Die meisten Fragen, warum ich mir das antue. Warum die Zickereien, warum die Allüren, warum diese stressigen Situationen, die mich manchmal sehr sichtlich verletzt, gedemütigt, geschlagen und zerbrochen zurücklassen. Wieso ich mir diese Mühe gebe, wieso ich soviel aufopfere, warum da eigentlich nie etwas zurück kommt und wenn doch, eher aus Verpflichtung und gefüllt mit Halbherzigkeit.
Ich hab mich das noch nie gefragt. Für mich war zwar nicht von Beginn an klar, was auf mich zukommt- und ja, sehr oft hatte ich mir gewünscht, dass es irgendwie aufhört, dass ich mich losreissen kann, dass es zerbricht - aber es war, irgendwie, schon immer eine so große Selbstverständlichkeit da, ja, eine gewisse Perfektion in dieser Beziehung, dass es mir nichts ausgemacht hat. Und ja, ja! Ich habe mich schon oft genug in den Körper eines 150 Kilo Muckimann gewünscht, einfach nur, damit mal Schicht im Schacht ist, aber es war okay. Es war okay, und es hat sich gelohnt, immer wieder, dann manchmal ist das, was zurückkommt, unsichtbar für alle anderen da draußen, die es nicht verstehen.
Manchmal, wie heute, wenn man 20 Minuten lang einfach nur nebeneinandersitzt, die Arme aus dem Autofenster heraus, den Wind durch die Finger spürt, und man gemeinsam etwas teilt, was so viel unendlicher ist als bloße Worte oder Taten; ungreifbar, tief unten, und das ist definitiv nicht eingebildet, das ist die Gewissheit, dass es Liebe gibt, die keinem Bilderbuch entspricht, von der nicht in der Bibel steht, sondern Liebe zwischen zwei Augenblicken, in denen man gleichzeitig Lachen muss und der Zukunft hinterhertrauert, weil man weiß, dass man spätestens “irgendwann” nicht mehr zusammen sein kann, aber wenn doch, dass man den größten Spaß seines Lebens haben wird, dass man nie alleine ist, selbst wenn man sich danach sehnt, alleine zu sein, dass man nicht reden muss, weil man anders kommunziert, und dass man sich eine reinhauen kann, einfach nur als Absicherung, als Garantie dafür, dass sie tatsächlich existiert, diese andere Person, die einen nicht verurteilt, die einem nichts übel nimmt, die einen versteht, die einfach für immer zumindest irgendwie da ist, jemand, der einen verändert hat, jemand, der niemals vergessen ist.
Das alles ist so viel größer als die materiellen Verluste, die kleinen Opfer, die nächtlichen Anrufe, der Stress, der dabei entsteht, weil man selbst eben anders gestrickt ist, und die Enttäuschung, wenn der andere nicht ganz genauso reagiert, wie man es selbst machen würde. Das, das ist genug, und das ist der Grund, warum ich niemals meine großartigen Taten in Sachen Hilfe und Beistand an ihrem Charakter bemessen würde. Zu wissen, dass ich niemals Probleme haben werde, zu lachen. Zu wissen, dass jemand da ist, der mir gerne auch den Kopf wäscht wenn ich Scheisse baue, ohne Blatt vor dem Mund. Zu wissen, dass es jemanden gibt, der mich niemals belügen würde, egal, wie weh es tut. Zu wissen, dass diese Liebe beidseitig ist- das ist schon genug, und es funktioniert nur, weil ich genauso bin, wie ich bin. Das hat nichts mit Wert zu tun, nichts mit dem, was man verdient hat oder was nicht. Das hat etwas damit zu tun, dass ich gar nicht mehr oder weniger will.
Es ist, auf eine ganz perverse, unkonventionelle Art und Weise, die beste Freundschaft, die ich mir vorstellen kann, und was ich ihr gebe, sei es materiell oder mental, ist nicht in geringsterweise lobenswerter als das, was sie mit ihrer puren Existenz wett macht.
Das ist es, das war’s. Ich erwarte nicht, dass das jemand versteht, und ich erwarte auch nicht, dass alle jetzt aufhören, mich deshalb zu löchern. Es ist einfach so, und keiner muss es nachvollziehen. Es reicht, wenn ich es weiß. Diese Gewissheit ist alles, es ist das, was mich momentan sehr glücklich macht, denn selbst wenn ich es niemals wirklich verstehen kann, weiß ich zumindest, woher dieses Glück kommt, zumindest habe ich die Einsicht abgewartet, bevor ich etwas so wertvolles weggeschmissen habe. Es ist keine Illusion. Das sind wir beide. Wir sind kein Team. Wir sind nur zwei seltsame Figuren irgendwo auf einem schlecht gemalten Bild, aber wir sind zusammen auf diesem Bild drauf, und so lange das so ist, trage ich immer ein Lächeln in meinem Kopf mit mir herum.