Liberté Toujours

16/12/2006

Im Eingang des Clubs stehen wir nun also zu viert. Jeder mit einer Portion Pommes rot-weiß in der Hand, frierend, gefühlte minus hundertachtzig. Das auch nur, weil wir zu faul waren - oder in meinem Fall, zu geizig - um die Jacken aus der Gaderobe abzuholen. Wir wollten ja nur Pommes essen.

Wir lachen über das, was bisher geschehen war. Natürlich wissen JE&JK nicht, was mir und Phil in Sachen Kälte schon vorher widerfahren ist, aber ich will auch gar nicht daran denken in diesem Augenblick- auch nicht daran, dass ich in knapp einer Stunde wieder in die S-Bahn Station eintreten und dort weiterfrieren darf. Ich möchte an gar nichts denken. Ich möchte nur hier stehen, und diese Menschen beobachten, wie sie über sich selbst lachen. Wer schnorrt sich schon Pommes? Wir jedenfalls nicht. Nicht freiwillig. Aber was soll man tun, wenn man um halb 4 morgens vor der scheinbar einzigen Pommesbude auf der Welt steht, die noch geöffnet hat, in T-Shirts und Miniröcken und von älteren Menschen mit Ostblock-Akzent bemitleidet wird? Die waren auch gut besoffen.

Uns wurden Jacken und Pullover angeboten. Und schließlich Pommes ausgegeben. Wir amüsieren uns köstlich über diese vorangegangene Geschichte, aber nicht mehr so lauthalts- schließlich mussten wir die Jacken ja auch wieder zurückgeben.

Dafür haben wir ja jetzt etwas zu essen. Und stehen im Eingang des Clubs. Ein Mann in verfetzt-grauen Trenchcoat und verrotztem Gesicht, vielleicht 45 Jahre alt und definitiv Hartz-IV Empfänger gesellt sich zu uns. Manchmal bin ich froh, wenn ich einen Kerl an meiner Seite habe, der aussieht, als könnte er jemandem eine reinhauen. Man fühlt sich automatisch sicherer. Der Alte ist harmlos, will nur wissen, wie viel Eintritt kostet- regt sich ein bisschen über die Preise auf. Wir drehen ihm unsere Pommes an. Er nimmt noch Bier mit, dass im Eingang stand- Bier, dass den Besuchern abgenommen wurde. Die Türsteher machen einen gewissenhaften Job. Zumindest war es das erste Mal, seitdem ich 18 bin, dass ich überhaupt nach meinem Alter kontrolliert wurde.

Ich beobachte die drei Personen, die mit mir rumstehen, sich die Finger ableckend. Sie, sie und ihn. JE kenne ich erst seit einer Stunde. Ich hatte bisher gedacht, ich würde JK kennen- aber das ist eine falsche Annahme gewesen. Sie stellt sich mir jeden Tag auf’s Neue vor, und jeden Tag steht jemand anderes vor mir- und Phil? Phil war mein Kissen der Warterei. Meine Partybitch.

Wir steigen die Treppen wieder hoch, es wird wärmer, die Musik lauter. Ich freue mich auf die Tanzfläche. Ich freue mich auf das Bier, dass ich mir nicht leisten kann und auf die Zigaretten, die wir schon längst verraucht haben. Und ich freue mich, dass ich mich dazu entschieden hatte, doch hinzugehen.

Es hätte so vieles anders kommen können.

There is 1 comment in this article:

  1. 17/12/2006torschtl say:

    Is doch oft so…erst hat man keinen bockl und wenn man dann dort ist isses affengeil :D

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