynische Überspitzung - ein Großteil der Schlägertypen sich gar nicht in das schlagfähige Alter entwickeln.

    Menschen regeln sich. Selbst in der Urzeit. Wirf eine Anzahl x-beliebiger Personen zusammen und es werden sich in kürzester Zeit eine Hierarchie und Regeln gebildet haben. Und wenn’s nur “Tit for Tat” ist. Doch selbst bei der muss sich Mr. Schlägerassi nicht wundern, wenn er bestraft wird. Und kann froh sein, dass man heutzutage nicht Gleiches mit Gleichem vergilt, sondern er aus seinem Ghetto in ein warmes Gefängnis kommt…

    Dass das System suboptimal ist, ist eine Geschichte für sich. Biotop oder Weltzerstörung here i come. Nur bringt es nichts, von Kontrolle in Barbarei überzufallen…

    Freiheit bedeutet nicht tun und lassen zu können, was man will. Sondern nicht tun zu müssen, was man nicht will. Das Blabla mit Freiheit der anderen und so werf’ ich nur mal am Rande in den Raum.

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