Posted: January 19th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Mann/Frau | 8 Comments »
Vielleicht liegt es daran, dass ich zwei Brüder habe. Oder dass meine Eltern wesentliche Fehler in meiner Erziehung gemacht haben, wer weiß. Am Ende zählt nur eins: Ich bin im Herzen ein Mann.
Ja, es hat lange gedauert, bis ich endlich an den Punkt kam, wo ich jetzt bin. Sehr lange. Aber man wird ja langsam erwachsen und geht daher mehr auf das andere Geschlecht ein. Übrigens das logischere Geschlecht.
Wie oft musste ich mir die ewig gleichen Situationen zuführen- wie Männer unter den Erwartungen ihrer Frauen, Mütter, Schwestern und Tanten leiden mussten! FRAUEN DIESER WELT! Wenn man im Urlaub ist, und vier Tage Zeit hat, um zu entspannen, sollte man sich nicht stundenlang darum kümmern, den Kofferinhalt wohlbedacht in den Schrank zu räumen! Wenn man es doch tut, dann tut man es für sich, und zwingt nicht den (männlichen) Begleiter, es auch zu tun! Es nennt sich nicht umsonst Urlaub.
Männer können lange andiskutieren, verlieren letztendlich aber doch- nicht, weil sie nicht mehr können, sondern weil ihre Argumente keine Angriffsfläche haben. Um also den letzten Funken Entspannung zu wahren, gehen sie auf die schwachsinnigen Forderungen ein, setzen aber ihre testosteronhaltige Signatur drunter: Die Klamotten waren immer noch im Koffer. Aber der war jetzt im Schrank.
Aber das sind nur Lappalien, die man als Frau belächeln kann. Die wirklich nervenzerfetzenden Logikdefizite liegen in anderen Bereichen. Zum Beispiel bei Sexpannen. Wenn einer Frau etwas “gesellschaftlich unangebrachtes” zwischen den Laken passiert, ist es für sie das schrecklichste, dass jemals passiert ist. Die Situation war nie peinlich- man hätte sie bedenkenlos übergehen können. Das Gekreische und die Tränen hingegen können schon für einen Abbruch des Aktes sorgen. Männer hingegen- Männer wissen, dass solche Situationen erst peinlich werden, wenn man sie nicht sorgfältig überspielt. Wenn ein Mann nach einer langen Zeit der Abstinenz endlich wieder zum Zug kommt, ist die Gefahr eines zu frühen Endes relativ hoch. Der Mann kennt die Lösung: Unbemerkt die Ladung an der Bettkante abschmieren, so tun als wäre nichts passiert, drei Minuten weitermachen, ruckartig aufstehen, sich verabschieden und nie wieder darüber sinnieren. Gut, die Dame, die mitgespielt hatte, weiß natürlich nicht, worum es ging- aber peinlich war es schließlich niemandem.
Das mit dem Fußball ist natürlich auch so eine Sache. Frauen können einfach nicht verstehen, dass ein Mann in seiner Natur nur für seine Triebe lebt. Er muss jeden Tag mit der Wahrheit leben, dass er ein Sklave der Frau ist, und dass er über die Jahrhunderte hinweg domestiziert wurde. Wenn er dann etwas findet, dass ihn wieder an seine ursprünglichen Instinkte erinnert, möchte er nicht davon getrennt werden. Hier kommt der Fußball ins Spiel, das Symbol der Männlichkeit: Die Jagd in abgeschwächter Form, das Spiel, der Schweiß, manchmal die Homosexualität und vor allem die Kameradschaft. Der erfolgreiche Jäger ernährt die Familie, kriegt also mehr Frauen. Wer kein erfolgreicher Jäger ist, der feuert den erfolgreichen an, um von seinem Ruhm etwas abzuhaben. Deshalb gucken Männer Samstags die Sportschau und gröhlen in Stadien wie die Bestien: Sie SIND Bestien. Eine Frau kann einen Mann nicht von seiner Natur befreien, und damit muss sie im Laufe ihres Lebens klarkommen.
So könnte es Ewigkeiten weitergehen- dass der Bierkasten eben mehr ist als nur ein Bierkasten, sondern ein Zeichen der Gastfreundschaft bei Fußballspielen; dass Ordnung für einen Single Mann bedeutet, dass er sich an seine Mutter erinnert, die eine Frau ist, und dass er sich eigentlich nicht an Frauen erinnern möchte, weil er Single ist und nicht zum Schuss kommt, und deshalb lieber unordentlich lebt; dass eine ausgewogene Ernährung aus Pizza, Döner, Burger und Aufbackbrötchen mehr Geld und Zeit für Spielekonsolen oder lange Nächte lässt.
Aber ich breche an dieser Stelle ab, um mir selbst auf die Schulter zu klopfen, weil ich all diese Dinge für mich erkannt habe, und verleihe mir hiermit den “Mann Im Herz Ehrenaward”, der übrigens nur einmal im Leben vergeben wird, nämlich an mich.
Posted: December 11th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 8 Comments »
Es ist mal wieder so weit, eine legendäre Kurzschluss Ausgabe ist am Start und die legendäre Franzi S., auch bekannt für ihren Super-Blog “Patsy Jones” (den es seit irgendwann nicht mehr gibt; ist euch aufgefallen, dass genau um die Zeit herum die Finanzkrise anfing, diverse Kriege gestartet wurden und die Welt generell nicht mehr schön ist?), hat einen Beitrag dazu verfasst. Mir gebührt die Ehre, diesen Beitrag hier zu präsentieren. Lasst uns nun beten dass Franzi bald wieder ihre eigene Plattform dafür hat und diese Erde wieder einen Grund zum Leben findet.
—Die heutige und bislang 4.Ausgabe von Kurzschluss behandelt das Thema Befreiung. Im folgenden Text steckt Wahrheit. Weitere Beiträge dieser Ausgabe findet ihr bei Bea, Cassiopeia (Gastbeitrag auf dem Neubaublog), Anna Licht und Patsy Jones (Gastbeitrag bei saripari’s septemberRave).—
Befreiung
„Weist du was das Tückische ist?“ Sie nahm einen Schluck aus ihrem Becher. Er war mit Wasser gefüllt. Er wunderte sich dass sie Wasser trank. Oder nein, vielleicht wunderte es ihn doch nicht.
“Was?“
“Solange du es versuchst, schaffst du es nicht. Es ist eine der wenigen Dinge im Leben die niemals gelingen, solange du es versuchst.“
Durch das milchige Glas der Tür erlebte er die Party ohne wirklich dabei zu sein. Er verlagerte sein Gewicht vom einen Bein aufs andere, es war ungemütlich auf der alten Holztreppe.
“Ich finde, man sollte es immer versuchen. Du kannst doch nicht ernsthaft glauben, dass Dinge sich automatisch regeln oder dass du wie von selbst zu einer anderen Person wirst.“
“Warum denn nicht?“ Sie schaute zu ihm hoch, während der Zeigefinger ihrer rechten Hand am Becherrand herumfummelte.
Er zuckte die Schultern. Was sollte er darauf jetzt sagen?
“Ich hab es so oft versucht.“ Sie schaute in die Ferne, als schien zwischen ihr und dem was da draußen war nichts zu sein, auch nicht die hohe, kalte Mauer, die sie mit ihren Augen beiseite zu schieben schien. „Alles was ich geschafft habe ist, dass ich wie angewurzelt stehen geblieben bin. Und wenn die Leute mir gesagt haben ´Trink ein Bier, dann wirst du lockerer´, dann hab ich innerlich genickt und gedacht wie Recht sie doch haben.“ Er schaute sie schweigend an. Ihr wortloser Blick, der hundertmal in einer Sekunde seine Aussage änderte – Sie hatte keine Ahnung wie sehr dieser Blick ihm gefiel.
Dann sah sie hoch, ihm direkt in die Augen und es erschreckte ihn, weil es nicht oft vorkam. Wenn er ehrlich war, lebte sie nur für sich. Für sich und die anderen sich´s drumherum, die ihr ähnlich waren. Oder es war eine falsche Annahme ähnlich all der anderen falschen Annahmen, die die Leute oft zu treffen schienen. „Ich seh es als Test mittlerweile.“ Sie lächelte. „Ich seh es als Test und wenn man es irgendwann schafft, nur noch sporadisch drüber nachzudenken… ich mein, über das was sie mir manchmal sagen – dann habe ich den Test bestanden. Und ich bin besser geworden.“
“Deine Selbstreflexion ist kein Nachteil.“
“Aber auch kein Vorteil. Weist du was beschissen ist? Man hat immer den verdammten Drang danach eine bestimmte Richtung einschlagen zu müssen. Wenn sie dir sagen, sei witzig, bist du witzig. Wenn sie dir sagen, hab Spaß, dann hast du Spaß. Wenn sie dir sagen, sei locker, dann bist du locker. Aber in jedem anderen Moment bist du witziger und lockerer und hast mehr Spaß als in diesem einen Moment. Du verarscht dich selbst, dein Leben lang.“
Wie Recht sie hatte, zumindest manchmal.
Er wollte irgendwas sagen, auch wenn er nicht so genau wusste, was seine Meinung war und ob es überhaupt nötig war eine Meinung über etwas zu haben was man ohnehin nicht aus der Welt schaffen konnte. Er hatte nur sein Leben lang daran geglaubt, dass man es versuchen muss. Versuchen, es den Leuten zumindest teilweise recht zu machen, ihnen irgendwie entgegen zu kommen. Es war einfach richtig. Er wollte nicht dazu gehören, nicht immer, nicht unbedingt. Aber es war richtig es so zu machen.
Sie dachte anders. Aus einer Mischung aus Bequemlichkeit, Resignation und Erfahrung dachte sie anders.
Dann lachte sie. Ein leises Lachen. Lachte sie sich selbst aus? Lachte sie die anderen aus?
„Ich schaffe es ungefähr drei oder vier Minuten lang so zu sein wie andere mich haben wollen.“, sagte sie leise. Entweder klang es traurig oder zynisch. „Und diese drei oder vier Minuten rauben einem eine Menge Kraft. In dem Moment wo du etwas anderes darstellen willst, brauchst du Energie. Künstliche Energie. Die du nicht hast. Nennen wir es mal so.“ Sie nahm einen Schluck von dem Wasser, dass sie sich zuvor aus dem Kran in der Küche in den Plastikbecher gefüllt hatte. Mittlerweile musste sie wieder nüchtern sein.
Da fiel ihm ein dass sie gar nicht besoffen gewesen war. Sie war es oft nicht. Aber die anderen waren es bestimmt mittlerweile.
Sie zog ein Gesicht als würde sie gleich irgendetwas weltbewegendes sagen. Manchmal erkannte er an ihrem Gesicht, dass es ihr peinlich war, wenn sie mal irgendetwas sagte, was zumindest in diese Richtung ging.
„Das Geheimnis des Lebens ist nicht, dass man ihm einen Sinn gibt. Das sagen sie immer alle. Mit dreizehn hab ich das auch gesagt. Ein Buch wollte ich schreiben und den Sinn des Lebens finden. Ich glaube den einzigen Schritt, den man im Leben zu gehen hat, ist der, dass man sich von anderen befreien muss. Von ihren Ansprüchen. Und es sind noch nichtmal richtige Ansprüche. Es ist manchmal nur so dahergesagt. Es ist die Gesellschaft… weist du. Es kotzt mich an. Aber sie meinen´s nicht böse.“
“Ich respektiere das, auch wenn ich selbst einer von ihnen bin.“ Sie nickte und murmelte etwas das er nicht verstand. „Glaub nicht, dass du weniger wert bist.“
“Nein, schon gut.“ Sie hatte den Kopf gesenkt. Er wusste nicht ob sie müde war oder weinte oder ihn nur einfach so gesenkt hatte. Manchmal hielt sie ihn einfach nur so gesenkt. Demütig und schüchtern. Eine Unsichtbare zwischen vielen Nichtvorhandenen.
“Jedenfalls ist es das.“, murmelte sie. „Und je älter ich werde desto besser ist mein Testergebnis. Und auch meine Meinung über die Leute. Eine Befreiung ist es nicht nur, auf die Ansprüche der anderen manchmal nicht mehr einzugehen. Es ist auch eine Befreiung, eine Hälfte der Schuld auf sich zu nehmen in allem was falsch läuft. Egal ob das gerecht ist oder nicht. Scheißegal.“ Zum zweiten Mal an diesem Abend ging ihr Blick durch die Wand hindurch. „Und ich gönne mir das, weist du? Ich gönne mir das, auf die dummen Wünsche und Ansprüche und die gesellschaftlichen Zwänge meiner Mitmenschen, meiner FREUNDE und meiner Familie nicht eingehen zu müssen aber ihnen gleichzeitig die Hälfte der Schuld abnehmen zu können. Man muss…“ Sie überlegte kurz. „Man muss ein Arschloch sein um ihnen an anderer Stelle wieder die Hände reichen zu können. Zumindest versuche ich das.“
Sie lächelte wieder. Dann stand sie auf und ging langsam die Treppe runter in Richtung Tür. Durch das milchige Glas der Tür erlebten sie die Party ohne wirklich dabei zu sein.
Ihr findet den Rest der glorreichen Kurzschlussbeitrage bei Herrn Hpunkt, besser bekannt als BastiH, dem Genie hinter diesem Projekt. Viel Spaß!
Posted: November 8th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 13 Comments »
Meine Matratze wird mich umbringen.
Ich habe mir endlich eine Matratze für mein Hochbett gekauft. Eine, die nicht seit 20 Jahren von irgendwelchen saufenden, rauchenden und rumhurenden Studenten durchgelegen ist. Eine, die das Geld lohnt- nicht irgendein Schaumstoffmatratzending ohne Durchhaltevermögen.
Eine, die nach eigener Einschätzung meinerseits ungefähr sechs Mal höher ist als die, die vorher da lag.
Und obwohl mich dieses Ding viel Kraft gekostet hat (es war ja klar, dass JEDE zur Auswahl gestandene Matratze bei Ikea im SB-Bereich ZUSAMMENGEROLLT zur Verfügung gestanden hätte, nur dieses Monster von 140 Breite und 200 Länge stand da wie Gott sie schuf und wartete darauf, in einen Ford Escort geknetet zu werden), und ich auf den Treppenstufen bis in den 4. Stock fast einen Herzkreislaufkollaps erleidet hätte, musste ich fast kapitulieren, als ich es endlich, endlich auf mein 2 Meter hohes Bett hochgewuchtet habe.
Sie überragt mein Geländer.
Bitte lasst euch das jetzt mal durch den Kopf gehen.
SIE ÜBERRAGT MEIN FUCKING GELÄNDER.
Nicht, dass mein Geländer jemals tauglich gewesen wäre, das nicht, nein. Dieser do-it-yourself-Ast von einer kranken Basilikumpflanze diente eher symbolisch als Grenze, aber es war zumindest eine. So. Und jetzt muss ich mich ab sofort entweder jede Nacht an die Wand tapen, oder ich muss befürchten, irgendwann runterzukrachen. Zwei Meter tief, harte Dielen, ihr wisst bescheid.
Höchstwahrscheinlich dann Genick- und Schädelbasisbruch, da mein Schreibtisch im perfekten Winkel unter dem Bett steht. Immerhin würde es schnell gehen. Bei dieser Überlegung fällt mir ein, dass ich ja auch endlich wieder gut schlafen kann und nicht jeden morgen vor Schmerzen und völlig gerädert aufwachen werde, wenn ich überhaupt je wieder aufwache, das heisst aber auch, dass ich gar nicht realisieren werde, dass ich runterfliege, weil ich so einen komatösen Schlafzustand einnehmen werde, was ja auch ganz praktisch sein kann. So ein schneller Tod, ne.
Und denkt nur an die Promillezahlen.
Posted: October 29th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Weltkulturerbe | 11 Comments »
Man merkt tatsächlich erst wie klein man ist, wenn man den Bezug zu dem Großen aufgebaut hat. Riesen Hörsääle für 600 Leute, und da sitzt man zwischen vielen anderen anonymen Gesichtern. S-Bahn, U-Bahn- einer steigt ein, einer steigt aus, und alle tragen dieselbe situationsbedingte Maske, die unverkennbar: NICHTS! schreit.
Da merkt man, wie sehr man sich verschätzt hat in seiner eigenen Selbstkentniss- dass man doch nicht so offen und flexibel und zugänglich ist, wie man immer dachte, weil man sich erschreckt, wenn man auf offener Straße angesprochen wird. Weil man an einer so großen Institution wie der Universität nur drei Leute kennt, und langsam keine Ausreden mehr einfallen, wie man mehr ansprechen könnte.
So läuft das. Auf einmal ist das Ego ganz klein und man fährt alleine nach Hause und scheut sich, lachend und tanzend herumzuspringen, so wie man es normalerweise cool finden würde, weil man keinen Namen hat, der das rechtfertigen könnte. Man muss jetzt langsam selbst anfangen, sein Haus zu bauen, ein großes Reklameschild dranhängen, und nicht nur mit dem Geburtsstempel der Heimatstadt gesegnet sein.
Das ist Bürde, aber mehr als das ist es Freiheit- denn man wächst. Man wächst mit jedem Wort, dass man an Fremde richtet, und man lernt sich selbst kennen. Fängt an, Menschen zu dutzen, weil man das hier eben so tut, auch wenn die Etikette einem anderes sagt. Man macht sich locker, auch wenn man für “Zu Hause”-Verhältnisse eben verdammt locker war, und noch lockerer ist nur ein Haufen Schnee auf einer Erdnuss.
Die Nachbarn kennen lernen- spätestens, wenn sie das Paket nach einer Woche immer noch nicht abgegeben haben. Den Chinamann untem am Haus testen, auch wenn er extrem unfreundlich sein soll. Den Typen am Kiosk grüßen, wo man jeden Tag seine Kippen kauft. Schritt für Schritt, langsam, aber irgendwann kommt man da hin. Und dann gehört die Welt mir.
Posted: October 4th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Weltkulturerbe | 8 Comments »
Ich habe lange überlegt, warum ich eigentlich nach Berlin wollte. Gestern sind mir diese Gründe alle auf einmal wieder eingefallen- und das, nachdem ich schon in Panik und Verzweiflung wochenlang glaubte, dass ich die falsche Entscheidung getroffen hätte.
Das erste Mal, als ich Berlin besuchte, war ich 14 Jahre alt und mit meiner Mutter zu einem ihrer Religions-Seminare unterwegs. Da sie den ganzen Tag beschäftigt war, konnte ich mich in irgendwelche Busse oder U-Bahnen setzen und durch die Stadt düsen. Ich hatte damals erst ganz frisch noch einen Film über Hitler, den zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit gesehen, irgendein grottenschlechter Spielfilm. Aber dennoch blieben die Bilder im Kopf- und als ich in Berlin war, spürte ich genau, was dieser Film versucht hatte zu sagen.
Berlin ist eine historische Stadt- aber so frisch die Wunden und Narben, dass man die Geister der Vergangenheit an jeder Ecke spürt. Reichstag, Siegessäule, Brandenburger Tor- das sind zwar nicht unbedingt die Orte, an denen ich mich jetzt aufhalte, aber es sind die Stellen, die einen immer wieder faszinieren, daran erinnern, was passierte. Das Grundgesetz ist auf jedem wichtigen Gebäude abgedruckt oder erwähnt, die anti-faschistische Szene in Demos so präsent, dass man kaum weggucken könnte. Selbst wenn man es wollte.
Es hat mich erschlagen, aber nicht negativ. Nach der ganzen Tourirunde fühlte ich mich auf einmal belebt, wenn teilweise auch depressiv und vom Weltschmerz überkommen. Aber es war gut- denn Berlin zeigt dir nicht, wo die Moderne liegt, nicht irgendeine außergewöhnliche Schönheit, sondern klipp und klar das, was eine europäische Großstadt einfach ist- dreckig, laut, und voller Geschichte. Das packt mich, das fesselt mich.
Aber so einen Strebergrund brauch noch nicht mal ich, um Berlin gut zu finden. Natürlich gibt’s ranzige, unsympathische Orte und Seiten- aber größenteils ist diese Stadt einfach der Inbegriff von Freiheit und Ausbruch aus schrecklichen Systemen, jedenfalls für mich. Da gibt’s noch eine gewisse Undergroundszene an Kunst und Musik, an Gruppierungen und Lokalitäten, die ich entdecken möchte. Klar gibt’s das auch in Frankfurt- aber nicht in diesen Ausmaßen. Im Übrigen ist Frankfurt auch viel schöner und hat einen klareren Großstadtflair, wohl wegen der Skyline. Auch das Mainufer ist gepflegter. Nur ist es niemals so entspannt und doch gereizt und gefährlich.
Es gibt noch viele andere Gründe dafür, warum ich hier bin. Die sind allerdings nicht mal im Ansatz nachvollziehbar, muss auch nicht sein. Mir geht’s grad gut, und ich hoffe nur, dass es für eine Weile auch so bleibt.
Posted: September 28th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 11 Comments »
Ich werde mich einmal wieder dazu erdreisten, über etwas zu schreiben, wovon ich keine Ahnung habe. Das macht mich höchstwahrscheinlich zu einer ignoranten, voreingenommenen Person. Aber verdammt nochmal, ich steh auch auf Schoko-Bananen-Shampoo ausm DM für 1,70 €. Da werd ich ja wohl mal auch so tun dürfen als ich wäre ich genau diese Person, die man sich am Regal sabbernd dabei vorstellt, wie sie sich zu Hause mit einem so wohlriechenden Duft einschäumt.
Jedenfalls.
Die Lust zu reisen sollte kein kulturelles Muss sein. Keine gesellschaftliche Pflicht. Sich den Rucksack umzuschnallen sollte etwas von Neugier haben, von Unruhe, von Intensität, von Abenteuer, von Ungewissheit, von Lust, von Temperament, von Größenwahn und außerdem machen Rucksackreisen wohl nur Spaß, wenn man dabei Pearl Jam im Hintergrund hören kann. Als eigener Film, sozusagen.
Aber das ist gelogen. Bei solchen Reisen, in fremde Welten, durch den Dschungel, sollte es nicht mal Pearl Jam geben, die einen dabei begleiten, wenn der Penisfisch sich schmerzhaft einnistet. An dieser Stelle gibt es nur Gott, einen kleinen, armen Mann, der sein Pipi nicht mehr halten konnte und einen machtbesessenen Penisfisch, dem ich jeden Respekt zolle, denn ich weiß, dass dieser Fisch sicher auch ein Pendant für die Weiblichkeit hat, und– naja, ihr wisst schon.
Wo das jetzt ausgesprochen ist, kann ich euch auch genau erklären, was ich überhaupt nicht ausstehen kann. Das sind Leute (insbesondere Typen, bei Frauen ist das mehr oder weniger entschuldigt weil sie ab und zu ihre Tage kriegen und emotionale Kriesen in dramatischen Ausführungen durchstehen müssen, schwanger werden und diesbezüglich sowieso unfähig sind irgendetwas richtig zu machen) , die ein Jahr im Vorraus sich erstmal 4 Monate frei nehmen vom Job. Dann sitzen sie mit ihrem Weib oder der Affäre des Tages oder irgendeiner anderen fickbaren Muschi am Esstisch zu Hause und überlegen, ob nicht Thailand die richtige Wahl wäre! Weil Mama und Papa auch gerne pampern, muss man sich gar nicht zurückhalten bei den Ausgaben- hier ein Hotel, da ein Hotel, da die Führung, da dies, da jenes, und weil das Budget eigentlich unbegrenzt ist, kann man doch gleich noch drei, vier andere angrenzende Länder mit einbeziehen. All inclusive, versteht sich.
Da werden Reiseführer studiert (und zwar nicht nur einer oder zwei zum jeweiligen Land; nein, man kauft sich auf jeden Fall mal von jedem wichtigen und von einem unwichtigen Verlag drei oder vier Ausgaben, um auch alles abgedeckt zu haben); Erfahrungsberichte werden auswendig gelernt und den Freunden, die es noch interessiert, zum Sonntagsbrötchen aufgetischt. Wusstet ihr, dass es in Vietnam keine asphaltierten Straßen gibt? (Anmerkung: Ich hab keine Ahnung, ob das stimmt, es soll nur meinem Beispiel dienen.) Nein? Ich weiß alles darüber!
Man tastet sich langsam an die Kultur heran, indem man schon alle lokalen Restaurants in der Umgebung ausprobiert, um eine Ahnung davon zu kriegen, woran man sich gewöhnen muss. Man packt die ganz wichtigen Medikamente natürlich ganz oben rein, man weiß ja, dass es am Anfang schwierig wird. Schließlich kauft sich unser Freund noch den richtig teuren Rucksack, die teueren Trekking Klamotten, die teuren Schuhe, die mittel-teure Uhr und die mittel-teure Sonnenbrille (könnte ja geklaut werden), noch eine richtig teure Digitalkamera (SPIEGELREFLEX), manchmal macht man davor am besten noch einen Crash-Fotokurs, einfach gut, einfach strukturiert, völlig geplant.
Kotzen.
Ja, ich krieg das Kotzen. Und ja, ich weiß dass ich noch nie so eine Reise gemacht habe, aber verdammt noch mal, wisst ihr, was das für Leute sind, die ihr Leben so aufziehen? Das sind Leute, die Golf spielen (nicht, weil es Spaß macht, das soll’s ja auch angeblich geben, sondern weil man sich dadurch ganz leicht das Gefühl geben kann, ein bisschen in die besser verdienende, schöner aussehende Klasse gerutscht zu sein)! Das sind Leute, die nicht mal in einer deutschen Großstadt einen Stadtplan oder irgendwelche Sehenswürdigkeiten in Erwägung ziehen würden, weil es Deutschland ist. Das sind Leute, die eine Reise machen, um eine Reise gemacht zu haben- um am Ende der Familie und den Freunden die Dias auf den Tisch zu knallen und die lustigen Geschichten zu erzählen.
Aber was für eine Art von Erfahrung ist das? Das sind Typen, die nicht ohne ihre Muschi reisen können, denn alleine macht’s keinen Spaß. Das sind Leute, die sich das nicht erarbeitet haben, sondern sich so eine “dreckige” Reise als Statussymbol, als ein Prestige gönnen- wow, sie haben sich dazu erniedrigt, mit dem einfachen Volk durch den Sumpf zu stampfen.
Und wenn mir dann auch noch jemand ganz stolz was davon erzählt, nur um es zu erzählen (da liegt der Knackpunkt)- dann beeindruckt mich das nicht. Erfahrungen sind nicht für andere. Die sind für einen selbst. Und dieser Reisewahn, dieser verfluchte Mainstream, dieses “Into-The-Wild”-Phänomen– alle wollen Aussteiger sein, alle wollen sich gesellschaftlich abheben, aber sehen sie denn nicht die Ironie dahinter? Diesen großen Witz, dass es eben nicht darum geht, mal woanders gewesen zu sein, und eine andere Kultur beobachtet zu haben, sondern dass man sie erlebt? Wirklich fühlt, so gut es geht, und den Konflikten nicht aus dem Weg geht sondern etwas neues zu finden, dass einen selbst bereichert.. der Reiseführer, die Bustouren und die finanzielle Ungebundheit (über die ich mich gerade eigentlich gar nicht beschweren will- ich stells mir nur nicht wirklich spannend vor, wenn man sich aus allem rauskaufen kann) lenken einen vom Wesentlichen ab. Das ist nicht nur in fremden Ländern so- es ist auch so wie im ersten Teil von Harry Potter, als Hermine feststellen musste, dass sie nur durch das Bücher wälzen niemals lernen wird, wie man einen Besen fliegt. Man muss sich darauf einlassen. Man muss darin aufgehen.
Wenn man das weder in Bremen, Darmstadt, Wanne-Eickel noch irgendeiner anderen Puffstadt kann, dann wird das in Alaska, Südafrika oder Bolivien wohl auch nichts mehr. Vielleicht bin ich ungerecht, voreilig, abstempelnd- vielleicht haben diese Menschen, die diese Sache so angehen, das gleiche Recht auf eine Rucksacktour wie der verdreckte Typ der es sich hart und mit leidenschaft erarbeitet hat. Dennoch bin ich nicht überzeugt davon, dass es die gleiche Qualität hat. Nun gut, vielleicht braucht es der eine mehr als der andere- als Impuls und als Wegweiser.
Seht ihr, ich würde auch niemals einen belämmerten Club-Urlaub machen, oder nach Malotze an den Ballerman fahren um mal so richtig durchgetestet zu werden- oder an irgendeinen Strand in Ägypten mit All-Inclusive Paket für die ganze Familie, und das einzige, was man vom Land sieht ist die hässliche Wüste auf der Strecke Flughafen-Hotel. Es gibt aber Menschen, die machen das gerne, die wollen nicht mehr und nicht weniger und dagegen habe ich absolut nichts- jeder so, wie er es braucht. Aber diese verschissenen Lackaffen, die eigentlich genau in diesen Cluburlaub gehören, denken sich: Oh nein, oh nein! Cluburlaub ist was für die Mittelschicht (oder was weiß ich wie und ob das überhaupt rationalisiert wird)! Es ekelt mich an. Rucksackreisen für die Schickeria.. nicht ernst gemeint, nicht vom Herzen aus, sondern nur die Grundausbildung zum Posen..
Und deshalb können mich diese braungebrannten Gigolos in Polohemd und Tennisattitüde mal ganz dezent am Arsch lecken.
Posted: August 30th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 5 Comments »
Ich dachte ja immer, ich wäre ein süßes Kind gewesen. Als Baby mag das durchaus zugetroffen haben. Ich war ein süßes, wenn auch debiles, fettes und ein bisschen Chinesisch-aussehendes, FETTES Kind, das ständig gesabbert hat, nicht richtig krabbeln oder laufen konnte und sich die meiste Zeit ein komisches Plastiktelefon gegen den Kopf gehämmert hat. Das habe ich jedenfalls letztens entdecken können, als ich ca. dreitausend von Video auf DVD übertragene Kindheitserinnerungen fand. Ich dachte erst, es wären “versteckte” Pornos oder so, weil mir nicht bewusst war, dass sich irgendwer in der Familie mal die Mühe gemacht hat, irgendwas auf DVD zu übertragen. Aber ich lag falsch, und statt nackter Haut begegnete mir meine eigene kleine Wonneproppenfresse, minus Wonneproppen.
Schön und gut, als Baby, das kann man noch vertreten. Aber als ich das Video von 1993 fand – mein kleiner Bruder, das mit Abstand süßeste, goldigste, und hübscheste Baby auf der ganzen Welt, war schon ein Jahr alt – bin ich aufgesprungen, habe geschrien, war wütend, habe mich wieder hingesetzt, die Tränen fielen von meinen Wangen und ich musste mich für mich selbst schämen. Ich war nicht nur einfach hässlich, nein, ich war auch ein Arschlochkind. Ich war so eine kleine Nervensägescheisserarschlochmuschi! UND DAS SCHON MIT VIER JAHREN! Kein Wunder, dass ich so traumatisiert bin, wie ich bin. Und die Frisur erst. Ich hatte einen Lockenfokuhila, das möchte man sich mal vorstellen. U nd jetzt wundert mich auch nicht mehr, warum es eigentlich bis zu meinem 16. Lebensjahr kaum Fotos von mir gibt; entweder, meine Mutter hat sie in einem manischen Anfall der Verleugnung zerrissen, oder niemand konnte mich jemals überhaupt fotographieren, weil man vorher an seiner eigenen Kotze ersticken musste.
Yap, das ist sie, die ganze Wahrheit. Selbst auf den Videos, auf denen ich zu sehen bin, merkt man, dass man krampfhaft lieber die anderen Geschwister auf Kamera möchte. Und eigentlich hätte es mich kaum gewundert, wenn man mich ständig angeschrien hätte. Ich würd’s auch nachvollziehen, wenn die mich in nen Sack mit Welpen gepackt und ins Meer geworfen hätten, wirklich. So ein Kind kann man nicht tolerieren, man kann es nur umbringen, einsperren oder für immer so tun, als wäre man blind.
Wie meine Eltern das ausgehalten haben, ist bis heute fraglich. Ich muss sagen, ich habe mich durchaus weiterentwickelt. Entweder das, oder ich habe mich schon viel zu sehr an mich selbst gewöhnt. In diesem Falle müsste ich mich jetzt sofort selbst zerstören.
Die Frisur war echt grausam. Nicht mal die 80er oder 90er können das rechtfertigen. Ich bin für immer geschädigt. Und es wäre alles nicht halb so schlimm gewesen, wenn nicht mein kleiner Bruder im Kontrast einfach so ein kleiner Engel gewesen wäre (ich habe ihn übrigens als total hässliches Kind in Erinnerung), und wenn die mir nicht alle immer erzählt hätten, ich wäre das süßeste Kind der Welt gewesen. Unglaublich, was Lügen alles machen können.
Posted: August 16th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 7 Comments »
Dinge, die ich seit Ende der Schulzeit gelernt habe:
- Ich weiß nicht, worum es im Leben geht.
- Ich weiß nicht, womit ich später mein Geld verdienen möchte.
- Ich möchte am liebsten unsichtbar sein, wenn Menschen ihre Stimmen erheben.
- Zu viel Knoblauch schmeckt NICHT besser als zu wenig.
- Man braucht viele Papiere und Scheine, um eine Wohnung mieten zu dürfen.
- Bafög kann man auch nach einem Fachwechsel noch bekommen, aber die Chance dafür ist weitaus geringer.
- Ein FSJ kann man auch nach Ablauf der Frist noch beantragen.
- Ich hasse meinen Vater nicht, ich empfinde ihm gegenüber einfach überhaupt nichts.
- HipHop kann sehr deprimierend sein, wenn man weiß, worüber die aus dem Ghetto rappen
- Ich bin ziemlich naiv, wenn es leichter ist, als zu arbeiten
- Geld wächst auf Bäumen, man muss nur wissen, wo diese Bäume stehen.
- Alkohol kann durchaus das Leben verschönern, und wenn man das erstmal bemerkt, sollte man vielleicht die Flasche absetzen.
- Musik ist tödlich.
Posted: August 15th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 1 Comment »
Hach, schön waren die Zeiten (vor knapp 8 Wochen) als meine größte Sorge war, ob ich…
Posted: August 1st, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 9 Comments »
Ich bin immer wieder überrascht, wie leicht man sich selbst täuschen kann. Vor einiger Zeit habe ich einen jungen Mann kennengelernt (damit fängt alles an, und nein, ich bin nicht schwanger), an einer Studentenparty. Interessanterweise sind wir beide keine Studenten und hatten auch nichts miteinander zu tun. Ich weiß noch, wie ich, völlig betrunken, am Anfang des Abends in der Ecke stand mit zwei meiner Freundinnen, und ihn sah. Ich bekam einen Stoß in die Rippen und meine Freundin fing an davon zu kichern, dass dieser Typ total das Brett sei und unglaublich gut aussähe, und so weiter und so fort. Fand ich natürlich auch. Und nachdem wir dann genug aus der Ferne geglotzt hatten, drehten wir uns um und beschäftigten uns mit der Fleischwarentheke unserer Liga.
Und da haben wir es schon. Unsere Liga. Der Fehler jeder Frau ist es zu glauben, Männer seien genauso strunzdumm und auf Aussehen begrenzt wie Frauen selbst. Das mag jetzt paradox und anti-Klischee klingen, und wir wissen alle, wie sehr ich auf Klischees stehe und sie tagtäglich für jegliche Selbstbestätigungszwecke verwende- aber in diesem Fall ist es einfach ganz anders. Männer gehen viel behutsamer mit Frauen um, als man zu meinen glaubt, sie sind viel ehrlicher, und auch viel interessierter an dem, was hinter der Fassade abgeht. Ich kenne ganz, ganz wenige Männer, die wirklich auf den “STYLE” von Frauen bedacht sind, d.h. tatsächlich auf die Schuhe oder Taschen gucken und danach bewerten, wie teuer die Marke ist. Es gibt wahrscheinlich mehr Männer, die auf Frauen mit Birkenstocks stehen, als andersherum, und das ist so, weil Frauen einfach konkurrenzgeile Schlampen sind die befruchtet werden wollen.
Jawohl. Und nur weil unsere hochtrabende und übermütige Rasse jeden Typen direkt in eine Kategorie einordnet (1- Sieht gut aus, 2- Sieht okay aus, 3- Desperate Fuck, 4 – Niemals werde ich diesen Kerl anfassen), glauben wir, es wäre andersherum genauso. Dabei sind, meiner wertlosen Erfahrung nach jedenfalls, Männer nur in zweiter Linie auf der Suche nach einem Ende mit Hüftschwung. In erster Linie sind sie mit ihren Kumpels da und wollen feiern, egal was. Und wenn sich ein paar Ladies zur Begleitung finden, mit denen man Spaß haben kann, ist das gut. Und wenn die auch noch gut aussehen, ist das extrem cool. Und wenn die jetzt auch noch so lustig und charmant und whatever sind, dann, alles klar, lass ballern gehen.
Oder so.
Aber der Spaß steht im Vordergrund. Das raffen Frauen nicht. Wenn ich mit Frauen weggehe, dreht es sich drei Stunden darum, welcher der Ex-Freunde den längsten hatte, warum man zur Zeit Single ist, und welcher Typ im Radius von 30 Metern der bestaussehenste ist. Etcetera. Nach 2 Bembeln Äppler wird das ganze sehr absurd, aber auch sehr amüsant. Und trotzdem: Sobald man einen Mann kennen lernt, angesprochen wird oder selber seinen Mut zusammen nimmt, geht es nur darum, dass man diesen Menschen so gutaussehend findet, dass man sich vorstellen kann, irgendwann mit ihm Kinder zu kriegen. Und wenn nicht, dann muss man sich wenigstens nicht schämen wenn man sturzbetrunken mit ihm in der Kiste landet.
Aber zurück zu dem jungen Mann, von dem ich eigentlich erzählen wollte: Er war also in einer anderen Liga. In der Kategorie 1- Sieht extrem gut aus, hat ein richtig gutes Auftreten ohne arrogant zu wirken, und ist sogar in der gesetzten Altersgrenze, aber leider sind das alles Kriterien, die mich völlig uninteressant für IHN machen.
Naja, und wenn man weiß, dass da nichts geht, braucht man sich auch nicht darum zu kümmern, richtig? Richtig. Irgendwann haben wir ein paar Pappnasen, die ungefähr alle 3 Jahre jünger waren als wir, auf dieser Party getroffen, die uns schamlos und dreist angebaggert haben. Es war ziemlich lustig, und die Jungs die größten Nervensägen die man sich vorstellen kann, aber hey, wir haben endlos viel gelacht. Auf einmal stößt der besagte Adonis zu uns, guckt mich ungefähr 10 Sekunden lang an und sagt: Ich musste jetzt lange genug zugucken, wie du dich von meinen betrunkenen Idiotenfreunden zutexten lassen musstest, können wir jetzt bitte heiraten?
Hey, ICH musste lachen, okay. Und ich möchte jetzt nicht viel darüber verlieren, dass der folgende Trip durch die Nacht extrem genial wurde und wir einfach wieder ein Gespann von fremden Nachtmenschen waren- ich möchte einfach nur sagen, dass es manchmal nichts mit Selbstvertrauen zu tun hat, wenn man glaubt, dass man nicht in der Liga eines anderen sei. Es hat viel eher was damit zu tun, dass uns Barbie und Ken vormachen, dass zwei wirklich bodenlos unanständig geile Menschen zusammengehören. Dabei kann es auch gut sein, dass nur einer von ihnen richtig geil ist, der andere aber genau das vorzuweisen hat, was diese Person gerade sucht.
Übrigens habe ich mich prächtig mit dem jungen Mann verstanden, und werde mich heute abend wieder mit ihm treffen. Nicht, um Kinder zu kriegen, sondern einfach nur um Spaß zu haben, und wieder eine wahllose Nacht in der Großstadt zu verbringen, die vielleicht zwei fremde Menschen in Sachen seltsames Aussehen näher bringt. Und ich werde definitiv nicht mehr in Kategorien denken, das hilft nicht. Einfach alles zulassen, nicht in Statistiken denken, und schon ist man in einer ganz anderen Welt,die um einiges mehr Spaß macht als das, was man vorher kannte.