Elterliche Fürsorge, orientalischer Geschmack
11/05/2007Ich merke immer, dass ich anders bin als meine ganzen Freunde wenn der Sommer beginnt. Nein, das liegt jetzt nicht an den kürzeren Klamotten und meiner körperlichen Unförmigkeit bzw daran, dass ich eine Vagina UND einen Penis habe (muhahaha- hey, wir sind im Internet, IHR KÖNNT GAR NICHT WISSEN OB DAS STIMMT), sondern daran, dass ich nicht wie alle anderen mit meinen Leuten in den Urlaub fahren darf.
Oder mir mit Karacho die Birne wegsaufen kann.
Oder abends ganz lange Wegbleiben um den Abend zu genießen.
Oder auf Festivals zu touren und 3 Tage Party zu machen.
Oder einen netten Typen kennenzulernen und acht Tage durchzuficken.
Hey, ich meine, das sind jetzt keine großartigen Dinge, die jeder mal in seiner Jugend gemacht haben sollte oder so, gar nicht. Das ist jetzt auch nichts, was mich in tiefe Depressionen stürzt, scheisse, wir wissen doch alle, dass ich lieber zu Hause sitze und fleißig den Tafelglotzer spiele. Nein nein, alles kein Problem.
Nur, alleine die Tatsache, dass ich es gar nicht tun KÖNNTE - selbst wenn ich wollte, was ich ja nicht will, aber, REIN HYPOTHETISCH natürlich - selbst wenn ich es wollte, ich könnte einfach nicht, weil Mutterschiff und Samenspender ‘nen Knacks weg haben. Mit anderen Worten, es sind Araber. Sie sind die einzigen lustigen Araber, mein Vater verkörpert Stromberg und Terminator gleichzeitig, während meine Mutter, naja, die ist irgendwie alles und momentan Vollzeitstudentin. Man müsste ja annehmen, dass die Frau durch die libertäre Gesellschaft, in der sie sich reingefunden hat (seit satten 20 Jahren) endlich mal ein bisschen lockerer wird, aber stattdessen studiert sie jetzt Islamische Theologie. Arschkarte für die Kids.
Nicht, dass ich tyrannisiert werde oder so. Ich mag meine Eltern, sind nette Menschen mit viel Verständnis für die westliche Gesellschaft. Sind ja selber zu 60% Deutsche. Sind integriert, politisch engagiert, alles klar alles klar, aber es gelten Regeln für uns, die, ich sag mal so, lieber gebrochen werden. Das Regelbrechen per se ist ja gar kein Problem, das mach ich sowieso die meiste Zeit. Ihr wisst ja, rauchen trinken saufen rumgeficke ausgehen tanzen knutschen, alles verboten, besonders das mit dem Rumgeficke ist halt scheisse, aber da ich sowieso seit einem Jahr FREIWILLIG IN VÖLLIGER ABSTINENZ lebe dürfte das das geringste Übel sein. Ja, aber wenn es darum geht, dass ich mal für eine Weile weg will, muss ich immer sagen dass ich mit irgendeiner meiner Freundinnen für ein paar Tage bei deren Oma bin um ein bisschen auszuspannen. Und irgendwie scheine ich aus dem Alter rauszusein, wo man die Omas anderer Menschen besucht. Zumindest hab ich so das Gefühl. Außerdem muss die Oma dann immer Kettenraucherin sein, so wie die Klamotten dann stinken. Und Duschen gibt’s in, ich weiß nicht, Buxtehude anscheinend auch nicht.
So sind halt die Festivals.
Tja, und, keine Ahnung, das regt mich irgendwie auf, total unverständlich, ich weiß, nach 18 Jahren sollte man sich an solch eine Situation eigentlich gewöhnt haben, aber mir fallen keine Ausreden mehr ein.
(Ach so, und ja, ich bin eine notorische Lügnerin, dank der wohligen Erziehung meiner Eltern, möchte ich mal behaupten. Ist aber nicht ihre Schuld. Bin nur von der westlichen Sünde so verführt worden. Kennen wir ja).