Naturgesetz
2/11/2008Ich bin wie ein kleines Kind. Man muss mich einfach vor langen Fahrten zwingen, auf’s Klo zu gehen.
Bei genauerem Überlegen müsste man mich eigentlich vor allen Dingen des Lebens vorher zwingen, auf’s Klo zu gehen. So zum Beispiel jeden Abend, bevor ich mühevoll und betrunken auf mein Hochbett kletter, nur um 4 Minuten später völlig besiegt und entmächtigt wieder runterzukriechen um meine Blase zu erleichtern. Oder vor 5-stündigen Vorlesungen, wo ich eingekeilt zwischen 60 Komillitionen sitze und ein Aufstehen für eine halbstündige Unterbrechung sorgen würde.
Die meiste Zeit verbringe ich deshalb bettelnd und flehend, dass bald die Höllenzeit des Drucks rum ist und ich endlich die Erleichterung spüren darf (immerhin gibt es für mich täglich etwas, auf dass ich mich freuen darf, auch eine Art, sich selbst zu belohnen). Wir sind dieses Wochenende zu Freunden nach Hamburg gefahren, und original 4 Minuten nachdem ich ins Auto gestiegen bin (und wir waren sowieso schon tausend Jahre zu spät), verspüre ich nicht etwa einen ganz leichten Fieps, sondern den krassesten Drang seit Entstehung der Menschheit. Das liegt vor allem auch daran, dass ich Experte darin bin, einfach nicht die Toilette aufzusuchen, wenn ich nicht ganz dringend muss. Ich habe keine Ahnung, wieso. Und jedes verdammte Mal, wenn ich denke, “die paar Stunden hälst du das noch locker aus”, liege ich falsch und zittere vor Anspannung.
Das war auf der Rückfahrt eben auch nicht anders. Ich hab über den Tag verteilt mit Sicherheit sechs Liter Wasser, Glühwein, Kaffee, Tee und Bier abgepumpt, und die ganze Zeit (aus Faulheit) keinen Bedarf an Toilettengang gehabt. IN DEM AUGENBLICK WO WIR LOSFAHREN UND ICH ENTSPANNT DIE AUTOFAHRT GENIESSEN WILL, FÄNGT DIE PISSE AN NACH FREIHEIT ZU SCHREIEN. Ein verdammtes Naturgesetz. Und weil es mir so peinlich ist, die Fahrer ständig zu fragen, ob sie bitte mal anhalten könnten, muss ich dann auch jeden einzelnen Umweg mit Tränen in Kauf nehmen und hoffen, es doch rechtzeitig zu schaffen und mich nicht zu demütigen.
Bisher hat das wunderbar funktioniert, und ihr wisst gar nicht, wie gut es mir gerade geht.
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