Back At One
11/10/2008Die Universität Potsdam ist ein kleines, unfähiges Dorf voller Rednecks und Minderbemittelten. Oh ja, richtig gehört. All diese Akademiker und Studenten und Dozenten und Professoren- drauf geschissen. Minderbemittelte Trottel und Nerds, alle auf einem Haufen, die mir das Leben zur Hölle machen.
Ich kann das, was ich studieren will (oder eher: muss) überhaupt nicht studieren, weil keine Vorlesungen angeboten werden. Stattdessen mach ich ganz andere Kurse, die mir Allgemeinbildung vermitteln, damit ich wenigstens meine Zeit nicht verschwende. Dinge wie “Academic Writing in English”, der einzige Englischkurs, den ich besuchen darf, weil ich den Test mit 100% abgeschnitten habe, aber für 100% werden (dieses Semester jedenfalls) keine Kurse angeboten, und in die niedrigeren darf ich nicht rein. Super. Russisch brauch ich gar nicht erst anzufangen, weil das Erlernen der Sprache in keinster Weise benotet oder einberechnet wird. Ein verschwendetes Semester also.
Und die Leute erst! Ich habe ab sofort kein Problem mehr damit, mich als stilvolle, charmante, coole und attraktive Person zu bezeichnen. Ich weiß nicht, ob es am Klischee Brandenburg oder an diesem verkommenen Klientel der Universität liegt, aber alter Verwalter, könnte es denn schlimmer sein? Ich glaube kaum.
Andererseits habe ich schon eine Seelenverwandte unter lauter Lurchen kennengelernt. Wir wären unter anderen Umständen wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, auch nur ein einziges Wort miteinander zu wechseln, aber in der Not frisst der Teufel fliegen, und ganz alleine schafft das eh keiner.
Jetzt jedenfalls dachte ich, ich könnte diese Woche entspannt Berlin kennen lernen - obwohl eben alleine - bis die Uni anfängt und ich mich in den Stress reinstürzen darf. Aber, Pech gehabt. Die Polizei hat angerufen, und weil ich meinen Führerschein bis jetzt nicht beantragt habe, wird mir vorgeworfen, ich wäre die letzten 2 Jahre bewusst ohne gefahren, blah blah blah, und ein Bußgeld von 500 Euro auferlegt. Das, oder ich beantrage meinen Führerschein. Und das ist wesentlich unkomplizierter, wenn ich es zu Hause mache, also werd ich morgen früh abdüsen und mich dem Horror auf ein Neues stellen: Nochmal Abschied, nochmal das Alleine sein in Berlin erfahren, nochmal nicht dran gewöhnt sein. Es ist abartig, wie das hier abläuft, und es fühlt sich an wie eine große Niederlage. Dabei ist es heute schon um einiges besser als gestern oder, woah, Donnerstag.
Solange ich nicht depressiv bin oder mich mit Drogen vollpumpe, dürfte alles okay sein. Trotzdem bin ich gespannt, wie es wohl wird, das alles. Immer noch. Aber jetzt erst mal nach Hause. So eine Scheisse.
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