Ich hab jetzt einen Pony. Ja, ich war beim Friesenmaster, und die talentierte Haarkünstlerin hat mir einen Pony geschnitten. O-Ton: “Du willst doch bestimmt aussehen wie Heidi Klum!” Ich bin ja der Meinung, dass kein Mensch freiwillig so aussehen sollte, wie Heidi Klum, außer Heidi Klum selbst, weil die damit immerhin erfolgreich sein kann, ich dagegen einfach nur Scheisse aussehe, wenn ich es probiere, aber die talentierte Künstlerin wollte sich ihre begnadigte Idee nicht ausreden lassen, und so wurde ich Opfer der Schere. Das meine Haare nicht blond sind und ich auf einmal “HALLO MÄDELS, KICHER KICHER” in die Kamera schreie ist auch noch alles, was fehlt.
Jedenfalls war das eine ziemlich spontane Entscheidung, der Friseurbesuch. Nachdem ich die emotional schlimmste Woche meines Lebens hinter mir habe (und leider keine Aussicht auf Besserung ohne chemische Hilfsmittel ansteht), bin ich Freitags nach der Schule regelrecht in eine komatöse, halbschlafende Depression gefallen. Ich hab No Country For Old Men eingelegt und teils geguckt und teils einfach nur geweint, warum auch immer, ist ja auch egal. Als ich ungefähr 5 Stunden später aufstand und mein verquollenes, unaussprechlich fürchterliches Gesicht mit den abstehnden, langen und zerzausten Haaren im Spiegel so betrachtete, dachte ich, okay, Schätzchen, es muss sich jetzt was ändern. Und dann kam ich auf die Idee, beim Heiligsten der Heiligen anzurufen und einen Termin auszumachen.
Ich muss sagen, der wahre Grund, warum ICH zum Friseur gehe, wenn es mir schlecht geht - das heisst, wenn Konsumrausch, Fressattacken und freundschaftliche Besäufnisse nichts mehr bringen - ist nicht ein neuer Haarschnitt und die weibliche Illusion daraufhin auch einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen (ich glaube, mit Pony wird das auch kein besserer Zustand als vorher)- nein, es ist dieses letzte Refugium für die Frau, sich einfach entspannen zu können, mit wehleidigen und anderen selbstbemitleidenden Genossinen auf den Stühlen zu sitzen und einfach irgendwen irgendwas machen zu lassen, was vielleicht gut oder schlecht ist, aber hauptsache, nicht selbst aktiv sein, sondern.. die Entscheidung und die Tatkraft in andere Hände legen. Ich finde es sowieso schon erstaunlich, dass ich es überhaupt geschafft habe, meinen breiten Arsch dahin zu bewegen und nicht einfach weiter heulend meine Pulsadern im Bad aufzuschneiden. Wirklich, ganz jämmerlich war das.
Das schönste am Friseurbesuch ist ganz und gar das Haare waschen. Oh ja! OH JA! Ein einziger Orgasmus für die unbefriedigte Frau. Diese Kopfmassagen sollten für 2,50 to-go sein wie der heisse Kaffe, ich sag’s euch, die Welt wäre ein besserer Ort. Spa’s, Massagestudios und Salons im generellen, ihr seid meine oberflächliche Welt, und niemals würde ich mir die Haare schon zu Hause waschen um die dreieurofünfundsiebzig zu sparen, niemals wäre ich so ein Geizhals, da könnte ich mir den ganzen Haarschnitt sparen, jawohl! So ist das! Deshalb geh ich auch genau in diesen Salon, nicht, weil die da so gut Haare schneiden, sondern weil die darauf trainiert sind, mindestens mal 10 Minuten den Kopf zu streicheln! Ich scheiss auf die 10 Euro Frisöre die besser sind, weil man keinen Termin braucht, diese Schnipp-Schnapp-Menschen, die meinen, damit hätte sich das, pah! Dazu gehört weitaus mehr, ich sag’s euch!
Wie gesagt, jetzt hab ich einen Pony und weiß nicht ob dieses Opfer für seelige Minuten des Kopfhautknetens es wert war. Zwar gab es bisher nur positive Reaktionen, von “sauscharf” bis “supersüß”, aber wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass ein Pony irgendwie auch ein Image vertritt. Ich vertrete dieses Image nicht. Ich bin einfach unordentlich und behindert, und ein Pony ist halt so,.. naja, wie Rollkragenpullis. Ziemlich straight. Auch die Aufforderung, ihn doch bitte wenigstens fransig zu schneiden, wurde partout abgelehnt, weshalb ich jetzt tatsächlich aussehe wie Heidi Klum. Den einzigen Gefallen, den ich mir danach noch getan habe, war meine Haare von den elendigen blonden Strähnchen zu befreien und mir eine 5 Euro Braunhaarfärbung beim Edeka zu besorgen.. Jetzt bin ich wieder dunkelbraun und seh aus wie ein halbes Pferd. Eh. Ich sollte vielleicht mal Beweisfotos machen, aber hab keine AA Batterien mehr. So viel dazu.
Egal, leider hat das an meinem generellen, ziemlich leeren Zustand nichts geändert. Das zeugt für die bittere Ernsthaftigkeit. Ich meine, es gibt nichts spezielles, was mich traurig macht, aber es gibt auch keinen Grund, nicht traurig zu sein. Oh Gott, ich glaube, ich werde depressiv, und irgendwie bin ich auch leicht senil geworden, hab ich das Gefühl; ständig vergesse ich Dinge, lasse was fallen, ich glaube, mein Gehirn löst sich langsam und schmerzvoll auf. Wirklich. Als ob jeden Tag ein Stück mehr von mir abfällt und ich schließlich im Wind davon geblasen werde, ein Fetzen Staub, dann, irgendwann, einfach nichts mehr. Das hört sich alles weitaus dramatischer an als mein eigentlicher sehr apathischer Zustand, aber ich hätte einfach nur Lust, wieder lachen zu können. So richtig. Und es ist sehr lange her, dass das der Fall war, habe ich das Gefühl. Oh man.




ich finds ganz beruhigend, dass ich nicht die einzige bin, die das leben ziemlich ankotzt, weil effektiv nix passiert, was spaß macht. vögeln inklusive. also das würde spaß machen, wenns dazu käme.. äh ja.
aber hey: das is echt noch lang kein grund, sich n pony schneiden zu lassen, verdammt! o_O
Naja, vielleicht lässt es sich mit Pony besser vögeln, ich glaube, viel zu verlieren habe ich da ja nicht.
Schön, dass ich nicht der einzige bin, der einen Besuch beim Friseur entspannend findet. Ich geh zwar nicht mehr hin, weil ich einfach nicht einsehe, warum ich für 5 Minuten mit der Maschine genauso viel bezahlen muss wie für 20 Minuten mit der Schere, aber trotzdem wage ich zu behaupten, dass es keine Puffs geben würde, wenn mehr Männer wüssten, was einem ein Friseurbesuch geben kann!
Pics or it didn’t happen!
hmm wow im moment fühl ich mich genau so wie du es oben im letzen absatz beschrieben hast..der grund ist wohl die einsamkeit die einen innerlich zerfrisst..
(bei No Country For Old Men hab ich übrigens auch geweint.. traurig traurig..)
“Das schönste am Friseurbesuch ist ganz und gar das Haare waschen.”
Oh ja!
Nicht ohne Grund bekommt man bei meinem - männerexklusiven *hehe* - Friseur zwei Mal die Haare gewaschen (davor und danach). Darüber hinaus noch Kopf- und Gesichtsmassage, stilvolles Ambiente und nicht die Oma next door, die dir die Haare sonstwie schneidet.
Damn, zum Friseur gehen ist wirklich was geiles. Kann ich allen ohne Freundin nur empfehlen.

Und hey, selbst mit Freundin muss man sich ja mal die Haare schneiden lassen
Hmm, wolltest Du nicht ein’ Pony, rosa, für dein Imperium oder hab ich da was falsch verstanden?
Richtig. Ein rosa Pony. Ich arbeite noch daran. Ich werd’s mir ins Wohnzimmer stellen und Uwe nennen. Uwe, das rosa Pony. Hach ja.