Krankheit

2/09/2008

Mich interessiert niemand mehr. Ich erinnere mich nicht an Geburtstage, ich scheiss drauf ob ich anderen weh tue und verhalte mich so egozentrisch wie es mir nur möglich ist. Interessanterweise wurde mir dieses Verhaltensmuster vorgeworfen, als es nie so war, und jetzt- jetzt scheint es jedem genauso egal zu sein wie mir.

Seht ihr, es hat nichts mit antisozialen Charakterzügen zu tun- es ist nur die höchste, purste Ignoranz, die man sich wünschen kann. Ja, ich ignoriere den Weltschmerz, ja, ich ignoriere die Wirtschaftsflaute und ja, ich kümmere mich mit Vorliebe um mich selbst, auch wenn ich nicht Samantha Jones heisse und dreiundachtzig Dildos besitze. Und es bockt niemanden mehr! Mich macht es halbwegs glücklich, keine Tränen mehr vergießen zu müssen, weil mich sowieso nichts jucken kann, und den Rest langweilt es höchstens, meine apathischen Zustände zu ertragen.

Dabei ist der Schnaps mein bester Freund. Bald gesellen sich noch viele andere kleine Freunde hinzu, habe ich das Gefühl: abtöten, was noch da ist, um die letzte Phase nicht mehr ganz so schlimm in Gedanken zu haben, wenn es mal vorbei sein sollte. Ich bin der geborene Alkoholikher: Ich werde nicht traurig, ich werde nicht still, ich flippe auch nicht aus, nein, ich vergesse, und dabei hab ich schon viel mehr gewonnen als man denken mag.

Ich vergesse, was es heisst, schwach zu sein. Ich vergesse, wie es ist, mit Worten geschlagen zu werden. Ich vergesse, dass meine Träume je existiert haben, ich vergesse, dass Witze witzig sein müssen, damit man lachen kann, ich vergesse, wie ich heisse und damit auch mein Leben, ich vergesse meine Vergangenheit und das, was noch kommen wird, ich vergesse, dass Geld die Welt regiert und Ecstacy schlecht fürs Immunsystem ist.

Und das ist gut so. Ich kann den Tag verpennen, die Stirn runzeln wenn mir das Arschloch der Nation gegenübersteht, grummlig sein, hungover sein, jeden anfucken, der mir in den Weg kommt, so tun, als würde ich unter Depression leiden (dabei ist es nur ein Kater) und jedem den Fickfinger geben, der ihn sehen will- ohne gefragt zu werden, was los ist. Denn jeder hat Angst vor der Antwort, die dann kommen wird, die Antwort, die sie beschuldigt und selbst zum Täter macht, mich eingeschlossen, wohlgemerkt: Sich selbst zu schaden ist auch kein Opfer.

Ist ja auch egal. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass nichts mehr interessiert, und man genauso gut den Tequila runterstürzen kann, wenn es erst mal soweit ist. Und hoffen, dass sich die wichtigen Dinge alleine regeln. Dass man einfach die Augen verschließen kann. Wenns gar nicht mehr geht, gibt es ja immer noch Heroin.

There are 5 comments in this article:

  1. 2/09/2008Marcel say:

    Man Sariparilein, wasn jetzt schon wieder passiert? Ich sauf in Gedanken für dich mit.

  2. 3/09/2008crack david say:

    mir egal was passiert ist. hau se rein in den arm die hero spritze!!

  3. 3/09/2008suspect0 say:

    Spätestens wenn das morgendliche Abkotzen ins Waschbecken zur lästigen Gewohnheit geworden ist, die sich auch gerne bis in den frühen Nachmittag zieht, die Tatterfinger Dich erst in der Nase bohren lassen, wenn Du den Tequila nach dem Aufstehen im dritten Versuch nicht sofort wieder ausgewürgt hast, Du feststellst, dass Dein Körper gerade genug Energie hat, das alte Gift auszuspucken und neues aufzunehmen, aber für nichts sonst, Deine Eingeweide ein brennender, pulsierender Ball von nutzloser Scheiße sind, Du Dich drei mal am Tag dünnflüssig einkackst, Dein Gesichtshaut einfach mal so reisst, weil Du Dich in einem gezwungenen Lächeln versuchst, Du erst nach einer halben Flasche überhaupt etwas essen kannst, aber nichts schmeckst, Du restlos all Deine Zeit nur noch zum schmerzhaften Ausnüchtern und qualvollen wieder Ansaufen verbrauchst, kleine Kinder sich vor Dir erschrecken, Deine Nachbarn glauben, neben Ami Whinehouse zu wohnen, die Penner aus der U-Bahn Dir anerkennend zunicken, statt Dich nach nem Euro zu fragen, Dich die halluzinierten Beutelratten schmerzhaft in die Waden beissen und Du in Deiner Scheiße liegend zu schwach bist, Dich umzubringen, dann wirst Du erkennen, dass Alkohol auch keine Lösung für eine Identitätskrise gewesen ist.

  4. 3/09/2008Thilo say:

    Hmmm, hört sich wirklich derbe an bei dir, kenne dich zwar leider gar nicht aber mir geht es im Moment genauso bzw. mir ist es schon des öfteren gegangen. Du denkst zwar das du vergisst aber die Gedanken kommen immer wieder, dass einzige was du vergessen wirst sind die guten Situationen aus dem Zeitraum und dann fickst du dich später deswegen ins Knie.

    Das verspreche ich dir,kannst dich ja mal melden hast ja meine Email Adresse, vllt. kann ein Außenstehender ja Seelenklempner spielen.

  5. 4/09/2008jo say:

    dein blog wird langweiliger seit du nurnoch am depri schieben bist
    wollt ich nur mal anmerken

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