Archive of articles classified as' "Namenslos"

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Meteorologie

28/07/2008

Arbeitslos sein ist toll. Ohne jegliche Vorwürfe kann man für einen Euro sechs Stunden lang bei 34 Grad am schönen See brutzeln, Guitar Hero Rock Band mit anderen Arbeitslosen zocken und abends dann auf Kabel 1 ganz besonders ausgetüftelte Reportagen von Ordnungsbeamten sehen, die dabei sind, Jugendliche in den Knast zu werfen weil sie harten Schnaps zu sich nehmen. Besonders eindrucksvoll war es, als Herr Müller, also der Beamte, einen 14-jährigen nach Hause schickte und eine Kassiererin zur Anzeige brachte, weil sie ihm Bier verkaufte. Mit welcher Authorität Herr Müller das rüberbrachte! Leider hatte er seine ganze Energie schon so ausgenutzt, dass es nicht mehr dafür reichte, dem Kleinen auch das Rauchen zu verbieten, und so qualmten sie nebeneinander her, der eine aus dem Mund, der andere aus dem Kopf.

So viel zu meinen Eindrücken aus dem Leben einer Arbeitslosen. Und weil es wirklich auch gar nicht unangenehm ist, keine Zukunftsperspektiven zu haben und pleite zu sein, könnte das ewig zu weiterlaufen. Wie schrecklich, dass ich mich vor einem Monat tatsächlich bei einer Universität in Berlin beworben habe! Hach ja, wie gut dass es nur eine war.. so kann ich fast sicher sein, nicht angenommen zu werden. Immerhin ein Garant für weitere gammlige Monate. Ich meine, wer muss schon studieren oder arbeiten oder sonstirgendwas. Wenn es meinen Eltern nicht passt, muss ich mich eben für ein zulassungsfreies Studienfach in Frankfurt einschreiben. Meterologie zum Beispiel. Ein ganz tolles Fach, und bestimmt nicht überfüllt. Da hat man doch direkt neue Freunde für’s Leben gefunden.

Ganz übel wird’s auch am Mittwoch, wo ich dann (horror!) ein Vorstellungsgespräch habe. Die genaue Fachbezeichnung für meine angehende Tätigkeit ist eigentlich “Verpacker/in”, aber ich nenne mich ganz professionell und liebevoll “Fachkraft für logistische Tätigkeiten im medizinischen Bereich”. Jawohl. Im Prinzip muss ich dann in einer 35 Stunden Woche Kartons falten. Ich weiß gar nicht, warum ich je auf die Idee gekommen bin, mir diese geistige Beanspruchung überhaupt anzutun. Das war bestimmt in einem schwachen Moment, als ich mich völlig hilflos und ausgestoßen von der arbeitenden Gesellschaft fühlte.

Ich werde mich jetzt mit meinem Leben aber wahrscheinlich sowieso zur Ruhe setzen. Immerhin war ich schon in der Schule, habe Abitur gemacht, hatte viel Spaß, bin fast schwanger geworden und durfte sogar wohltätige Arbeit verrichten. Jetzt, so mit dem Lebensabend in Aussicht, kann man ja mal anfangen an einem prächtigen Memoir zu arbeiten, in textueller Form selbstverständlich, dass ich meinen Nachkommen vermachen werde.

Damit fange ich aber erst morgen an. Heute, noch ein einziges Mal, werde ich mich auf die Couch werfen, sinnlos-TV gucken bis mein Gehirn für klinisch tot erklärt wird und mir billige Aldi-Chips in den Rachen werfen, die Durchfall herbeiführen. Hach ja, so ist das Leben schön.

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Schweine

27/07/2008

Frauen haben die seltsame Eigenart, sich in Gesellschaft anderer, ihnen bekannter und gegenüber wohlgestimmten Frauen, sich auf einmal wie die typischsten Schweine-Männer zu benehmen. Das fällt auf, wenn man auf einmal in der Wohnung einer guten Freundin ist, und plötzlich fallen alle bis dato gekannten Hemmungen ab- da wird das Fleisch auf den Grill gehauen, das Bier aufgezischt, innerhalb von 10 Minuten ca. 3,5 Kilo Fleisch (pro Person) vernichtet und im Anschluss gerülpst und Lose gezogen, wer als nächstes Kacken gehen darf.

Ich mach keinen Spaß. Das ist übel. Das ist der reinste Horror für jeden Menschen, der so wohlerzogen ist, dass er bei seinem eigenen Bäuerchen fast selber kotzen muss. Aber Frauen sind teilweise wirklich die klischeehafteren Männer, und meine Freundinnen kennen da echt kein Pardon. Vor Typen, mal so im Kontrast, sind sie die tussigsten Tussis diem an sich vorstellen kann- aber insgeheim schnurrt ein kleiner Dämon in jeder von ihnen, darauf wartend, wieder einen dreckigen Witz oder einen massenvernichtenden Furz zu lassen. Hin und wieder beschweren sie sich auch darüber, dass sie schwitzen wie die Tiere, dass man mit Männern nicht über Blasenentzündungen reden kann oder über die letzte Verstopfungsphase und mit welchen von Mamas Hausmitteln man dagegen ankam.

Ich dreh ab. In all meiner Zeit als nicht mädchenhaftes Mädchen, habe ich mit keinem Typen jemals solche Gespräche geführt oder zugehört (und glaubt mir, ich war schon ganz tief drin in den Männerkreisen). Gut, da redet man über Ärsche und Titten, aber daran ist ja nichts abartiges. Höchstens frauenfeindlich, aber das steht kaum zur Debatte. Klar, ich habe schon oft über Pornos und diverse Sexualpraktiken mit Männern gelacht und diskutiert, die vielleicht pervers und abartig waren, aber niemals über die eigene Verdauung oder gar zu einem Rülps-Contest aufgefordert, bei dem der Sieger den ersten Klogang gewann und keine Streichhölzer mitnehmen durfte damit der andere erstickte.

ICH MACH KEINEN SPASS! Viele Frauen werden sich jetzt denken: Oh mein Gott, erzähl das nicht, dass dürfen die Männer nie, NIEMALS erfahren! Aber ich bin ja selbst fast am verzweifeln! Bis zu einem bestimmten Grad ist es ja noch ganz lustig, sich wie ein 12-jähriger, pubertierender, halbstarker Bauer zu benehmen, aber spätestens wenn man fast an den Ausdünstungen anderer erstickt ist es vorbei, wirklich. Und da hilft auch nicht wenn im Hintergrund, ganz unschuldig und girlie-girl, Madonna mit “Holiday” läuft und man sich dabei die Fingernägel lackiert. Echt nicht.

Sehr bezeichnend ist es daher, dass ich zur Zeit nur noch Freundinnen um mich herum habe, die genau auf so etwas.. “abfahren” wäre jetzt eventuell etwas hochgegriffen, aber alter, die machen wirklich jedem Schwein Konkurrenz. Wie gesagt, es ist amüsant und es ist auch schön sich für nichts (aber auch wirklich nichts) schämen zu müssen, nur dass ich mir fest vorgenommen habe, so schnell nicht mehr mit denen zu grillen, wenn mir noch was an meinem Appetit liegt.

Übrigens kann man Frauen am ehesten kategorisieren, wenn man sie sich als Mann vorstellt. Meine Chefin zum Beispiel wäre ein übler, kurzgeratener Prolet mit platinblonden Haaren und tiefergelegtem VW-Golf mit Tribal-Sticker an der Heckscheibe und würde sich ständig an den Sack langen und dran ziehen. Meine beste Freundin hätte den winzigsten Penis aller Zeiten, deshalb total den Komplex und müsste sich ständig besaufen und mit anderen Prügeln. Ich persönlich wäre ein Nerd, mit Brille und einem Fetisch für Hentai, und außerdem wäre ich wie Dawson von Dawson’s Creek. Ihr wisst schon. Spasti, ein bisschen homo und leicht neurotisch, aber dafür immer für eine langweilige Episode voller Teenie-Problematik zu haben.

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Songwriter

4/07/2008

Er kam wie immer zwischendurch mal reingehüpft, um einige Filme abzugeben, mit einem Lächeln im Gesicht und guter Laune im Bauch. So sah er immer aus. Als würde er das Glück verkaufen. Als Finanzberater tat er das vielleicht auch ein bisschen, aber das waren nicht ihre Gedanken. Die flogen quer durch den Raum und sammelten sich an einem fernen Punkt in der rechten Ecke der Videothek, weit weg von ihrem Kopf, und sie beobachtete, wie sie sich bildeten, verstrickten, sich selbst erwürgten und wie Schleim von den Wänden tropften. Pure Apathie.

Er, reingehüpft und todesmutig, erschreckte sie mit seinem plötzlichen Auftreten. Unbewusst, aber immerhin doch sehr effektiv. Sie schreckte auf, er lachte, machte einen Witz, aber sie erwiderte nur gezwungen sein Lachen, irgendwie nicht in der Stimmung. Müde vom Tag, müde von der Arbeit, geschlaucht von vielen Kommunikationsproblemen mit wichtigen Menschen, vor allem überfordert, von diesem, von jedem, aber ohne Zuordnung, verworrene Stimmung. Sie machte bei seinen Faxen mit, ein bisschen herzlos, aber genug um - jedenfalls wie gewöhnlich - ihre zersprungene Gemütslage zu kaschieren. Sollte auch nicht so schwer sein, vor jemandem, den sie nur von Witzen und Sprüchen kannte, und gerade so beim Vornamen ansprach.

Er blickte sie stur an, als sie seine Filme abbuchte. Es machte sie nervös. Er suchte den Augenkontakt, aber sie wollte nicht darauf eingehen. Sie wusste nicht, was er wollte. Was sie wollte- dass er ging. Damit sie wieder in Ruhe an die Wand glotzen und tagträumen konnte, ohne schlechtes Gewissen.

Schließlich sagte er etwas. Er sagte es, ohne auf ihre Anweisungen, bitte die PIN einzugeben, zu reagieren. Er sagte es, während er sie anstarrte. Er sagte: Du siehst aus wie aus einem Song. Und sie guckte ihn an wie Auto. Verständnislos. Und obwohl ihr Magen sich langsam in eigener Säure zersetzte - warum auch immer - guckte sie weiter einfach doof. Und er ergänzte: Du siehst aus, als hätte ein Mann mal über ein Mädchen einen Song geschrieben, ein Mädchen mit den traurigsten Augen der Welt, das immer versucht zu lächeln und nett zu sein, sie dabei aber einfach völlig zerschmettert ist, und das sieht man in ihren Augen, die nicht weinen, aber auch niemals lachen- und dieses Mädchen hat er aus dem Song gezogen und sie an diese Theke gestellt. So sagte er das, ganz einfach. Und sie stand da und wusste nichts mehr, und die Gedanken kamen in ihren Kopf zurückgeflogen, in ihren Bauch, gruben sich tief ein, kotzten ihr den Hals hoch.

Schnell drehte er sich um und rannte raus, und sie stand immer noch da. Als hätte sie die Prophezeiung erwartet, aber nicht zu diesem Zeitpunkt. Ein sogenannter Kloß bildete sich in ihrem Hals, und sie spürte, wie irgendetwas hoch kam, die Gedankenkotze vielleicht, das Drama in ihren Eingeweiden. Bevor sie ihr Ziel erreichten, war er wieder da, stand grinsend vor ihr mit einem Eis-am-Stiel, Schokolade/Mandel mit Vanille, herrliches Zeug. Er stand da, grinste, und reichte es ihr, und sagte: Du musst mal wieder richtig lachen, und Eis macht glücklich, auch wenn es regnet. Er nahm sein Wechselgeld, drehte sich um, winkte nochmal mit dem Rücken zugewandt, und ging raus.

Sie schmiss das Eis in den Müll, ging nach hinten ins Büro, rauchte eine Zigarette, und fing einfach an zu weinen. Einfach so. Und wünschte sich, dieser Song wäre nie geschrieben worden.

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Anekdötchen

30/06/2008

“Ich hasse diese deutschen Toiletten.”

“… deutsche Toiletten. Hä?!”

“Na, die komischen Toiletten, wo noch dieser Abfangabsatz für die Scheisse ist!”

“Ach so. Ja. Aha.”

“.. JA! Oh man, und dann stinkt das so..”

“.. ja ich find die jetzt auch nicht so prickelnd..”

“.. UND MANCHMAL HAB ICH ECHT ANGST BEIM ABWISCHEN IN MEINE EIGENE SCHEISSE ZU GREIFEN!”

“…”

—–

“Haha, guck mal, diese Fliege- die bewegt sich wie in Zeitlupe!”

“Spasti, das ist nicht Zeitlupe, das ist Stop-Motion.”

“…”

“Nerdig ist jetzt wohl kein Begriff mehr für das, was wir sind.”

——

“Möchte jemand einen Kaugummi? Du vielleicht?”

“.. pass auf, sie nimmt gerne Männer aus!”

“Hä, ist doch gar nicht wahr! … dürfte ich vielleicht zwei oder drei haben?”

—–

“Ich hab letztens einen Spaßanruf gemacht. Hab wahllos eine Nummer aus dem Telefonbuch gewählt, Schmidt oder sowas, egal. Ich ruf da an und mein so: Ja schönen Abend ich hätte gerne zwei Mal die Nummer 32 und einmal die Teigroulade, scharf, ohne Oliven… und dann meint die so: Ab einem Bestellwert von 20 Euro gibt’s noch eine Flasche Wein Gratis, möchten sie vielleicht noch ein Brot bestellen? … MAN ICH HAB MICH SO VERARSCHT GEFÜHLT!!”

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So What If You Catch Me Where Would We Land?

26/06/2008

Mittlerweile ist es ruhig. Nur noch einige ferne Schreie und Rufe sind zu hören, etwas weiter weg. Im kargen Licht der Straßenlaternen kann man kaum durch den übrig gebliebenen Rauchnebel sehen- von den Feuerwerkskörpern, von den Fackeln, von den Zigaretten, von allem möglichen. Nur ein Stimmenwirrwarr von vielen anderen, die sich verirrt haben. Hin und wieder eine letzte Rakete am Himmel.

Kriegsstimmung.

Als ich der Hauptstraße näher komme sehe ich, dass ein grauer Polizeibus mitten auf der Straße steht. Blockade. Die Polizisten daneben. Die Passage ist eingekesselt. Warum ausgerechnet einer diese grauen Busse, die teilweise vergittert sind- ich weiß es nicht. Es trägt zur Stimmung bei. Die Polizisten- ihnen fehlen nur noch die Schilder und die Helme, um auszusehen wie eine Horde Sternenkrieger.

Ich möchte an ihnen vorbeiziehen, doch da packt mich jemand am Arm, brüllt mir etwas ins Ohr und ich werde zurückgeworfen, drei Stunden eher, als alles noch ganz anders aussah…

“SO SEHEN SIEGER AUS, SCHALALALALA…”

Verdammt! Wer hätte es gedacht, dass nach so einem schlechten Spiel die Deutschen tatsächlich ins Finale einziehen würden! Ich jedenfalls nicht. Und so zogen wir, vier Mädels und ein paar Flaschen Bier, nach dem Spiel (das zu großem Teil mit “WASVERDAMMTEHURNSCHEISSEHALSMAULGEHTNIX”-Rufen verbracht wurde, nachdem Bela Rethy kläglich bei seiner Pseudoradioübertragung versagt hatte), die Hauptstraße entlang in R-Rock City, wo die Autokorsos schon begannen, abzugehen. Hauptziel: Die R-Rock City Passage, wo sich die Anwohner des besten Stadtteils plus einige Touristen aus den anderen Stadtteilen, denen es peinlich war, dort zu feiern (mir ist es an beiden Orten peinlich. Immerhin sind wir, laut Bravo, eine “Provinz”, und aus Provinzen sollte man abhauen und woanders Party machen. Leider bin ich pleite und meine Freunde sehr Heimatverbunden, also schlechte Karten). Auf dem Weg dahin: Jubel. Leute, die sich selbst feierten, und etwas so absurdes wie ein Ball in einem viereckigen Kasten, geschossen von jemandem in einem weißen Trikot. Kein anders Wort außer “absurd” möchte in diesem Zusammenhang ihre Gewichtigkeit finden. Trotzdem kriegen wir alle Gänsehaut. Diese Stimmung, das Gejohle, dieser noch-so-absurde Grund, irgendwas richtet er an. Eines Tages wird hoffentlich ein intelligenter Mensch eine Doktorarbeit schreiben, bei der ich kopfnickend durchlesen kann, was ich immer schon gespürt habe.

Wir kommen an- es fühlt sich an wie Millionen von Menschen. Sie werfen sich auf, zwischen, unter die vorbeischleichenden Autos. Umarmungen an Menschen, die man auf einmal liebt. Weil sie auch Deutsch sind? Liegt eher am Alkoholpegel… Teenager, Eltern, Freunde, Geschwister, alle da. Alle im selben Kaff, und alle randalieren sie auf einmal wie die Orang-Utans der Nacht. Alle feiern. Schütten sich Bier über die Köpfe. Es stinkt. Licht, Rauch, Nebelschwaden, laute Gesänge, Pfeifen, Chöre, Deutschland Flaggen, Deutschland T-Shirts, Deutschland Farbe im Gesicht, und kein Mensch weiß was eigentlich abgeht. Hitzige Diskussionen über das Spiel? Niemals! Springen auf die Autos, die Krankenwagen, die Feuerwehr. Gänsehautstimmung, überall. Lachende Gesichter, ein bisschen Wehmut. Liegt vielleicht an der Überdosis Seven Nation Army. Könnte aber auch daran liegen, dass es bald vorbei ist, viel zu schnell.

“FINAALEE– OHOHOOO!”

Tatsächlich Finale. Weiterpilgern zum Wirtshaus, wo bis tief in die Nacht gefeiert wird. Ein Ort, der zur restlichen Jahreszeit komplett leer und unbevölkert ist. Fürchterlich langweilig, normalerweise. Nur zum Fußball perfekt geeignet. Die Herrschaften aus dem Dorf: Alle da. Alle betrunken. “Morgen arbeiten?” “Egal, hab die Grippe..”

Tanzen auf den Tischen zu trashiger Volksmusik mit Techno unterlegt. Reizüberflutung. Das ist so schlecht, das kann gar nicht mehr gut sein, auf keinen Fall. Trotzdem mitmachen. Man gewinnt nicht jeden Tag. Die Freunde strömen ein. Alle sind da, und mit jedem einmal einen trinken, muss ja sein. Den Eltern aus dem Weg gehen, die sollten das vielleicht nicht sehen. Nur lachen.

Jetzt, wo es fast vorbei ist, und ich in den verrauchten Straßen umherziehe, darauf achtend, nicht in die Prügelzonen zu kommen (ich habe keinen einzigen Türken gesehen, aber die sind wohl in den anderen Stadtteilen unterwegs… ich hätte mich auch nicht getraut- aber die Deutschen prügeln sich auch untereinander, was sehr traurig ist), ist es viel entspannter. Viel schöner, die Nacht zu genießen. Wieso, keine Ahnung. Vielleicht wegen dem allgemein-mulmigen Alkoholgefühl, dass sich nach 4 Bier bei mir eingestellt hat. Einmal tief einatmen, fast an dem Rauch ersticken, aber macht nichts, ist alles super so wie es ist, glaube ich. Kaum eine Nacht so schön wie jetzt, wenn alle nach Hause gehen und sich ins Bett legen. Ich mittendrin, Gänsehautstimmung, und ich bin irgendwie froh, nicht ins laute Frankfurt gefahren zu sein..

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Rache

25/06/2008

Wenn ich weine, dann in den seltensten Momenten, weil ich wirklich traurig bin. Meistens weine ich vor Wut, weil mir die Worte fehlen für das, was mich so anpisst. Ich weine, weil mein Hals schon schmerzt von den Worten, die ich wie Messer immer wieder runterschlucken musste, um nicht ausfallend zu werden. Mein Kopf dampft, weil die Wut aufsteigen, ausbrechen will, explodieren und an die Wand, oder am liebsten noch, direkt ins nichts-raffende Gesicht des anderen gespritzt werden. Dann ballen sich meine Hände zu Fäusten, meine Zehnägel bohren sich in die Sohlen meiner Turnschuhe, meine Zähne knirschen, mein Herz pumpt Gift.

Es ist ein Machtaustausch, der stattfindet. Oder noch viel eher: Es ist eben KEIN Machtaustausch, denn der Mächtigere steht vor mir, und ich habe keine Chance. Werde hin- und hergeschubst, rumkommandiert. Oder nur belächelt. Und dann: Die Wut, die mich von Innen her verbrennt, die nichts zurücklässt als ein bisschen Asche, kalte Glut. Apathie folgt. Abhärtung.

Ich beobachte mich dabei. Ich sage nie etwas dazu. Ich toleriere, ich schlucke die scharfen Gegenstände runter. Ich könnte mich wehren, in dem Augenblick, selbst wenn der Mächtigere mir, um es mal genauso auszudrücken wie es ist, saftig auf die Fresse geben würde. Aber ich pack’s zusammen in ein Bündel und drück ‘nen Stempel drauf: “Für später aufzuheben”.

Und das ist genau das Problem daran, wenn man gerne einen auf “cool” und “passiv-agressiv” macht: Man vergisst nie etwas. Niemals. Und dann, zur rechten Zeit, mutiert man zu einer tragischen Helden-Karikatur, die sich endlich, endlich für das rächen möchte, was ihr angetan wurde. Holt zum ziemlich unfairen Tiefschlag aus. Und trifft, unerwartet.

Effektiv? Bisher immer gewesen. Es lässt den anderen spüren, wer ausdauernder ist. Lässt ihn spüren: Ich hab’s nicht vergessen, werde es nie, und du solltest dir immer den Rücken decken. Es ist der No. 1 Beziehungskiller, und wir reden hier nicht von Liebesbeziehungen, sondern von den kleinsten bis zu den größten Beziehungen. Rache. Es ist nicht die offensichtliche Vergeltung, die so weh tut - natürlich würde ich mich rächen, wenn mir jemand meine Autoreifen aufschlitzt, ich würde etwas in einer ähnlichen Dimension einfach erwidern - aber die subtile, zwischenmenschliche Rache, wo es darum geht, verletzte Gefühle wieder gut zu machen, zu beweisen, “ich bin stärker als du, denn ich habe es so lange durchgehalten”, manchmal nicht mehr als nur ein Symbol - MIR GEHT ES NICHT GUT - aber meistens ein definitiver Endpunkt für alles, was vorher vielleicht noch funktioniert hatte.

Es aufzustauen macht krank. Es tötet die Reaktionsfähigkeit, es macht zynisch und verbittert, weil man nie eine direkte Gerechtigkeit erlangen konnte, sondern auf eine überhebliche, ja, sogar arrogante Art versuchte, “besser” zu sein - gewaltlos, hinterrücks, geduldig - in erster Linie vielleicht schmutzloser, aber definitiv unfairer. Lieber ein Faustschlag, den man sehen kann, gefolgt von einem Handschlag, man ist quitt.

Die schmutzigen Kämpfer verstehen die Pein und das Leid abzuwarten, bis zum richtigen Augenblick, um dann eine orgasmische Befriedigung zu erleben… Rache ist so viel mehr als das, was man von ihr hält.

[Andere KURZSCHLUSS Posts zum Thema “Rache” gibt es auf dem Neubaublog, bei Patsy Jones, und im Chaosplanet. Bitte lest lieber dies viel besseren Posts auch, die wahrscheinlich viel mehr auszusagen haben, als meiner.]

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Zeitlos, Planlos, Wahllos

23/06/2008

Ich könnte niemals arbeitslos sein. Und damit meine ich nicht, dass ich es so unendlich liebe, ein wirtschaftlich funktionierendes Rädchem im großen kapitalistischen System zu sein, sondern dass ich wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes, eingehen würde, wenn ich arbeitslos wäre.

Früher war es ganz einfach, nichts zu tun. Weil man wusste, dass die Zeit dafür beschränkt ist, dass man nach spätestens 6 Wochen wieder zum morgendlichen Appell in die Schule antreten musste. Jetzt? Jetzt gehe ich ein, trotz Freunde, trotz Fußball, trotz hin und wieder mal was zu tun haben. Ich langweile mich, weil keine Perspektive geboten wird, und die Zeit bis zu meiner Abreise um endlich was für die Finanzen zu tun, ist zu weit weg.

Mir ist zusätzlich aufgefallen, wie lang so ein beschissener Monat sein kann, wenn man nicht ein Fitzelchen Geld hat. Das war während der Schulzeit oder im Urlaub nicht so schlimm. Verständlich. Hatte man ja auch was zu tun. Ich kann es noch nicht mal genießen, mich an den See zu legen (was bei so einem Wetter zwar sehr schön ist, aber auch zu grausamen Kopfschmerzen führt, wenn ausgerechnet die Person, die man echt als allerletztes da haben möchte, ungefähr 3 Meter weiter sitzt und so tut als ob man sich nicht kennt. VIELEN DANK DU SPASTI, WEGEN DIR IST DIE SITUATION ERST PEINLICH GEWORDEN!), weil ich da den ganzen Tag liegen könnte. Und wo bleibt da der Spaß, wenn man weiß, dass das der Höhepunkt des Tages war?

Grausam. Ich mutiere zum lustlosen Kettenraucher und Vielfresser. Das muss ein Ende haben, verdammt noch mal. Und bis Mittwoch noch nicht einmal mehr Fußball. Mit’m Arsch ins Gesicht springen, das könnte ich jetzt.. nur welches Gesicht weiß ich noch nicht. Es besteht nur noch die Frage, wie Rentner das eigentlich aushalten. Und Arbeitslose. Ich wäre schon längst suizidgefährdet.

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Circle Of Confidence - Hypnose und Selbstbewusstsein

22/06/2008

[Trigami-Review]

Für diesen Trigami Auftrag konnte ich es mir im wahrsten Sinne des Wortes gut gehen lassen. Denn es geht darum, Circle of Confidence, die Website des Coaches und Hypnotiseurs Ludwig Reithofer, zu präsentieren und seine angebotene kostenlose Hypnose Testsitzung downzuloaden und auszuprobieren. Ich weiß nicht, wie’s euch geht, aber ich kann mir schlimmeres vorstellen.

Ein Wort dazu: Ich weiß, dass Hypnose funktioniert. Ich weiß, dass es manchmal ausreicht, eine bestimmte Tonlage einzunehmen, dass Worte jemanden in eine Art völlig bewussten Trancezustand versetzen kann. Mit Sprache kann man sehr viel erreichen. Trotzdem ist meine Skepsis groß- und ich bin mir nicht sicher, ob ich mich auch in Gegenwart einer MP3 (ist ja auch nichts anderes, letztendlich) so fallen lassen kann.

Die Website

Die Website erwartet uns relativ schlicht. Und mit schlicht meine ich vor allem den HTML Aufbau. Was überhaupt nicht schlimm ist, nur vielleicht ein bisschen öde. Aber macht ja nichts, schließlich soll der Fokus auf dem Inhalt liegen. Es ist alles schön strukturiert aufgezählt, erklärt und erläutert. Man findet viel über die Hypnose an sich heraus, es gibt viele Angebote und Seminare die man eventuell in Anspruch nehmen kann. Und es steht was zu den Preisen da, was recht cool ist weil man sich nicht noch zusätzlich informieren muss. Überraschenderweise ist es nicht ganz so teuer wie ich es mir vorgestellt hatte… bzw. was ich so von Hypnose bisher gehört habe. Na immerhin.

Aber es geht noch weiter: Man kann sich sogar zum Hypnotiseur ausbilden lassen. In 12 Ausbildungsstunden. …. Irgendwie möchte ich das nicht kommentieren. Da fällt mir ein, dass ich gar nichts über den Betreiber und Hypnotiseur weiß, der mich später hypnotisieren möchte. Und auf der Website ist nichts über seinen Werdegang zu finden, was schon mal sehr schade ist, da ich eigentlich wenig Lust habe, mir in meinem Kopf rumpfuschen zu lassen (wäre jedenfalls mein erster Gedanke, wenn ich potentieller Kunde wäre und an Hypnose glaube). Nun gut.

Der Download

Leider etwas umständlich. Erst trägt man sich ein (auf dieser Seite). Dann war’s das erstmal. Später wird man eine Email bekommen, die in die Mailing List einträgt. Dann kommt endlich der Download Link. Ich habe mindestens 120 Mal dagesessen und irgendwie nicht gewusst, was als nächstes kommt. Aber vielleicht liegt’s auch an mir.

Seit 5 Tagen höre ich mir nun diese MP3 in verschiedenen Situationen an. Ich kann nicht ernsthaft behaupten, dass es  merklich etwas gebracht hätte, im Sinne der Hypnose. Ich glaube, dafür bin ich selbst einfach zu skeptisch, obwohl ich ein bisschen mehr Selbstvertrauen auf jeden Fall vertragen könnte. Denn darum geht es bei dieser Sitzung: Um Selbstvertrauen und Selbstliebe.

Allerdings, und das ist echt schon schwere Arbeit bei mir, konnte ich mich schon lange nicht mehr so gut entspannen. Die Stimme ist sehr beruhigend, leise, und ich erreiche zumindest immer einen dösigen Zustand. Das größte Problem an dieser MP3 sind aber die Fehler in der Aufnahmequalität. Mittendrin gibt’s mal einen ziemlich nervigen, lauten Riss, als ob man mit dem Fingernagel über eine Tafel ziehen würde. Uncool. Besonders, wenn man gerade in einer Phase der tiefsten Entspannung ist. Vielleicht sollte man das nochmal überarbeiten.

Mein persönliches Fazit

Circle of Confidence muss definitiv erstmal etwas an der Präsentation machen, um seriöser zu wirken. Leider ist durch den relativ laienhaften Aufbau der Website (um nicht zu sagen, dass sie schlecht aussieht, aber irgendwie ein bisschen unbeholfen), und durch jegliche fehlende Information zum Coach immer eine hochgezogene Augenbraue präsent. Die Idee mit der kostenlosen Sitzung ist natürlich nett und vielleicht auch hilfreich, um sich seine Vorstellungen machen zu können, allerdings bezweifle ich die volle Wirkung einer Hypnose über MP3- selbst bei mehrmaligem hören und Kopfhörern. Entspannend ist es auf jeden Fall, und wer interessiert ist, sollte es ausprobieren. Trotzdem ist für eigentlich alles andere gesorgt: genug Infos, einen Shop und sogar ein hauseigenes (wenn auch nicht sonderlich belebtes) Forum.

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Digitale Plauze

22/06/2008

Sogenannte Reportagen über fette Menschen sind mein Verderben.

Ich bin ja nicht so der Fernsehglotzer. Nicht, weil ich so intelligent bin, mich von der dummen Masse abzuheben, sondern einfach, weil ich keinen funktionierenden Fernseher in diesem Haus entdecken kann, Digital-TV einen beschissenen Empfang hat und die Fernbedienungen immer getreten werden müssen, bevor man umschalten kann, und bei dem Werbeanteil einer durchschnittlichen Sendung bin ich mir dann doch zu faul dafür.

In einsamen Momenten, Montagmittags zum Beispiel, wenn ich von irgendwelchen spannenden Abenteuern mit ganz viel Action, Spaß und Inline-Skating oder sowas nach Hause komme und mich für einen kurzen Augenblick entspannen möchte (das heisst, einschlafen), mach ich den Kasten trotzdem an. Jetzt kann man nicht direkt von Entspannung reden, wenn man sich strunzdummes Gelaber und frauenverdammende Vanish-Oxy-Action Werbung geben muss, aber ich kann eben am gediegensten Ruhen (also einschlafen), wenn ich mich zu Tode langweile (die Flucht ins Koma, sozusagen). Direkt mal Sam oder irgendein anderes, vergleichbar beschränktes Mittagsmagazin einschalten und losschnarchen.

Denkste. Das hat früher vielleicht funktioniert. Heute steigt mein Puls auf Dreimillionen wenn ich mir diese wirklich beschränkten Menschen anschauen darf. Und vor allem, so ganz objektiv, mir darüber Gedanken mache, wer sich sowas freiwillig und vor allem völlig bewusst und aktzeptierend anschaut. Da bekommt man 20 Minuten lang aufgetischt, wie fette Menschen abnehmen wollen, und wo ihre Fehler liegen. Fluchen kann ich da den ganzen Tag! Menschen, die noch nie eine Zuchini gesehen haben, Menschen, die gekachelte Fliesentische mit Musterung im Wohnzimmer stehen haben, das “modern”, also völlig in hellem Holz und “mediteranem” Anstrich eingerichtet ist, Menschen, die, und dafür lege ich meine Hand ins Feuer, um nicht jetzt und gleich an der Menschheit zu verzweifeln, einfach für so viel Dummheit bezahlt werden. Dafür kriegt man doch Geld, oder?

Ich hab nichts gegen fette Menschen. Wirklich. Jeder Mensch ist eben so, wie er ist, und ich schleppe mittlerweile, dank ausgiebigem Faulenzen und Nichtstun und Fressen auch ‘ne kugelige Plauze vor mich her. Aber ich weiß zumindest, woran es liegt, und ich weiß, dass es ungesund ist, ich weiß, wie ich es ändern kann, und ich weiß, dass es gewisse gierige Züge im Leben einer Frau sind, die einen zur Tonne mutieren lassen. Diese Menschen jedoch- die wissen ja nicht mal, was Eiweiße oder Kohlenhydrate sind! Die denken, okay, ich hab jetzt 20 Minuten Sport gemacht, dann gönn ich mir jetzt mal einen Kakao und einen Berliner, da sind vielleicht hundert Kalorien drin. SCHÄTZCHEN! WACH AUF! DU MUSST DIE FETTRESERVEN ANGREIFEN! DA BRINGTS AUCH NIX EINEN BRUCHTEIL DEINER ZEIT MIT STRAMPELN ZU VERBRINGEN! AAH!

Naja, so oder so ähnlich hocke ich 4 Minuten vor dem Fernseher, bevor ich mir überlege, doch lieber keinen Mittagsschlaf zu machen und stattdessen mal gesund zu essen. Da merkt man, dass es manchen nicht an Disziplin oder gesundem Menschenverstand fehlt, sondern schlicht und einfach an Allgemeinbildung. Wer allerdings solche Sendungen braucht, um darauf aufmerksam gemacht zu werden, gehört genauso links und rechts geschlagen, weil es im Prinzip nur darum geht, sich daran aufzugeilen, wie dumm und fett andere sind, die da so bloßgestellt werden. Was ich mir dabei denke? Ich denke, es sollte ein spezielles Schulfach für Ernährung geben. Überall.

Ich glaube, ich habe mir gerade zehn Mal selbst widersprochen, aber irgendwie regt mich das ganze gerade endlos tierisch auf. Links und rechts will ich die alle klatschen. So einen Stuss sich anzugucken! So doof zu sein, dabei mitzumachen! Dann zu denken, oha, die sind jetzt belehrt und guck mal, so könnten die aussehen, wenn sie sich gesund ernähren! Oh Gott ich fall gleich tot um, wo ist Arte?

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Der Grund

18/06/2008

Die meisten Fragen, warum ich mir das antue. Warum die Zickereien, warum die Allüren, warum diese stressigen Situationen, die mich manchmal sehr sichtlich verletzt, gedemütigt, geschlagen und zerbrochen zurücklassen. Wieso ich mir diese Mühe gebe, wieso ich soviel aufopfere, warum da eigentlich nie etwas zurück kommt und wenn doch, eher aus Verpflichtung und gefüllt mit Halbherzigkeit.

Ich hab mich das noch nie gefragt. Für mich war zwar nicht von Beginn an klar, was auf mich zukommt- und ja, sehr oft hatte ich mir gewünscht, dass es irgendwie aufhört, dass ich mich losreissen kann, dass es zerbricht - aber es war, irgendwie, schon immer eine so große Selbstverständlichkeit da, ja, eine gewisse Perfektion in dieser Beziehung, dass es mir nichts ausgemacht hat. Und ja, ja! Ich habe mich schon oft genug in den Körper eines 150 Kilo Muckimann gewünscht, einfach nur, damit mal Schicht im Schacht ist, aber es war okay. Es war okay, und es hat sich gelohnt, immer wieder, dann manchmal ist das, was zurückkommt, unsichtbar für alle anderen da draußen, die es nicht verstehen.

Manchmal, wie heute, wenn man 20 Minuten lang einfach nur nebeneinandersitzt, die Arme aus dem Autofenster heraus, den Wind durch die Finger spürt, und man gemeinsam etwas teilt, was so viel unendlicher ist als bloße Worte oder Taten; ungreifbar, tief unten, und das ist definitiv nicht eingebildet, das ist die Gewissheit, dass es Liebe gibt, die keinem Bilderbuch entspricht, von der nicht in der Bibel steht, sondern Liebe zwischen zwei Augenblicken, in denen man gleichzeitig Lachen muss und der Zukunft hinterhertrauert, weil man weiß, dass man spätestens “irgendwann” nicht mehr zusammen sein kann, aber wenn doch, dass man den größten Spaß seines Lebens haben wird, dass man nie alleine ist, selbst wenn man sich danach sehnt, alleine zu sein, dass man nicht reden muss, weil man anders kommunziert, und dass man sich eine reinhauen kann, einfach nur als Absicherung, als Garantie dafür, dass sie tatsächlich existiert, diese andere Person, die einen nicht verurteilt, die einem nichts übel nimmt, die einen versteht, die einfach für immer zumindest irgendwie da ist, jemand, der einen verändert hat, jemand, der niemals vergessen ist.

Das alles ist so viel größer als die materiellen Verluste, die kleinen Opfer, die nächtlichen Anrufe, der Stress, der dabei entsteht, weil man selbst eben anders gestrickt ist, und die Enttäuschung, wenn der andere nicht ganz genauso reagiert, wie man es selbst machen würde. Das, das ist genug, und das ist der Grund, warum ich niemals meine großartigen Taten in Sachen Hilfe und Beistand an ihrem Charakter bemessen würde. Zu wissen, dass ich niemals Probleme haben werde, zu lachen. Zu wissen, dass jemand da ist, der mir gerne auch den Kopf wäscht wenn ich Scheisse baue, ohne Blatt vor dem Mund. Zu wissen, dass es jemanden gibt, der mich niemals belügen würde, egal, wie weh es tut. Zu wissen, dass diese Liebe beidseitig ist- das ist schon genug, und es funktioniert nur, weil ich genauso bin, wie ich bin. Das hat nichts mit Wert zu tun, nichts mit dem, was man verdient hat oder was nicht. Das hat etwas damit zu tun, dass ich gar nicht mehr oder weniger will.

Es ist, auf eine ganz perverse, unkonventionelle Art und Weise, die beste Freundschaft, die ich mir vorstellen kann, und was ich ihr gebe, sei es materiell oder mental, ist nicht in geringsterweise lobenswerter als das, was sie mit ihrer puren Existenz wett macht.

Das ist es, das war’s. Ich erwarte nicht, dass das jemand versteht, und ich erwarte auch nicht, dass alle jetzt aufhören, mich deshalb zu löchern. Es ist einfach so, und keiner muss es nachvollziehen. Es reicht, wenn ich es weiß. Diese Gewissheit ist alles, es ist das, was mich momentan sehr glücklich macht, denn selbst wenn ich es niemals wirklich verstehen kann, weiß ich zumindest, woher dieses Glück kommt, zumindest habe ich die Einsicht abgewartet, bevor ich etwas so wertvolles weggeschmissen habe. Es ist keine Illusion. Das sind wir beide. Wir sind kein Team. Wir sind nur zwei seltsame Figuren irgendwo auf einem schlecht gemalten Bild, aber wir sind zusammen auf diesem Bild drauf, und so lange das so ist, trage ich immer ein Lächeln in meinem Kopf mit mir herum.

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