Wer mich kennt, weiß ja, dass ich absolut markenresistent und völlig nach Bedarf einkaufe (ahem). Deshalb kommen solche Momente, in denen ich mich einem Konsumgegenstand vollständig und lückenlos hingebe, eher selten vor (ahem).
Wenn ich allerdings so weit bin, bringt mich nichts mehr von meiner Abhängigkeit runter. So ist das. Deshalb werde ich auch niemals Heroin spritzen, so naiv war ich schon einmal (beim Nikotin. Zugegeben, die Nach- und Vorteile der jeweiligen Drogen dürften riesige Unterschied aufzeigen, auf das Wesentliche beschränkt handelt es sich aber dann doch wieder um das Gleiche).
Und nun hat es mich wieder gepackt. Nie durfte meine Zunge etwas wohlschmeckenderes erspüren, nie hat es so geprickelt in meine Mundraum. Das Design der Verpackung, die ansprechenden Sommerfarben, der schlichte Duft der Chemie, der aus der Flasche tritt…
Ein Gaumenfick, ohne Zweifel, dieses Fritz-Limo Melonenbrause. MELONENBRAUSE! Allein dieser bodenständige Name, der durch seine realitätstreue Aussage zu überzeugen weiß. Grün! Woher wussten die, dass ich auf grün stehe! Aufgewachsen mit Cornflakes, Snickers und Coca-Cola, DIE WUSSTEN DOCH DASS ICH AUF KÜNSTLICHE GESCHMACKSRICHTUNGEN ABFAHRE!
Tatsächlich: Ein Verbrechen an meiner Selbstbestimmung, ist das. Und damit verbleibe ich, bis ich das nächste Mal die Zeit finde, etwas mehr von meinen alltäglichen Aktivitäten schriftlich niederzulegen.
PS: Das Foto ändert sich bei jedem neuen Dailybooth Shot. Ich überlege, ob ich das in meinen Blog implementieren soll, aber da ich sowieso maximal alle vier Monate ein Bild machen werde, erübrigt sich das vielleicht.
Update: Beck’s macht jetzt Schleichwerbung, nämlich auf anderen Flaschen. Wie zum Beispiel Fritz-Limo Melonenbrause. Ich trink jetzt auch keinen Kaffee mehr weil ich vom ganzen Zucker hyperaktiv werde. Yeeha Cowboy!
Das hier ist so gut, dass ich mich kaum zurückhalten kann: Die CDU plant einen Infostand in Kreuzberg zu errichten.
Am 1. Mai.
Was erwarten die eigentlich? Wollen die die brennenden Autos ausquatschen oder was? Andererseits gibt’s dann einige stockkonservative Dummschwätzer weniger in der Welt. Ich für meine Person werde jedenfalls auch in Kreuzberg sein, unparteiische Fotos schießen (wobei ich ja durchaus Lust habe, auch was zu schmeissen).
Ich freue mich schon drauf, allerdings zum größten Teil nur, weil ich von Freitag bis Sonntag frei habe. Randale, ohohoho.
Nur ein kurzer Drop, weil ich dieses Schmuckstück hier niemandem verheimlichen kann. Meiner Meinung nach eines der besten Aggregators, die das Web 2.0 mit sich gebracht hat: Das neue und innovative We Are Hunted.
Auf We Are Haunted findet man die Musik Charts des Web 2.0. Blogs, Twitter und weitere Kommunikationsplattformen werden genutzt, um die Mentions der Tracks und Artists zu sammeln um sie dann – quasi in Echtzeit – zu den genialsten Charts zusammen zu stellen, die man sich so vorstellen kann.
Großartig, großartig, großartig. Damit auch eine neue Kategorie auf dem Blog (wohl im Wesentlichen nur, um alte Beiträge zuordnen zu können): Lärmforschung, gewidmet der inspierenden und heilenden Kraft der Musik. Word!
Update: Fixed Link- nicht “we are haunted” (wir werden heimgesucht oder sowas), sondern “we are hunted” (wir werden gejagt).. tada.. danke Schwarzmaler!
Unglaublich, was die Sonne für ein Remmidemmi verursachen kann. Man traute sich ja gar nicht, in T-Shirt rauszugehen, weil man nicht glauben wollte, dass es wirklich und wahrhaftig warm ist.
“Watt”, schreien die empörten Hardcore-Winter-Fans, “gestern hat’s doch noch gefrostet!” – Oh ja. Und während sich die anständigen Menschen zögerlich ihrer Kleidung entledigen (die fetten Menschen hingegen direkt im Bikini einen Schatten auf das restliche Fußballfeld werfen), saß ich grimmig in meinem Zimmer und habe auf das Thermometer gestarrt.
So, Musik zum Auf-der-Wiese chillaxen (das beste Wort, das BastiH je erfunden hat). Übrigens hab ich das Video jetzt doch wieder mit dem Movie Maker gemacht, weil ich mich in die anderen Programme (danke für die Empfehlungen!) noch einlesen muss. Außerdem ist es langweilig, aber die Musik ist da, also whatever.
Wie kann man es schaffen, auf so unkomplizierte Weise wie möglich, einen Song bei YouTube als Video hochzuladen?
Es gibt so unendlich viele MP3s, die es wert wären, auch mal von Leuten mit gutem Geschmack gefunden zu werden, aber das geht nicht, weil sich natürlich keiner darum bemüht. Jedenfalls würde ich das gerne machen, aber bevor ich jemals wieder Windows Movie Maker anrühren muss setz ich mir lieber direkt den goldenen Schuss, das macht mehr Spaß, ist halb so frustrierend und führt zum selben Ergebnis.
Also wenn irgendwer Vorschläge hat oder seine Zeit gerne damit verbringt, bizarre Songs in Videos zu verwandeln, dem ich diese Aufgabe aufdrücken kann- Ansage jetzt.
Übrigens, was ist eigentlich das Gildefest in Wildeshausen? Muss man das kennen? Wieso ist es da? Warum erklärt mir keiner diese fundamentalen Dinge des Lebens?
Es gibt viele Dinge an der Berliner U-Bahn, die mich zur Weißglut bringen. Es fängt an mit den Umbauarbeiten, die anscheinend willkürlich von Linie zu Linie wechseln. Manchmal dauern die Arbeiten sechs Monate, manchmal gefühlte zweihundert Jahre.
U-Bahn fahren in Berlin kann übrigens durchaus lebensgefährlich sein. Wer den Nahverkehr im zivilisierten Westen gewohnt ist riskiert nämlich nichts wenn er mal hektisch in die Bahn springt; Türen gehen ja notfalls wieder auf. In Berlin sollte man solch waghalsige Stunts nicht unbedingt nachahmen, da sie meistens dafür sorgen, dass man mit einem Facepalm in die volle U-Bahn kracht, weil man mit dem Hosenzipfel in der Tür hängt- die überraschenderweise nicht wieder aufgegangen ist. Schließlich kriegt man noch einen Pöbel vom Fahrer, der die Türen mühevoll wieder aufmachen musste. Mindestens 20 Sekunden Verspätung, aber mehr Entertainment als das Berliner Fenster.
Das gute an Berliner Nahverkehr ist jedoch, das eigentlich immer irgendwas fährt. Rikscha, Opel Astra und hirnrissige Fahrradfahrer inklusive. Trotz regelmäßiger Fahrten im drei-Minuten-Takt schaff ich es trotzdem nie rechtzeitig in die U-Bahn, was zum größten Teil an den Schlaftabletten liegt, die die schmalen Treppen einfach versperren.
VERSPERREN. Die SCHLENDERN ja die Stufen runter! Im wahrscheinlichsten Fall handelt es sich um kaffeeschlürfende Businessmenschen, die noch ihr Blackberry in den Krallen balancieren. Will man überholen, kriecht einem ein Rentnerehepaar entgegen, das zu guter letzt noch eine Stadtkarte inspiziert. Bahn verpasst.
Morgens will ich eigentlich nur vor mich hinvegetieren, bis ich um die Mittagszeit herum endlich aufwache. Kontraproduktiv sind da die ewigen gleichen Bahnmusikanten. Ja, es hört sich super schön und ermunternd an, deine Klarinette und das Akkordeon in Harmonie- IN DER HÖLLE VIELLEICHT. Ich würd denen sogar einen Fuffi in die Hand drücken, wenn ich wüsste, dass die sich dann eine andere Uhrzeit und eine andere Bahn suchen würden, aber nein, pünktlich wie immer stehen die um halb neun morgens an der Bahn, während ich verzweifelt das Abteil suche, wo sie nicht reingehen werden, um genau da rein zu gehen, wo das nächste Amateurorchester nach Kleingeld jammert.
Heute gab es ein besonderes Spektakel, als eine alte Dame, die wohl in der Kreidezeit schon ungefähr 60 Jahre alt war, mit einem Tempo von -10 km/h herum lief und unverständliche Sachen nuschelte. Sie erinnerte mich mit ihrem Kopftuch und dem Stock an eine böse Hexe aus dem Märchen. Die fehlenden Zähne trugen ihren Teil besonders dazu bei. Ich dachte erst, das sie Geld sammelte für den Automat- wie ungefähr alle anderen Anwesenden, die sie mit missachtenden Blicken straften – bis ich endlich raffte, dass sie eigentlich nur jemanden bitten wollte, für sie eine Karte zu ziehen. Ich schämte mich ein bisschen, weil ich sie genauso strafend angeblickt hatte. Richtig verstanden hatte ich die Situation nämlich erst, als jemand anderes ihr behilflich wurde.
Aber das ist dann halt Berlin, und was in der U-Bahn passiert, bleibt in der U-Bahn.
Entrüstung, Aufruhr, politische Phrasendrescherei und kleine Amokläufe in den Redaktionen: So oder so ähnlich wollte ich meinen persönlichen Winneden-Spektakel-Tag über mich ergehen lassen, nämlich nur vollgespamt mit hirn- und herzlosen Kommentaren von Schaulustigen und Klugscheissern, die mit ihrer moralischen Schwertspitzen jetzt die jugendliche Szene mit ihren Gewaltfilmen, Gewaltspielen und Gewalattitüden zerreissen möchte.
Herzlichen Glückwunsch. Jetzt redet man über verschärfte Kontrollen an deutschen Schulen, während U.S. Amerikaner sich wohl ein bisschen ins Fäustchen lachen, weil das Ausland sie immer für ihre unkontrollierbaren Kinder kritisiert hat. “Guckt euch erstmal selbst an”, werden sie sagen, “eure Waffengesetze haben euch auch nichts gebracht!”.
Tja, und jetzt gucken die ganzen Rentner und Pseudo-Intellektuellen (inkl. meine Wenigkeit) ohne jegliche Kritik in den Augen solch wahnsinnig aufklärende Sendungen wie “HartaberFair” oder die SternTV EXTRA EXTRA Reportage. Was will die Politik nun tun? Wie kann man den Täter “profilen”? Charakteristiken, Statistiken, Konsequenzen, Wortkotze von verkotzten Menschen.
Statements, die ich gerne korrigieren würde mit anderen Statements (wenn sie nicht von mir sind, dann kenne ich zumindest keine Quellen):
“Gewalttätige Videospiele müssen verboten werden. Natürlich wird nicht jeder, der Counter Strike spielt, zu einem Amokläufer- aber die labilen, schwachen und abgeschotteten Menschen unter denen werden es sein.”
Wenn es keine Spiele wären, wären es die Filme. Oder die Musik. Oder vielleicht auch die Küchenmesserdauerwerbesendung, die mich Tag für Tag daran erinnert, was das hier eigentlich für ein Drecksladen ist.
Wer labil genug ist, um jemanden umzubringen, braucht mit Sicherheit keine Inspiration mehr durch Spiele, weil er sich in die Rolle versetzen kann; der wird nämlich alternativ dazu auch einfach malen, wie er Leute umbringt, oder Cowboy & Indianer spielen, oder Katzen quälen. Aber es war ja bisher immer hilfreich, beim letzten, anstatt beim ersten Dominostein anzufangen.
Und von wegen, Counter Strike verführt zu Gewalttaten: Stellt euch vor, die dicken und hässlichen würden kein Counter Strike spielen! Wie würden die denn ihren Frust abbauen? Wir sollten uns eigentlich dafür bei den Produzenten bedanken! DANKE, Valve, dass ihr den Jungs virtuelle Knarren in die Hand drückt, um dem Großteil der abgesonderten und labilen Typen wenigstens im Internet ein zu Hause zu geben!
“Amokläufe passieren nur in Nordeuropa und Nordamerika, sonst nirgendwo. Das liegt daran, dass die Südmenschen (!!) ihre Emotionen rauslassen können, während wir darauf getrimmt werden, dies nicht zu tun.”
Genau. Südmenschen sprengen ja auch keine Häuser in die Luft, oder töten sich einfach TÄGLICH auf der Straße. Woran das liegen könnte? Gesellschaftliche Zustände. Oder politische (siehe Afrika?). Könnte sowas hier auch der Fall sein? Empörter Aufschrei! Niemals! Wir sind doch zivilisiert. Man beachte bitte nicht die zunehmende Individualisierung (ja, das konnte es unter Hitler noch nicht geben, weil es auch keine Außenseiter gab. Und wenn doch, dann gab es die jedenfalls bald nicht mehr).
Entschuldigung, wo haben diese Typen ihre Informationen her? Aus dem Erfurter “oh wir sind so schockiert” Müll, der seit 2003 noch aufbewahrt wird? Vielleicht liegt es an dieser ganzen Medienaufpeitscherei, dass hier weiterhin Amokläufe stattfinden. Klar haben sich die Täter an Vorbildern á la Columbine orientiert, oder an Erfurt, oder den zig anderen Amokläufen. Haben sich das angeguckt, haben sich irgendwie Waffen besorgt, und sind zu genau dem gleichen traurigen Ruhm aufgestiegen- sind ein Mysterium für die Ewigkeit geworden, die Hall of Fame der unverstandenen Generation. Unser Kandidat dieses Jahr hat sich das ganze auch noch zum Spaß gemacht und sich seine eigene Real-Life-Map erstellt (wo wir wieder bei Videospielen wären)- ist durch die ganze Stadt gerannt, hat Leute abgemetzelt als wäre es ein einziges Abenteuer, und dachte sich bestimmt: “Ich knack den Rekord, ich hau mehr um!”.
Falsche Idole, die wir erschaffen haben. Wie wäre es denn, wenn man von einem Amoklauf berichtet, ohne den Namen des Täters zu nennen, ohne ihn zu charaktersieren. Ohne übertriebene Berichterstattungen? Ohne dieses ganze “WARUM?” (übrigens mit ziemlicher Sicherheit ein Relikt aus Journalistenspässchen, diese ganzen Zettel und Kerzchen am Tatort- wer zur Hölle ist davon denn so unbetroffen, dass er da eiskalt einfach Stunden damit verbringt, ein Blutbad zu dekorieren?), ohne die Schreie, die Nacherzählungen und das Echo, das jedes VERDAMMTE Mal folgt.
Ich sage nicht, dass es damit vorbei wäre- ja, vielleicht gibt es in Zukunft Drive-By Shootings, oder andersweitig tragische Situationen. Aber letztendlich wäre dieser Ruhm kein Anlass mehr, sich zum Opfer und Täter seiner eigenen Gesellschaft zu degradieren. Dieser Typ, der diese Waffen nahm und damit seine ehemaligen Mitschüler und Lehrer abknallte um dann seinem eigenen Leben ein Ende zu machen- ist jetzt unsterblich geworden. Und dafür sind nur wir selbst verantwortlich zu machen.
Videospiele sind der Sündenbock für die Politik, die augenscheinlich nichts falsch gemacht hat. Die ganzen Hetzer werden jetzt auf “diese verkommene junge Kultur” blicken und sich fragen, was eigentlich in unseren (ja, in UNSEREN, immerhin gehöre ich auch noch in die Reihe verdorbener Jugendlicher) Köpfen vorgeht, was schief geht.
Ich weiß es nicht. Aber ich will es mir auch gar nicht anmaßen, irgendwelche Interpretationen rauszuhauen. Letztendlich kann das auf so viele Dinge zurückführen, die wir alle nicht verstehen können. Aber wenn wir es schon zulassen, dass so viel darüber geredet wird, dann müssen wir es uns auch eingestehen, dass jeder genau das bekommen hat, was er wollte.
Es ist nun endlich so weit: vor lauter Arbeit bin ich seit zwei Wochen nicht mehr dazu gekommen, mein Zimmer aufzuräumen, staubzusaugen oder gar meine Wäsche zu waschen. Als Resultat muss ich schon seit fast 10 Stunden in meinem pinken, gefälschten Ed Hardy T-Shirt mit Glitzersteinchen rumrennen, dass ich mir mal aus der Türkei habe mitbringen lassen, weil ich dachte dass auch Putzutensilien ein Recht auf Farbe haben.
Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber: Arbeit macht mir Spaß. Ich wünschte, ich könnte den ganzen Tag arbeiten! Toilettenpausen und Essen zwischendurch sollte effektiv bestraft werden, jawohl!
Ernsthaft? Ich liebe es. Erstens gammel ich nicht mehr so viel in gefährlichen Gegenden rum. Zweitens ist das der erste Bürojob, den ich mir ernsthaft mein ganzes Leben lang vorstellen könnte. Ich meine, ich hatte noch nie einen Job, den man wirklich als Job bezeichnen konnte (arbeiten in der Videothek war ja eher mit Leuten quatschen, Dinge tun, die man sowieso getan hätte (nur dass man nichts mehr dafür bezahlt hat und zusätzlich noch Lohn bekam), und Ketterauchen, was zu Hause nicht ging). Meine Angst, in einem total verspießten nine-to-five Job zu enden waren unbegründet; stattdessen bin ich in der geschlossenen Anstalt gelandet, die mich freiwillig nicht mehr ausspuckt (außer ich verkaufe meine Seele oder sowas).
Es ist großartig. Klar, von Berlin sehe ich nichts mehr, aber immerhin weiß ich schon mal, in welche Richtung ich später in meinem Leben gehen möchte. Public Relations, Kommunikation, etc.- alles ein Arschloch. Aber umso hartnäckiger ist man doch, wenn’s nicht so leicht ist. FRISS DAS, VIDEOTHEK! (Wobei ich das ja eigentlich nicht sagen darf, ich vermisse es immerhin, kostenlos Filme auszuleihen und hässliche Kunden zu beleidigen).
So. Außerdem kann ich auf diesem Wege wichtige Pressekontakte für die Zukunft sammeln- wenn ich dann mal irgendwas preisverdächtiges erfinde (“Revolution: Mann ohne Vorhaut gezüchtet!”). Wer sich in meine Liste der großartigsten Menschen einordnen will, sollte sich bitte bei mir melden (das ist übrigens eine ernstgemeinte Anfrage. Wer ein VIP der Medien ist, bitte UMGEHEND bei mir melden).
Ich war mit fünfzehn jungen Jahren mal in einem üblen Schuppen, wo ich das erste Mal etwas vom Genre “Indietronix” hörte und mich der rockig-punkigen Stimmung auf tanzbarem Hintergrund hingab. Trotz des Schweißes, trotz des Gestanks (wobei damals kein Rauchverbot herrschte und es deshalb angenehm genug war), trotz der rumspringenden Menschen (wer wusste mit 15 schon, wie getanzt wird?), trotz der Bierfahnen und der Tränen in den Augen vor Extase.
Wir hatten keine Kameras, wir sahen alle scheisse aus in zerfledderten Jeans und Pullovern, wir waren bei weitem nicht die Ältesten und bei weitem nicht die Jüngsten, wir haben nur Bier getrunken weil es nichts anderes gab, unsere Jacken lagen irgendwo in der Ecke des Clubs übereinandergestapelt weil Gaderoben überbewertet wurden, gepinkelt wurde hinterm Busch, acht Stunden später gekotzt und irgendwann torkelte man dann mit zitterenden Händen nach Hause. DJ’s gabs damals irgendwie auch nicht.
Ich war vor einigen Tagen in einem “Club” in Friedrichshain der in etwa genau das aussagen wollte, was ich vor Jahren selber gespürt hatte- nur leider nicht konnte. Und obwohl ich heute solche Musik nicht zum Tanzen sondern zum Autofahren bevorzuge und die Location alles andere als praktikabel für meinen geradegeschnittenen Pony ist, fand ich es trotzdem gut, weil ich mit meinen wunderbaren Freunden da war und Spaß haben durfte. Aber irgendwas war anders. Ich habe mich beobachtet gefühlt, als hätte ich mein Leben bei HotOrNot.com abgegeben und darauf gewartet, von Gleichgesinnten bewertet zu werden. Frei nach dem Motto: Wer kann am besten wild, dreckig und beschissen aussehen? Ja, klar- eine Beobachtung aus dem Augenwinkel, ein hintergründiger Gedanke ohne tatsächliche Bedeutung, wenn da nicht dieser Artikel gewesen wäre.
Ich hatte meinen Spaß im Club, aber ich habe vor einigen Tagen einen Artikel gelesen (danke an R.), der das ganze wieder auf den Boden der Tatsachen brachte. Der Tod der westlichen Kultur- der Hipster-Zombie. Und jetzt fiel es mir auf: Es reihte sich eine Röhre neben der nächsten, eine 70er Jahre Brille nach der anderen, in Reihenfolge wurde jeder gegen die Wand abgelichtet, sie sahen gleich aus aber anders, unterhielten sich über “The Indie Shit of the Month”, über die neuesten Insider Trends in Sachen Berliner Boutiquen, über Sushi über American Apparell über Vice über Apathie über Electro über neue Hi-Tops über Anti-Frisuren über KOTZ.
Mir war das vorher nicht bewusst. Mir war nicht bewusst, dass diese Welle des ätzendsten Trends aller Zeiten jetzt auch Deutschland erreicht hat. Ja, in den USA gibt es sowas- in den USA nennt es sich “White Trash Movement”, jedenfalls betitel ich es als genau das- in den USA gibt es sowieso alles im Überfluss. Von mir aus auch in der Neo-Hippie Hochburg Barcelona, maybe in Paris, wo man das neue Elektro erfand. Aber jetzt ist das Fotografieren mit der analogen Kamera eben doch nicht mehr so einfach wie noch vor einigen Wochen, nicht mehr so belanglos, nebensächlich- meine analoge Kamera hat eine exorbitante Bedeutung, für die ich mich im Prinzip rechtfertigen müsste.
“Ich bin kein Hipster”, würde ich gerne sagen, aber wenn man mich so gesehen hätte, in diesem Schuppen- Leggings, langes Oberteil, Red Bull in der Hand, scheiss Pony mit dem ich aussehe wie eine Trompete, High-Tops, Lederjacke. Dann die analoge Kamera in der Tasche, der ausgeleierte Techno-Tanzstil der überhaupt nicht geht und das disaströse Mitgröhl-Fieber, dass einen eben bei Indie-Musik packt. Die Fluppe im Maul, diese hemmungslose Apathie, wenn es sowas gibt.
Ich bin zerstört, innerlich, weil ich der Überzeugung bin, dass ich so Aussehe, wie ich eben aussehen will- weil es mir steht oder eben auch nicht. Ich weiß, dass ich High Tops auch früher gut fand und früher auch welche hatte- aber hatte ich so viele Paare? Ich weiß, ich habe Röhrenjeans gehasst, jetzt hab ich drei, plus ungefähr zweiundachtzig Leggings. Ja, der iPod war auch schon vor 4 Jahren da, die Lederjacke auch– aber die analoge Kamera nicht, und der pinke Nagellack auch nicht, und die gerafften Kleidchen auch nicht.
Ein 360° Blick sagt aber alles- war es bei ihnen vielleicht nicht genauso? Ich verurteile keine Trends, nur Leute, die ihnen blind und ohne Ansporn hinterherrennen. Wenn Leute nicht raffen, warum es den Trend gibt, wie er entstand, sondern einfach meinen: Hey das sieht gut aus so bin ich jetzt auch. Okay, fand ich ätzend, und ich bin immer der Meinung gewesen, ich müsste ihnen einfach nur nicht folgen. In Retroperspektive betrachtet habe ich mir meistens das Beste rausgenommen und es für mich verwertet. Diesmal ist es anders. Diesmals passe ich so perfekt in dieses Bild rein. Diesmal muss ich mir die Frage stellen: Bin ich so, weil ich so bin, oder bin ich so, weil ich so wurde?
Da streife ich in meiner Überheblichkeit also monatelang durch das Gefilde der Hipster und verurteile sie gleichermaßen ohne einen Moment stehen zu bleiben und darüber nachzudenken, ob das, was ich tue, nicht schon wieder einfach fremdbestimmt ist.
Habe ich ein Problem damit, dass ich (schon wieder) zu einer Masse gehöre, die blind irgendwelchen hedonistischen Prinzipien verfolgt ohne jegliche essentielle Motivation? Ich glaube nicht. Ich glaube, ich fühle mich sogar eher wohl, wenn andere so sind wie ich oder ich mich dazugehörig fühlen kann. Das mag man verurteilen, wie man will, ich brauche nicht anders zu sein, weil ich das schon mal hatte und mich darin scheisse fühle. Mein Problem ist, dass der Sinn dahinter nicht besteht, dass ich keiner Gruppierung zugehöre, die Iros auf dem Kopf trägt als Symbol für eine Bewegung- politisch, musikalisch, naturwissenschaftlich, scheisse. Ich glaube, ich gehöre einer Gruppe von Menschen an, die sich in Stil- und Stillosigkeit verirrt. Ich gehöre zur Null-Kultur. Ich gehöre in die ganzen pseudo-ranzigen Clubs, die eine hammerharte Techno Line-Up haben. Ich gehöre auf ein MGMT Konzert, ich gehöre in die MySpace/Facebook “Ich zähle meine Freunde” Gruppe, und wenn man mich sieht, dann fragt man sich am liebsten: Scheisse, wo hat die eigentlich diese geilen Schuhe her?
Leider ist das hier nicht Fight Club, das ist nicht etwas, dass man ausspucken und bekämpfen und verachten und ignorieren kann. Das hier ist nichts mehr, von dem ich mich distanzieren und belächeln kann. Ich gehöre jetzt da rein, gewollt oder ungewollt, und muss sich mit einer grundlegenden Frage rumschlagen: Wo bin ich gelandet?
Vielleicht wäre aber eine andere Frage viel wichtiger: Warum störe ich mich so sehr daran? Es stört mich doch auch nicht wenn ich die Brandenburgkarrieren sehe- die Jacquelines mit den weißen Stiefeln und der Solariumbräune und den Machofreunden und dem aufgesetzten IschNixDeutsch und die blondieren schwarzen Haare mit Ansatz und Extensions und Oberlippenpiercings. Nicht unbedingt meine persönliche Augenweide, aber ich kann sie hinnehmen, akzeptieren, tolerieren und in manchen Fällen sogar ganz gut damit klarkommen, habe Freunde, die so sind, ohne sie zu verurteilen. “Die sind halt so”, und ich glaube es ihnen auch.
Wenn ich aber jemanden sehe, der Creolen trägt, American Apparel XS Kleidchen auf lila Leggings mit Nike High Tops, Kippen aus dem Softpack in der Hand hält und Blümchenmusterfahrrad fährt, dann möchte ich aufschreien und kotze ein bisschen vor mich ihn. Ich will hingehen und sie am Kragen packen und fragen, warum sie so aussehen, warum sie das cool finden, warum ICH das cool finde, warum die nichts mehr auf die Reihe kriegen, warum ich nichts mehr hinbekomme, warum das jetzt auf einmal In ist, so zu sein–
Ich passe da so wunderbar rein, in dieses Bild, und ich wüsste einfach so gerne, wieso. Das ist alles.