Archive of published articles on April, 2008

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Brauchbares Material

28/04/2008

So, was bitte schön ist an euch Typen eigentlich kaputt? Da stalkt mich dieser Kerl wochenlang, und ich suche mir die ganze Zeit Rechtfertigungen dafür, warum ich nicht will. Gar nicht so sehr für ihn, sondern für mich. Nein, zu alt, nein, zu uncool, nein dies, nein das. Endlich entscheide ich mich mal, mir selbst einen Ruck zu geben, für ein bisschen Action sogar meine (absolut nicht hohen) Ansprüche fallen zu lassen und mich einem völlig Fremden hinzugeben (im wahrsten Sinne des Wortes, meine Damen und Herren!), was nicht zuletzt wahrscheinlich am Timing liegt (Eisprung, PMS, die üblichen Verdächtigen halt), und DANN, DANN!!

“Och ja, wir können ja ‘nen Kaffe trinken gehen. Wie wär’s um 4?”

Bitte WAS? Ich hab da jetzt mehr so an Rotwein und nachts um 11 gedacht du Walldorfschüler! Egal, egal. Nachdem wir dann feststellen mussten, dass seine Wohnung saniert wird, bei mir ja mal gar nichts geht und die ganze Woche sowieso verplant ist, könnte ich gerade echt ‘nen Porno einlegen und dazu ‘ne Storyline schreiben.

Ich raff das wirklich nicht. Wenn man mal mehr von ‘nem Typen will, als nur das ewige Rumgeficke, ist das entweder ein Arschloch der einen direkt zum nächsten schiebt, oder man hat’s einfach versäumt, da mal mehr rumzustricken. Will man einfach nur gut dönern, trifft man auf irgendwelche Vollidioten die die Zeichen nicht lesen können (”Äh, ach, mich stört’s nicht, wenn du grad sanierst, ich bring auch ‘ne Flasche Rotwein mit.” “Nee, das sieht echt voll hässlich aus!”), die sowieso nur aus Verzweiflung gewählt wurden, und eigentlich auch nur hormonellen Dates entsprechen die keine Zukunft haben. Nein, der denkt jetzt direkt an’s Kinder kriegen!

Boah. Kopp gegen die Wand, echt jetzt.

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NERDS

22/04/2008

Ich bin ein Nerd. So, jetzt ist es raus, es ist gesagt, zugegeben! Kein Weg mehr zurück! Ich bin ein NERD. Bei mir fehlt echt die schwarze Hornbrille und der Pokemon Rucksack. Ich bin’s, das war’s. Manchmal erwische ich mich selbst bei meiner Nerdigkeit und dann schäme ich mich ein bisschen dafür. Andere Mädchen in meinem Alter belegen Tanzkurse, knutschen wild mit ihren Freunden rum, führen 4 jährige Beziehungen, haben Kinder, beziehen ihre eigenen Wohnungen oder führen den Haushalt! Die anderen, die können Eiskunstlaufen oder machen Party in der Disco um zumindest am sozialen Leben teilzuhaben! Wiederrum andere gehen für’s Leben gerne shoppen oder werden Topdesigner oder lassen sich ungewollt schwängern!

Ich sage: NEIN DANKE, Initative Minesweeper für Mädchen ab 3 Jahren! Genau so sieht’s aus. In meinem Leben kommt so ein Firlefanz nämlich nicht vor. Arschgeweih, Pelzmantel, hallo, bin ich blöd oder was! Ich höre immerhin mit Inbrunst Radiohead! Da ist nichts mit rumpoppen!

Das wichtigste Indiz dafür, dass ich ein Nerd bin, ist dass ich gerne ein Autist wäre. Oh ja. Nerds wären gerne Autisten, weil sie dann keine Rechtfertigung mehr für ihr asoziales Benehmen brauchen. Richtig alleine kann man da sein! Primzahlen im Kopf errechnen, STUNDENLANG! Quadratische Gleichungen lösen, OHNE TASCHENRECHNER! Das, meine Damen und Herren, ist ein wahrer, purer Nerd. Eigenständig denkende Roboter bauen! Bei Jugend Forscht abräumen (gut, gut, da hab ich nie mitgemacht, zugegeben, aber ich hätte gerne, mir fehlte es nur an IQ und Mut, zwei weitere Indikatoren für Nerdigkeit).

Also, aber um mal das weite Feld von Nerds, Geeks und Kollegen einzugrenzen, können wir mal einfach davon ausgehen, dass ich ein Trottel bin. Ich bin kein fetter Trottel oder unmodischer Trottel (ein bisschen unmodisch, vor allem ein bisschen faul was die Mode angeht), oder gar ein unlustiger Trottel- aber eben ein Trottel. Jemand, der krampfhaft versucht cool zu sein und ungefähr sechs Mal am Tag dabei gegen eine Tür rennt, schreit “ABER DA STEHT DOCH DRÜCKEN DRAUF!!” und wie bekloppt dran zieht. Ich flieg auch ein paar mal auf die Fresse, Grunze beim Lachen und manchmal läuft auch Milch durch meine Nase.

Der Typ zum Beispiel. Der sieht extrem trottelig aus, nech? Und genauso trottelig wie der aussieht, genau so trottelig ist mein Charakter. Aha! Wichtige Information! Ich bin insofern also noch nerdiger, weil ich ein Nerd bin, der sich hinter einer un-nerdigen Fassade versteckt.Reden wir jedoch nicht um den heißen, gefährlichen Brei drumherum. Wenn ich hier schon mein großes Coming-Out habe, kann ich wenigstens auch die Punkte auflisten, die mich zum Nerd machen.

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Spazieren

21/04/2008

Ich bin ein Spaziergängermensch. Wirklich. Steck mir Musik ins Ohr und latsch dir die Stadt rauf und runter, so lange jedenfalls, bis der Achselkaffee die Unterschenkel erreicht, dann ist’s auch bei mir vorbei. Aber mit Sport kann man mich jagen. Der Sinn von joggen ist völlig entfremdet. Warum joggen, wenn man laut einer Studie (keinen Bock zu googeln) 20 Minuten joggen durch 3 Minuten lachen kompensieren kann? Siehste. Völlige Quacksalberei, das hat nur mit dem Laufschuhumsatz was zu tun, nicht mit der Gesundheit. Das jedenfalls dazu.

Was mich hingegen stört ist diese Spaziergängerrei mit anderen Menschen. Ich hab kein Problem damit quer durch die City zu latschen und dabei ein Eis, das mir sowieso größenteils auf der Jeans landen wird, zu schlecken, und mit meiner dicken Busenfreundin (die, by the way, dickere Busen hat als ich) über die triste Einsamkeit in so einem weiblichen Leben zu sinnieren, wirklich nicht. Am besten mit viel Kohle in den Taschen oder zumindest mal ein paar Oberteile bei H&M klauen, echt gar kein Ding und so. Aber ich latsch doch nicht von A nach B und unterhalte mich dabei mit anderen! Nein! Tu mir das nicht an!

Das habe ich früher immer schon so gehasst, wenn ich auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause (nach der Schule) mich zwangsweise in irgendwelche belanglosen Konversationen begeben musste, weil irgendwelche Pappnasen zufälligerweise den gleichen Weg hatten. Und da kann man ja nicht so sagen: Hier, du, lauf mal bitte ein paar Schrittchen schneller, ich hätt jetzt lieber meine Stöpsel im Ohr (ja gut, das kann ich mittlerweile schon, aber damals hab ich tatsächlich noch Gedanken um meinen Ruf gemacht, schreckliche, beklemmende Zeiten waren das!). Ganz schrecklich war das auch morgens, wenn man da jemanden getroffen hat, bei mir hieß es immer: rennen, rennen, rennen, damit die einen ja nicht erwischen. Das sind dann die, die morgens wirklich Unterhaltungen führen können, LEUTE, ich kann morgens höchstens mal scheissen gehen und ‘ne Kippe rauchen und bis 11:30 bin ich definitiv nicht ansprechbar, vor allem nicht für euch!! Aber bis das mal einer gerafft hat war ich schon 3 Jahre älter und fuhr prinzipiell mit dem Auto.

In den raren Zeiten, in denen ich wirklich zur Arbeit laufe oder sonstirgendwo hin und mein Ipod mit neuer Musik bestückt ist und ich mich wirklich freuen darf, bin ich entweder zu fett und rolle irgendwelche Abhänge entlang oder irgendwer (wie behindert ist DAS bitte schön?!?!) kommt die Straße in seinem 3er BMW entlanggebraust und fragt, ob man mitgenommen werden will. Und höflich ablehnen, pah, kann man ja auch nicht, weil… keine Ahnung wieso, jedenfalls nervt mich das.

Kann man nicht mal mehr in Ruhe spazieren gehen, hä! Ich meine, man geht ja auch zu keinem Jogger und sagt, “Hey, soll ich dich ma mitnehmen, Schätzke, siehst aus als hättest du kein Auto heute!” Und man geht ganz bestimmt nicht hin und fragt ob man mal mitjoggen kann, da joggt man einfach schneller oder langsamer bis sich dieses peinliche Aufeinandertreffen von alleine löst, ja!! SO MACHT MAN DAS! Und wenn ich schon die Mukke im Ohr hab sollte das wohl ein glasklares Zeichen sein!

Das ist im Auto und in der S-Bahn mindestens genauso schlimm! Schön, das wir uns in der 4. Klasse kannten, so, jetzt haben wir uns gegrüßt KÖNNTEST DU BITTE WEITER LAUFEN UND NICHT NEBEN MIR SITZEN UND MICH MIT DEINEM SCHEISS VOLLSABBELN DA LÄUFT NÄMLICH EIN TOLLES LIED UND ICH KOMM JA SONST NICHT DAZU MUSIK ZU HÖREN WEIL ICH AUCH OHNE DEINE KACKE GENUG STRESS HAB VIELEN DANK TSCHÜSS.

Aber da reagiert ja keiner drauf. Da haben sie wieder alle selber watt in den Ohren…

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Weisheit

17/04/2008

Körperliche Anstrengung sollte nur auf Dinge bezogen sein, die auch wirklich Spaß machen (Sex, Bungee Jumping, Kissenschlachten).

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Brünett

13/04/2008

Ich hab jetzt einen Pony. Ja, ich war beim Friesenmaster, und die talentierte Haarkünstlerin hat mir einen Pony geschnitten. O-Ton: “Du willst doch bestimmt aussehen wie Heidi Klum!” Ich bin ja der Meinung, dass kein Mensch freiwillig so aussehen sollte, wie Heidi Klum, außer Heidi Klum selbst, weil die damit immerhin erfolgreich sein kann, ich dagegen einfach nur Scheisse aussehe, wenn ich es probiere, aber die talentierte Künstlerin wollte sich ihre begnadigte Idee nicht ausreden lassen, und so wurde ich Opfer der Schere. Das meine Haare nicht blond sind und ich auf einmal “HALLO MÄDELS, KICHER KICHER” in die Kamera schreie ist auch noch alles, was fehlt.

Jedenfalls war das eine ziemlich spontane Entscheidung, der Friseurbesuch. Nachdem ich die emotional schlimmste Woche meines Lebens hinter mir habe (und leider keine Aussicht auf Besserung ohne chemische Hilfsmittel ansteht), bin ich Freitags nach der Schule regelrecht in eine komatöse, halbschlafende Depression gefallen. Ich hab No Country For Old Men eingelegt und teils geguckt und teils einfach nur geweint, warum auch immer, ist ja auch egal. Als ich ungefähr 5 Stunden später aufstand und mein verquollenes, unaussprechlich fürchterliches Gesicht mit den abstehnden, langen und zerzausten Haaren im Spiegel so betrachtete, dachte ich, okay, Schätzchen, es muss sich jetzt was ändern. Und dann kam ich auf die Idee, beim Heiligsten der Heiligen anzurufen und einen Termin auszumachen.

Ich muss sagen, der wahre Grund, warum ICH zum Friseur gehe, wenn es mir schlecht geht - das heisst, wenn Konsumrausch, Fressattacken und freundschaftliche Besäufnisse nichts mehr bringen - ist nicht ein neuer Haarschnitt und die weibliche Illusion daraufhin auch einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen (ich glaube, mit Pony wird das auch kein besserer Zustand als vorher)- nein, es ist dieses letzte Refugium für die Frau, sich einfach entspannen zu können, mit wehleidigen und anderen selbstbemitleidenden Genossinen auf den Stühlen zu sitzen und einfach irgendwen irgendwas machen zu lassen, was vielleicht gut oder schlecht ist, aber hauptsache, nicht selbst aktiv sein, sondern.. die Entscheidung und die Tatkraft in andere Hände legen. Ich finde es sowieso schon erstaunlich, dass ich es überhaupt geschafft habe, meinen breiten Arsch dahin zu bewegen und nicht einfach weiter heulend meine Pulsadern im Bad aufzuschneiden. Wirklich, ganz jämmerlich war das.

Das schönste am Friseurbesuch ist ganz und gar das Haare waschen. Oh ja! OH JA! Ein einziger Orgasmus für die unbefriedigte Frau. Diese Kopfmassagen sollten für 2,50 to-go sein wie der heisse Kaffe, ich sag’s euch, die Welt wäre ein besserer Ort. Spa’s, Massagestudios und Salons im generellen, ihr seid meine oberflächliche Welt, und niemals würde ich mir die Haare schon zu Hause waschen um die dreieurofünfundsiebzig zu sparen, niemals wäre ich so ein Geizhals, da könnte ich mir den ganzen Haarschnitt sparen, jawohl! So ist das! Deshalb geh ich auch genau in diesen Salon, nicht, weil die da so gut Haare schneiden, sondern weil die darauf trainiert sind, mindestens mal 10 Minuten den Kopf zu streicheln! Ich scheiss auf die 10 Euro Frisöre die besser sind, weil man keinen Termin braucht, diese Schnipp-Schnapp-Menschen, die meinen, damit hätte sich das, pah! Dazu gehört weitaus mehr, ich sag’s euch!

Wie gesagt, jetzt hab ich einen Pony und weiß nicht ob dieses Opfer für seelige Minuten des Kopfhautknetens es wert war. Zwar gab es bisher nur positive Reaktionen, von “sauscharf” bis “supersüß”, aber wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass ein Pony irgendwie auch ein Image vertritt. Ich vertrete dieses Image nicht. Ich bin einfach unordentlich und behindert, und ein Pony ist halt so,.. naja, wie Rollkragenpullis. Ziemlich straight. Auch die Aufforderung, ihn doch bitte wenigstens fransig zu schneiden, wurde partout abgelehnt, weshalb ich jetzt tatsächlich aussehe wie Heidi Klum. Den einzigen Gefallen, den ich mir danach noch getan habe, war meine Haare von den elendigen blonden Strähnchen zu befreien und mir eine 5 Euro Braunhaarfärbung beim Edeka zu besorgen.. Jetzt bin ich wieder dunkelbraun und seh aus wie ein halbes Pferd. Eh. Ich sollte vielleicht mal Beweisfotos machen, aber hab keine AA Batterien mehr. So viel dazu.

Egal, leider hat das an meinem generellen, ziemlich leeren Zustand nichts geändert. Das zeugt für die bittere Ernsthaftigkeit. Ich meine, es gibt nichts spezielles, was mich traurig macht, aber es gibt auch keinen Grund, nicht traurig zu sein. Oh Gott, ich glaube, ich werde depressiv, und irgendwie bin ich auch leicht senil geworden, hab ich das Gefühl; ständig vergesse ich Dinge, lasse was fallen, ich glaube, mein Gehirn löst sich langsam und schmerzvoll auf. Wirklich. Als ob jeden Tag ein Stück mehr von mir abfällt und ich schließlich im Wind davon geblasen werde, ein Fetzen Staub, dann, irgendwann, einfach nichts mehr. Das hört sich alles weitaus dramatischer an als mein eigentlicher sehr apathischer Zustand, aber ich hätte einfach nur Lust, wieder lachen zu können. So richtig. Und es ist sehr lange her, dass das der Fall war, habe ich das Gefühl. Oh man.

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Es

12/04/2008

Es steigt in ein fahrendes Gerät, und fährt. Es kommt an, es erlebt, es fährt weiter. Es fährt so lange, bis es angehalten wird, in der Hoffnung zumindest, angehalten zu werden. Aber keiner hält es an, nicht so, wie sie dachte, jedenfalls. Es hat sich geschworen, wenn ein Kontakt aufgenommen wird, würde sie dem zurück (nach Hause) folgen, aber niemand hat es zu kontaktieren versucht. Also fuhr es weiter, immer weiter, bis es schon überall war. Und es sagte sich, wenn es jemanden treffen sollte, den es schon mal getroffen hat, dann würde es da bleiben. Aber es traf niemanden mehr, überall war etwas Neues.

Dann überlegte es, warum es überhaupt fort ging, und es wusste nur noch grob, dass da ein anderes Es war. Ein Es, das nie reagiert hatte auf unser es, ein Es, das fürchterlich war in allen Dingen der Beziehungen, man konnte nicht umgehen. Also dachte sich unser es, es würde einfach fortgehen, damit das Es merkt, dass es was verpasst hat. Und so ging unser es weg, in die weite Welt, in seinem Gefährt, und hoffte, dass es nie wieder an Es denken würde, aber jetzt hatte es wieder daran gedacht.

Es war unserem es schon egal. Da gab es eigentlich nichts mehr, was sich so schrecklich anfühlte. Aber trotzdem wollte es nicht zurück, aus Angst, doch wieder in alte Gewohnheiten zu fallen, an einem Ort, wo alles prinzipiell scheisse lief. Für unser es zumindest. Und Es? Es lebte glücklich und zufrieden weiter, und bemerkte nicht, dass es nichts mehr hatte.

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Uncool

11/04/2008

Muss dringend in eine Therapie für gestörte Menschen die sich grundlos einfach echt beschissen fühlen und dann auf die Idee kommen sich künstlich befruchten zu lassen, das Ding auszutragen und der Erfüllung des Lebens näher zu kommen.

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Generation: Anders

6/04/2008

Das Problem daran, kein Teil einer einheitlichen Masse zu sein, die sich fortwährend immer und beständig in eine Richtung bewegt und null Platz für Individualität bietet? Man ist kein Teil einer einheitlichen Masse.

Früher, als sich langsam die Wege der einzelnen Freundschaften und Beziehungen trennten, weil man zum zurechnungsfähigen Menschen geworden ist- man entdeckte die Musik, die einem lag, die Bücher, die man gerne las, ob man überhaupt gerne las, die Leute, mit denen man sich umgeben wollte - war es mir unheimlich wichtig, vielleicht das wichtige Ziel meines mickriegen Daseins überhaupt, so individuell und einzigartig wie möglich zu sein. Die Welt sollte meiner Kreativität zu Füßen liegen, und meine Coolness sollte das Trademark einer neuen Generation darstellen. Ich wollte so anders wie nur möglich werden, als ich erkannte, dass ja alle um mich herum sowieso gleich sind.
Ich erkannte aber früh, damit gegen eine Wand zu laufen. Jeder wollte anders sein, aber dieses Wollen verbindete wieder jeden, steckte jeden in seine ganz bestimmte “Anders” Gruppe, wo man sich mit “gleichgesinnten Anderen” zum Kaffee, Whiskey oder Pulsadernaufschneiden traf. Es war ein paradoxer, teuflischer und endloser Kreis, in dem ich mich befand. Irgendwann gab ich mein Ziel auf, hatte mir aber genug einschlägige Neurosen aus meiner “Anders” Phase aufgehoben um mich weiterhin von der breiten Masse abheben zu können.

Und jetzt sitz ich hier. Ich bin abgehoben, auch wenn nicht in einem so speziellen Sinne, wie ich es früher vielleicht wollte. Aber sogar das ist mir manchmal zu viel. Ich muss wirklich teilweise diesen inneren Rebell abschalten, der pampig und trotzig alles verneinen und schlecht machen möchte, was der breiten Masse zugänglich ist. Das ist scheisse. Das macht krank, weil man irgendwann nichts mehr findet, was einem alleine gehört. Es gibt nichts, was einem alleine gehört, und auch die abstrakten Dinge gehen langsam aus.

Diese Gedankgengänge und die Konsequenzen im Alter kann man bei vieler meiner Altersgenossen beobachten. Leute, die durchdrehen, weil sie trotz harter, ungnädiger Arbeit auf einmal doch zu einer bestimmten Gruppe gehören, weil man sie abstempeln kann, weil man auch für sie charakterbeschreibende Worte findet. Und wenn ich sage, sie drehen durch, dann meine ich das: Jeder will der beste sein, auf seine ganz individuelle Art und Weise. Alle wollen sie groß sein, alle wollen sie stark sein, alle dies, alle das, und sind doch alle gleich, ohne gleich sein zu wollen. So funktioniert das nicht, und diese Erkenntnis haut viele aus den Socken. Dann ist man also 24 Jahre alt und stellt fest, man ist doch kein großartiger Rockstar oder ein berühmter Politiker geworden, nein, man ist Bob der Baumeister und haut jeden Tag seine 8 Stunden Schicht raus um nach der Generation Praktikum noch sein Wohnklo und seine halbherzigen Beziehungen abzuleben. Und selbst diese Beziehungen haben nur die Daseinsberechtigung, weil man sich in ihnen so schön in den Mittelpunkt stellen kann. Indem man anders ist, natürlich.

Was mich betrifft- mein Gedanke von früher hat sich manifestiert. Es ging nicht mehr darum, einfach dem zu folgen, was man mochte, wonach man sich sehnte, es ging darum, krampfhaft jemand anderes zu sein, jemand, der wie eine Neonreklame im sonst eher tristen KZ hervorstach und den Tag verschönerte. Aber hauptsache nicht so wie du, oder sie, oder er. Sondern nur wie ich. Jetzt habe ich den Salat. Diesen Gedanken rauszukratzen ist schwierig, vor allem, weil es nicht mal mehr nur ein Gedanke, sondern Lebenseinstellung ist. In vielen Dingen konnte ich mich schon “verbessern”. Mit der Musik, zum Beispiel. Oder mit Filmen. Ich brauche nicht mehr so zu tun, als kenne ich alles, was keiner kennt. Oder das ich alles, was berühmt und beliebt ist, scheisse finde, nur weil es jeder so toll findet. Ich denke, das war ein Schritt, der mindestens ein Jahr gedauert hat, und weit gekommen bin ich nicht, aber es ist ein Anfang. Der Rest ist schwieriger. Ich glaube, wenn ich ausschließlich die Klamotten anziehen würde, die ICH geil und bequem finde, dann würde man mich nur noch in Jogginghose und Riffel-Tanktop sehen, was zwar im Playboy (dank extrem talentierter Photographen und photogener Topmodels) sexy aussehen mag, an mir aber eher wirkt wie “Ich steh morgens um 7:55 vor Kik und sing “It’s the Final Countdown”!”

Ein weiterer Nachteil, der diese Attitüde mit sich bringt, ist leider auch der Anspruch an andere Menschen, genau so zu sein. Und hier liegt das eigentliche Problem. Wer sich nicht zumindest mal irgendwo zurechtfindet oder eingliedern kann, der hat die Arschkarte gezogen. Der kann dann plötzlich nicht mehr mit allen Menschen umgehen, der muss eine bestimmte Sorte Menschen, eine spezielle Form dieses Lebewesens kennen lernen, um tatsächlich tiefere zwischenmenschliche Bindungen einzugehen. Ich würde fast behaupten, dass es spätestens dann zwar funktioniert- aber auch, dass man manchmal genau diese Menschen verfehlt, weil man überhaupt keine Ahnung hat, was man braucht oder was nicht. Ich meine, wenn ich sowieso den ganzen lieben langen Tag mit Scheuklappen durch die Welt gehe und mich gar nicht auf neue, “andere” (bzw “gleiche”, heh) Menschen einlassen kann, dann kann ich doch auch nicht wissen, wo die sind, die wie ich ticken. Wenn es die überhaupt gibt, mein ich.

Okay, anyway. Jedenfalls glaube ich, dass dieses Verhaltensdefizit die Ausgangslage alle meiner Probleme darstellt, die sich im zwischenmenschlichen Bereich ansiedeln. So wie eine Gehirnamputation, nur dass ich mein Gehirn noch habe und das immer und immer mehr in den Klauen meiner eigenen Behindertheit zersetzt wird.

(Das ist ja auch das Grausame daran: dass ich das alles weiß und erkenne und dagegen bin, aber irgendwie nicht bewusst etwas dagegen tun kann, damit es aufhört, damit es besser wird. Ich bin ja grundsätzlich gegen die Rechtfertigung “ich bin so, ich kann nix dafür, deshalb muss ich nix ändern”, aber manchmal sieht man sich ja doch am Ende der Einbahnstraße, da, wo die Mülltonnen mit den Leichen stehen, die Leichen derer, die auch nicht mehr wussten, wo sie hin sollen).

Ach, irgendwie ist es auch nicht so wichtig, glaube ich. Ich meine, wie ich ticke, und überhaupt. Vielleicht ist man tatsächlich nur “irgendwie” und “irgendwas”, eine wabbelnde Masse im Universum, nichts wert, nichts aussagend, überhaupt keine Bedeutung, und wir machen uns diesen obsessiven Stress nur, um uns selbst einzureden, wer oder was wir sind, dass wir überhaupt etwas sind. Ich weiß ja nicht mal, ob meine Gedankgengänge irgendwie Sinn machen, ob ich nicht nur ein grenzdebiles Schweinchen bin, dass sich für Albert Einstein der Geistesphysiologie hält. Und ich sage Geistesphysiologie, weil dieses Wort genau das ist, was mein Leben ist: Bitte alles so schön kompliziert wie es geht, denn wenn es leicht ist, ist es genau das, was alle anderen wollen, und das will ich nicht, und damit will ich genau das, was ihr wollt. Und fühle mich minderwertig.

Es läuft doch immer darauf hinaus, das man sich selbst auf ein Podest hebt, akzeptiert und ‘ne fette Party schmeisst. Alles.

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Impressionen

3/04/2008
Das Mädchen sah genau so aus, wie man es sich vorstellte: Jung, naiv, leicht überheblich vielleicht. Albern. Der Junge, er war stark und verschlossen, ein Held der jüngsten Tage, keiner wusste wieso, aber er war es. Sie fanden sich und in dem Moment, wo sie sich zum ersten Mal sahen, wussten sie, sie waren perfekt: Der erste Kuss, Händchenhalten, Zukunftsplanung, Karriere, Familie, Abenteuer, Rente, gemeinsamer Tod. Weil sie das wussten, bedeutete der Blick auch nicht mehr als eine wohlwollende Ignoranz, und so gingen sie, ohne ein Wort zu sprechen, und ohne das perfekte Bild ihrer Schicksale in Kenntniss zu nehmen. Warum auch. Es war ja ohnehin schon immer viel leichter, einfach falsch zu liegen.

Jungs und Mädels, ratet doch mal, wer aus der prunkvollen Hauptstadt zurückgekehrt ist, um euch weiterhin mit wunderbar wahllosen Texten vollzusabbeln! Richtig! Ich! Und ich bin völlig überladen von den ganzen Eindrücken, die ich gesammelt habe. Obwohl ich nicht das erste Mal in Berlin war, war es doch das erste Mal, dass diese Stadt in mir etwas ausgemacht hat. Liegt eventuell am Alter, höchstwahrscheinlich aber daran, dass ich die letzten Male immer mit meiner Mutter unterwegs war und das die ganze Sache in seiner Lustigkeit etwas einschränkt.

Erst einmal ist mir bewusst geworden, dass Berlin in seiner urbanen Ranzigkeit gar nicht das ist, was mich so anlockt, sondern die überdimensionale Beschissenheit, die meine Heimat so in sich birgt ist das, was mich von hier wegtreibt. Versteht mich nicht falsch, Frankfurt ist um Längen cooler als Berlin (in jeglicher Hinsicht was Dekadenz und Stil angeht jedenfalls), aber es ist ungefähr 500 km zu nah an “zu Hause” entfernt. Berlin ist die optimale Alternative. Warum wäre jetzt zu lange zum Erläutern, vielleicht dann, wenn ich endlich dort wohne (immerhin hat sich zumindest dieser Entschluss jetzt zu 99% gefestigt). Und: Berlin ist billig, auch wenn man ja sowieso als Student zum Geizhals wird (was echt nicht schlecht ist).

Die laute Umgebung, der Geruch von Knoblauch, das Scheppern der Bahnen, die uns umkreisten- sie waren im vollendeten Kontrast zu dem, was später folgen sollte, nämlich die unendliche Stille, das Warten, ohne jemals zu warten. Begegnungen, die etwas bedeuteten, Orte, die eine Nachricht trugen, für uns, die Besucher, die Nachtmenschen. Wir waren Nachtmenschen, für einen Augenblick, und wir fühlten uns gut. Später, wenn die Sonne aufgehen würde, nach vergeblichen Versuchen den Schlaf zu finden, würden wir uns nicht mehr genau daran erinnern können, aber das Gefühl wurde konserviert, eingeschlossen, und eines Tages…

Da war BastiH, in Berlin. Und wir verbrachten echt die coolste Zeit. Es lag zu 70% an ihm, dass es mir so gut ging. Eigentlich möchte ich ja gar nichts sagen, irgendwie sind Ausstrahlung und Coolness dieser Person nicht in Worte zu fassen und vielleicht sollte ich das nicht mit einem halbherzigen Versuch entwürdigen… vielleicht sollte aber immerhin erwähnt sein, dass er in einem Club unter stilvollen Schwulen immer noch am besten aussieht. Und dass ich es zutiefst bereue, dass ich meine Kamera vergessen habe. So entgehen uns die ganzen Grimassen, die wir zusammen hätten schneiden können. Dieser Mann ist echt pervers gut im Grimassen schneiden. Ich auch. Das Team schlechthin, mein Freund.

Und natürlich war da auch Franzi, die definitiv geglaubt hat, dass Kappi und ich auf Drogen waren. Doch tief im Herzen entpuppte sie sich als Behinderte, als sie einen schmerzvollen “Heieieieieiei”-Seufzer im 100-er Bus ausstieß. Wir wissen bescheid, Franzi. Und außerdem sieht sie aus wie Sarah Kuttner, und sie kann sehr gut Kaffee trinken und dabei aussehen als würde man sie mit dieser Reise nach Berlin extrem foltern. Schade, dass es nicht zum kollektiven Äpplersaufen kam, aber man sieht sich ja immer zwei Mal im Leben, nech?

“Zeit!”, schrie er schweißgebadet auf, als er unsanft aus seinen Träumen gerissen wurde, “Das ist es!” Völlig im Wahnsinn verfangen sprang er aus dem Bett, dass gar kein Bett mehr war, sondern ein Floß auf einem Fluss. Er wollte nach einem Stift greifen und merkte, dass seine Finger nicht nur zitterten, sondern einfach sehr schnell ihre Positionen wechselten. Der Daumen war in der Mitte. Außen. Links, rechts, der Zeigefinger, Ringfinger, nichts mehr an seinem Platz! Er spürte die Panik über seine Haut kriechen, wollte doch den Stift packen, wollte doch alles aufschreiben, aber er hatte keine —- . Er bekam Angst, viel Angst, denn das Papier unter seinen Füßen wollte nicht beschreibbar sein, auch nicht mit dem Blut, dass nun aus seinen Zehen floss. Es ging nicht. Aber er musste doch! Hatte er doch endlich herausgefunden, woran es ihm sein ganzes Leben lang gefehlt hatte.

Und nun war es zu spät.

Leider konnte ich mich aber nicht mehr mit jedem treffen. Paul, ich hatte dich nicht vergessen, ich war einfach nur die ganze Zeit so in Hektik unterwegs und teilweise auch von der Planung meiner Gastgeber abhängig, dass das einfach nicht geklappt hatte. Aber ich komme ja wieder, und du wirst auch noch ein Weilchen da sein, hoffe ich.

Es gibt so viele Anekdoten, die zu erzählen wären! Zum Beispiel dass man in Neukölln im 5. Stockwerk oftmals seinen fetten (ich meine, richtig fetten), glatzköpfigen Nachbarn gegenüber dabei erwischen kann, wie er breitbeinig und nackt auf seiner Couch hockt und fern sieht. Wenn man dann seine Zigarette zu Ende raucht und immer noch da steht, kann es sein, dass man ihn dabei beobachtet, wie er plötzlich anfängt, eine Runde Mini-Winnie-Rubbeln zu spielen. Ein einziger Autounfall, grotesk ohne Ende! Masturbation hat hier für mich sein wahres Ende gefunden.

Oder die Tatsache, dass BLN die beste Stadt zum Nachtsrumlaufen ist. So macht Sight Seeing um einiges mehr Spaß- wenn es kühl ist, keiner auf den Straßen und damit das Konsumverlangen auch eingeschränkt wird. Im KaDeWe waren wir auch, aber dann bekamen wir Depressionen. Also haben wir uns zur Aufbesserung der Laune mit den Standard-Läden beschäftigt. Das war erfolgreich für mich.

Berlin ist billig, aber ich bin trotzdem echt pleite. Ich meine, wir haben den 3. April, und ich hab nichts mehr, was man in Geld umformen könnte. Das ist sehr schade, aber es hat sich gelohnt, ich sag’s euch, es hat sich gelohnt!

Ich schreibe mich bald in Rage, wie ich sehe. Jedenfalls, bevor ich es vergesse, Leonope hat mal wieder ein großartiges Projekt auf die Reihe gestellt, es nennt sich Yes! We Have No Bananas und ist in etwa so abgedreht, wie man es sich vorstellt. Die englische Übersetzung geht auf meine Kosten, nur mal so als Anmerkung. Ich werde im nächsten Post mal etwas mehr dazu schreiben, ärgere mich nur ein bisschen, dass ich beim Start nicht dabei ware und möchte es deshalb schon mal erwähnen. Also. Allemann hin und so.

Jetzt, endlich: Schlafen gehen. Alleine. In meinem gemütlichen Bett.

Und sie weinte, und weinte, und weinte, weil sie lieber schmutzig wäre, lieber stinken würde, lieber nicht wüsste, was sie machen sollte, als sauber zu sein, gut zu riechen, und alles genau zu wissen, obwohl sie ja doch nichts wusste. Sie wollte verloren sein, gehen aber kommen, sie wollte fliegen und fallen, sie wollte dahin, wo es alles gab aber nichts genug war. Sie wollte mehr als nur den Schlaf. Sie wollte den Traum.

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