Archive of published articles on August, 2008

Back home

Die ganze Wahrheit

30/08/2008

Ich dachte ja immer, ich wäre ein süßes Kind gewesen. Als Baby mag das durchaus zugetroffen haben. Ich war ein süßes, wenn auch debiles, fettes und ein bisschen Chinesisch-aussehendes, FETTES Kind, das ständig gesabbert hat, nicht richtig krabbeln oder laufen konnte und sich die meiste Zeit ein komisches Plastiktelefon gegen den Kopf gehämmert hat. Das habe ich jedenfalls letztens entdecken können, als ich ca. dreitausend von Video auf DVD übertragene Kindheitserinnerungen fand. Ich dachte erst, es wären “versteckte” Pornos oder so, weil mir nicht bewusst war, dass sich irgendwer in der Familie mal die Mühe gemacht hat, irgendwas auf DVD zu übertragen. Aber ich lag falsch, und statt nackter Haut begegnete mir meine eigene kleine Wonneproppenfresse, minus Wonneproppen.

Schön und gut, als Baby, das kann man noch vertreten. Aber als ich das Video von 1993 fand - mein kleiner Bruder, das mit Abstand süßeste, goldigste, und hübscheste Baby auf der ganzen Welt, war schon ein Jahr alt - bin ich aufgesprungen, habe geschrien, war wütend, habe mich wieder hingesetzt, die Tränen fielen von meinen Wangen und ich musste mich für mich selbst schämen. Ich war nicht nur einfach hässlich, nein, ich war auch ein Arschlochkind. Ich war so eine kleine Nervensägescheisserarschlochmuschi! UND DAS SCHON MIT VIER JAHREN! Kein Wunder, dass ich so traumatisiert bin, wie ich bin. Und die Frisur erst. Ich hatte einen Lockenfokuhila, das möchte man sich mal vorstellen. U nd jetzt wundert mich auch nicht mehr, warum es eigentlich bis zu meinem 16. Lebensjahr kaum Fotos von mir gibt; entweder, meine Mutter hat sie in einem manischen Anfall der Verleugnung zerrissen, oder niemand konnte mich jemals überhaupt fotographieren, weil man vorher an seiner eigenen Kotze ersticken musste.

Yap, das ist sie, die ganze Wahrheit. Selbst auf den Videos, auf denen ich zu sehen bin, merkt man, dass man krampfhaft lieber die anderen Geschwister auf Kamera möchte. Und eigentlich hätte es mich kaum gewundert, wenn man mich ständig angeschrien hätte. Ich würd’s auch nachvollziehen, wenn die mich in nen Sack mit Welpen gepackt und ins Meer geworfen hätten, wirklich. So ein Kind kann man nicht tolerieren, man kann es nur umbringen, einsperren oder für immer so tun, als wäre man blind.

Wie meine Eltern das ausgehalten haben, ist bis heute fraglich. Ich muss sagen, ich habe mich durchaus weiterentwickelt. Entweder das, oder ich habe mich schon viel zu sehr an mich selbst gewöhnt. In diesem Falle müsste ich mich jetzt sofort selbst zerstören.

Die Frisur war echt grausam. Nicht mal die 80er oder 90er können das rechtfertigen. Ich bin für immer geschädigt. Und es wäre alles nicht halb so schlimm gewesen, wenn nicht mein kleiner Bruder im Kontrast einfach so ein kleiner Engel gewesen wäre (ich habe ihn übrigens als total hässliches Kind in Erinnerung), und wenn die mir nicht alle immer erzählt hätten, ich wäre das süßeste Kind der Welt gewesen. Unglaublich, was Lügen alles machen können.

5 Comments

Quittung

27/08/2008

Oh ja, wenn ich denen mal alle ins Gesicht kotzen könnte.. ich würd’s tun. Wirklich. Diese verschissenen Idioten, die meinen, alles besser zu wissen als ich. Die mich herumschubsen und zu Dreck stauchen. Nicht mal für Fehler, sondern für das, was ich bin.

Wirklich ins Gesicht kotzen. Und langsam stellt sich heraus, dass ich fast jeden Mann in meinem Leben irgendwie verachte, hasse, oder zumindest akut umbringen möchte. Mein Vater, der taktlose und völlig exzentrische Choleriker, der keine sozialen Kompetenzen vorweisen kann; mein Bruder, der sich als Bundeswehrmann profiliert, zum herablassenden Klugscheisser geworden ist und meint, er wäre der Chief, obwohl er selbst keine Ahnung hat, was er mit seinem Leben anfangen soll- dabei behandelt er mich nicht mehr wie eine Schwester, sondern wie ein kleines, unzurechnungsfähiges Stück Scheisse, mit dem man einfach so umspringen kann, wie man will; meine Kollegen auf der Arbeit, die mich den ganzen Tag nerven und fragen warum ich so “traurig” aussehe um eine Ausrede dafür zu haben, mir auf die Schulter zu klopfen oder zufällig mal an den Arsch zu langen; die gutaussehenden Typen, die nicht mal zwei Gehirnzellen in der Birne haben und höchstens ihren kleinen Freund zum Denken einschalten; die Hängi-Typen, die mich als arrogantes Biest bezeichnen, nur weil ich leider gerade keinen Kopf habe um “Freundschaft und vielleicht auch mehr” zu knüpfen; meine besten Kumpel, die sich hängen lassen, mich hängen lassen und alles irgendwie scheisse aussehen lassen; die Typen, die ich mal gut fand, die einfach nicht mehr da sind.

Nicht, dass es mit Frauen irgendwie besser wäre. Aber ich denke ich habe die Freundinnen gefunden, die ich einschätzen kann. Und außerdem geht es dabei nicht um Sex, was schon mal 50% aller eventuellen Probleme aus der Welt streicht.  Bis auf die Fotze vom Arbeitsamt sind es wirklich nur die Männer. Die verschissenen Männer, die mir das Leben schwer machen.

Bald, sofern mein Vater mal seinen Sabberfaden wieder aufnehmen kann und aufhört, rumzubrüllen, um den Bafög-Scheiss auszufüllen, bin ich weg hier. Und bis auf meine Mutter und meinen kleinen Bruder vielleicht werde ich garantiert niemanden vermissen. Niemand mehr, der mir in mein Leben quatschen kann, niemand, der mich wie ein Stück Scheisse behandelt. Nur noch ich, und das, was daraus wird.

8 Comments

Lernen in der Freizeit

16/08/2008

Dinge, die ich seit Ende der Schulzeit gelernt habe:

- Ich weiß nicht, worum es im Leben geht.
- Ich weiß nicht, womit ich später mein Geld verdienen möchte.
- Ich möchte am liebsten unsichtbar sein, wenn Menschen ihre Stimmen erheben.
- Zu viel Knoblauch schmeckt NICHT besser als zu wenig.
- Man braucht viele Papiere und Scheine, um eine Wohnung mieten zu dürfen.
- Bafög kann man auch nach einem Fachwechsel noch bekommen, aber die Chance dafür ist weitaus geringer.
- Ein FSJ kann man auch nach Ablauf der Frist noch beantragen.
- Ich hasse meinen Vater nicht, ich empfinde ihm gegenüber einfach überhaupt nichts.
- HipHop kann sehr deprimierend sein, wenn man weiß, worüber die aus dem Ghetto rappen
- Ich bin ziemlich naiv, wenn es leichter ist, als zu arbeiten
- Geld wächst auf Bäumen, man muss nur wissen, wo diese Bäume stehen.
- Alkohol kann durchaus das Leben verschönern, und wenn man das erstmal bemerkt, sollte man vielleicht die Flasche absetzen.
- Musik ist tödlich.

7 Comments

Sleepyhead

15/08/2008

Hach, schön waren die Zeiten (vor knapp 8 Wochen) als meine größte Sorge war, ob ich jemals wieder Sex haben werde.

(Um nicht zu sagen, dass ich irgendwie wieder regelmäßigen Sex hätte; aber mir ist aufgefallen, wie überbewertet dieses Thema ist, wenn man nicht mal mehr weiß, wo man nächste Woche wohnen wird und ob man nicht den größten Fehler seines Lebens macht. Lesen hier eigentlich auch Menschen, die eigene Kinder haben und sich ständig an den Kopf fassen und denken “Oh mein Gott dieses Mädchen ist so naiv und gestört und hat keine Ahnung und ah-ah-ah (großelterliches Gelächter) eines Tages wird es lernen was es eigentlich heisst zu leben, oh-hoh-hoh (großelterliches Gelächter)”? Wenn ja, ich geh jetzt kiffen und genieße meine Jugend, du Arschloch).

1 Comment

Griechischer Unterricht

1/08/2008

Ich bin immer wieder überrascht, wie leicht man sich selbst täuschen kann. Vor einiger Zeit habe ich einen jungen Mann kennengelernt (damit fängt alles an, und nein, ich bin nicht schwanger), an einer Studentenparty. Interessanterweise sind wir beide keine Studenten und hatten auch nichts miteinander zu tun. Ich weiß noch, wie ich, völlig betrunken, am Anfang des Abends in der Ecke stand mit zwei meiner Freundinnen, und ihn sah. Ich bekam einen Stoß in die Rippen und meine Freundin fing an davon zu kichern, dass dieser Typ total das Brett sei und unglaublich gut aussähe, und so weiter und so fort. Fand ich natürlich auch. Und nachdem wir dann genug aus der Ferne geglotzt hatten, drehten wir uns um und beschäftigten uns mit der Fleischwarentheke unserer Liga.

Und da haben wir es schon. Unsere Liga. Der Fehler jeder Frau ist es zu glauben, Männer seien genauso strunzdumm und auf Aussehen begrenzt wie Frauen selbst. Das mag jetzt paradox und anti-Klischee klingen, und wir wissen alle, wie sehr ich auf Klischees stehe und sie tagtäglich für jegliche Selbstbestätigungszwecke verwende- aber in diesem Fall ist es einfach ganz anders. Männer gehen viel behutsamer mit Frauen um, als man zu meinen glaubt, sie sind viel ehrlicher, und auch viel interessierter an dem, was hinter der Fassade abgeht. Ich kenne ganz, ganz wenige Männer, die wirklich auf den “STYLE” von Frauen bedacht sind, d.h. tatsächlich auf die Schuhe oder Taschen gucken und danach bewerten, wie teuer die Marke ist. Es gibt wahrscheinlich mehr Männer, die auf Frauen mit Birkenstocks stehen, als andersherum, und das ist so, weil Frauen einfach konkurrenzgeile Schlampen sind die befruchtet werden wollen.

Jawohl. Und nur weil unsere hochtrabende und übermütige Rasse jeden Typen direkt in eine Kategorie einordnet (1- Sieht gut aus, 2- Sieht okay aus, 3- Desperate Fuck, 4 - Niemals werde ich diesen Kerl anfassen), glauben wir, es wäre andersherum genauso. Dabei sind, meiner wertlosen Erfahrung nach jedenfalls, Männer nur in zweiter Linie auf der Suche nach einem Ende mit Hüftschwung. In erster Linie sind sie mit ihren Kumpels da und wollen feiern, egal was. Und wenn sich ein paar Ladies zur Begleitung finden, mit denen man Spaß haben kann, ist das gut. Und wenn die auch noch gut aussehen, ist das extrem cool. Und wenn die jetzt auch noch so lustig und charmant und whatever sind, dann, alles klar, lass ballern gehen.

Oder so.

Aber der Spaß steht im Vordergrund. Das raffen Frauen nicht. Wenn ich mit Frauen weggehe, dreht es sich drei Stunden darum, welcher der Ex-Freunde den längsten hatte, warum man zur Zeit Single ist, und welcher Typ im Radius von 30 Metern der bestaussehenste ist. Etcetera. Nach 2 Bembeln Äppler wird das ganze sehr absurd, aber auch sehr amüsant. Und trotzdem: Sobald man einen Mann kennen lernt, angesprochen wird oder selber seinen Mut zusammen nimmt, geht es nur darum, dass man diesen Menschen so gutaussehend findet, dass man sich vorstellen kann, irgendwann mit ihm Kinder zu kriegen. Und wenn nicht, dann muss man sich wenigstens nicht schämen wenn man sturzbetrunken mit ihm in der Kiste landet.

Aber zurück zu dem jungen Mann, von dem ich eigentlich erzählen wollte: Er war also in einer anderen Liga. In der Kategorie 1- Sieht extrem gut aus, hat ein richtig gutes Auftreten ohne arrogant zu wirken, und ist sogar in der gesetzten Altersgrenze, aber leider sind das alles Kriterien, die mich völlig uninteressant für IHN machen.

Naja, und wenn man weiß, dass da nichts geht, braucht man sich auch nicht darum zu kümmern, richtig? Richtig. Irgendwann haben wir ein paar Pappnasen, die ungefähr alle 3 Jahre jünger waren als wir, auf dieser Party getroffen, die uns schamlos und dreist angebaggert haben. Es war ziemlich lustig, und die Jungs die größten Nervensägen die man sich vorstellen kann, aber hey, wir haben endlos viel gelacht. Auf einmal stößt der besagte Adonis zu uns, guckt mich ungefähr 10 Sekunden lang an und sagt: Ich musste jetzt lange genug zugucken, wie du dich von meinen betrunkenen Idiotenfreunden zutexten lassen musstest, können wir jetzt bitte heiraten?

Hey, ICH musste lachen, okay. Und ich möchte jetzt nicht viel darüber verlieren, dass der folgende Trip durch die Nacht extrem genial wurde und wir einfach wieder ein Gespann von fremden Nachtmenschen waren- ich möchte einfach nur sagen, dass es manchmal nichts mit Selbstvertrauen zu tun hat, wenn man glaubt, dass man nicht in der Liga eines anderen sei. Es hat viel eher was damit zu tun, dass uns Barbie und Ken vormachen, dass zwei wirklich bodenlos unanständig geile Menschen zusammengehören. Dabei kann es auch gut sein, dass nur einer von ihnen richtig geil ist, der andere aber genau das vorzuweisen hat, was diese Person gerade sucht.

Übrigens habe ich mich prächtig mit dem jungen Mann verstanden, und werde mich heute abend wieder mit ihm treffen. Nicht, um Kinder zu kriegen, sondern einfach nur um Spaß zu haben, und wieder eine wahllose Nacht in der Großstadt zu verbringen, die vielleicht zwei fremde Menschen in Sachen seltsames Aussehen näher bringt. Und ich werde definitiv nicht mehr in Kategorien denken, das hilft nicht. Einfach alles zulassen, nicht in Statistiken denken, und schon ist man in einer ganz anderen Welt,die um einiges mehr Spaß macht als das, was man vorher kannte.

9 Comments
Close
E-mail It