Walking on a Dream
19/09/2008Was passiert, wenn Sara mal für einige Tage ihre gewohnte Umgebung verlässt? Genau, sie züchtet eine Pickelanlage im Gesicht, hat plötzlich Lippenschimmel und darf die nächsten drei Tage mit einer halbseitigen Gesichtslähmung verbringen, weil die Zähne langsam abfaulen und der Schmerz mit Drogen betäubt werden muss.
So viel zum Stress im Berlin, der mir meine letzten physischen Kräfte geraubt hat. Ich fühle mich elendig beschissen, insbesondere nach der anstrengenden Fahrt. Ich werde außerdem ab sofort auf Menschen hören, die mir einen Tipp zum Umgehen diverser Baustellen geben möchten. Fulda und die A66 ist ein Arschloch.
Berlin war unspektakulär, aber stressig. Durch das ganze rumgeier um von einer WG-Besichtung zur nächsten zu kommen, kenne ich mich in diversen Gegenden, oder zumindest auf dem Öffi-Plan so gut aus wie sonst keiner, der auch nicht in Berlin wohnt. Ich habe mir die Hacken wundgelaufen, für 10 Euro Sushi gegessen, Dönerbudenquartett gespielt und wie ein Stein geschlafen, wenn ich abends müde in meine Herbergs-WG kam. Ich habe mit meinen Freunden gekocht und mich totgelacht, aber ich hatte auch 3 Tage lang durchgehend Kopfschmerzen und durfte zu guter letzt auch nur noch veganisch frühstücken (Café Morgenrot, sehr empfehlenswert, am Prenzlauer Berg- tolles Brunch, man muss sich aber auf eine extreme Kommune einstellen, die sich da rumtollt).
Ich habe, um das Wichtigste zu erwähnen, die Abgründe der Menschheit gesehen. Das mit der WG-Suche hat sich als schwieriger herausgestellt, als ich dachte. Denn wenn man viel zu spät mit ungefähr 4 Millionen anderer deutscher oder nicht-deutscher Studenten nach Berlin ziehen möchte, kann es sein, dass der Ansturm auf die WG’s krass ist. Kann sein. Und in was für WG’s ich teilweise hausieren gegangen bin, war nicht mehr feierlich. Das war Gestank, das war Scham, das waren die größten und uncoolsten Nerds, und das waren Leute, die so cool waren, dass ich beim Eintritt in die Wohnung direkt erfroren bin. Und dann war da noch die eine Wohnung in der Fennstraße, die als “Mitte” betitelt wurde, aber eigentlich schon zu Wedding gehört- und in diese Wohnung, in dieses riesige DING habe ich mich verliebt, samt Besetzer, was natürlich ein Vorteil war. Und nach 3 Tagen des Bangens- naja, wohne ich wohl ab dem 1. Oktober dort. Genau dort.
Und wenn ich das so schreibe, bekomme ich eine Gänsehaut, weil ich es gar nicht wirklich glauben kann.
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