L’Esprit D’Escalier

27/10/2008

Ich habe in meinen ewigen zwanzig Jahren nicht viel gelernt. Eigentlich gar nichts, außer dass man manchmal Klatschen verteilen muss, wenn man glücklich sein will. Und am Wochenende habe ich gelernt, dass es in Beziehungen immer einen kleinen, einzigartigen klärenden Moment gibt, den man ausnutzen sollte, selbst wenn es komisch ist. Selbst wen es der letzte Moment ist, den man hat.

Problematisch ist daran rein gar nichts außer die Angst, sich festzulegen. Was so armselig und feige klingt ist nichts anderes als Unsicherheit, fehlende Reflektion und Gedankenlosigkeit. Sich festlegen ist doch eigentlich genau das, worauf man sein ganzes verdammtes Leben wartet! Und endlich, wenn man die Entscheidung im Kopf getroffen hat, kommt etwas anderes im Bauch durch, das einem irgendwie vermitteln möchte: HALT. Es könnte ein Fehler sein.

Und so erklingt dieses Echo stundenlang durch den Kopf, bis die Tür wieder zu ist, der Puls runtergehen darf und das Adrenalin nicht mehr durch den Körper pumpt. Und hiermit bestätige ich mir selber, was ich die ganze Zeit ahnte: ES geht nicht. Beziehungen gehen nicht, nicht jetzt, nicht in näherer Zukunft. Denn egal wie ach-so-unabhängig und reif man zu meinen scheint, ich jedenfalls- da ist noch was anderes, was erst abgeschlossen werden muss. Etwas, dass nie ein Ende fand, nicht mehr existiert und sich doch noch in meinem Inneren fortpflanzt.

Es geht niemals darum, dass man sich anders entschieden hat. Es geht darum zu wissen dass man diesen Schritt, diese Entscheidung, dieses FESTLEGEN jetzt noch nicht bewältigen wird, nicht so, wie man es gerne hätte. Natürlich gehe ich das Risiko ein, dass es irgendwann zu spät sein könnte. Aber das zählt nicht. Es zählt nur die Zeit, die man sich nehmen muss, um den ganzen Sperrmüll aus dem Herzen entladen zu können um sich neu einrichten zu können. Ich will es nicht tun, um den Schmutz und den Schimmel zu überdecken und damit dem Nachrücker das Leben schwer zu machen. Ich will erstmal frei sein.

All das hätte man in diesem einen klärenden Moment noch erwähnen können, aber stattdessen steht man mit der Stirn an der kalten Wand und versucht nicht auf die schweren Schritte im Treppenhaus zu hören, versucht, nicht darüber nachzudenken was der andere gerade im Kopf hat, versucht alles, wie es ist, völlig in Ordnung zu finden. Versucht, das Gefühl der vielen Momente davor einfach einzusperren und niemals wieder rauszulassen.

There are 5 comments in this article:

  1. 27/10/2008bemme51 say:

    what comes up, must come down.

    dauert halt…

  2. 27/10/2008cassiopeia say:

    solange sich das “versucht alles, wie es ist, völlig in Ordnung zu finden” auf das “HALT. Es könnte ein Fehler sein” bezieht, ist es richtig so. unehrlich wäre es, sich auf jemanden einzulassen trotz solcher gefühle/gedanken. und wie der herr bemme schon sagte, dauert halt. aber man muss es irgendwann zulassen wollen, den sperrmüll vor die tür zu stellen. irgendwann halt.

  3. 27/10/2008pulsiv say:

    “sich festlegen” klingt wie “die gefängnistür von innen verschließen”…
    gemeinsames glück heißt, den partner und die freiheit gleichsam festzuhalten.

    cuba libre für alle!

  4. 27/10/2008Minnie say:

    i know what u mean. freiheit ist auch liebe, aber liebe zur welt. nur liebt die welt einen oft nicht zurück. man will beides und es geht nicht und endgültigkeit geht schon mal gar nicht… bis vielleicht irgendwann nen moment kommt, wo nichts mehr HALT schreit, weil es richtig ist, wenn es denn ein richtig gibt!

  5. 28/10/2008pulsiv say:

    let us hope that
    this will make you love again. :P

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