Das mit den Brownies
11/03/2008Ich habe gerade über letzten Donnerstag und meine Kotzerei nachgedacht, und ich muss jetzt doch mal genau die Situation beschreiben. Ich meine, was da abgelaufen ist, war einfach so gut, so verdammt gut, das kann man nicht einfach in 3 Sätze packen und dann als irgendwas Unspektakuläres abtun. Scheisse, das war das Spektakulärste, was mir seit, ich weiß nicht, meiner Entjungferung oder so passiert ist!
Jedenfalls, alles begann damit, dass ich als erste mit dem Mathe-Abi fertig war. Eine Stunde vor Abgabe war ich schon draußen und habe genüsslich eine gequarzt, während der Rest noch über irgendwelche Formalitäten brütete. Weil mir das zu langweilig wurde, dachte ich mir, fange ich schon mal mit den Brownies an, die mir den Tag versüßen sollten. Es sei erwähnt, dass ich die Teile nicht selbst gebacken habe, sondern einen Freund damit beauftragt hatte. Der drückte mir für 20 Euro 5 Brownies in die Hand und sagte, ich solle doch bitte meinen Spaß haben. Die wären nämlich gut.
Ich sitz also da und pack den Killer-Brownie aus und beiße vorsichtig ab, da kommt’s mir schon direkt hoch. Ich meine, der hat eher nach Scheisse mit Drogen geschmeckt als nach irgendwas Essbaren. Wirklich. Kennt ihr dieses grauenhafte Bild von dem armen kleinen schwarzen abgemagerten Jungen irgendwo in Afrika, der sich hinter einen Kuharsch klemmt und den frisch geschissenen Dung mit dem Mund auffängt, weil es sonst nix zu essen gibt? Ich meine, das ist echt ein schreckliches, teuflisches Bild und ich verfalle bei dem Gedanken daran immer wieder in eine unvergleichlich schlimme Phase des Weltschmerzes, aber so makaber es klingt, ich glaube, geschmackstechnisch waren wir beide, der Junge und ich, zu dem Zeitpunkt echt seelenverwandt.
Aber, aber! Wer high sein will muss leiden, also hab ich mir das Teil reingestopft. Das Schlimmste war ja die Konsistenz: die hat nämlich perfekt gepasst zum Geschmack. Ein herrlich fluffiger Brownie. Und mit “fluffig” meine ich “unschluckbar”. Den musste und konnte man auch gar nicht kauen, der zerging direkt auf der Zunge und blieb samt widerlichem Muff im Mund kleben.
Anyway, ich hab dann erst mal 3 Liter Wasser getrunken in der Hoffnung, den Ekel loszuwerden, ein bisschen geraucht, geplaudert, vor der Schule auf die anderen gewartet. Irgendwann kamen die ersten, und anstatt mit Sekt anzustoßen, wie es jeder normal-denkende Mensch macht, dachte ich mir: Och, ich esse noch einen. Wie ich DEN runtergewürgt habe, ist mir bis heute ein Geheimnis, aber nach etwa einer Stunde rumgammeln und Peter auf leerem Magen war ich plötzlich der chilligste Mensch mit Schlitzaugen den es auf der Welt zu finden gab. Die Wiedergeburt von Cheech und Chong. Beide. Gleichzeitig. Ich habe nur noch vor mich hingedödelt, gewankt, gegrinst ohne Ende und zu jeder Konversation ein obligatorisches “Eeeyyy… ach, vergiss es…” beigesteuert. Jap. Das waren 20 wundervolle Minuten.
Dann ging’s nämlich auch schon nach Hause, zu mir, mit RosiMafiosi und Kappes. Zu dem Zeitpunkt war ich kaum noch ansprechbar, und ich war froh, dass die beiden meine Mutter ablenkten und so weiter und so fort. Trotzdem kam ich nicht um ein paar gestammelte Worte beim Essen herum. Meine Mutter guckte schon ganz verdutzt weil ich lallte wie als wäre ich sprachbehindert (dass sie nichts bemerkt hat spricht auch nicht gerade für mein Verhalten im nüchternen Zustand). Ich versuchte mich aus jeglichen Gesprächen rauszuhalten indem ich einfach das Futter in mich reinschaufelte (meine Mutter hatte “Kartoffeltag”; Pommes, Kartoffelpuffer, Kartoffelgeschnetzeltes mit Knoblauch, Kartoffelsalat, Kartoffelallesmögliche). HALLO FRESSFLASH. Irgendwie war ich schon ganz benebelt und kann mich nur daran erinnern, meiner Mutter mit einem “Ach naja, ich bin ein bisschen müde und so weiter” die Sorgen um meinen Zustand zu nehmen. Die hat das alles gutmeinend auf den Abistress geschoben. Ach, Mama, wenn du wüsstest.
Irgendwann waren wir dann endlich, endlich unten. Auf der Couch. Film gucken. Ich kann nicht beschreiben, wie der Zustand aussah, in dem ich mich befand. Mir war da schon kotzübel, aber mir ging es auch viel zu gut um darüber konkret nachzudenken. DENKEN, das war viel zu abstrakt. Der Film ging die ersten 10 Minuten komplett an mir vorbei, die beiden Tanten neben mir laberten und laberten und ich hörte nicht zu. Ich war in einem herrlichen Delirium, unbeschreiblich, wie ruhig mein Kopf war. Nicht ein einziger Gedanke.
Kappes guckt mich an. “Alter, du bist käseweiß!”
“Eeyyyy… ach was…wirklich.. krasssss..”
Da dachte ich mir, Sara, gehst du einfach mal nach oben ins Bad. Einfach so. Neeein, kotzen, du doch nicht. Aber gehst mal hin.
Ich saß dann also so vor der Kloschüssel und überlegte mir, ob mir einfach nur ein bisschen schlecht war oder ich kotzen musste oder sich der Höllenschlund auftun und mich samt Browniemonster verschlucken würde. Aber es war in Ordnung, und nach 10 Minuten lachte ich mich selbst aus und ging wieder runter zum Behindertenverein.
Dann: Kreisis. Ein Schwindelanfall. Ich sitz auf der Couch und glaub ich falle, aber so Doppel-Helix-Strang mäßig, einfach hart. Mit der Hand vor’m Mund konzentriere ich mich auf den letzten Rest Menschenverstand in mir, springe auf, renne zwei Stockwerke hoch, knall gegen die abgeschlossene Badtür (das mein Vater in dem Augenblick kacken muss ist ja klar), mache einen U-Turn in mein Zimmer und kotz da erst mal genüsslich in meinen VOLLEN Mülleimer, wo noch eine alte H&M Tüte ganz oben liegt, von der die unverdaute Kost des Mittags abspritzt und gegen die Wände klatscht.
Ach, was hab ich gekotzt. Und es hat nicht aufgehört. Und in meinem Hinterkopf spukt der Gedanke, “Alter, du wirst so viel Spaß dabei haben, das weg zu machen”. Egal, erst mal weitergereihert. Zwischenzeitlich höre ich, wie mein Vater spült, und denke mir, “Oh fuck, wenn der das jetzt sieht, ganz schlecht”, vor allem, weil er ja natürlich wissen wollte, wie Mathe gelaufen ist. Ich also schnell fertig gemacht, aus dem Zimmer und direkt in ihn reingerannt, obwohl ich ihm aus dem Weg gehen wollte. Ich glaube, er hat mich 7 Mal gefragt und beim letzten Mal sogar eher angeschrien, bis ich endlich auf seine Kommunikationsversuche eingehen konnte, so krass drauf war ich. Meine Gedanken? Zeitlupe. Mein Reaktionsvermögen? Minus Lichtgeschwindigkeit.
Jedenfalls, der Typ ist selbst schon so ranzig, der hat’s nicht mal gerafft. Dass mein Mülleimer direkt hinter der Tür stand und der Geruch von frischer Kotze sogar in der Kläranlage aufgefallen wäre, juckte ihn nicht mal. Der ist einfach weitergegangen. Ich mir selbst im druffen Zustand noch gedacht, was das eigentlich für ne Pfeife ist, und “okay, gerettet”. Ins Bad gegangen, ein bisschen weitergekotzt, Zähne geputzt, Gesicht gewaschen (beim Kotzen kommen einem dann gerne mal die Tränen hoch), und dann ungefähr 25 Minuten meines Lebens damit verbracht, die Kotze in meinem Zimmer wegzumachen. Mir war klar: Sara, du bist echt kompetent! Wenn du schon abtreten musst, dann mit Würde, keiner bemerkt es, du hinterlässt keine Rückstände, bist danach wieder bei klarem Verstand und gut drauf- Sara, ich bin stolz auf dich.
Aber gut, da wusste ich ja auch noch nicht, dass der zweite Brownie sich unter den Kartoffeln so einsam fühlte.
Ich bin dann also wieder runter gegangen, hab mich zu den Heinis gesetzt, die sich prächtig beim Filme gucken amüsierten während ich meinen Körper liebevoll entschlackert hatte. Saß da so 10 Minuten, auf einmal: Ich in einem Tornado gefangen, es dreht sich und dreht sich und dreht sich und die Brühe steht mir schon bis in den Hals. “Fuck”, denk ich mir, “SO viel hab ich ja wohl auch nicht gegessen!”. Ich springe - echt wie im Film - über die Couch, renne quasi durch die Wand, doch bevor ich überhaupt an der Treppe bin, ist es so weit- ich kotze mir selbst in den Mund. So. In 3,4 Sekunden musste ich entscheiden, was ich tun sollte. Wieder zurück ins Zimmer, Mülleimer schnappen und vor meinen Freunden abkacken? Die Treppe hoch und durch’s Treppengeländer kotzen, damit es die ganze Welt mitbekommt? In den Speisekeller und die Lebensmittel vollkotzen? Oder doch in den Waschkeller?
In einem Blitzlicht der Kreativität fiel mir ein, dass ich am allerbesten in den Waschkeller rennen könnte, weil DA ja so ein altes, verranztes und seit Jahren nicht mehr benutztes Spülbecken ist, wo die Spinnen nisten und sich neue Lebensformen entwickeln können. Ich also dahin, schön mit Kotze im Mund, und da kam auch schon der nächste Schwall, direkt rein.
Ich schwöre, ich hab das Teil vollgereihert. Ich meine, ich weiß nicht wie groß so ein durchschnittliches Wasch- oder Spülbecken ist, aber es war schon tief und fasste so grob geschätzt, naja, 20 Liter. Das. Teil. War. Voll.
Und ich kotzte und kotzte und kotzte und fühlte mich gedanklich nicht mehr ganz so wohl wie vorher, weil es sich drehte und ätzend war und einfach elendig. Vor allem hatte ich ständig das Bedürfnis, aus meinem Körper auszusteigen, mich vor mich selbst hinzustellen, mit dem Finger zu deuten und “HA HA” zu rufen, einfach, weil das ja so traurig war. Dieser Anblick. Und dann die Wäsche um mich herum, und die tausend Spinnen, die ich da durch ätzende Magensäure getötet hatte. Und es hörte nicht auf. Und das schlimmste sind ja sowieso diese grotesken Geräusche, die dabei entstehen. Diese echt krassen Würgegeräusche. Alter, mir kommt’s bei dem Gedanken an diese Szene gleich wieder hoch.
Interessanterweise sah das Essen genau so aus wie davor. Ein bisschen Kartoffeln, ein bisschen Mais, und noch mehr Kartoffeln. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass mein Drang nach Kohlenhydraten irgendwie seitdem nonexistent ist. Muss wohl ein Grund für meine Gewichtsabnahme sein. Woo-hoo.
Jedenfalls, als ich endlich fertig war, und so ganz erschöpft und gefühlte drei Tage später in der nach Lenor richenden Wäsche lag, mit den Kotzfäden noch am Maul, dachte ich so: “Sara, woah, was für eine geile Aktion. Du hast dich noch nie so gut gefühlt.” Das war natürlich komplett gelogen. Ich hatte mich im Kontrast zum Erbrechensszenario noch nie so gut gefühlt, oh ja, aber generell fühlte ich mich wie von einem Elefanten anal vergewaltigt, und zwar so richtig. Mein Kopf war irgendwie nicht mehr da, wo er sein sollte.
Ich blieb ein paar Minuten lang so sitzen, in der Hoffnung, dass ich einfach von der Erdoberfläche verschwinden würde, das alles nur ein Traum wäre, irgendwas, aber dann stach mir da dieser Kotzgeruch von über mir in die Nase, und ich wurde eiskalt in die Realität zurück geholt: Scheisse. Wie kriegst du jetzt die Kotze aus diesem Becken?
Leider hatte ich nämlich auf den Wasserschlauch gekotzt, und ekelte mich viel zu sehr davor, da reinzugreifen, um ihn rauszuholen. Stattdessen schwebte ich graziös wie ein Faultier nach oben, füllte einen Wassereimer und versuchte, meinen Mageninhalt den Abfluss runterzuspülen. Das ging für die ersten 3 Liter auch ganz gut, bis der Abfluss dann verstopfte und ich mit einer Kotze-Wasser-Brühe zurückblieb, die wie verbrannter Anus stank.
Nein, nein; ich möchte mich korrigieren: Verbrannter Anus ist bestimmt ein Fetisch, den man auch als normaler Mensch als makabren Spaß ansehen kann. DIESER Gestank war Nummer 1 in Gottes Hitlist der schlimmsten Gerüche auf Mutter Erde. Und jetzt muss man sich das mal vorstellen: Ich fing an, jämmerlich zu weinen. Nicht, weil es mir schlecht ging, nicht, weil ich gerade gekotzt hatte wie noch nie in meinem Leben, udn nicht, weil dieser Gestank mir den nächsten Kotzschwall ankündigte, sondern weil ich nicht wusste, wie ich das alleine wegkriegen sollte.
Weitere 10 Minuten meines Lebens vergingen also in aufgelösten Tränen, mit ständigem Würgen wegen dem Gestank und dem Anblick und meiner eigenen Hilflosigkeit. Wie, zur Hölle noch mal, sollte ich denn diesen Abfluss freikriegen, ohne dabei ohnmächtig zu werden oder einfach weiterzukotzen?
Gott war das eklig. Ich meine, ich lache jetzt drüber, und ich denke mir, ihr werdet mich bestimmt hassen für so viel detaillierte Beschreibung, aber ihr wisst gar nicht wie das ist wenn man DAVOR steht. Wenn man einfach davor steht und mit dem Scheiss fertig werden muss, weil man jetzt grad echt keinen Plan hat und verzweifelt ist und das letzte bisschen Fünkchen Würde auch noch bewahren möchte. Das ist schlimmer, als beim Scheissen auf dem Klo wegen hohen Blutdruckes das Bewusstsein zu verlieren und mit der Kacke am Hintern vom Notarzt gefunden zu werden oder so! Oder nein, noch besser, beim Umfallen vom Klo sich auch noch den Kopf anzustoßen und sich ‘ne Platzwunde zu holen. ERZÄHLT DIESE GESCHICHTE MAL IRGENDWEM!!
Und an dieser Stelle ist ja auch der eigentliche Grund für meinen ausführlichen Bericht. Ich bin dann nämlich gänzlich kapitulierend nach oben gekrochen, in die Küche, wo meine Mutter fleissig am kochen war. Sie sah mich an, sah meine Tränen, sah, dass ich völlig im Arsch war, fragte, was ist, und ich sagte: “Mama, ich hab eben in den Waschkeller gekotzt.”
Minuten gingen ins Land. Sie fängt an zu lachen. Dann hört sie auf, völlig abrupt, und schreit “ETWA AUF DIE WÄSCHE?!?” und ich sag, “Nein, nein, ins Becken”, und sie sagt, “Ah, okay, gut”, völlig erleichtert, bis dann kommt “Was? In welches Becken denn?” und ich sag “äh, ja, genau das ist es nämlich..”. Ich erzählte ihr von meiner Tat und sie starrte mich völlig entgeistert an. Drückt mir Zeug zum wegmachen in die Hand und erklärt mir, wie ich fertig werde.
Wieder unten, ich denk mir: Du bist fast 20 Jahre alt. Du schaffst das schon, man, das kriegt man doch hin!
….
Ich stand kaum 12 Sekunden später wieder vor meiner Mama, die einfach nur seufzte und “jaja” sagte. Sie machte mir einen Magen-Darm-Tee (”Novo Virus, ich sachs dir, das haste jetzt davon dass du immer so leicht bekleidet rausspazierst!”), ich setzte mich wieder unten zu meinen Freunden, 7 Stunden vergingen, ich habe keine Ahnung mehr, was in dieser Zeit passierte und kotzte nachts einfach noch drei Mal weiter.
Meine Mama hat’s dann weggemacht. Und ich kann gar nicht genug Dank für diese Frau ausdrücken. Ich finde, jemand, der einem anderen die Kotze wegmacht, gehört ein Leben lang Huckepack getragen. Ich hab mir an der Stelle auch überlegt, ob ich jemals Kinder kriegen kann, ich hab ja schon Probleme beim Windel wechseln, aber Kotze geht halt gar nicht. Naja. Meine Mama ist die beste, und dagegen kommt keiner an, und ich glaube, ich finde keine Worte dafür, was über sie zu schreiben, deshalb mach ich es nicht. Aber falls du das jemals lesen solltest: Egal, was für ein undankbares Miststück ich zu sein scheine, vor allem weil wenn du das liest hast du auch den Rest gelesen und weisst dass ich nicht der gute Mensch bin der ich zu sein scheine, aber Mama, ich würd für dich echt durch die Hölle gehen, wirklich, was ich wahrscheinlich auch muss, aber eher eigenverantwortlich.
Hammerhart.
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