Es ist nicht vorbei, es klingt nur anders.

Berlin Calling

Posted: May 18th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Lärmforschung, Metropolis, Weltkulturerbe | 4 Comments »

Gestern habe ich mir, als ungefähr letzter Mensch auf diesem Planeten, auch endlich mal Berlin Calling angesehen. Nachdem ich ja schon seit Monaten den (überaus) großartigen Soundtrack besitze und Paul Kalkbrenner schon live erlebt habe, kam die Gelegenheit per Instant Messenger und einem Wochenende in Langweile zu Hause.

Um es kurz und knackig zu machen: So genau verstehe ich den Hype nicht. Lernt man einen Cineasten, Druffie oder einfach nur Berliner kennen, alle sind sich einig, dass dieser Film eine gewisse Bedeutung für die Berliner Techno-Subkultur trägt. Ich vermute dahinter allerdings blinde Loyalität zu einer sehr gerne gesehenen und vor allem auch erlebten Bewegung. Egal ob in den Clubs, auf den diversen Freiluft-Raves oder in der U-Bahn. Die Kids wollen Techno, auch wenn ich mich manchmal frage, ob sie es wollen, um eine Rechtfertigung für chemische Zusatzstoffe zu haben oder ob diese tatsächlich nur ein Mittel zum Zweck sind. Die Grenzen verschwimmen da sehr häufig.

Und so ging es mir auch mit diesem Film. Zugegeben, er war mir nicht unsympathisch, was wohl an der beruhigenden Deutsch-Film-Dramatik liegt, die nicht versucht, etwas aufzubauschen, das es nicht gibt (wie es etwa die amerikanischen Dramen gerne tun). Nein, die Geschichte war eigentlich recht langweilig, unspektakulär und vor allem: nichtsaussagend. Oder?

Noch mal von vorne: DJ Ickarus schiebt sich ein paar böse Teile in der Produktionszeit seines neuen Albums. Man sieht ihn in der Klapse auf einem Egotrip, er versaut sich seine Freundin, sein Label, sein Leben. Nach der Intervention seiner Familie und Freunde (die im Film recht kurz, bündig und selbstverständlich abläuft) geht es aber wieder bergauf, er stellt sein Album fertig und rockt alle weg. Und wenn ich das jetzt so trocken erzähle, dann nicht, weil ich zu einem Punkt kommen will, sondern weil der Film tatsächlich genau so gerade erzählt wurde. Drei Sätze. Das war es eigentlich auch schon.

Der Film überzeugt in seiner Schönheit, aus seiner Perspektive; ein Film, der auch ein großes Bild sein könnte. Auch wenn der Unterhaltungsgrad bei Berlin Calling nicht wirklich existent war, geben die Bilder vielleicht ein bisschen das Spiegelbild einer hedonistisch-ausgelassenen Kultur wider, welches sogar recht akkurat ist. Welche Stadt könnte da am ehesten als Sammelbecken für etwas so großes/gefährliches dienen?

Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte- man hätte auch beim Soundtrack bleiben können. Paul Kalkbrenner tanzt morgens wie in Trance zu Sky & Sand. Diese Szene alleine kompensiert die Schlichtheit des Filmes und ergreift mit einer Sehnsucht das Herz jedes Nachtmenschen, der sich für den Moment fallen lassen kann. Deshalb lege ich Berlin Calling denjenigen ans Herz, die beim Feiern mal ganz kurz die Luft anhalten sollten, bevor der Beat wieder losgeht.


Sommerschein

Posted: April 15th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Metropolis, Sperrmüll | 7 Comments »

Unglaublich, was die Sonne für ein Remmidemmi verursachen kann. Man traute sich ja gar nicht, in T-Shirt rauszugehen, weil man nicht glauben wollte, dass es wirklich und wahrhaftig warm ist.

“Watt”, schreien die empörten Hardcore-Winter-Fans, “gestern hat’s doch noch gefrostet!” – Oh ja. Und während sich die anständigen Menschen zögerlich ihrer Kleidung entledigen (die fetten Menschen hingegen direkt im Bikini einen Schatten auf das restliche Fußballfeld werfen), saß ich grimmig in meinem Zimmer und habe auf das Thermometer gestarrt.

Aber schön wär’s gewesen.


Young Modern Life

Posted: April 8th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Metropolis, Weltkulturerbe | 5 Comments »

So, Musik zum Auf-der-Wiese chillaxen (das beste Wort, das BastiH je erfunden hat). Übrigens hab ich das Video jetzt doch wieder mit dem Movie Maker gemacht, weil ich mich in die anderen Programme (danke für die Empfehlungen!) noch einlesen muss. Außerdem ist es langweilig, aber die Musik ist da, also whatever.


Nahverkehr

Posted: March 17th, 2009 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Metropolis | 6 Comments »

Es gibt viele Dinge an der Berliner U-Bahn, die mich zur Weißglut bringen. Es fängt an mit den Umbauarbeiten, die anscheinend willkürlich von Linie zu Linie wechseln. Manchmal dauern die Arbeiten sechs Monate, manchmal gefühlte zweihundert Jahre.

U-Bahn fahren in Berlin kann übrigens durchaus lebensgefährlich sein. Wer den Nahverkehr im zivilisierten Westen gewohnt ist riskiert nämlich nichts wenn er mal hektisch in die Bahn springt; Türen gehen ja notfalls wieder auf. In Berlin sollte man solch waghalsige Stunts nicht unbedingt nachahmen, da sie meistens dafür sorgen, dass man mit einem Facepalm in die volle U-Bahn kracht, weil man mit dem Hosenzipfel in der Tür hängt- die überraschenderweise nicht wieder aufgegangen ist. Schließlich kriegt man noch einen Pöbel vom Fahrer, der die Türen mühevoll wieder aufmachen musste. Mindestens 20 Sekunden Verspätung, aber mehr Entertainment als das Berliner Fenster.

Das gute an Berliner Nahverkehr ist jedoch, das eigentlich immer irgendwas fährt. Rikscha, Opel Astra und hirnrissige Fahrradfahrer inklusive. Trotz regelmäßiger Fahrten im drei-Minuten-Takt schaff ich es trotzdem nie rechtzeitig in die U-Bahn, was zum größten Teil an den Schlaftabletten liegt, die die schmalen Treppen einfach versperren.

VERSPERREN. Die SCHLENDERN ja die Stufen runter! Im wahrscheinlichsten Fall handelt es sich um kaffeeschlürfende Businessmenschen, die noch ihr Blackberry in den Krallen balancieren. Will man überholen, kriecht einem ein Rentnerehepaar entgegen, das zu guter letzt noch eine Stadtkarte inspiziert.  Bahn verpasst.

Morgens will ich eigentlich nur vor mich hinvegetieren, bis ich um die Mittagszeit herum endlich aufwache. Kontraproduktiv sind da die ewigen gleichen Bahnmusikanten. Ja, es hört sich super schön und ermunternd an, deine Klarinette und das Akkordeon in Harmonie- IN DER HÖLLE VIELLEICHT. Ich würd denen sogar einen Fuffi in die Hand drücken, wenn ich wüsste, dass die sich dann eine andere Uhrzeit und eine andere Bahn suchen würden, aber nein, pünktlich wie immer stehen die um halb neun morgens an der Bahn, während ich verzweifelt das Abteil suche, wo sie nicht reingehen werden, um genau da rein zu gehen, wo das nächste Amateurorchester nach Kleingeld jammert.

Heute gab es ein besonderes Spektakel, als eine alte Dame, die wohl in der Kreidezeit schon ungefähr 60 Jahre alt war, mit einem Tempo von -10 km/h herum lief und unverständliche Sachen nuschelte. Sie erinnerte mich mit ihrem Kopftuch und dem Stock an eine böse Hexe aus dem Märchen. Die fehlenden Zähne trugen ihren Teil besonders dazu bei. Ich dachte erst, das sie Geld sammelte für den Automat- wie ungefähr alle anderen Anwesenden, die sie mit missachtenden Blicken straften – bis ich endlich raffte, dass sie eigentlich nur jemanden bitten wollte, für sie eine Karte zu ziehen. Ich schämte mich ein bisschen, weil ich sie genauso strafend angeblickt hatte. Richtig verstanden hatte ich die Situation nämlich erst, als jemand anderes ihr behilflich wurde.

Aber das ist dann halt Berlin, und was in der U-Bahn passiert, bleibt in der U-Bahn.