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Mann/Frau, Selbstanalyse

Adonis

02.06.08 | 12 Comments

Männer. Zugegeben, ich habe in den letzten zwei Jahren was das Y-Chromosom angeht eher eine kleine (oder große) Pause eingelegt, aber das hinderte mich trotzdem nicht daran, diverse Beobachtungen zu machen. Da sind mir die schönsten und die schrecklichsten Sachen aufgefallen, Dinge, die ich vermisse, Dinge, die ich echt verurteile (und nur bei Männern zu finden sind)… aber das Wichtigste daran ist, dass ich völlig den Blick für Männer verloren haben, die in meiner unmittelbaren Umgebung sind. Anscheinend habe ich alles, was auf zwischenmenschlicher oder gar romantischer Ebene mit Männern ablaufen könnte bisher so radikal ausgeblendet, dass mich jetzt alles, oder sollte ich sagen: ALLE komplett überrennen. Das letzte Mal, dass ich mich umgeguckt habe, stand noch keiner auf meiner Liste. Plötzlich sind es… keine Ahnung wie viele.

Aber hey, der Abend ist jung, da schadet es ja nichts, einfach mal aufzuzählen.

Mann 1:
Dieser Typ kommt sogar öfter vor, in 3 verschiedenen Personen. Meistens lauert er mir bei meiner Arbeit auf und versucht durch bescheuerten Small Talk (”boah, das ist aber tolle Musik, die hier läuft!”) meine Aufmerksamkeit zu erlangen. Ab und zu nutze ich das aus langweilebekämpfenden Gründen aus und spiele mit (”Ja, nicht wahr, hab ich ganz alleine zusammengestellt, die CD!”). Aber meistens ist es einfach nur ätzend, weil dieser Typ zwar ganz nett sein kann, allerdings “nett” eher im Zusammenhang mit “gähn”, “arschkratz” und “in 20 Jahren wohnen wir in einer Wohnung mit Teppichboden und du schmeisst deine Wampe pünktlich zum Fußballspiel auf den verrotteten Couchtisch, während ich dir dein Faxe anschleppe”. Wie gesagt: nette Unterhaltung, aber bitte unverbindlich. Manchmal überlege ich, ob ich nicht tatsächlich wagen sollte, eine engere oder zumindest weitgehend saubere Freundschaft mit diesen Jungs einzugehen, aber ehrlich gesagt ist mir das Risiko zu hoch, dass das zu einem dramatischen Missverständnis ausartet. Gebrochene Männerherzen, das ist ungefähr das Letzte, was ich jetzt noch brauche.

Mann 2:

DIESER Typ fällt absolut in die Kategorie “no-go”, “super super eklig” und außerdem stellt er eine bestimmte Authorität in meinem Leben dar, die ich nicht umgehen oder bezwingen kann. Zumindest bis Ende Mai. Dann ist es vorbei, dann wäre es… nicht so wichtig. Was wichtig ist: Ich habe mich immer über diesen Menschen lustig gemacht, bis ich ihn auf einmal (dank meines Arbeitsplatzes) häufiger sah, wir häufiger ins Gespräch kamen und ich ihn dann doch für “tauglich” abstempelte. Im Sinne von “nett”, aber “interessant, fest im Leben, ohne Hintergedanken” nett. Das mit dem Hintergedanken, das weiß ich einfach… 10 Jahre Altersunterschied, und– naja, wie gesagt. Also, nett. Dabei sollte es bleiben… aber plötzlich fange ich an, von diesem Typen nachts zu träumen, und zwar nicht gerade jugendfreie Sachen. Ich wache auf und denke mir: “Och, war das schön!”, nur um im nächsten Augenblick fast einen Kotzanfall zu bekommen (das ist jetzt nicht auf’s Aussehen bezogen, obwohl das ja jetzt auch… WENN IHR WÜSSTET!!). Und seitdem ist nichts mehr so wie es einmal war. Seitdem fällt mir.. eine Art des subtilen Flirtens auf. Ich dachte, ich würde es mir einbilden, aber NEIN, es ist keine Einbildung! Und weil ja das nicht nur unverhoffte, sondern UNMÖGLICHE Interesse der anderen Seite bestehen *könnte*, ist es nur noch schwierig, NICHT an irgendwelche dreckigen Sachen zu denken… und, oh Gott, ich glaub mir wird schlecht, dieser Typ, nein, das geht einfach nicht, versteht ihr! Das ist als ob der Körper auf einmal alles steuert, das ist wie als würde man eine Auswahl der BESTEN Tussis haben und man nimmt sich dann die fette die gerade noch mit’m Arsch im Kühlschrank steckt… perverse Faszination für Blut und Schmerz ist das! Nichts anderes! … aber ich kann mir nicht helfen… ich kann es einfach nicht verhindern.

Mann 3:
Bei dem dachte ich, okay, ich geb der Sache mal eine Chance. Ganz unverbindlich. Wir haben uns ein paar Mal gesehen, zufällig, flüchtig, irgendwann hat er festgestellt, dass ich ja (O-Ton) “eine ganz Süße” wäre, und hat mich eingeladen, “zu irgendwas”. Naja, also haben wir “irgendwas” auf seiner Couch gemacht, nämlich geredet, gezwungene 3 Stunden. Abgesehen davon, dass ich mich hier auf ein Experiment eingelassen habe (zu alt, zu macho, zu Harley Davidson) und meine eigene Oberflächlichkeit abschütteln wollte (”Meine Güte, Sara, du kannst nicht ewig durch’s Leben laufen und deine Ansprüche hochtraben! Manchmal muss man sich eben auch zufrieden geben mit dem, was man kriegt!” Heute weiß ich, man sollte nie auf Frauen hören, die schon seit 6 Jahren in einer öden und staubtrockenen Beziehung stecken. Nichts für ungut, du Horst), war der Typ einfach DIE Nullnummer schlechthin. Ihr wisst schon, Terracottawohnung. Aber es kommt noch besser: er war auch NERDig. Und jetzt nicht auf die coole computernerdige Art, NEIN, auf eine “ich sammel Kriegsspielzeug und guck 300 dreitausend Mal am Tag weil der Film so verdaaaaammt geil ist!”- Art. Ich komm damit einfach nicht klar. Gut, denkt sich Sara, war ein netter Abend, wir haben’s ausprobiert, scheisse gelaufen. Hm.
DACHTE ICH.
Denn das Fazit der ganzen Sache: Der Herr hat sich verliebt! In MICH! UND HEULT SICH AUCH NOCH BEI MEINEN FREUNDEN AUS! Es war EIN Date, der Typ könnte mein großer (ganz großer) Bruder sein (und wo wir dabei sind, über meinen Bruder hab ich den überhaupt kennengelernt!), der ist alt genug, um nach einem “Date” zu wissen, dass ALLES offen ist, und dann kommt der am nächsten Tag mit Blumen. Hallo Dilemma. Ich meine, ist ja ganz nett, aber hey, ich hab ihm ‘ne Chance gegeben und da ist nichts bei raus gekommen! Und nach zwei Wochen Ignoranz hat er’s immer noch nicht ganz verstanden, also hab ich’s ihm vor die Fresse geknallt, und als Antwort kommt ein “Du bist total die linke Schlampe, hätte ich nicht gedacht!”. Ahja, genau.

Mann 4:

DEN würd ich gerne kennenlernen. Aber zu allererst durfte ich seinen 5-jährigen Sohn kennenlernen, das hat mich zutiefst schockiert (hallo, der ist so 27 Jahre alt, okay!).. ob er Single ist, weiß ich überhaupt nicht. Ich weiß nur, dass ich immer ein bisschen sterben muss, wenn ich ihn sehe. Aber da haben wir’s wieder: Dieses ewige drumherum! Dieses ständige, “hey, ich bin nett zu dir, ich lächle immer wenn ich dich sehe, wir flirten auch ein bisschen, aber ob da IRGENDWAS in Aussicht steht, tja, DAS sag ich dir nicht!”. Ich hasse Männer.

Mann 5:

Ganz ehrlich? Wäre eine Notlösung. Wir nerven uns eigentlich nur gegenseitig, hänseln uns, ziehen uns auf. Er ist ganz nett, aber irgendwie ein bisschen komisch. Er sieht okay aus, aber fällt gar nicht in meinen Geschmack. Wir kommen uns manchmal näher, aber dann kann ich mich nie dazu überwinden, tierischen, animalischen Sex zu haben, weil ich mir denke: Alter, du wirst es einfach nur bereuen. Das geht einfach nicht… und ich brauch jetzt auch keine tiefdeprimierte Phase, weil ich mich schmutzig fühle (ja, schaut her, die dreckigste Frau der Welt bürgt sich selbst die Moralvorstellung dieser Gesellschaft auf, weil sie zu dumm ist es nicht zu machen… gaah..). Tja, aber trotzdem existiert dieser Typ, trotzdem muss ich mich jeden Tag fragen, ob es das wert wäre… und jedesmal fällt meine Antwort gleich aus, und jedes Mal ärgere ich mich darüber, dass es nicht einfach funken kann.

Mann 6:

Hm. Schwer zu sagen. Es ist, als würde ich in seinem Kopf hocken, ihn von vorne bis hinten verstehen, einblicken können– alles ist so perfekt mit ihm, alles ist so.. okay… vielleicht, weil es nicht einfach ist zwischen uns. Weil wir beide völlig verstrickt und eingenommen sind in unsere Leben. Ich musste auch überlegen, ob ich ihn in diese Liste mit einfügen sollte; immerhin sind die Chancen auf etwas Funktionierendes hier echt gering… eigentlich gleich Null, wenn man die äußeren Umstände betrachtet. Ich würde so, so gerne! Aber es geht nicht, weil es mich auch kaputt machen könnte, ich sehe es.. es ist nicht das, was ich will, aber es ist so perfekt. Macht das einen Sinn? Er ist perfekt, irgendwie.. aber ich bin es nicht. Und wenn ich das wäre, selbst für ihn, ständen immer noch Berge und Täler zwischen uns, im wahrsten Sinne des Wortes. Und die ewig Verflossenen, die wir mit uns mitschleppen, wie die Ketten an unseren Füßen eben.

Um es kurz zu sagen: Es macht keinen Spaß mehr, die ganze Männersache. Warum ist es so schwer, irgendeinen Menschen zu finden, den man für mehr als 3 Stunden als spannend bewertet? Und wenn man den dann findet, warum muss er dann so Unnahbar sein? Ich hab keine Lust mehr auf dieses Push-Me-Pull-Me Ding. Ich bin doch keine Drehtür! Andererseits bezweifle ich, dass ich überhaupt bereit für etwas “Neues” wäre; scheisse, ich wüsste wahrscheinlich nicht mal, dass er vor mir steht, wenn er denn dann vor mir steht; hätte keine Planung, was ich machen sollte.. und würde blind an meinem “Glück” vorbeilaufen… Super Vorstellung.

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