Die schwarze Witwe

16/11/2008

Da war etwas.

Von Anfang an war da etwas. Pure Abneigung, grenzend an Hass, obwohl nur 5 Minuten zwischen “Hallo” und “Oh Gott du kotzt mich so an” lagen. Genau so war das. Da war “geh mir nicht auf die Nerven”, ungefähr tausend Mal. Und vor allem war da: “Wie kann man nur mit so jemandem befreundet sein?!” - Augenverdrehen, gehässiges Gelächter und eine öffentliche Schlammschlacht, in your face.

Was seltsamerweise nicht da war? Ignoranz. Da war kein “Okay, ich mag dich nicht, also lass ich dich in Ruhe”. Es gab auch nicht die Situation, in der man sich “zurechtfindet” und “Kompromisse eingeht”. Es gab Klatscherei, Prügel, und verbale Krankenhausbesuche, aber vor allem gab es Aufmerksamkeit und, man möchte es kaum glauben, Leidenschaft. Leidenschaft darin, sich gegenseitig zu hassen.

Das waren die ersten 30 Minuten.

Was später kam, waren 8 Promille und durchzechte Nächte. Das die anderen irgendeinen Grund haben, um “du kotzt mich sowas von an” mitzunehmen, musste man eben verzeihen. Wer weiß, wann “ich hasse dich aus tiefstem Herzen” wohl auf die Knie gegangen ist und fleissig gelutscht hat. Ich weiß es nicht. Aber eine andere Begründung gibt es nicht.

Nicht für mich.

Trotzdem, oder gerade deswegen, oder unverständlicherweise und ICH WEISS NICHT WIE DAS ERKLÄRBAR ist– ist da doch mehr als nur das. Es ist etwas, dass in mir die Furie rausholt. Ich möchte mit meinen Fingernägeln das Fleisch aufreissen, das Blut absaugen und Schmerzensschreie hören. Ich will die Klamotten loswerden, schlagen und geschlagen werden, wilde Rufe von mir geben und dabei Tränen der Wut weinen.

Halten wir also fest: Leidenschaftlicher Hass, verbunden mit einer unbeschreiblichen Anziehungskraft, die mich schwach macht, kaputt macht. Ich halte es nicht aus, ich will nicht mehr denken oder träumen oder der ganze andere Mist. Ich will mich in meinem Loch verkriechen und “du bist das größte Arschloch dass ich je kennen gelernt habe” in die Tonne treten. Stattdessen muss ich ständig an “Super Egomaniac” denken und kann nichts, rein gar nichts, dagegen tun, außer mir auszumalen, wie “Kotzbrocken Number 1″ einfach schmerzvoll und folternd umbringe.

There are 8 comments in this article:

  1. 17/11/2008Ella say:

    Faster, Pussycat! Kill! Kill!

  2. 17/11/2008bastiH say:

    es ist die femme fatale, die man unbedingt will. es ist die femme fatale, die man dafür hasst. es ist die femme fatale, die der untergang ist. es ist die femme fatale, der man wehrlos gegenübersteht, obwohl man in ihrer abwesenheit klar die dinge hasst, die mit ihr in verbindung stehen.

    es ist deine femme fatale.

  3. 17/11/2008gerd say:

    Man hat die Liebe, die man sich erlaubt.
    Und die Liebe, die man sich erlaubt, ist die Liebe, die die eigenen Eltern sich ihren Kindern gegenüber erlaubt haben.
    Hallo Mama. Hallo Papa.

    Gilt jedenfalls für mich.

    Naja.

  4. 19/11/2008Robby say:

    Au ja, leidenschaftlicher Hass. Gefällt mir :D (bastihs Kommentar übrigens auch)

  5. 20/11/2008Adriani say:

    … das Gehasste will gehasst werden
    … ich darf es nicht lieben
    … es wäre besser es wäre tot

    … liebevoll getötet
    das wäre schön…

  6. 21/11/2008maschinerie21 say:

    interessanter essay…
    ich hätt’ da jedoch so 3 fragen ;-)…
    1) ist das “lyrische ich” (ich weiß, ist kein lyrischer text, sondern prosa… aber ich glaube, man versteht, was ich meine) weiblich oder männlich?
    2) ist dieses “arschloch” aka “der kotzbrocken” männlich oder wiblich?
    3) ist der text autobiografisch? also sozusagen: autor = “lyrisches ich”?
    bei beantwortung dieser fragen wäre ich sehr verbunden…
    beste grüße meinerseits
    maschinerie21

  7. 21/11/2008Stefan say:

    Frauen…

  8. 21/11/2008Stefan say:

    .. verstehe wer will, ich tue es nicht.

    Arschlöcher werden abgeknallt, schwarz-weiß. Das ist zwar nicht differenziert, hilft aber ungemeint. Denk mal drann.

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