WeltRaumZeitFremd
29/10/2008Man merkt tatsächlich erst wie klein man ist, wenn man den Bezug zu dem Großen aufgebaut hat. Riesen Hörsääle für 600 Leute, und da sitzt man zwischen vielen anderen anonymen Gesichtern. S-Bahn, U-Bahn- einer steigt ein, einer steigt aus, und alle tragen dieselbe situationsbedingte Maske, die unverkennbar: NICHTS! schreit.
Da merkt man, wie sehr man sich verschätzt hat in seiner eigenen Selbstkentniss- dass man doch nicht so offen und flexibel und zugänglich ist, wie man immer dachte, weil man sich erschreckt, wenn man auf offener Straße angesprochen wird. Weil man an einer so großen Institution wie der Universität nur drei Leute kennt, und langsam keine Ausreden mehr einfallen, wie man mehr ansprechen könnte.
So läuft das. Auf einmal ist das Ego ganz klein und man fährt alleine nach Hause und scheut sich, lachend und tanzend herumzuspringen, so wie man es normalerweise cool finden würde, weil man keinen Namen hat, der das rechtfertigen könnte. Man muss jetzt langsam selbst anfangen, sein Haus zu bauen, ein großes Reklameschild dranhängen, und nicht nur mit dem Geburtsstempel der Heimatstadt gesegnet sein.
Das ist Bürde, aber mehr als das ist es Freiheit- denn man wächst. Man wächst mit jedem Wort, dass man an Fremde richtet, und man lernt sich selbst kennen. Fängt an, Menschen zu dutzen, weil man das hier eben so tut, auch wenn die Etikette einem anderes sagt. Man macht sich locker, auch wenn man für “Zu Hause”-Verhältnisse eben verdammt locker war, und noch lockerer ist nur ein Haufen Schnee auf einer Erdnuss.
Die Nachbarn kennen lernen- spätestens, wenn sie das Paket nach einer Woche immer noch nicht abgegeben haben. Den Chinamann untem am Haus testen, auch wenn er extrem unfreundlich sein soll. Den Typen am Kiosk grüßen, wo man jeden Tag seine Kippen kauft. Schritt für Schritt, langsam, aber irgendwann kommt man da hin. Und dann gehört die Welt mir.
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