Jetzt kann man mir echt viel erzählen wenn der Tag lang ist, aber wer mir mit “Ehrlichkeit” als Tugend kommt, dem feuer ich direkt mal meine Premium-Ananas in den Arsch. Ehrlichkeit! Ich finde, es gibt keine “positive” Eigenschaft, die behinderter ist als Ehrlichkeit. Schön, ich sag dir, wenn du was zwischen den Zähnen hast, dass du fett bist und dass ich den anderen Typen wegen seines Waschbrettbauches geiler finde, aber ich meine, das weisst du ja alles sowieso schon. Überraschung! Jetzt hast du’s akustisch zur Einverlebung noch mal von mir zur Bestätigung.
Nein, nein. Keine Ethik, keine Moralpredigten, keine “oho, Sara ist so krass drauf!” -Oden an mich selbst. Ehrlichkeit kann zweckvoll sein, aber genauso sind es Lügen, und rein statistisch gesehen sind es Lügen, die effektiver wirken. Meistens. Also, laut meiner Statistik. Denn wenn wir - aha, oho - “ehrlich” sind, haben wir Bedürfnisse, die oftmals weder legitim noch gerechtfertigt sind. Deshalb greift man praktischerweise zur Lüge. Es ist eine Abwägungssache, ob ich dem Polizisten jetzt erzähle, dass ich mal niesen musste und wegen meines Tourette-Syndroms dem Typen LEIDER mit meinem Ellenbogen die Nase gebrochen habe, oder ob ich eiskalt ehrlich antworte: Sorry, alter, aber die Pfeife da hat mich einfach gestresst, da musste ich ihn mal erziehen!
Oder, wenn wir jetzt alle mal wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen sind, ein anwendbares und realistisches Beispiel: Sagst du dem Mädchen, dass du eigentlich schon immer auf ihre beste Freundin scharf warst? Verzichtest du wirklich dein Leben lang auf die 5-Euro Uhr, die du im Discounter einfach so mitgehen lassen kannst, weil du es nicht schaffst, genug Geld zusammen zu sparen (und das fällt jetzt zwar in die Kategorie “Diebstahl”, aber mal im Ernst, ist doch alle das Gleiche!)? Erzählst du deiner Mutter den wahren Grund dahinter, warum du noch nie eine Freundin hattest (du bist schwul) und brichst einer alten Dame das Herz?
Ich bin der Meinung, dass Ehrlichkeit an manchen Stellen überbewertet wird. Ich weiß doch, dass ich etwas grundsätzlich falsch mache- und mache es trotzdem, weil die Verurteilung meiner Tat mir immer noch den Zweck wert ist. Ich gehe zwar nicht davon aus, erwischt zu werden, kalkuliere das Risiko aber mit ein, und wenn es mir das dann immer noch wert ist, scheisse, dann mach ich es eben! DANN MACH ICH ES EBEN! Dann bin ich eben ein Lügner, und vielleicht verletze ich damit Menschen, die später herausfinden, dass einiges doch nicht ganz so wahr, wie ich es wohl irgendwann gesagt habe, aber verdammt, das ist dann doch MEIN Problem, meins. Das muss von niemandem verurteilt werden, der nicht direkt (von einer Lüge) betroffen ist.
So, bevor ich mich jetzt großartig aufrege, könnte ich ja mal zum Punkt kommen. Ich habe mich heute nämlich tierisch aufgeregt, als mir jemand eine Lüge beichtete und sagte, dass es ihm unglaublich leid täte und so weiter und so fort. Angeblich sei der Grund für die Beichte die aufkeimende Reue gewesen. Ich schreie: Bullshit. BULLSHIT. Bereuen kann man höchstens ein nicht hoch genug eingeplantes Risiko und die damit einhergehende Gefährdung eines bestimmten Projektes, wenn ich das jetzt mal so wissenschaftlich-trocken ausdrücken darf. Das hab ich auch genau so gesagt. Ich hab gesagt, “Guck mal, Arschloch, es war schön als ich mit dieser Lüge gelebt habe und jetzt musst du Idiot mit MEINER Wut auf DICH leben, weil leider die Konsequenzen bis heute anhalten und du ein Grund dafür bist, warum es mir jetzt schlecht geht (und ich wäre garantiert nicht mehr wütend, wenn es einfach eine vergangene Angelegenheit gewesen wäre, da kenne ich mich selber und meine (leider) sehr inkonsequente Art, einfach nicht nachtragend zu sein und jedem alles direkt zu verzeihen, wenn es keine direkten Auswirkungen (mehr) hat), aber erzähl mir jetzt bitte nicht, dass du es mir beichtest, weil du es BEREUST!”
Vielleicht sollte ich anmerken, dass ich selbstverständlich an eine Art von Reue glaube, aber die bezieht sich nur auf Menschen, die moralische oder gesetzliche Maßstäbe zu ihren eigenen gemacht haben. Nun, ich möchte jetzt niemandem hier diese Freiheit verwehren, das zu tun (auch wenn’s meiner Meinung nach ziemlich beschränkt ist, weil man sich selbst unterdrückt, aber okay, whatever, soll halt jeder!), aber ich kenne diese Person und weiß ganz genau, dass für sie nicht ein einziger Grundsatz der Tugend gilt, also Fresse halten.
Um zur Geschichte zurück zu kommen: Die Person sagte zu mir, nach anfänglichem Zögern und Rumstottern, natürlich, “okay Sara, erwischt. Du hättest es spätestens nächste Woche gewusst, weil XY das YX erzählt hat und jetzt YX mir eins auswischen will. Ich dachte, ich lege die Karten direkt offen hin und stelle mich meiner Strafe.”
Naja, okay, Schadensbegrenzung. Ich will nur sagen: Die Moral der Geschichte ist, es gibt keine Moral. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist wichtig, nicht ehrlich zu sein, weil sonst nichts laufen würde. Alles wäre ständig ein einziges Dilemma, Konflikte überall. Die können auch durch Lügen entstehen, sicher, aber sie entstehen erst nach Abwägung. Ich denke eher dreitausend Mal über eine Situation nach, wenn ich darüber lügen muss, als wenn ich die Wahrheit sage, weil diese mich belasten könnte. Und wenn es manchmal eine Chance gibt, dieser Belastung aus dem Weg zu gehen, dann ergreife ich sie, auch wenn es dann heisst, ich verarsche jemanden oder sonstwas. Manchmal macht man auch Fehler, die man selbst erst begreift, wenn es zu spät ist. Das sind wichtige Fehler, von denen niemand etwas erfahren sollte, weil man sich so erst selbst findet. Und da setzt auch die einzige, bedingungslose Ehrlichkeit ein, die ich vertrete: Die Ehrlichkeit einem selbst gegenüber. Da lasse ich nicht mit mir reden.
Bei dem Rest denk ich mir: Scheisse, MEIN Arsch ist wichtiger als deiner.
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Ach Lügen sind überbewertet, die kommen sowieso irgendwann ans Licht wenn man keinen Bock mehr auf sie hat. Die Wahrheit ist da viel geiler, sie tut meistens mehr weh und sie holt einen irgendwann ein.
Entweder weils jemand anderes herausfindet oder weil man selbst (und die Scheiße nennt man Gewissen) die Klappe nicht halten kann. Aber das muss jeder selber wissen. Lüge oder Wahrheit? Jedes Mal eine Entscheidung aufs Neue.
Was vielleicht noch einer differenzierten Auseinandersetzung bedarf (die Ausdrucksweise wirkt hier abiturvorbereitend), ist, ob “lügen” das einzige Gegenstück zu “Ehrlichkei” ist. Ich überlege mir nämlich grad, das Ehrlichkeit auch manchmal bedeutet, etwas zu sagen, dass man vielleicht sonst einfach nicht gesagt hätte (zum Beispiel auch was Nettes) oder etwas einfach direkt auszudrücken, was man normalerweise eher angedeutet hätte - wirkt manchmal Wunder. Hat aber nix mit deiner Episode zu tun, das geb ich zu.
Ich finde jedoch, dass die Angelegenheit - sofern ich das Geschilderte jetzt richtig verstanden habe, was durchaus nicht der Fall gewesen sein könnte - jedoch erstmal wenig mit Ehrlichkeit vs. Lüge zu tun hat. OK, gäbe es das Konstrukt der Lüge nicht, oder wären wir Menschen nicht in der Lage, dieses Konzept anzuwenden, hätte es wohl das Problem nicht gegeben. Aber ignorieren wir diese Angelegenheit mal einen Moment, auch wenn es mich gerade drängt, zu recherchieren, ob wir die einzigen Lebewesen auf diesem Planeten sind, die hierzu fähig sind. Vielleicht kann man die Fähigkeit ja sogar als Unterscheidungskriterium zwischen Mensch und Tier heranziehen, wer weiss?
Worauf ich jedoch hinaus will ist das folgende: Das klingt für mich lediglich nach einer kaltschnäuzigen Kalkulation - Schadensbegrenzung nennst Du es. Sch**ssegal was Wahrheit und Lüge ist - in unserer Welt ist das manchmal sowieso schwer differenzierbar. Hier hat jemand die Realität für Dich geändert und Dir anscheinend in einer psychologischen Weise Schaden zugefügt, weil er dachte damit seine eigene Haut retten zu können. Naja, und damit ist er eben gegen eine Wand gefahren.
-R
Ach so. Opfergesellschaft.de ist noch frei, falls es jemanden interessiert
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Hmm.. Gerade mal nach Opfergesellschaft gegoogled. Sara, Du bist der erste Hit! Aber WTF ist Partykumpel.de ? Kennst das jemand von Euch? Ist das so etwas wie studikz.org ?
-R
Naja. Lügen ist - zumindest je nach Auswirkung, Schweregrad, Intention und Motivation - verwerflich…
Ehrlichkeit ist was Tolles - zumindest auf lange Sicht. Und wenn man nicht ehrlich sein kann/will, sagt man am besten gar nichts. Etwas nicht erzählen/nicht die Wahrheit sagen, ist nämlich nicht lügen(*hmm*, wobei man das in Frage stellen könnte).
Und nur weil man ehrlich ist, muss man diese Ehrlichkeit nicht immer mitten ins Herz rammen. Man kann es auch freundlich mitteilen, durch die Blume sagen oder wie bereits gesagt auch einfach mal für sich behalten. Man muss es ja nicht jedem auf die Nase binden. (denn:)
Mit Ehrlichkeit macht man sich schnell (bei vielen) unbeliebt, hab’ da so meine Erfahrungen gemacht… Gleichzeitig hat man die Wenigen, die auf der eigenen Seite stehen, auch wirklich auf dieser stehen.
Ach, es belügt sich doch eh alles und jeder *blablubb* egal.
@sara
hör ma puppe ;)… ich verstehe, was du meinst. aber genauso möchtest du nicht angelogen werden. selber jemanden belügen ist trockenwichsen. belogen zu werden ist n echter fick. ich kann dich zwar verstehen, ich handle manchmal ähnlich und denke auch ähnlich. aber das ist anarchie auf kleinster flamme. mehr nicht.
in einer lüge steckt mehr wahrheit als man denkst. lügen ist nur extrem codierte wahrheits-speake. word.
also wenn du in einer situation bist, in der es “besser” ist zu lügen, dann ist das schon mal gaaaaaaaaaaanz schlecht. dann hast du oder wer auch immer echt scheiße gebaut. man sollte sein leben so gestalten, dass lügen nicht notwendig ist.
ein hoch auf ‘white lies’ – lügen ohne schlechtes gewissen…
Ekeldude: Darum geht’s doch. Gibt ja wohl einen Grund, zu lügen, und der hängt meistens damit zusammen, dass mein Maßstab der Dinge anders liegt als der gängige. Beispiel: Ich finds nicht schlimm, jemanden umzubringen, werde aber dafür bestraft, weil andere es schlimm finden. Also lüge ich, weil ich ja nicht bestraft werden will, und trotzdem jemanden umbringen möchte (mein Gewissen hat damit nämlich kein Problem)… und so verhält es sich mit fast jeder Lüge.
nun ja, du solltest aber doch genügend respekt für die maßstäbe anderer haben und sie akzeptieren. so kommst du nie in einen konflikt bzw. in die situation lügen zu müssen.
es gibt nie einen grund lügen zu rechtfertigen.
wenn man vor sich reinen gewissens ist, dann braucht man nicht zu lügen. die leute die dir nahe stehen verstehen, dass du andere maßstäbe hast und solange du ihnen nichts gravierendes tust, so werden sie dir niemals böse sein. die leute, die böse werden, wenn du sie nicht belügst werden es vielleicht nie lernen, dass es verschiedene maßstäbe gibt. hier brauchst du auch kein schlechtes gewissen zu haben.
es gilt das motto:
“lieber eine unbequeme wahrheit als eine angenehme lüge!”
Ist aber leider nicht mein Motto. Ich finde es mehr als heuchlerisch, so zu tun, als wäre es irgendwie ANGENEHMER für mein Gewissen, ehrlich zu sein, nur weil andere es so finden.. ich will mich auch nicht selbst quälen, wohl wissend, dass es auch weiterhin lügende Menschen gibt, dass ICH darunter leiden werde, wenn ich die Wahrheit sage, dass ich in Situationen komme, in denen es einfach besser ist zu lügen (für mich), und dass die Situationen, in denen ich etwas prinzipiell Falsches mache, auch nicht einfach so verfliegen werden.
das ist heuchlerisch und egoistisch. du glaubst nur, das es angenehmer ist. aber etwas muss es ja geben, dass dich zum lügen bringt. und das macht dich nicht glücklich, sonst müsstest du es ja nicht verschweigen, was.
und außerdem: warum quält dich was? mehr als deine wahrheit zu sagen kannst du nicht. das müssen andere eben so gut akzeptieren, wie du ihre maßstäbe tolerierst!
aber hey, dein leben…
aha, es wird am designe gebastelt…