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Behindertenverein, Zeitgeist/Popkultur

Out Of Time

10.27.06 | 5 Comments

Mein Leben ist von der Storyline her vielleicht ziemlich öde und nicht gerade filmreif– aber Action, Leute, Action trägt dieser potentielle Oscar-Anwärter mit sich, und zwar so, dass Jackie Chan und Jean Claude Van Damme vergleichsweise aussehen wie professionelle Balletschwuletten.

Zum Beispiel gestern. Da hatte ich eine Viertelstunde Zeit, um mich anzuziehen und zur S-Bahn zu rennen. Eine Viertelstunde, um mich zu entscheiden. Eine Viertelstunde, um meine Mutter anzrufen, 50 € anzuschaffen und meinem Schicksal in die Arme zu laufen. Eine Viertelstunde um zu wissen, ob ich auf das Panic! At The Disco Konzert gehen würde. In Köln. Einfach nur verdammt unrealistisch.

Zugegeben, ich dramatisiere, aber in diesen 15 Minuten habe ich eine tiefgründige und für immer bleibende Schizophrenie entwickelt, weil ich einfach nicht wusste, was ich machen sollte. So sah die Geschichte nämlich noch vor einer Woche aus:

“Mama, Papa, darf ich nach Köln auf’s P!atD Konzert gehen? Die Natalie fährt hin und zurück, im Auto!”
“NEIN.”

Ganz ehrlich, ich wäre die Strecke selbst nicht gefahren, und sie hat ihren Führerschein auch erst seit 2 Wochen- eigentlich ein begründeter Einwurf. Nichtsdestotroz, eine Woche lang depri geschoben und enttäuscht darüber, dass ich eben nicht mitkommen konnte, obwohl ich eigentlich mehr oder weniger sicher war, dass das wohl das einzige Konzert sein würde, für das ich gerne Geld ausgeben wollte.

Gestern ruft sich mich also an, während ich mich beklemmt und gerade aus dem Bett gefallen, ungeduscht, zerzaust und stinkend darum bemühte, bloß nicht daran zu denken, dass Panic! heute auftraten und ich absolut keine Chance mehr hatte, hinzugehen.

“Sara, wir fahren doch nicht mit dem Auto, sondern mit dem Zug. Du brauchst mindestens 40 € um die Karte zu bezahlen, die S-Bahn nach FFM fährt in 15 Minuten- also mach dich fertig und komm mit.”Wie ich das geschafft habe, weiß ich bis jetzt noch nicht, aber ich hetzte (ungeduscht- jetzt weiß ich, wie sich 80% der pubertierenden Typen aus meiner Schule anfühlen müssen, TAG FÜR TAG FÜR TAG, und sie könnten auch noch was daran ändern wenn sie wollten) zur S-Bahn, sattelte die Kuh und machte mich auf dem Weg zum Konzert… Ohne Konzertkarte.

DIESES Dilemma fiel mir dann erst in der S-Bahn ein. Und Geld hatte ich auch keins. Also nötigte ich meine Mutter, sich mit mir am Hauptbahnhof zu treffen, mir 50 € in die Hand zu drücken und für den Rest des Tages Fortuna entscheiden zu lassen. Glücklicherweise konnte mir dann aber Fritz doch noch vor Abreise eine Karte klarmachen, weshalb ich unbehelligt in den ICE einsteigen konnte.

Kurzum: es war lustig und vor allem: Es hat sich gelohnt. Bei der Signierstunde im Saturn konnten wir noch eine kleine Acapella-Version des Konzertes genießen und die Jungs von Nahen betrachten (ich werde mich jetzt NICHT als Teenie-Tussie aufführen und aufzählen, wie viele wunderbare und süße Faktoren mir an den Kerlen aufgefallen sind, wie ich sabbernd in der Menge stand und mir wünschte, die Band gehörte nur mir oder wie ich fast vor Freude umgekippt bin). Sie signierten (und kommentierten) meinen Glücksdollar und wir hetzten weiter zum Palladium, dem offiziell schlechtesten Raum um ein Konzert dieser Größe abzuhalten.

Wir kamen noch rechtzeitig an um The Sounds zu hören, eine großartige Live-Show/Band mit shexy Front-Frau und dann, endlich, nach gebrochenen Armen und verschüttetem Bier, PANIC! Als sie endlich anfingen zu spielen, waren nach 2 Minuten schon meine Beine taub, mein Körper nass und meine Arme in verschiedenen Winkeln bei anderen Menschen untergehakt. Von Atmen gar keine Rede. Deshalb schlich ich mich schniefend und heulend wieder in die hinteren Reihen, kämpfte mich später wieder vor und hatte ständig das Gefühl, das Konzert wäre viel zu kurz gewesen. Und irgendwie viel zu brutal (der kleine Junge, der in der 4. Reihe vor mir stand, wurde irgendwie nicht mehr gesehen).

Trotz Scharen von Emos und dem Verdacht, das Vans und Chucks langsam vor dem Ausverkauf stehen: Ich würd’s jedesmal wieder tun. Es war wirklich gut, dafür, dass ich überhaupt kein Konzertgänger bin und mich eigentlich jedesmal vor der mir bevorstehenden Langweile fürchte. Die Band war klasse auf der Bühne und viel besser als auf CD; natürlich waren die Anthems am beliebtesten und es wurde knallhart durchgetanzt. Die Cover, ich glaube einmal Smashin Pumpkins, das andere hab ich nicht mitbekommen, waren meiner Meinung nach nicht so der Hit… da hat das Mitsing-Feeling gefehlt- aber ey ey, wer will sich schon beschweren. Dummerweise habe ich auch mein ganzes Geld auf den Kopf gehauen und weiß nicht, wie ich die kommenden Wochen überleben soll- aber gut… das kommt dann in der nächsten Folge “Sara - I Would Get High On Life But Drugs Work So Much Faster!”

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