Ersatzbank
12/10/2008Wenn man nach einer Woche das Gefühl hat, niemals da gewesen zu sein, ist etwas eingetreten, was sich als ein leichtes Glücksgefühl ausdrückt. Leicht, denn es wird gerade in unsagbaren Ausmaßen von diesem anderen etwas zerquetscht - vom Horror der Realität - aber dennoch ist es da.
Ich bin also nach fast genau einer Woche “ausgezogen sein” aus bürokratischen Gründen in die gute, alte Heimat zurückgekehrt. Und, mal abgesehen von meiner Mutter, ist es so, als hätte ich nie hier existiert. Meine Freunde sind nicht überrascht oder positiv erstaunt, mich zu sehen- nein, eher erschrocken und abweisend. Kann ich ja auch verstehen. Wenn so ein fürchterlicher Mensch wie ich erst mal versprochen hat, ne Weile nicht mehr da zu sein, und auf einmal doch wieder auftaucht… wer würde es ihnen verübeln?
Aber noch viel besser ist es festzustellen, dass ich an den wirklich wichtigen Plätzen schon vollständig ersetzt wurde. Völlig ausnahmslos. Ich beobachte mit einem sehr masochistischem Vergnügen, wie dieser Platz nicht nur gut, sondern sogar perfekter ersetzt wird, als ich ihn jemals hätte füllen können. An dieser Stelle möchte ich trotz einer gewissen Kaltblütigkeit, die dieser Text ausdrücken soll, erwähnen dass ich mich gerne von einer Brücke stürzen möchte. Nun, diese Person ist ja auch perfekter als ich. Schöner, cleverer, erfolgreicher, weitaus charmanter, hat mehr Geld, schenkt mehr Aufmerksamkeit.
Und nach einer Woche fühle ich mich hier so fremd wie zuvor in Berlin, nur dass ich jetzt weiß, dass ich nicht mehr hier sein möchte und lieber mein Leben alleine verbringe als mich mit solchen Tatsachen zu quälen. Denn ersetzt werden ist mit Sicherheit kein Spaß, vor allem nicht, wenn man das so eiskalt ins Gesicht vorgeführt bekommt, wie wenig man zu melden hat. Eigentlich fast schon so, als ob man nur darauf gewartet hätte, dass ich gehe. Andererseits ist es vielleicht auch ganz gut- so drängt es mich nämlich wieder zurück nach Berlin, wo ich zwar momentan auch unglücklich bin, aber dieses Unglück auf andere Sachen schieben kann, wie zum Beispiel die Langweile oder das Alleine sein oder sonstirgendwas. Hier ist es so unmittelbar, wie schnell man feststellt, dass man gar nicht vermisst wird, auch wenn man gerade noch da war, ich glaube nicht, dass es sich mit der Zeit intensivieren wird. Und es ist schön zu wissen dass all die Menschen, die man liebt, kein Problem damit haben, sich neu zu orientieren und es ist noch viel schöner zu wissen, dass sie ihren Schmerz nicht in wütende Worte ertränken müssen. Da kann man sich sicher sein, dass alle in guten Händen sind, wenn man selbst nicht da ist. Was will man mehr? Nach einer Woche.
Nach einer verdammten Woche.
There are 11 comments in this article: