White Dresses

16/06/2008

Das war folgendermaßen: Ich verbrachte den ganzen Tag damit, mir die überflüssigen Hautschuppen von meinem Luxuskörper zu schrubben. Ich habe mehr als 200 Euro für Hübsch-Mach-Utensilien wie Kleid, Schminke, Friseur ausgegeben. Ich habe mir, ungelogen, meine Füße in den unbequemsten Schuhen der Welt kaputt gemacht, und sah dabei auch noch aus wie ein Trottel. Ein wiederholtes In-Die-Fresse schlagen hat leider nichts gebracht, sie dachten trotzdem, ich könne auf hohen Schuhen nicht laufen (was nur teilweise korrekt ist, da ich vielleicht ab 6 cm durchaus Probleme kriege, alles, was davor ist jedoch für Gewöhnlich recht gut zu bedienen ist). Dann war ich da, frierend, ein bisschen auch beleidigt, weil gestresst. Der Achselkaffee rann mir den Körper runter, meine Schminke klebte mir am Hinterkopf, meine Haare waren nach 8 Stunden leider nicht mehr topfit.

Und wisst ihr was? Ich hätte denen alle mit dem Arsch ins Gesicht springen können, weil es mir egal war! Es war mir egal. Und für wenige Tage dachte ich, man könnte sich in eine Art von Wehmut, oder Freude, reinsteigern, aber mir fällt auf: Es geht nicht. Ich bin nicht für eine Sekunde traurig darüber, dass die Schule vorbei ist. Ich bin auch nicht traurig, dass ich die Vollpfosten nie wieder sehen werde, im Gegenteil, ich hoffe ja fast, dass das das letzte Mal war. Und da standen die Trullas nun, eine nach der anderen takelten sie sich auf für die Beweisfotos, das einzige, was von so einem gesellschaftlichen Zwang eigentlich noch übrig bleibt. Die Eltern mit Pipi in den Augen, weil Klein-Lisa und Klein-Uwe es endlich geschafft haben, und wahrlich auch den Einstieg in die Wirtschaftswelt finden werden!

Ach, leckt mich doch alle. Dieser Abiball war nicht mal Ansatzweise gut, wobei ich mir einen besseren auch schwer vorstellen kann. Ich habe keine sentimentalen Verbindungen zur Schule, die Zeit war scheisse. Und um ehrlich zu sein hätte ich mich am liebsten an den Lehrertisch gesetzt, um mit denen ein letztes Mal einen zu heben. Denn bis auf Ausnahmen waren die Lehrer das einzige, was an der Schule noch irgendwie Spaß gemacht hat. Unser Streberjahrgang war eine Katastrophe, und mir ist es mittlerweile peinlich, zuzugeben, einen Einserschnitt zu haben- bei uns heisst das nur, okay, ich war ein Arschkriecher, und ich liebe es, in der Mittagspause die Bibelgruppe zu betreten und für meine Biopräsentation zu beten.

Nach dem kläglichen Dessert ging es auch schon nach Hause. Schön ins Bett gepfiffen, halb 11, und es war keine Minute zu früh. Mir taten sie leid, die Pappnasen, die da noch rumhocken mussten, diejenigen, die sich noch die Tränen von den Augen wischen mussten, weil sie so viele tolle Freundschaften liegen lassen werden, und die beste Zeit ihres Lebens, und, und… ich sag euch was: Ich kann’s nachvollziehen. Wirklich. Aber ich empfinde es nicht so, es war Geldverschwendung, da überhaupt hinzugehen, und obwohl ich ausnahmsweise mal wie eine richtige Frau aussah (sagten sie zumindest, die Idioten), brauche ich mich nicht für etwas zu verkleiden, was mir nicht einmal mehr Spaß macht.

Leute, nächsten Fasching hol ich wieder das Kleid raus, versprochen, und dann können wir zusammen abgehen, und zwar so, wie es sein soll. Ersoffen mit anschließendem Koma! Das Leben darf jetzt anfangen.

Fang mal bitte an.

Jetzt.

Jetzt, bitte…

There are 8 comments in this article:

  1. 16/06/2008Hector Pascal say:

    Heißt das, es gibt kein (peinliches?) Beweisfoto als Krönung? Und: Halb elf - Respekt!

  2. 16/06/2008Sven E. say:

    Ein ätzender Jahrgang ist natürlich, ja, ätzend. Mit dem richtigen Jg. ist ein Abiball fantastisch. Auf der einen Seite traurig, weil du ein Gemeinschaftsgefühl verpasst hast, dass selbst im Studium schwer erreichbar ist (Schule als Milieu). Auf der anderen Seite begrüßenswert, weil du es nie vermissen wirst oder schlimmer musst.

  3. 17/06/2008marten say:

    Eindeutig eine würdige Abrechnung. Unser Abiball, war eigentlich ganz gut, da wir eben ein lustiger Jahrgang waren und eben auch mit den Lehrern getrunken haben. Die Klamotten hab ich sogar schon mal wieder an gehabt, zum Pokern und für eine “Edel”-Party wo man das Bier auch nur aus Flaschen trinkt.

    Dein Leben könnte jetzt wirklich beginnen. Toitoi.

  4. 17/06/2008bastiH say:

    ich kanns so nachvollziehen….. ey… aba sowas von…

  5. 17/06/2008Ray say:

    Congrats Sara.
    Hau rein.

  6. 18/06/2008monsieur fischer say:

    foto…. foooooootooooooooooo…. *grins*

    ps: hamma geschrieben… einfach nur hamma!

  7. 18/06/2008kid yeah! say:

    kann sven nur zustimmen, mit den richtigen leuten können die letzten zwei jahre an nem gym echt fett sein: viel gemeinschaft, viele parties, keine sorgen. ich häng dieser zeit heute - 5 jahre später -noch nach.

    allerdings muss ich zustimmen, den abiball fand ich auch völlig überflüssig. lieber nochmal irgendwo zusammen abstürzen ( wie z.b. in der nacht vor dem abistreich :) ) als dieses übertrieben gekünstelte wir-sind-jetzt-auch-erwachsen gehabe.

  8. 20/06/2008Gucky say:

    Oh… du hast es geschafft und auch noch mit guten Noten abgeschlossen ?
    Dann gratuliere ich dir aber, zwar nachträglich, aber nicht minder herzlich !
    Mein Sohn hat auch Abi, ist aber Autoverkäufer geworden, nachdem er eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht hat.
    Reich wird er dabei nicht, aber bisher hatte er sein Auskommen und jetzt sogar Familie und es ist ein “Speckbaby” unterwegs… :-)

Write a comment:

Close
E-mail It