Es ist nicht vorbei, es klingt nur anders.

Light My Fire

Posted: May 21st, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll, Weltkulturerbe | 12 Comments »

Weil ich vor einigen Nächten im komatösen Zustand mein Mobiltelefon regelrecht von innen heraus zerfetzt habe*, musste ich mir übergangsweise ein altes Nokia-Feuerzeugfake ausleihen. Das aber auch hoffentlich nur bis nächste Woche, da müsste mein Sony Ericsson nämlich ankommen (nachdem mir die kleine ostsibirische Trümmerlotte von T-Mobile eigentlich ein iPhone zu traumhaften Konditionen versprach, nur um mich am nächsten Tag vom Rindvieh-Kollegen anzurufen und das Angebot zurückzuziehen, weil “ein interner Fehler vorlag”).

Anyway. Das Nokia Feuerzeug Modell ist ein Urgestein aus der Zeit des Handy-Hypes unter Jugendlichen, Kleinkindern, Yuppies und BCL**. Außerdem habe ich es nun so getauft, weil es tatsächlich Feuerzeuge in dieser Form gab (oder schändlicherweise irgendwo, vermutlich in Korea oder Taiwan, immer noch gibt) und ich im Übrigen keine Ahnung habe, wie das Teil wirklich heisst.

Da ist Snake drauf! SNAKE! Ich habe das letzte Mal Snake gespielt, da gab es noch nicht mal den Euro (achtung, hier wird schamlos übertrieben)! Und ich meine nicht das schäbige und völlig überbewertete Snake II, nein, ich meine das Originale Snake, das Snake. SNAKE! Ich raste gleich aus vor Freude!

Snake, man. Reiht sich direkt in die glorreiche Reihe der Spiele, die zu langen Toilettensessions führen: Tetris, Pacman, Minesweeper… Legenden in einer Jugendkultur, ein Muss für alle, die sich keine “richtigen” Konsolen (N64, ach du scheisse) leisten konnten… Ein Rekord nach dem anderen wurde im trägen Unterricht der achten Klasse geknackt, eine Liga der Profis, Freundschaften zerbrachen an dem riesigen Erfolgsdruck.
Jeder trug seine Zahl stolz auf der Brust. In den 69ern wurde mit Gewalt rebelliert. Wir erschufen neue Dimensionen der Langweile.

Als eben eine SMS ankam und dieser berühmte Nokia SMS Ton erklang, fühlte ich mich sekundenlang wieder wie fünfzehn: ich liege in der Sonne am örtlichen Skate Park, unter der Quarter Pipe, neben mir die Bong und meine Freunde, in meinem Gesicht ein verzocktes Grinsen und in meinem Magen absoluter Hunger-Aufstand. Die Skater skaten, wir rauchen und trinken, aus den Boxen dröhnt Ska- und Punk Musik oder die neue Aggro Platte (ich höre sie tatsächlich noch gröhlen… “Westberlin, West-West-Berlin”, “Wer hat das Gras weggeraucht? Der Neeee..”, “Dapdapapadaaadaaaa, dapdapapadapaaaaadaaa”, “Carlo Coxxx Nutten, du Opfer musst dich ducken”, “Ich mach dich nebenbei klar wie Snake, da wird gar nicht überlegt..”), und ich überlegte mir, welchen verpickelten Teenager-Typen ich wohl heute gut fand.

Es ist schon seltsam, was dieses Handy eben mit mir angerichtet hat. Eine verrückte Zeitreise in meine Vergangenheit; vielleicht das erste Mal, dass mir das bewusst passiert. Klar habe ich eine Vergangenheit, aber das mieste, an das ich mich erinnere, liegt nicht so weit zurück. Ein paar Jahre. Diese ganz besondere Erinnerung, an eine völlig andere Zeit, die ist irgendwie anders. Das ist nicht wie “letztes Jahr”, wo man sich noch in die Situation reinversetzen kann, nee. Das ist wie, als würde man sich selbst von außen betrachten, ohne wirklich einen Einblick zu haben.

Das ist einerseits schade, weil man tatsächlich nie wieder jung sein wird. Weil man doch nicht seine Versprechen sich selbst gegenüber hält- weil man irgendwann halt so wird wie seine Eltern, weil man doch nicht so cool ist, weil man nicht bis man 40 wird nur von Cornflakes zum Frühstück lebt und weil man nicht Skateboarder, Rockstar oder Tauchlehrer wurde. Sucks.

Aber es ist auch irgendwie gut. Tatsächlich erinnere ich mich nur noch an ein bestimmtes Bild, aber es ist ein schönes Bild. Weil ich mich selbst kenne, weiß ich dass es nicht so idyllisch gewesen sein kann. Trotzdem fühle ich das nicht. Und das heisst, ich bin nicht unzufrieden mit dem, was war. Und das heisst, dass ich vielleicht heute wegen etwas scheisse drauf bin, mich aber in vier Jahren nur noch an die guten Momente erinnere, oder zumindest an die, die es wert sind. Eine Ansammlung an Dingen, in denen die guten überwiegen und die schlechten vergessen lassen. Ein Freifahrtsschein zum Scheisse bauen.

Dieses Handy schickt mich echt auf Drogen. Jeder bräuchte mal in seinem Leben ein kleines und unbedeutendes Nokia, dass für einen Moment den Boden komplett wegzieht, einem ‘ne dicke Tüte in die Hand drückt (mit VORgebauten Blunts… VORGEBAUT!), einen falschen Ausweis in die Hosentasche steckt und Schule schwänzen lässt.

Tütütüt-tütüt, tütütüt.

*im Halbschlaf schön das Aufladekabel falschherum in das Handy gesteckt. Nachdem ich merkte, dass das Teil nicht richtig reinpasst, hab ich es einfach mit Anlauf bis zum Anschlag reingeballert. Das Kabel ist ganz, das Telefon ist quasi völlig traumatisiert nach diesem Angriff.

**Besonders Coole Leute


Berlin Calling

Posted: May 18th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Lärmforschung, Metropolis, Weltkulturerbe | 4 Comments »

Gestern habe ich mir, als ungefähr letzter Mensch auf diesem Planeten, auch endlich mal Berlin Calling angesehen. Nachdem ich ja schon seit Monaten den (überaus) großartigen Soundtrack besitze und Paul Kalkbrenner schon live erlebt habe, kam die Gelegenheit per Instant Messenger und einem Wochenende in Langweile zu Hause.

Um es kurz und knackig zu machen: So genau verstehe ich den Hype nicht. Lernt man einen Cineasten, Druffie oder einfach nur Berliner kennen, alle sind sich einig, dass dieser Film eine gewisse Bedeutung für die Berliner Techno-Subkultur trägt. Ich vermute dahinter allerdings blinde Loyalität zu einer sehr gerne gesehenen und vor allem auch erlebten Bewegung. Egal ob in den Clubs, auf den diversen Freiluft-Raves oder in der U-Bahn. Die Kids wollen Techno, auch wenn ich mich manchmal frage, ob sie es wollen, um eine Rechtfertigung für chemische Zusatzstoffe zu haben oder ob diese tatsächlich nur ein Mittel zum Zweck sind. Die Grenzen verschwimmen da sehr häufig.

Und so ging es mir auch mit diesem Film. Zugegeben, er war mir nicht unsympathisch, was wohl an der beruhigenden Deutsch-Film-Dramatik liegt, die nicht versucht, etwas aufzubauschen, das es nicht gibt (wie es etwa die amerikanischen Dramen gerne tun). Nein, die Geschichte war eigentlich recht langweilig, unspektakulär und vor allem: nichtsaussagend. Oder?

Noch mal von vorne: DJ Ickarus schiebt sich ein paar böse Teile in der Produktionszeit seines neuen Albums. Man sieht ihn in der Klapse auf einem Egotrip, er versaut sich seine Freundin, sein Label, sein Leben. Nach der Intervention seiner Familie und Freunde (die im Film recht kurz, bündig und selbstverständlich abläuft) geht es aber wieder bergauf, er stellt sein Album fertig und rockt alle weg. Und wenn ich das jetzt so trocken erzähle, dann nicht, weil ich zu einem Punkt kommen will, sondern weil der Film tatsächlich genau so gerade erzählt wurde. Drei Sätze. Das war es eigentlich auch schon.

Der Film überzeugt in seiner Schönheit, aus seiner Perspektive; ein Film, der auch ein großes Bild sein könnte. Auch wenn der Unterhaltungsgrad bei Berlin Calling nicht wirklich existent war, geben die Bilder vielleicht ein bisschen das Spiegelbild einer hedonistisch-ausgelassenen Kultur wider, welches sogar recht akkurat ist. Welche Stadt könnte da am ehesten als Sammelbecken für etwas so großes/gefährliches dienen?

Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte- man hätte auch beim Soundtrack bleiben können. Paul Kalkbrenner tanzt morgens wie in Trance zu Sky & Sand. Diese Szene alleine kompensiert die Schlichtheit des Filmes und ergreift mit einer Sehnsucht das Herz jedes Nachtmenschen, der sich für den Moment fallen lassen kann. Deshalb lege ich Berlin Calling denjenigen ans Herz, die beim Feiern mal ganz kurz die Luft anhalten sollten, bevor der Beat wieder losgeht.


Komasaufen

Posted: May 15th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 2 Comments »

Woah. Fünf Stunden völlig verkomert Auto fahren ohne jegliches Zeitgefühl und mit komplett verbappten Augen. Fünf Stunden später finde ich mich im alten, irgendwie kleinwirkenden und vor allem spießigen Frankfurt wieder.

Ich freue mich wie Katz und Maus, dass ich meine Mama sehen darf. Und vor allem dass meine Mama kocht, was großartig ist. Großartig, hört ihr! Und weil mir jetzt nichts anderes einfällt außer “Das hätte ich auch twittern können”, verabschiede ich mich in die Dusche und dann ins Bett und dann zum Saufen.


Brauseparty

Posted: May 13th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll, Weltkulturerbe | 6 Comments »

Ich bin süchtig.

Wer mich kennt, weiß ja, dass ich absolut markenresistent und völlig nach Bedarf einkaufe (ahem). Deshalb kommen solche Momente, in denen ich mich einem Konsumgegenstand vollständig und lückenlos hingebe, eher selten vor (ahem).

Wenn ich allerdings so weit bin, bringt mich nichts mehr von meiner Abhängigkeit runter. So ist das. Deshalb werde ich auch niemals Heroin spritzen, so naiv war ich schon einmal (beim Nikotin. Zugegeben, die Nach- und Vorteile der jeweiligen Drogen dürften riesige Unterschied aufzeigen, auf das Wesentliche beschränkt handelt es sich aber dann doch wieder um das Gleiche).

Und nun hat es mich wieder gepackt. Nie durfte meine Zunge etwas wohlschmeckenderes erspüren, nie hat es so geprickelt in meine Mundraum. Das Design der Verpackung, die ansprechenden Sommerfarben, der schlichte Duft der Chemie, der aus der Flasche tritt…

Ein Gaumenfick, ohne Zweifel, dieses Fritz-Limo Melonenbrause. MELONENBRAUSE! Allein dieser bodenständige Name,  der durch seine realitätstreue Aussage zu überzeugen weiß. Grün! Woher wussten die, dass ich auf grün stehe! Aufgewachsen mit Cornflakes, Snickers und Coca-Cola, DIE WUSSTEN DOCH DASS ICH AUF KÜNSTLICHE GESCHMACKSRICHTUNGEN ABFAHRE!

Tatsächlich: Ein Verbrechen an meiner Selbstbestimmung, ist das. Und damit verbleibe ich, bis ich das nächste Mal die Zeit finde, etwas mehr von meinen alltäglichen Aktivitäten schriftlich niederzulegen.

large Brauseparty

PS: Das Foto ändert sich bei jedem neuen Dailybooth Shot. Ich überlege, ob ich das in meinen Blog implementieren soll, aber da ich sowieso maximal alle vier Monate ein Bild machen werde, erübrigt sich das vielleicht.

Update: Beck’s macht jetzt Schleichwerbung, nämlich auf anderen Flaschen. Wie zum Beispiel Fritz-Limo Melonenbrause. Ich trink jetzt auch keinen Kaffee mehr weil ich vom ganzen Zucker hyperaktiv werde. Yeeha Cowboy!


1xBerg

Posted: April 28th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 4 Comments »

Das hier ist so gut, dass ich mich kaum zurückhalten kann: Die CDU plant einen Infostand in Kreuzberg zu errichten. 

Am 1. Mai.

Was erwarten die eigentlich? Wollen die die brennenden Autos ausquatschen oder was? Andererseits gibt’s dann einige stockkonservative Dummschwätzer weniger in der Welt. Ich für meine Person werde jedenfalls auch in Kreuzberg sein, unparteiische Fotos schießen (wobei ich ja durchaus Lust habe, auch was zu schmeissen). 

Ich freue mich schon drauf, allerdings zum größten Teil nur, weil ich von Freitag bis Sonntag frei habe. Randale, ohohoho.


We Are Haunted

Posted: April 27th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Lärmforschung | 3 Comments »

Nur ein kurzer Drop, weil ich dieses Schmuckstück hier niemandem verheimlichen kann. Meiner Meinung nach eines der besten Aggregators, die das Web 2.0 mit sich gebracht hat: Das neue und innovative We Are Hunted.

Auf We Are Haunted findet man die Musik Charts des Web 2.0. Blogs, Twitter und weitere Kommunikationsplattformen werden genutzt, um die Mentions der Tracks und Artists zu sammeln um sie dann – quasi in Echtzeit – zu den genialsten Charts zusammen zu stellen, die man sich so vorstellen kann.

Großartig, großartig, großartig. Damit auch eine neue Kategorie auf dem Blog (wohl im Wesentlichen nur, um alte Beiträge zuordnen zu können): Lärmforschung, gewidmet der inspierenden und heilenden Kraft der Musik. Word!

Update: Fixed Link- nicht “we are haunted” (wir werden heimgesucht oder sowas), sondern “we are hunted” (wir werden gejagt).. tada.. danke Schwarzmaler!


Sommerschein

Posted: April 15th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Metropolis, Sperrmüll | 7 Comments »

Unglaublich, was die Sonne für ein Remmidemmi verursachen kann. Man traute sich ja gar nicht, in T-Shirt rauszugehen, weil man nicht glauben wollte, dass es wirklich und wahrhaftig warm ist.

“Watt”, schreien die empörten Hardcore-Winter-Fans, “gestern hat’s doch noch gefrostet!” – Oh ja. Und während sich die anständigen Menschen zögerlich ihrer Kleidung entledigen (die fetten Menschen hingegen direkt im Bikini einen Schatten auf das restliche Fußballfeld werfen), saß ich grimmig in meinem Zimmer und habe auf das Thermometer gestarrt.

Aber schön wär’s gewesen.


Young Modern Life

Posted: April 8th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Metropolis, Weltkulturerbe | 5 Comments »

So, Musik zum Auf-der-Wiese chillaxen (das beste Wort, das BastiH je erfunden hat). Übrigens hab ich das Video jetzt doch wieder mit dem Movie Maker gemacht, weil ich mich in die anderen Programme (danke für die Empfehlungen!) noch einlesen muss. Außerdem ist es langweilig, aber die Musik ist da, also whatever.


SongTube

Posted: April 6th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 9 Comments »

Wie kann man es schaffen, auf so unkomplizierte Weise wie möglich, einen Song bei YouTube als Video hochzuladen?

Es gibt so unendlich viele MP3s, die es wert wären, auch mal von Leuten mit gutem Geschmack gefunden zu werden, aber das geht nicht, weil sich natürlich keiner darum bemüht. Jedenfalls würde ich das gerne machen, aber bevor ich jemals wieder Windows Movie Maker anrühren muss setz ich mir lieber direkt den goldenen Schuss, das macht mehr Spaß, ist halb so frustrierend und führt zum selben Ergebnis.

Also wenn irgendwer Vorschläge hat oder seine Zeit gerne damit verbringt, bizarre Songs in Videos zu verwandeln, dem ich diese Aufgabe aufdrücken kann- Ansage jetzt.

Übrigens, was ist eigentlich das Gildefest in Wildeshausen? Muss man das kennen? Wieso ist es da? Warum erklärt mir keiner diese fundamentalen Dinge des Lebens?


Nahverkehr

Posted: March 17th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Metropolis | 6 Comments »

Es gibt viele Dinge an der Berliner U-Bahn, die mich zur Weißglut bringen. Es fängt an mit den Umbauarbeiten, die anscheinend willkürlich von Linie zu Linie wechseln. Manchmal dauern die Arbeiten sechs Monate, manchmal gefühlte zweihundert Jahre.

U-Bahn fahren in Berlin kann übrigens durchaus lebensgefährlich sein. Wer den Nahverkehr im zivilisierten Westen gewohnt ist riskiert nämlich nichts wenn er mal hektisch in die Bahn springt; Türen gehen ja notfalls wieder auf. In Berlin sollte man solch waghalsige Stunts nicht unbedingt nachahmen, da sie meistens dafür sorgen, dass man mit einem Facepalm in die volle U-Bahn kracht, weil man mit dem Hosenzipfel in der Tür hängt- die überraschenderweise nicht wieder aufgegangen ist. Schließlich kriegt man noch einen Pöbel vom Fahrer, der die Türen mühevoll wieder aufmachen musste. Mindestens 20 Sekunden Verspätung, aber mehr Entertainment als das Berliner Fenster.

Das gute an Berliner Nahverkehr ist jedoch, das eigentlich immer irgendwas fährt. Rikscha, Opel Astra und hirnrissige Fahrradfahrer inklusive. Trotz regelmäßiger Fahrten im drei-Minuten-Takt schaff ich es trotzdem nie rechtzeitig in die U-Bahn, was zum größten Teil an den Schlaftabletten liegt, die die schmalen Treppen einfach versperren.

VERSPERREN. Die SCHLENDERN ja die Stufen runter! Im wahrscheinlichsten Fall handelt es sich um kaffeeschlürfende Businessmenschen, die noch ihr Blackberry in den Krallen balancieren. Will man überholen, kriecht einem ein Rentnerehepaar entgegen, das zu guter letzt noch eine Stadtkarte inspiziert.  Bahn verpasst.

Morgens will ich eigentlich nur vor mich hinvegetieren, bis ich um die Mittagszeit herum endlich aufwache. Kontraproduktiv sind da die ewigen gleichen Bahnmusikanten. Ja, es hört sich super schön und ermunternd an, deine Klarinette und das Akkordeon in Harmonie- IN DER HÖLLE VIELLEICHT. Ich würd denen sogar einen Fuffi in die Hand drücken, wenn ich wüsste, dass die sich dann eine andere Uhrzeit und eine andere Bahn suchen würden, aber nein, pünktlich wie immer stehen die um halb neun morgens an der Bahn, während ich verzweifelt das Abteil suche, wo sie nicht reingehen werden, um genau da rein zu gehen, wo das nächste Amateurorchester nach Kleingeld jammert.

Heute gab es ein besonderes Spektakel, als eine alte Dame, die wohl in der Kreidezeit schon ungefähr 60 Jahre alt war, mit einem Tempo von -10 km/h herum lief und unverständliche Sachen nuschelte. Sie erinnerte mich mit ihrem Kopftuch und dem Stock an eine böse Hexe aus dem Märchen. Die fehlenden Zähne trugen ihren Teil besonders dazu bei. Ich dachte erst, das sie Geld sammelte für den Automat- wie ungefähr alle anderen Anwesenden, die sie mit missachtenden Blicken straften – bis ich endlich raffte, dass sie eigentlich nur jemanden bitten wollte, für sie eine Karte zu ziehen. Ich schämte mich ein bisschen, weil ich sie genauso strafend angeblickt hatte. Richtig verstanden hatte ich die Situation nämlich erst, als jemand anderes ihr behilflich wurde.

Aber das ist dann halt Berlin, und was in der U-Bahn passiert, bleibt in der U-Bahn.