Archive of articles classified as' "Ohne Glück"

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Querschnittsgelähmt

8/11/2008

Meine Matratze wird mich umbringen.

Ich habe mir endlich eine Matratze für mein Hochbett gekauft. Eine, die nicht seit 20 Jahren von irgendwelchen saufenden, rauchenden und rumhurenden Studenten durchgelegen ist. Eine, die das Geld lohnt- nicht irgendein Schaumstoffmatratzending ohne Durchhaltevermögen.

Eine, die nach eigener Einschätzung meinerseits ungefähr sechs Mal höher ist als die, die vorher da lag.

Und obwohl mich dieses Ding viel Kraft gekostet hat (es war ja klar, dass JEDE zur Auswahl gestandene Matratze bei Ikea im SB-Bereich ZUSAMMENGEROLLT zur Verfügung gestanden hätte, nur dieses Monster von 140 Breite und 200 Länge stand da wie Gott sie schuf und wartete darauf, in einen Ford Escort geknetet zu werden), und ich auf den Treppenstufen bis in den 4. Stock fast einen Herzkreislaufkollaps erleidet hätte, musste ich fast kapitulieren, als ich es endlich, endlich auf mein 2 Meter hohes Bett hochgewuchtet habe.

Sie überragt mein Geländer.

Bitte lasst euch das jetzt mal durch den Kopf gehen.

SIE ÜBERRAGT MEIN FUCKING GELÄNDER.

Nicht, dass mein Geländer jemals tauglich gewesen wäre, das nicht, nein. Dieser do-it-yourself-Ast von einer kranken Basilikumpflanze diente eher symbolisch als Grenze, aber es war zumindest eine. So. Und jetzt muss ich mich ab sofort entweder jede Nacht an die Wand tapen, oder ich muss befürchten, irgendwann runterzukrachen. Zwei Meter tief, harte Dielen, ihr wisst bescheid.

Höchstwahrscheinlich dann Genick- und Schädelbasisbruch, da mein Schreibtisch im perfekten Winkel unter dem Bett steht. Immerhin würde es schnell gehen. Bei dieser Überlegung fällt mir ein, dass ich ja auch endlich wieder gut schlafen kann und nicht jeden morgen vor Schmerzen und völlig gerädert aufwachen werde, wenn ich überhaupt je wieder aufwache, das heisst aber auch, dass ich gar nicht realisieren werde, dass ich runterfliege, weil ich so einen komatösen Schlafzustand einnehmen werde, was ja auch ganz praktisch sein kann. So ein schneller Tod, ne.

Und denkt nur an die Promillezahlen.

Auf jeden Fall werde ich in meiner Lebzeit, sollte sie mir noch länger als einige Monate vergönnt sein, sehr viel Sex und Zärtlichkeit erfahren, denn jeder, der sich mit mir das Bett teilt, wird sich schön an mich kuscheln. Ich lieg nämlich an der Wand.

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Abgeben

7/11/2008

Du bist verliebt. In die schönste Frau der Welt. Sie ist wundervoll. Sie ist perfekt. Du bist glücklich, wenn du sie siehst. Lachend. Endlich frei, irgendwie. Entspannt. Sie muss nicht mal mit dir reden. Einfach da sein. Die Welt dreht sich wieder.

Du findest raus, dass sie eine einzige Lüge ist. Eine Puppe. Unecht. Du warst blind. Gegen die Wand gerannt. Absolut enttäuschend.

Es setzt Schmerz ein. Wut. Trauer. Reue. So viel verschwendete Zeit- für was? Für etwas, das nicht existiert? Das nichts wert ist?

Stolz. Und plötzlich: Nichts. Du weisst, da sollte was sein. Mehr Schmerz. Mehr Wut. Mehr Trauer. Mehr Enttäuschung. Du siehst sie, und du weisst, dass da mehr sein muss. Es bewegt sich in dir, es ist da, aber du siehst es nicht. Du siehst sie, und alles ist vorbei. Kalte Glut, da, wo mal Feuer war. Ignoranz.

Aber du ertrinkst nicht im Schmerz. Du bist besser als das. Dir ist es egal. Keine Regung deiner Gefühle. Abgestellt. Ausgemacht. Dicht.

Du machst Party. Du lachst. Du hast Spaß. Alles ist perfekt.

Eingepackt, festgeschnürt, abgeriegelt. Eine Millionen Jahre später wirst du von einer Brücke springen, weil es keinen Sinn mehr macht, stolz zu sein. Eines Tages wirst du dir wünschen, geweint zu haben. Eines Tages ist alles vorbei, und da, wo etwas hätte sein sollen, wird etwas sein: Schmerz. Wut. Trauer. Und eine ewige Geilheit nach Rache an dir selbst.

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Naturgesetz

2/11/2008

Ich bin wie ein kleines Kind. Man muss mich einfach vor langen Fahrten zwingen, auf’s Klo zu gehen.

Bei genauerem Überlegen müsste man mich eigentlich vor allen Dingen des Lebens vorher zwingen, auf’s Klo zu gehen. So zum Beispiel jeden Abend, bevor ich mühevoll und betrunken auf mein Hochbett kletter, nur um 4 Minuten später völlig besiegt und entmächtigt wieder runterzukriechen um meine Blase zu erleichtern. Oder vor 5-stündigen Vorlesungen, wo ich eingekeilt zwischen 60 Komillitionen sitze und ein Aufstehen für eine halbstündige Unterbrechung sorgen würde.

Die meiste Zeit verbringe ich deshalb bettelnd und flehend, dass bald die Höllenzeit des Drucks rum ist und ich endlich die Erleichterung spüren darf (immerhin gibt es für mich täglich etwas, auf dass ich mich freuen darf, auch eine Art, sich selbst zu belohnen). Wir sind dieses Wochenende zu Freunden nach Hamburg gefahren, und original 4 Minuten nachdem ich ins Auto gestiegen bin (und wir waren sowieso schon tausend Jahre zu spät), verspüre ich nicht etwa einen ganz leichten Fieps, sondern den krassesten Drang seit Entstehung der Menschheit. Das liegt vor allem auch daran, dass ich Experte darin bin, einfach nicht die Toilette aufzusuchen, wenn ich nicht ganz dringend muss. Ich habe keine Ahnung, wieso. Und jedes verdammte Mal, wenn ich denke, “die paar Stunden hälst du das noch locker aus”, liege ich falsch und zittere vor Anspannung.

Das war auf der Rückfahrt eben auch nicht anders. Ich hab über den Tag verteilt mit Sicherheit sechs Liter Wasser, Glühwein, Kaffee, Tee und Bier abgepumpt, und die ganze Zeit (aus Faulheit) keinen Bedarf an Toilettengang gehabt. IN DEM AUGENBLICK WO WIR LOSFAHREN UND ICH ENTSPANNT DIE AUTOFAHRT GENIESSEN WILL, FÄNGT DIE PISSE AN NACH FREIHEIT ZU SCHREIEN. Ein verdammtes Naturgesetz. Und weil es mir so peinlich ist, die Fahrer ständig zu fragen, ob sie bitte mal anhalten könnten, muss ich dann auch jeden einzelnen Umweg mit Tränen in Kauf nehmen und hoffen, es doch rechtzeitig zu schaffen und mich nicht zu demütigen.

Bisher hat das wunderbar funktioniert, und ihr wisst gar nicht, wie gut es mir gerade geht.

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Ersatzbank

12/10/2008

Wenn man nach einer Woche das Gefühl hat, niemals da gewesen zu sein, ist etwas eingetreten, was sich als ein leichtes Glücksgefühl ausdrückt. Leicht, denn es wird gerade in unsagbaren Ausmaßen von diesem anderen etwas zerquetscht - vom Horror der Realität - aber dennoch ist es da.

Ich bin also nach fast genau einer Woche “ausgezogen sein” aus bürokratischen Gründen in die gute, alte Heimat zurückgekehrt. Und, mal abgesehen von meiner Mutter, ist es so, als hätte ich nie hier existiert. Meine Freunde sind nicht überrascht oder positiv erstaunt, mich zu sehen- nein, eher erschrocken und abweisend. Kann ich ja auch verstehen. Wenn so ein fürchterlicher Mensch wie ich erst mal versprochen hat, ne Weile nicht mehr da zu sein, und auf einmal doch wieder auftaucht… wer würde es ihnen verübeln?

Aber noch viel besser ist es festzustellen, dass ich an den wirklich wichtigen Plätzen schon vollständig ersetzt wurde. Völlig ausnahmslos. Ich beobachte mit einem sehr masochistischem Vergnügen, wie dieser Platz nicht nur gut, sondern sogar perfekter ersetzt wird, als ich ihn jemals hätte füllen können. An dieser Stelle möchte ich trotz einer gewissen Kaltblütigkeit, die dieser Text ausdrücken soll, erwähnen dass ich mich gerne von einer Brücke stürzen möchte. Nun, diese Person ist ja auch perfekter als ich. Schöner, cleverer, erfolgreicher, weitaus charmanter, hat mehr Geld, schenkt mehr Aufmerksamkeit.

Und nach einer Woche fühle ich mich hier so fremd wie zuvor in Berlin, nur dass ich jetzt weiß, dass ich nicht mehr hier sein möchte und lieber mein Leben alleine verbringe als mich mit solchen Tatsachen zu quälen. Denn ersetzt werden ist mit Sicherheit kein Spaß, vor allem nicht, wenn man das so eiskalt ins Gesicht vorgeführt bekommt, wie wenig man zu melden hat. Eigentlich fast schon so, als ob man nur darauf gewartet hätte, dass ich gehe. Andererseits ist es vielleicht auch ganz gut- so drängt es mich nämlich wieder zurück nach Berlin, wo ich zwar momentan auch unglücklich bin, aber dieses Unglück auf andere Sachen schieben kann, wie zum Beispiel die Langweile oder das Alleine sein oder sonstirgendwas. Hier ist es so unmittelbar, wie schnell man feststellt, dass man gar nicht vermisst wird, auch wenn man gerade noch da war, ich glaube nicht, dass es sich mit der Zeit intensivieren wird. Und es ist schön zu wissen dass all die Menschen, die man liebt, kein Problem damit haben, sich neu zu orientieren und es ist noch viel schöner zu wissen, dass sie ihren Schmerz nicht in wütende Worte ertränken müssen. Da kann man sich sicher sein, dass alle in guten Händen sind, wenn man selbst nicht da ist. Was will man mehr? Nach einer Woche.

Nach einer verdammten Woche.

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Back At One

11/10/2008

Die Universität Potsdam ist ein kleines, unfähiges Dorf voller Rednecks und Minderbemittelten. Oh ja, richtig gehört. All diese Akademiker und Studenten und Dozenten und Professoren- drauf geschissen. Minderbemittelte Trottel und Nerds, alle auf einem Haufen, die mir das Leben zur Hölle machen.

Ich kann das, was ich studieren will (oder eher: muss) überhaupt nicht studieren, weil keine Vorlesungen angeboten werden. Stattdessen mach ich ganz andere Kurse, die mir Allgemeinbildung vermitteln, damit ich wenigstens meine Zeit nicht verschwende. Dinge wie “Academic Writing in English”, der einzige Englischkurs, den ich besuchen darf, weil ich den Test mit 100% abgeschnitten habe, aber für 100% werden (dieses Semester jedenfalls) keine Kurse angeboten, und in die niedrigeren darf ich nicht rein. Super. Russisch brauch ich gar nicht erst anzufangen, weil das Erlernen der Sprache in keinster Weise benotet oder einberechnet wird. Ein verschwendetes Semester also.

Und die Leute erst! Ich habe ab sofort kein Problem mehr damit, mich als stilvolle, charmante, coole und attraktive Person zu bezeichnen. Ich weiß nicht, ob es am Klischee Brandenburg oder an diesem verkommenen Klientel der Universität liegt, aber alter Verwalter, könnte es denn schlimmer sein? Ich glaube kaum.

Andererseits habe ich schon eine Seelenverwandte unter lauter Lurchen kennengelernt. Wir wären unter anderen Umständen wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, auch nur ein einziges Wort miteinander zu wechseln, aber in der Not frisst der Teufel fliegen, und ganz alleine schafft das eh keiner.

Jetzt jedenfalls dachte ich, ich könnte diese Woche entspannt Berlin kennen lernen - obwohl eben alleine - bis die Uni anfängt und ich mich in den Stress reinstürzen darf. Aber, Pech gehabt. Die Polizei hat angerufen, und weil ich meinen Führerschein bis jetzt nicht beantragt habe, wird mir vorgeworfen, ich wäre die letzten 2 Jahre bewusst ohne gefahren, blah blah blah, und ein Bußgeld von 500 Euro auferlegt. Das, oder ich beantrage meinen Führerschein. Und das ist wesentlich unkomplizierter, wenn ich es zu Hause mache, also werd ich morgen früh abdüsen und mich dem Horror auf ein Neues stellen: Nochmal Abschied, nochmal das Alleine sein in Berlin erfahren, nochmal nicht dran gewöhnt sein. Es ist abartig, wie das hier abläuft, und es fühlt sich an wie eine große Niederlage. Dabei ist es heute schon um einiges besser als gestern oder, woah, Donnerstag.

Solange ich nicht depressiv bin oder mich mit Drogen vollpumpe, dürfte alles okay sein. Trotzdem bin ich gespannt, wie es wohl wird, das alles. Immer noch. Aber jetzt erst mal nach Hause. So eine Scheisse.

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So sieht’s aus.

23/09/2008

Wisst ihr, wann man einsam ist? Wenn plötzlich die bessere Hälfte eine andere bessere Hälfte hat. Ganz genau so ist es. Und dann sitzt man da auf ‘nem Stein und anstatt dass neben einem noch ein Depp sitzt der genauso nur dumm da hockt und nichts tut außer die Zweisamkeit zu genießen, sitzt man da alleine. So wahllos es klingen mag- meine bessere Hälfte hat zufälligerweise keinen Penis und ‘nen Waschbrettbauch, ist aber mein Kumpan in allen Lebenslagen seit gefühlten dreitausend Jahren, und jetzt- jetzt entwickelt sich alles ganz anders, als gedacht, und jetzt findet sie jemanden toll, der sie toll findet, den jeder toll findet, und ich weiß, ich sollte das nicht denken- aber ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass er ein Idiot ist, ein Arschloch, irgendwas,– aber stattdessen wird fröhlich vor sich hintelefoniert und gekichert und ich hör mir das an und ich kotze, kotze, kotze, und weiß nicht was abgeht bei mir, weiß nicht was noch passieren wird, habe Angst davor, weil dieser Stein echt krass abgelegen von allen anderen Steinen ist- der, auf dem ich rumhocke- und sie wird gehen, ich spüre es, alles ist so perfekt jetzt, für sie, und für mich - augenscheinlich - auch. Ist es aber nicht. Denn egal wie super toll geplant jetzt alles läuft und egal wie viele chaotisch-positiven Entscheidungen ich doch getroffen habe, ohne diese bessere Hälfte geht nichts. Gar nichts.

Ich bin der alleinste Mensch auf der ganzen scheiss beschissenen Welt.

Übrigens danke an alle, die mir zum Geburtstag gratuliert haben. War beschissen wie immer.

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Krankheit

2/09/2008

Mich interessiert niemand mehr. Ich erinnere mich nicht an Geburtstage, ich scheiss drauf ob ich anderen weh tue und verhalte mich so egozentrisch wie es mir nur möglich ist. Interessanterweise wurde mir dieses Verhaltensmuster vorgeworfen, als es nie so war, und jetzt- jetzt scheint es jedem genauso egal zu sein wie mir.

Seht ihr, es hat nichts mit antisozialen Charakterzügen zu tun- es ist nur die höchste, purste Ignoranz, die man sich wünschen kann. Ja, ich ignoriere den Weltschmerz, ja, ich ignoriere die Wirtschaftsflaute und ja, ich kümmere mich mit Vorliebe um mich selbst, auch wenn ich nicht Samantha Jones heisse und dreiundachtzig Dildos besitze. Und es bockt niemanden mehr! Mich macht es halbwegs glücklich, keine Tränen mehr vergießen zu müssen, weil mich sowieso nichts jucken kann, und den Rest langweilt es höchstens, meine apathischen Zustände zu ertragen.

Dabei ist der Schnaps mein bester Freund. Bald gesellen sich noch viele andere kleine Freunde hinzu, habe ich das Gefühl: abtöten, was noch da ist, um die letzte Phase nicht mehr ganz so schlimm in Gedanken zu haben, wenn es mal vorbei sein sollte. Ich bin der geborene Alkoholikher: Ich werde nicht traurig, ich werde nicht still, ich flippe auch nicht aus, nein, ich vergesse, und dabei hab ich schon viel mehr gewonnen als man denken mag.

Ich vergesse, was es heisst, schwach zu sein. Ich vergesse, wie es ist, mit Worten geschlagen zu werden. Ich vergesse, dass meine Träume je existiert haben, ich vergesse, dass Witze witzig sein müssen, damit man lachen kann, ich vergesse, wie ich heisse und damit auch mein Leben, ich vergesse meine Vergangenheit und das, was noch kommen wird, ich vergesse, dass Geld die Welt regiert und Ecstacy schlecht fürs Immunsystem ist.

Und das ist gut so. Ich kann den Tag verpennen, die Stirn runzeln wenn mir das Arschloch der Nation gegenübersteht, grummlig sein, hungover sein, jeden anfucken, der mir in den Weg kommt, so tun, als würde ich unter Depression leiden (dabei ist es nur ein Kater) und jedem den Fickfinger geben, der ihn sehen will- ohne gefragt zu werden, was los ist. Denn jeder hat Angst vor der Antwort, die dann kommen wird, die Antwort, die sie beschuldigt und selbst zum Täter macht, mich eingeschlossen, wohlgemerkt: Sich selbst zu schaden ist auch kein Opfer.

Ist ja auch egal. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass nichts mehr interessiert, und man genauso gut den Tequila runterstürzen kann, wenn es erst mal soweit ist. Und hoffen, dass sich die wichtigen Dinge alleine regeln. Dass man einfach die Augen verschließen kann. Wenns gar nicht mehr geht, gibt es ja immer noch Heroin.

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Sleepyhead

15/08/2008

Hach, schön waren die Zeiten (vor knapp 8 Wochen) als meine größte Sorge war, ob ich jemals wieder Sex haben werde.

(Um nicht zu sagen, dass ich irgendwie wieder regelmäßigen Sex hätte; aber mir ist aufgefallen, wie überbewertet dieses Thema ist, wenn man nicht mal mehr weiß, wo man nächste Woche wohnen wird und ob man nicht den größten Fehler seines Lebens macht. Lesen hier eigentlich auch Menschen, die eigene Kinder haben und sich ständig an den Kopf fassen und denken “Oh mein Gott dieses Mädchen ist so naiv und gestört und hat keine Ahnung und ah-ah-ah (großelterliches Gelächter) eines Tages wird es lernen was es eigentlich heisst zu leben, oh-hoh-hoh (großelterliches Gelächter)”? Wenn ja, ich geh jetzt kiffen und genieße meine Jugend, du Arschloch).

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Ebay Massaker

29/07/2008

In dieser Konsumwelt, wo ein Embryo es schon im Mutterleib schafft, mit dem Magen um den größeren Anteil an Futter zu feilschen, muss man wahrscheinlich schon ein mental komplett ausgeschalteter Schwachmat sein, um bei Ebay ungefähr 30% mehr für etwas zu bezahlen als irgendwo anders.  Ladies und Gentlemen, ich präsentiere: Mich.

Das fängt immer damit an, dass ich irgendeine Newsletter von irgendeinem sauteuren Onlineshop bekomme, wo irgendwas ganz besonders laut nach meinem Namen schreit (meistens ist es bunt und kann an den Füßen getragen werden). Just in diesem Augenblick fallen mir achtzig andere Sachen ein, die ich unbedingt ganz dringend jetzt brauche und mir keineswegs leisten kann, und dann fällt mir ein, oh, vielleicht hab ich ja Glück bei Ebay, so wie beim ersten Mal, das war ganz toll, auch so ein Zufall! Die anderen, unzähligen Male, bei denen ich mich in einen Rausch klickte und nicht mehr aufhören konnte mitzubieten, werden von meinem Bewusstsein (partielle Steuerung bzw. manifestierte Gehirnstörung wird sowas genannt) sauber ausgeblendet. Verdrägung, liebe Leser und Leserinnen, ist eine sehr machtvolle Funktion eines suizidgefährdeten Körpers, lasst euch das gesagt sein.

Tja. Und weil ich ja nicht mitbiete, um so billig wie möglich wegzukommen, sondern weil ich unbedingt gewinnen will (aah, es tut so weh), habe ich heute für eine Haarkur ungefähr 30 Euro ausgegeben. Und für Batmanbettwäsche (immerhin neue) knapp 40. Und es kommen noch viele andere Sachen, bei denen ich mitbiete und es absolut nicht abhaben kann, wenn irgendein Arschloch da jetzt noch 30 Cent drauf knallen muss (”DREISSIG CENT! DASS ICH NICHT LACHE! HIER, MEINE ZEHN EURO ÜBERBIETEST DU EH NICHT, BAM!”), und bald folgt der Schufa-Eintrag und dann kann es bis zur Peter Zwegat Schuldenberatung auch nicht mehr weithin sein. Ach, alles geht den Bach runter.

Immerhin hat mich das jetzt mal dazu bewegt, Überflüssiges aus dem Schrank zu räumen und selbst bei Ebay für ungefähr nen scheiss schimmelnden Apfel und ein totes Huhn oder so zu verscherbeln. Wobei ich da jetzt gar keine Wahl mehr habe, irgendwie muss ich den ganzen Schrott ja bezahlen. Ich bin echt ein wirtschaftlicher Totalschaden. Kann mal bitte jemand mit dem Finger auf mich zeigen und mich für meinen Studienwunsch auslachen?

Jetzt nur noch hoffen dass ich den Job morgen kriege. Und wie gut, dass ich keinen Dispo habe.

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