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Opfergesellschaft, Routine

Rockin’ and Rollin’

05.01.08 | 6 Comments

Der hessische Dialekt schreit quasi “Agrarwirtschaft”. Jeder, der hessisch spricht, gehört direkt gefoltert und in ein Lager gesperrt, wo Hochdeutsch eingeprügelt wird. Hessisch - wenn professionell ausgeführt - ist definitiv nicht normal. Jeder eingeschworene Sachse hört sich dagegen an wie ein charmanter Franzose. DIE haben immerhin das Attribut “ganz niedlich, wie die sprechen” verdient. Bei den Hessen möchte man sich die Ohren abschneiden und wiederholt den Kopf an Zement platt schlagen.

Gestern hat Kappes die beste Überlieferung eines Hessen dargeboten, als wir nach Bad Homburg zum Schwimmen gefahren sind. Das war super unspektakulär, aber trotzdem Mal 50 Euro dafür rausgeschmissen. Das wir hier einen See um die Ecke haben und das Freibad in Seligenstadt ungefähr 4 Euro Eintritt und 2 Euro Sprit gekostet hätte, haben wir dezent ignoriert. Hallo! Man gönnt sich ja sonst nix! Und wer will nicht in einen Kurort fahren, wo nachmittags das Schwimmbad auch noch einen Aqua-Gymnastik Kurs für die 8 vorhandenen Rentner anbietet! Im Preis enthalten war außerdem FFK Sauna und Solarium. Das FKK davor haben wir dezent übersehen, als wir uns im Internet informiert haben. So viel dazu. Jedenfalls, auf der langen und sonderlich langweiligen Strecke ist es ihr so gekommen, und sie fing an zu reden wie der Bauer vom Dorf. Ich meine, wirklich. Jeder Hesse hört sich an wie vom Land. Da ist nix mit Mainhatten und Rhein-Main Ballungsgebiet der Kanacken! Nix da! Hessisch, eine hoffentlich bald heilbare Krankheit.

Isch tät das ja jetze ma demonstriere so, aber wenn de das ach noch schriftlisch uffzeische musst, da glaubste es hack! Isch bin ja hier net de Hannebambel, aldiweil uff de Land rede mer ja agentlesch net so wie mans so kenne tät. Aber wenn de da ene vor dir hast, und de grüßt disch mit “Ei gude wie!”, kannste ja ach nemmer nur “Halt die Gosch” sasche, mer ham ja ach Gefühle gell!

Boah. Grausam ist das, ich sag’s euch. Und das muss man sich dann geben wenn man sich an Tagen wie heute - der erste Mai, oh la la - zum kollektiven Bauernbesäufnis an die Waldfreizeitanlage bewegt, wo die Schlager dick aufgetragen werden und die Generation Emo sich so die Kante gibt dass ich denen sogar fast ihre Depression abkaufe. Ich muss sagen, ICH hab mir vielleicht die Pillen geschmissen als ich 13 war, aber meine Fresse, ich hab’s mit Würde getan, wirklich! Ich hab’s ganz für mich getan, alleine in meiner Sucht hab ich Party gemacht, und das war um die dreitausend Mal besser als nach ner halben Pulle Vodka einfach mal abzukotzen und im Dreck dazuliegen. Manchmal rutschen da auch direkt ein paar Typen drüber. Gut, is klar, dafür haben die mehr Sex. Wollen wir ja jetzt gar nicht bestreiten. Aber wie gesagt, Würde und so!

Und wo wir gerade dabei sind: Ich scheine ja den Abschied von meinem Kaff echt zu genießen. Den Tanz in den Mai jedenfalls hab ich hier verbracht. Wir haben genau zwei Discos in Rock City, und das wären einmal das Astoria - die beschämende Russendisko, wo man entweder prostituiert ist oder zumindest irgendwann mal Drogen verkauft hat - oder die Klangbar. Die Klangbar ist fast so groß wie unser Gästeklo und die andere Drogenstation in der Heimat. Eigentlich will man da gar nicht rein, weil man sofort Angst hat, erstochen zu werden, und weil auf dem Klo mehr Geschlechtskrankheiten auf einen warten als im Mediziner Lexikon abgebildet sind, aber jeder war schon mal da. Jedenfalls, die Leute von der Klangbar haben gestern den Tanz in den Mai veranstaltet, im lokalen Bürgerhaus, wo ich mit 15 auf der Kerbdisco mal mit dem ekligsten Typen der Welt rumgeknutscht habe, weil ich mein Handy verloren hatte und ich glaubte, er hätte es mir geklaut. Bestechung war das, aber gut, man macht eben Fehler, ich bin jetzt reif und weiß, dass ein geklautes Handy nur noch mit Sex kompensiert werden kann. Und anstatt also nach Frankfurt zu fahren - Big City Beats im Cocoon, auf der Gästeliste im Tanzhaus West, Fahrgelegenheit ins KinKa, super DJ im Velvet - trotte ich aus Faulheit und Geiz (scheiss Schwimmen) zur Klangbarparty ins Bürgerhaus, wo 8 andere Leute auf mich warteten. Es war ziemlich lustig, danke dem Alkohol und der lustigen Menschen, die dabei waren. Die Musik war auch extrem nice, aber das Klientel echt ein Armutszeugnis. Die sahen alle aus wie direkt aus dem Asylheim, 3 Tage wach, druff druff druff. Ich hab mich totgelacht. Ein Kindergeburtstag seinesgleichen! Aber macht nix, war in Ordnung, bald bin ich cosmopolitan und so. Alles ist super.

Das alles - die Opferparty und das kollektive Bauernbesäufnis- hatte aber einen Vorteil. Er nennt sich Timo und ist ein kleines (also, großes) Schnittchen. Auch wenn er einen debilen, ungewaschenen Eindruck macht. Hat Pete Doherty aber auch. Und Kate Moss steht trotzdem auf ihn (Gerüchte besagen, es kann auch am Heroin liegen, oder am Geld, oder an der Musik, aber ich bezweifle das alles).

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